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Buchempfehlungen

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Buchcover Roddy Doyle: Rover rettet Weihnachten

Rezension von Svenja Kehl

Spaß und Spannung vor Weihnachten – dieses lustige und lustig illustrierte Buch steckt voller schräger Einfälle. Der Weihnachtsmann ist in heller Aufregung, weil sein Rentier Rudolf  verschnupft ist und keine Lust hat, Geschenke auszutragen. Und nichts Geringeres steht auf dem Spiel als das gesamte Weihnachtsfest! Gut, dass Jimmy, Robbie, Kayla und Victoria zur Hilfe eilen und mit ihnen der supercoole Hund Rover.

BuchtitelRover rettet Weihnachten
AutorRoddy Doyle (aus dem Englischen übersetzt von Andreas Steinhöfel)
GenreHumor & Comedy
Comedy
Lesealter8+
Umfang155 Seiten
Edition1. Auflage 2002
VerlagOmnibus
ISBN3-570-12721-4
Preis12 €

Der Weihnachtsmann ist verzweifelt: Rudolf, sein treues Rentier, das jedes Jahr den Geschenkeschlitten zieht, ist krank! Der schlaue Hund Rover und seine Freunde Jimmy, Robbie, Kayla und Victoria müssen einspringen und helfen, die Geschenke mit dem magischen Weihnachtsschlitten zu verteilen. Denn Weihnachten steht schließlich auf dem Spiel.

Die Geschichte spielt einen Tag vor dem Weihnachtsfest in Dublin. Weihnachten steht vor der Tür. Der Weihnachtsmann kann es nicht fassen: Ausgerechnet jetzt wird Rudolf, sein treues Rentier mit der roten Nase, krank.

Als Ersatz kommt nur der Hund Rover in Frage. Denn Rover ist schließlich nicht irgendein Hund. Schon in dem Vorgänger-Band „Das große Giggler-Geheimnis“ hat er seine außergewöhnlichen Fähigkeiten unter Beweis gestellt.

Mit Hilfe der Mack- Kinder und zweier Eidechsen müssen Rover und der Weihnachtsmann es schaffen, alle Geschenke vor Sonnenaufgang zu verteilen. Schaffen sie dies nicht, werden die Kinder nicht mehr an den Weihnachtsmann glauben und der magische Weihnachtsschlitten wird im nächsten Jahr nicht mehr fliegen und so keine Geschenke mehr verteilen können.

So macht sich der Trupp auf, besucht jedes Land der Welt und klettert in viele Schornsteine. Erschwert wird ihr Vorhaben durch rutschige Dächer, schmale Schornsteine, einen orientierungslosen Weihnachtsmann und bewaffnete Flamingos. 

Jetzt, wo Wolken das Land unter ihnen verbargen, waren diese Sterne ihre Karte. Sie sahen sich nach Konstellationen um.

Sie sahen sie alle im selben Moment, die zweitberühmteste Konstellation von allen.
„Der Affenbobbes“, sagte Robbie. Dreiundvierzig glücklich glänzende Sterne. Vierundzwanzig bildeten den Hintern, aus den übrigen neunzehn bestand die Unterhose.
Und der Affenbobbes wies ihnen den Weg nach Neuseeland.
Wie denn das? Der Trick funktioniert so: Man musste zehn Sekunden lang genau hinsehen, ohne zu blinzeln. Man durfte sich nicht bewegen.
Alle sahen hin.
Für zehn Sekunden.
Zehn.
La-ange Sekunden.
Und dann tat er es. Der Affenbobbes wackelte und vollführte einen kleinen Tanz.
Dann hielt er still und wies den Weg.
Und schon flogen sie weiter.
„Folgt diesem Hintern!“

Das Buch beginnt mit einem Kapitel, das, wie sich schnell herausstellt, gar nichts mit dem Rest der Geschichte zu tun hat. Dies ist eine gute Einstimmung auf die eigentliche Geschichte, denn „Rover rettet Weihnachten“ ist kein Buch, wie man es sonst kennt. Auf Ernsthaftigkeit, Realitätstreue und Normen wird hier nicht viel Wert gelegt. Es gibt nicht nur einen hilflosen Weihnachtsmann ohne Orientierungssinn, der sein Rentier anbetteln muss, die Geschenke auszutragen, weil dieses gerade in einer Midlifecrisis steckt, sondern auch Eltern, Tiere und Kinder scheinen verrückt zu spielen. Die weibliche Eidechse dürstet nach Diätwasser, Kleinkinder können zwar noch nicht reden, segeln dafür jedoch mit selbstgebauten Fallschirmen aus dem Fenster und Mütter üben Bungeejumping auf dem Dachboden.

Den Höhepunkt des Ganzen bildet der Hund Rover, der schon in „Das große Giggler-Geheimnis“ mit seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten glänzte. Rover kann nicht nur sprechen und hat Menschenkinder als Freunde; er ist so schlau, dass er seine Hundehaufen an die Giggler verkauft. Diese legen sie dann auf Gehwegen aus, damit Erwachsene hineintreten, die fies zu ihren Kindern waren.

Rover ist der Held der Geschichte. Er beeindruckt mit seiner Gelassenheit, Bequemlichkeit und seinem Einfallsreichtum. Besonders in schwierigen Situationen behält er einen kühlen Kopf und hat immer einen witzigen Spruch auf den Lippen. Nur schöne Hundefrauen scheinen ihn schwach werden zu lassen.

Aber auch seine Freunde, die Kinder aus der Nachbarschaft, wachsen dem jugendlichen Leser schnell ans Herz. Die heimlichen Helden der Geschichte sind jedoch  die beiden Kleinkinder der Truppe: Kayla und Victoria. Sie glänzen mit ihrer eigenen Sprache und Kühnheit, die man von Eineinhalbjährigen nicht erwartet.

„Rover rettet Weihnachten“ bedient die unterschiedlichsten Arten von Komik. Die Geschichte bietet den Lesern an vielen Stellen Situationskomik, die durch das Einfügen von witzigen Illustrationen verstärkt wird, z.B. bei der Suche nach dem richtigen Weg mit dem magischen Weihnachtsschlitten.

Doyles Komik  ist  vor allem  bei Kindern sehr beliebt. Die Geschichte lebt von Kontextbrüchen und von Komik auf der Handlungsebene: Kleinkinder haben die besten Einfälle, z.B. sich mit Bungeeseilen in Schornsteine abzuseilen, Opas Gebiss wird auf dem Autodach festgeklebt, damit er es nicht verliert und der Hund Rover vertritt das Leitrentier am Weihnachtsschlitten.

 Sprachkomik und Wortspielereien findet man fast auf jeder Seite. Auch bedient sich Doyle der Groteske, z.B. wenn von Rovers altem Läufer nichts mehr übrig ist als sein widerlicher Gestank. Darüber hinaus verbindet sich Sprachkomik häufig mit Nonsense z.B. im wandelnden Köttelklumpen.

Die Kinder Jimmy und Robbie freuen sich das ganze Jahr schon auf das Weihnachtsfest, und zwar so sehr, dass sie sich Weihnachten bei ihrer Mutter zum Frühstück bestellen und auf die Frage, welches denn die Hauptstadt von Frankreich sei, auch mit Weihnachten antworten. Diese Feinheiten tragen zwar nichts zum Verlauf der eigentlichen Geschichte bei, machen aber mit ihrem Ideenreichtum und ihrer Liebe zum Detail den eigentlichen Humor des Buches aus.

Die Kapitel sind mit bis zu sieben Seiten Umfang sehr überschaubar. Durch die große Schrift ist das Buch auch für weniger erfahrene Leser gut zu lesen. Vom Satzbau her ist der Text recht einfach und verständlich geschrieben. Darüber hinaus gibt es viele Absätze und es wurde sogar daran gedacht, jeder Seite einen Rahmen zu verpassen, was die Leserlichkeit noch verstärkt.

 Im hinteren Teil des Buches findet sich ein Glossar, das schwierige und unbekannte Ausdrücke erklärt, sowie eine Bibliografie mit ausgedachten Hunde-Büchern (erschienen im Hundehaufenfachverlag oder Jagdhund Verlag).

Die Abenteuer von Rover und seinen Freunden werden von einem allwissenden Erzähler geschildert, der auch mal gerne in eigener Sache das Wort ergreift und Fragen an die kleinen Leser richtet. Durch diese Unterbrechungen und durch witzige Einwürfe von zuhörenden Kindern wird das Buch nie langweilig. Es kann auch passieren, dass die Leser in ein später folgendes Kapitel geschickt werden, damit sie einem Rätsel auf die Spur kommen. Unterbrochen wird die Geschichte überdies durch eigentlich sehr unnütze „Nützliche Informationen“ (z.B. „Nasu ist das finnische Wort für Ferkel“) und durch Werbung für Zahnpasta, welche in einem übersteigerten Wettbewerb zwischen zwei konkurrierenden Zahnpastamarken gipfelt.

Darüber hinaus bieten die zum Teil sogar extrem kurzen Kapitel (bestehend aus nur zwei Sätzen) und die auf den meisten Seiten zu findenden Karikaturen auch die notwendigen Pausen für die jungen Leser.

Brian Ajhahr hat  Rover und seine Helfer so witzig durch seine Zeichnungen zum Leben erweckt, wie Roddy Doyle sie beschreibt: dicke Bäuche, lange Bärte, verzogene Mundwinkel, winkende Kakteen und wackelnde Affenhintern sind nur ein kleiner Teil von dem, was man auf den Bildern zu finden vermag. Sie machen einen großen Teil der Komik aus, die „Rover rettet Weihnachten“ bietet. Bei genauerem Hinsehen oder beim zweiten Lesen fallen einem immer wieder neue originelle Feinheiten auf, die man beim flüchtigen Überfliegen gar nicht zu fassen vermag.

Ajhahr hat es geschafft, die witzigsten Momente des Buches aufzuspüren, z.B. die an einem Bungee-Seil von der Decke baumelnde Mutter, das schmollende Rentier Rudolf oder den vom Baumstamm fallenden Weihnachtsmann. Mit seinen Karikaturen beweist er eine kreative Phantasie und  humorvollen Einfallsreichtum, die den Text wunderbar ergänzen.

Beim Ende des Buches konnte Doyle sich wohl nicht so ganz entscheiden: es gibt nicht nur ein Ende, sondern gleich sieben verschiedene, eines absurder und amüsanter als das andere. Eingeleitet werden die Enden z.B. mit: „Wenn ihr dieses Ende etwas kitschig fandet, habt ihr hier ein anderes“ oder „wenn Sie ein besorgter Elternteil sind ...“.

Auch das Cover des Buches ist ansprechend gestaltet. Man sieht den Hund Rover mit einer roten Nase und einem Geweih, welche er sich anscheinend von Rudolf dem Rentier geborgt hat, auf einem Schornstein sitzen. In seinen Pfoten hält er ein Geschenk. Nur die rot-glänzende Schrift erinnert  eher an einen Gruselroman als an eine lustige Weihnachtsgeschichte. Das Cover stimmt den Leser schon mal darauf ein, was ihn im Buch erwartet: Eine Weihnachtsgeschichte, die keine Möglichkeit auslässt, ihre Leser zum Lachen zu bringen.

Die Geschichte verläuft weitgehend chronologisch und wird nur durch die verschiedenen humoristischen Einwürfe (Werbung etc.) unterbrochen. Das Hauptaugenmerk der Erzählung liegt jedoch nicht auf dem Erreichen des eigentlichen Ziels (die Auslieferung der Geschenke), sondern auf den witzigen Abenteuern, die die Freunde auf dem Weg erleben. Trotzdem baut sich eine gewisse Spannung auf, besonders als das Vorhaben durch zu schmale Schornsteine, einen Absturz des Weihnachtschlittens und einen bewaffneten Vogelangriff zu scheitern droht. Das Hauptaugenmerk bei diesem Kinderbuch liegt jedoch auf seinen komischen Momenten.


Fazit: Witziger, kurzweiliger Lesespaß, der mit seiner Nonsense-Komik , seinen kreativen Karikaturen und der  Liebe zum Detail punktet. Geeignet für junge Leser, die keine Lust auf Ernsthaftigkeit und allzu tiefgründiges Schmökern haben. Perfekt für Liebhaber der ‚Rover‘-Reihe und (nicht nur) zur amüsanten Einstimmung auf die Weihnachtstage!