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Buchcover Jo Simmons: Hilfe, ich habe meinen Bruder im Internet getauscht!

Rezension von Frank Münschke

Es gibt sie tatsächlich: Eine Webseite, auf der man seinen nervigen Bruder gegen einen viel cooleren eintauschen kann. Der 9-jährige Jonny ist von der Idee begeistert, registriert sich und am nächsten Tag ist sein leiblicher Bruder verschwunden – dafür steht ein Ersatzbruder vor der Tür. Doch der ist gar nicht so toll, wie er sich das gewünscht hatte. Doch zum Glück kann er auch diesen wieder eintauschen. Und den nächsten auch... In Jo Simmons` aberwitzigem Roman „Hilfe, ich habe meinen Bruder im Internet getauscht“ verliert Jonny irgendwann den Überblick und muss eine wichtige Entscheidung treffen.

BuchtitelHilfe, ich habe meinen Bruder im Internet getauscht!
AutorJo Simmons
GenreHumor & Comedy
Lesealter10+
Umfang304
VerlagEgmont Schneiderbuch
ISBN978-3505142932
Preis14,00

Der 9-jährige Jonny ist genervt von seinem älteren Bruder Ted, der sich immer wieder über ihn lustig macht. Daher ist es Jonny nur Recht, dass er im Internet auf die Seite www.geschwistertausch.com stößt, dort kann man nämlich seine Geschwister eintauschen. Er registriert sich, gibt seine Wünsche an und zack: Am nächsten Tag ist Ted tatsächlich weg. Dafür steht ein anderer Junge vor der Tür. Allerdings ist Mervyn irgendwie komisch. Zum Glück kann er auch ihn wieder eintauschen. Doch auch der zweite Ersatzbruder entspricht nicht ganz seinen Vorstellungen. Insgesamt sechs neue Brüder bekommt Jonny in den kommenden Tagen geliefert und mit keinem ist er zufrieden: Sei es, weil es sich um gar keine menschlichen Wesen handelt oder weil ein Bruder viel zu süß und engagiert ist. Beim letzten Versuch erhält er sogar einen Doppelgänger, doch auch das stimmt ihn nicht zufrieden, ganz im Gegenteil: Jonny 2 bringt ihn in eine sehr unangenehme Situation.

Jonny möchte daher Ted zurück. Das ist allerdings nicht so einfach. Doch mithilfe seiner Teilzeitbrüder kann er ihn in der Zentrale von www.geschwistertausch.com ausfindig machen und ihn – nach einigen Herausforderungen – befreien. Ted ist natürlich mächtig sauer. Jonny beweist ihm allerdings, dass ihm der Geschwistertausch tatsächlich sehr leidtut und dabei wächst er über sich hinaus.

Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden.

Der neunjährige Jonny ist insgesamt eine positiv besetzte Figur, die im Laufe der Handlung eine Entwicklung durchläuft. Er ist kein Held im klassischen Sinne, aber ein Junge, der sich mit Witz und Charme allerlei Herausforderungen stellt. Seine Gedanken, Empfindungen und Hoffnungen werden durch die Erzählweise in der Ich-Perspektive gut nachvollziehbar beschrieben.

Die verschiedenen Teilzeitbrüder bringen Jonnys Alltag ziemlich durcheinander, was mit skurrilen Figurenzeichnungen einhergeht: Etwa Mervyn, der eigentlich ein Meerjunge ist und dessen Beine immer wieder zu einer Flosse werden (Jonny hatte bei seiner Registrierung vergessen, ein Kreuz bei der Option „menschliches Wesen“ zu setzen), sodass er jede Möglichkeit nutzt, um im Wasser zu planschen. Oder der Tudor-König, einem Geist von Heinrich dem Achten, dessen althergebrachter Sprachduktus Jonny in den Wahnsinn treibt.  

Auch der Spannungsfaktor bleibt dabei nicht auf der Strecke: Jonny muss die Brüder vor seiner Mutter geheim halten bzw. stellt sie ihr als seine neuen Freunde vor. Die Spannung steigt dann gerade im letzten Drittel des Buches, wenn es Jonny zu bunt wird und er sich auf die Suche nach der Zentrale von www.geschwistertausch.com und seinem Bruder macht – und ihm seine Teilzeitbrüder bei der Mission helfen.

Die Schrift ist groß, die Kapitel sind kurz, die Sprache ist einfach, die handlungsunterstreichenden Strichzeichnungen von Nathan Reed durchaus gelungen. Ein weiterer positiver Aspekt des Buches ist die unmittelbar einsetzende Haupthandlung, das erleichtert gerade lesefaulen Jungs den Einstieg und sorgt für schnell einsetzende Lesefreude. Bei all den positiven Aspekten wiegen auch die kleineren Schwächen nicht so schwer, etwa einige Logikprobleme: Jonnys Mutter hat zum Beispiel keinerlei Zweifel daran, wenn ihr Jonny erzählt, dass Ted für kurze Zeit einfach nicht zu Hause ist.

Am Ende werden alle offenen Fragen beantwortet, dabei macht es sich die britische Autorin durchaus einfach, allerdings sollte das für die Zielgruppe dieses Romans (Neun- bis Elfjährige) nicht weiter störend sein, denn der Humor und die Spannung stehen ganz deutlich im Zentrum.

Insgesamt überzeugt „Hilfe, ich habe meinen Bruder im Internet getauscht“ von Jo Simmons durch eine famose Grundidee, herrlich-überzeichnete Figuren und eine Hauptfigur, die am Ende über sich selbst hinauswächst, indem sie um ihren Bruder kämpft und ihm beweist, dass er doch nicht so ängstlich ist und seinen Bruder nun so akzeptiert, wie er ist – als nervig aber doch liebenswürdig.

Der Roman eignet sich in erster Linie als Freizeitlektüre.