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Buchcover Rainer Wekwerth: Das Labyrinth jagt dich

Rezension von Verena Göpfrich

Fünf Jugendliche haben die Durchquerung zweier Welten überstanden, aber die Zeit läuft weiter gegen sie. Wer sie sind, wie sie in das Labyrinth gekommen sind und vor allem warum, bleibt weiter ein Geheimnis. León, Jeb, Jenna, Mary und Mischa wissen nur, dass sie kämpfen müssen: gegen die dunklen Erinnerungen an ihre Vergangenheit, gegen die Gefahren der Welten, in die sie durch die Tore gelangen, gegen ihre eigenen Ängste, Gefühle und Albträume, die sie verfolgen, und auch gegeneinander...

BuchtitelDas Labyrinth jagt dich
AutorRainer Wekwerth
GenreKrimi & Thrill
Fantasy
Lesealter14+
Umfang352 Seiten
Edition2013
VerlagArena
ISBN978-3-401-06789-6
Preis16,99 €

Fünf Jugendliche haben die Durchquerung zweier Welten überstanden, aber die Zeit läuft weiter gegen sie. Wer sie sind, wie sie in das Labyrinth gekommen sind und vor allem warum, bleibt weiter ein Geheimnis. León, Jeb, Jenna, Mary und Mischa wissen nur, dass sie kämpfen müssen: gegen die dunklen Erinnerungen an ihre Vergangenheit, gegen die Gefahren der Welten, in die sie durch die Tore gelangen, gegen ihre eigenen Ängste, Gefühle und Albträume, die sie verfolgen, und auch gegeneinander. Schließlich gibt es in jeder Welt ein Tor weniger und einer von ihnen wird zurückbleiben. Doch die Gefahren und Herausforderungen haben sie zusammengeschweißt, manche von ihnen verbindet viel mehr als nur eine Freundschaft, es haben sich Gefühle entwickelt und gerade diese sind die größte Gefahr. Wem in der Gruppe kann man vertrauen, wer wartet nur auf eine Gelegenheit, die anderen loszuwerden, um sich ein Tor – und damit das Überleben – zu sichern? Wer scheitert an den Erinnerungen an sein altes Leben? Jeder von ihnen ist bereit mit allen Mitteln zu kämpfen, doch wer würde sich für seine große Liebe opfern?

„»Halt an«, zischte León. Jeb blieb stehen. »Was ist?«, zischte er. »Leise!«
Alle lauschten. Ja, es war eindeutig. Schritte waren zu hören. Ein unterdrückter Fluch. Jemand folgte ihnen. Die Echos rasten die Wand entlang, erreichten sie und pflanzten sich in den Tunneln fort. Plötzlich schienen die Schritte von allen Seiten zu kommen. Sie mussten weg, sofort. »Was jetzt?«, fragte Jeb. »Weiter …«
»Nein, warte«, unterbrach ihn Jenna. »Hört ihr das nicht? Da ist noch etwas anderes.« Sie schwiegen. Jeb schaltete die Taschenlampe aus. Da hörten sie es. Es war wie ein Flüstern, ein Raunen. Stimmen aus der Vergangenheit. Eine kalte Hand fasste nach Jebs Herz. Sie waren zurück. Die Seelentrinker waren wieder da.

León fluchte. Er hörte das Wispern ihrer Verfolger aus der Steppe. Dieses Geräusch, das einem den Nacken hochkroch und sich direkt in die Seele fraß. Sie waren hier. Nun wurden sie nicht nur von den Muerte negra gejagt. Nein, dieser Feind war erbarmungsloser, denn er war nicht menschlich, so weit war sich León sicher. Der Gedanke, dass die Seelentrinker sie wieder aufgespürt hatten, erschütterte ihn.

Wie kann das sein? Wir haben sie in der ersten Welt zurückgelassen. Es gab keine Tore, die sie hätten benutzen können.
Und dennoch waren sie hier. Wie Geister an einem Ort aufgetaucht, an dem es schwer war, vor ihnen zu fliehen. Das alles war viel schlimmer, als von einer Kugel niedergestreckt zu werden. Denn die Seelentrinker, so hatte Mary sie genannt, konnten bis tief in ihr Innerstes blicken. Die Seelentrinker kannten sie. Ihre Ängste.
Und nun waren sie endgültig zu ihnen zurückgekehrt.“ (S. 276f)

Spannend und rätselhaft ist Das Labyrinth jagt dich, der zweite Teil der Labyrinth-Trilogie von Rainer Wekwerth. Noch müssen wir dem dritten Teil entgegenfiebern, der für den Sommer 2014 angekündigt ist, auch wenn das Warten nach den ersten zwei Teilen fast unerträglich erscheint.

Im Zentrum der Geschichte stehen fünf Jugendliche (ehemals waren es noch sieben), die um ihr Überleben kämpfen. Aufgewacht ohne Erinnerungen an ihr früheres Leben oder daran, was ihnen geschehen ist, wissen sie nur, dass sie verschiedene Welten zu durchkämpfen haben und einem Stern folgen müssen, der sie zu den Toren einer neuen Welt führt. Der Haken daran ist, dass die Anzahl der Tore nicht ausreicht und immer einer von ihnen zurückbleiben muss.

Diese Ausnahmesituation bringt bei jedem von den Jugendlichen nicht nur die guten Seiten zum Vorschein – die Grenzerfahrung mündet in Gewalt und extremen Reaktionen. Anders lässt es sich nicht erklären, dass plötzlich die Bereitschaft zum Kampf auf Leben und Tod, Verrat und sogar Mord bei den fünf Protagonisten vorhanden ist. Und so wird man auch beim Lesen damit konfrontiert, was es bedeutet, um sein Leben kämpfen zu müssen. Wie weit würde man selbst gehen? Wäre man tapfer genug, um solche Gefahren zu überstehen? Würde man die Gruppe unterstützen oder sich lieber alleine durchschlagen? Und was passiert, wenn derjenige, der eigentlich dein Freund ist, im Angesicht eines letzten freien Tores zu deinem größten Feind wird?

Interessant ist hierbei auch, wie sich Machtgefüge innerhalb einer Gruppe entwickelt, da fast automatisch eine Hierarchie entsteht. Es braucht anscheinend stets einen Anführer, um voran zu kommen, aber auch verschiedene weitere Rollen müssen ausgefüllt werden, um Stabilität zu gewährleisten. Da solche Muster jugendlichen und auch erwachsenen Lesern in ihrer eigenen Lebenswelt oft begegnen, egal ob in der Familie, der Schule, bei der Arbeit oder im Freundeskreis, finden sich viele Identifikationsmöglichkeiten.

Der Umfang des Buches überschreitet wohl die Möglichkeiten eines ungeübten Lesers, aber die einfache Sprache, die kurzen Sätze und die Kapiteleinteilung stellen dennoch keine riesige Herausforderung dar. Die Altersempfehlung ab 14 Jahren sollte als Untergrenze verstanden werden, da seelische und körperliche Gewalt, aber auch Sexualität sowie sexueller Missbrauch teilweise drastisch thematisiert und dargestellt werden.

Das Labyrinth jagt dich ist ein sehr spannender und gelungener Jugendbuch-Thriller, der manchmal nah an der Grenze zum Fantasy-Roman liegt. Gerade die Mischung beider Genres wirkt hierbei allerdings besonders anziehend.