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Buchcover Caroline Lawrence: Roman Quest – Flucht aus Rom

Rezension von Tina Rehm

Fugamus! – Nur eine Flucht kann Juba und seine Geschwister jetzt noch vor den üblen Verfolgungen von Kaiser Domitian retten. Gemeinsam machen sie sich von ihrer Heimat Rom auf, um zu ihrem Onkel im weit entfernten Britannien zu gelangen. Dabei erleben sie unzählige Abenteuer und müssen auf ihrer Reise einige Opfer bringen. Ob die junge Römertruppe am Ende den weiten Weg über das Meer und durch die ihnen völlig fremde Provinz wirklich schafft? – Eine packende Geschichte, die jeden in das Jahr 94 n. Chr. entführt und das Abenteuer hautnah miterleben lässt!

BuchtitelRoman Quest – Flucht aus Rom
AutorCaroline Lawrence
GenreAbenteuer
Lesealter10+
Umfang275
Edition1. Auflage
VerlagarsEdition
ISBN978-3-8458-2780-3
Preis15,00

Der zwölfjährige Juba wird mitten in der Nacht von seiner Mutter geweckt und von ihr aufgefordert, sofort mit seinen drei Geschwistern aus ihrem Zuhause in Rom zu fliehen. Der Grund: Kaiser Domitian beschuldigt seine Eltern des Hochverrats und verhängt damit ein sicheres Todesurteil über die Familie. So kann Juba zusammen mit seinem Bruder Fronto sowie seiner jüngeren Schwester Ursula und dem kleinen Baby Dora gerade noch vor den römischen Soldaten des Kaisers fliehen. 

Eine abenteuerliche Reise zu ihrem wohlhabenden Onkel Pantera, der im weit entfernten Britannien lebt, beginnt. Auf ihrer Flucht vor den Truppen des Kaisers müssen die tapferen jungen Römer viele Abenteuer bestehen: Kaum verlassen sie die Stadttore Roms, werden sie Opfer eines Raubüberfalls. Über viele Umwege und nur mit Mühe erreichen die vier die Hafenstadt Ostia. Von dort aus schaffen sie es, an Bord von Kapitän Caerulus in Richtung Londinium, dem heutigen London, zu segeln. Doch auch dort lauern viele Gefahren auf die Gruppe. Und selbst als sie endlich an ihrem Ziel ankommen, erwartet sie eine böse Überraschung…

Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden.

Lawrence schafft es von Anfang an, den Leser in den Bann der vorliegenden Handlung zu ziehen. Hochspannend beginnt der Roman mit der dramatischen Abschiedszene zwischen Juba und seiner Mutter mitten in der Nacht im alten Rom. Schnell wird klar, dass nun plötzlich alle Verantwortung auf dem Zwölfjährigen lastet: Während sein älterer Bruder Fronto durch sein tagträumerisches Wesen nicht für die Position des Gruppenanführers geeignet erscheint, muss Juba ab jetzt für seine Geschwister – darunter auch das kleine Baby Dora – sorgen und ohne Eltern oder Sklaven, ganz auf sich allein gestellt, von zu Hause fliehen. 

Die Handlung wird chronologisch erzählt, es finden, wenn überhaupt, nur geringe Rückblicke in die Vergangenheit der römischen Familie statt. Diese schenken dem Leser jedoch kurze Ausschnitte aus dem Leben einer wohlhabenden römischen Familie zur damaligen Zeit. 

Von Anfang an liegt das Hauptaugenmerk auf dem zwölfjährigen Juba, der tapfer die Aufgabe des jungen Anführers übernimmt. Dabei werden dem Leser jedoch auch seine Sorgen und Ängste auf der Flucht vor Augen geführt und wie er selbst unter harten Bedingungen stets versucht, sein Versprechen, das er seiner Mutter gegeben hat, zu halten. Dabei macht er während der gesamten Handlung eine Entwicklung durch. Er lernt, sich den vielen Herausforderungen auf ihrer Flucht zu stellen und dabei noch Verwantwortung für seine Geschwister zu übernehmen. Trotz andersartiger Lebensumstände kann sich der Leser dennoch mit dem Protagonisten des Romans identifizieren. Daneben werden Themen wie Freundschaft und Zusammenhalt, aber auch Hinterhalte oder das Spannungsfeld zwischen der eigenen Heimat gegenüber der Fremde verarbeitet. 

Dass auch das römische Alltagsleben sowie die damaligen Gegebenheiten ganz nebenbei vermittelt werden, ist ebenso gelungen. So taucht man selbst ein ins Rom des Jahres 94 n. Chr.: Viele Einwohner der Hauptstadt des Römischen Reiches leiden unter der Schreckensherrschaft des Kaisers Domitian, so auch Jubas Familie. Schauplätze wie das Kolosseum bei Nacht oder die Grabstätten außerhalb der Stadtmauern unterstreichen die realistischen Eckpfeiler der Handlung. Und auch die römischen Götter und Heroen finden ihren Platz in der Handlung: Immer wieder schöpft der Protagonist Mut aus seinen Gedanken an Äneas, dem Helden des Troja-Mythos. Zudem scheint die beschwerliche Fahrt über das weite Meer auch dank des Meeresgottes Neptun so glücklich verlaufen zu sein! Wichtig anzumerken ist jedoch, dass trotz der vielen Informationen über das Leben im alten Rom die spannende äußere Handlung während der gesamten Geschichte im Vordergrund steht. 

Der Roman punktet außerdem durch seine Gestaltung: Das Cover ist für junge Leser sehr ansprechend, es vermittelt das Bild einer unheimlichen Flucht: ein in einen dunklen Umhang gehüller Junge steht im Kontrast zu den dramatisch rötlichen Farbnuancen sowie dem Kolosseum im Hintergrund. Zudem befindet sich gleich auf der ersten Doppelseite des Buchs eine übersichtliche Landkarte, mit deren Hilfe die Route der kleinen Römergruppe von ihrer Heimat aus über das „mare internum“ bis hin ins weit entfernte Londinium in Britannien verfolgt werden kann. Darüber hinaus sind die 54 Kapitel mit jeweils einem lateinischen Wort betitelt, deren Bedeutung im hinteren Teil des Buches nachgelesen werden kann – ganz abgesehen vom Vorwort der Autorin, in dem der Leser zu Beginn nicht nur lateinisch begrüßt, sondern auch eine Brücke geschlagen wird zwischen der Romanhandlung in der Antike und den heute noch existierenden Orten wie beispielsweise London (Londinium). 

Fazit: Mit „Roman Quest – Flucht aus Rom“ ist der Autorin ein äußerst spannender Abenteuerroman gelungen, der jeden direkt auf eine Reise ins antike Rom mitnimmt und als gebannten Beobachter an der Flucht der kleinen Römertruppe teilhaben lässt. 

Als überaus leseförderlich erweist sich zunächst die permanente Spannung, in der „Roman Quest – Flucht aus Rom“ geschrieben ist. Der Autorin gelingt es, durch überraschende Wendungen über die gesamte Handlung hinweg das spannende Abenteuer von Juba und seinen Geschwistern zu erzählen. Bis zum Schluss fiebert der Leser mit, ob die Truppe es tatsächlich schafft, bis zu deren Onkel in Britannien zu gelangen. Das Buch bietet sowohl für Mädchen als auch für Jungen Identifikationsfiguren. Mit Hilfe der 54 kurzen Kapitel kann die Handlung je nach Tempo und Leseausdauer jederzeit unterbrochen werden. 

Auf mythologische Verarbeitungen wie in „Percy Jackson“ wird verzichtet, vielmehr steht das gewöhnliche Leben der Römer im 1. Jahrhundert nach Christus im Mittelpunkt. Die römische Geschichte wird anschaulich, aber nicht vordergründig geschildert, es handelt sich dabei keineswegs um die reine Vermittlung von kulturgeschichtlichem Wissen.

„Roman Quest “ ist nicht nur für die Privatlektüre zu empfehlen, geeignet ist das Buch auch als Klassenlektüre, für eine Buchvorstellung oder auch als Bestandteil von Lesekisten, Schulbüchereien oder als Auswahllektüre im Rahmen von Vielleseverfahren. Vorstellbar wäre im schulischen Kontext auch ein fächerübergreifendes Lektüreprojekt im Rahmen einer Spurensuche in die Antike in Zusammenarbeit mit den Fächern Geschichte, Religion und Kunst.

Wie es mit Juba und seinen Geschwistern sowie deren Flucht vor Kaiser Domitian weitergeht, erfährt der Leser im Nachfolgeband, der am 24.07.2019 erscheint. In Band 2 „Roman Quest – Im Bann der Druiden“ tritt Juba unter falschem Namen in die römische Armee ein. Die Fortsetzung der Erzählung kann sicherlich einen großen Beitrag zur Motivation und Leseförderung leisten.