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Buchempfehlungen

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Buchcover Timo Parvela, Bjørn Sortland: Kepler62 - Buch 1: Die Einladung

Rezension von Frank Münschke

Im ersten Band der Graphic Novel „Kepler62“ kämpfen die beiden Brüder Ari und Joni in einer dystopischen Megacity ums Überleben. Ständig ist ihnen die Regierung auf den Fersen, denn Kinder dürfen hier nicht ohne Erwachsene leben. Doch weil sie als erste Menschen das letzte Level eines Computerspiels meistern, haben sie die Möglichkeit, die Stadt zu verlassen und auf einen anderen Planeten zu fliehen. Doch ist das wirklich eine gute Idee? „Kepler62“ überzeugt durch mutige und aktive Figuren, künstlerische Zeichnungen und einen hohen Spannungsfaktor.

BuchtitelKepler62 - Buch 1: Die Einladung
AutorTimo Parvela, Bjørn Sortland
GenreScience Fiction
Comic & Graphic Novel
Lesealter10+
Umfang128
VerlagKOSMOS
ISBN978-3440166123
Preis12,99

„Kepler62“ handelt von den beiden Brüdern Ari (13 Jahre) und Joni (10 Jahre), die in ärmlichen Verhältnissen in einer dystopischen Megacity leben. Ihren Vater haben sie noch nie gesehen, ihre Mutter ist seit geraumer Zeit verschwunden. Die Kinder und Jugendlichen dieser Zukunftswelt verbringen die meiste Zeit damit, das schwierigste Computerspiel aller Zeiten zu spielen: „Kepler62“. Ari und Jon spielen das Spiel gemeinsam und können am Ende das Wesen, das eine Höhle bewacht und noch von keinem Spieler bezwungen wurde, besiegen. Anschließend geschehen seltsame Dinge auf dem Bildschirm und sie sehen auf einer naturbelassenen Wiese zwei Jungs, die ihnen ähneln. Dann wird der Bildschirm schwarz. 
Joni erkrankt kurz darauf an einem Virus und in einem Krankenhaus fliegt auf, dass die beiden Brüder ohne Eltern leben, was von der Regierung nicht geduldet wird. Sie fliehen aus der Einrichtung, allerdings werden sie von zwei Männern eingeholt, die sie in ein Auto setzen. Der freundliche Fahrer Henry bringt sie nach Hause und kümmert sich im Auftrag der Regierung um Ari und Joni, bis ihre Mutter zurück ist. Diese taucht tatsächlich kurz darauf auf, sie verhält sich allerdings merkwürdig – die Brüder sind sich sicher: Sie wurde einer Gehirnwäsche unterzogen.
Ari und Joni starten das Spiel „Kepler62“ erneut und plötzlich wird ein Countdown aktiviert, gleichzeitig piepen alle elektrischen Geräte in der Wohnung. Bei Beendigung des Countdowns klopft es an der Wohnungstür: Ein Kind holt sie ab und bringt sie mit einem Elektroauto in ein Waldgebiet. Von dort startet ein Flugobjekt, das nach einem mehrstündigen Flug in einer riesigen Halle landet: Sie werden von Olivia, einer jungen Frau, die ihnen zuvor bereits bei der Flucht aus dem Krankenhaus half, empfangen. Ari und Joni hoffen, nun in Freiheit leben zu können. Doch am Ende dieses ersten Bandes kommt es zu einem Twist und die Brüder stellen sich die Frage: Handelt es sich alles nur um einen Plan der Regierung?

Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden.

Die beiden Brüder Ari und Joni sind aktive und mutige Figuren, die hohes Identifikationspotential anbieten und die Handlung voranbringen. Auch die Darstellung des Geschwisterverhältnisses überzeugt: Ari und Joni kümmern sich umeinander, unterstützen sich und geben sich emotionalen Halt. Als Leser fiebert man mit ihnen und hat einen ähnlichen Wissenstand wie die beiden. Und auch wenn die Seitenzahl dieses ersten Bandes recht überschaubar ist: Es kommt zu einigen unvorhersehbaren Wendungen und die Spannungskurve ist von Anfang an sehr hoch.

Zudem besticht „Kepler62“ durch die künstlerischen Zeichnungen, die einerseits für eine (meist) bedrohliche Atmosphäre sorgen, andererseits den Handlungsraum nachvollziehbar darstellen, sodass ein Textanteil für das Verständnis gar nicht notwendig ist. Das spricht gerade Jungs an, die eine Affinität zum Visuellen haben. Auch wenn die Zeichnungen teilweise sehr düster sind, sollten diese einen zehn- bis elfjährigen Leser nicht verstören.

Durch die Einbindung des Computerspiels in die Handlung werden viele Kinder/ Jugendliche in ihrer Lebenswirklichkeit abgeholt. Das Besondere an diesem Actionspiel ist, dass die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen, was für einen zusätzlichen Reiz bei der Lektüre sorgt: Der Leser fragt sich immer wieder, was real ist und was nicht. Das ist allerdings jederzeit eingebettet in einen nachvollziehbaren Handlungszusammenhang und dementsprechend auch für junge Leser nicht überfordernd.

Der Umfang ist mit 128 Seiten überschaubar, die Schrift ist groß, zudem finden sich viele Zeichnungen im Buch. Das ist gerade für lesefaule oder leseschwache Kinder und Jugendliche ein großer Vorteil, denn dadurch können schnelle Erfolgserlebnisse verzeichnet werden. Als einziger Kritikpunkt lässt sich anführen: Durch das abrupte Ende möchte man eigentlich direkt weiterlesen und muss zum zweiten Band greifen. Es hätte sich durchaus angeboten, die Inhalte der ersten beiden Bände zusammenzuführen.  

„Kepler62“ ist insgesamt eine fulminante und toll illustrierte Graphic Novel mit überzeugenden Hauptfiguren und bietet sich als Lektüre sowohl für Lesemuffel als auch für geübte Leser sehr an.

„Kepler62“ bietet sich vor allem als Privatlektüre an und die Graphic Novel kann in kurzer Zeit durchgelesen werden. Durch den Cliffhanger am Ende des ersten Teils empfiehlt sich daran angeschlossen die Lektüre des zweite Teils, der bereits auf dem deutschen Markt erhältlich ist und inhaltlich direkt an das erste Buch anschließt.