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Die Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) der GEW lädt zu ihrer Fachtagung zum Thema "Welten bauen – Über die Gemachtheit kinder- und...
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Dass das Buch Wenn die Welt unsere wäre auch als...
Autor*in: Barbara Reidelshöfer
| Buchtitel | Whistleblower Rebels – 20 Menschen, die für die Wahrheit kämpfen |
|---|---|
| Autor*in, Übersetzer*in | Benjamin und Christine Knödler |
| Illustrator*in | Felicitas Horstschäfer |
| Lesealter | 12+ |
| Umfang (Seitenzahl) | 200 |
| Edition (Aktuelle Auflage) | 1 |
| Verlag | Hanser |
| ISBN | 978-3-446-27929-2 |
| Preis | 20 Euro |
| Erscheinungsjahr d. dt. Erstveröffentlichung | 18.03.2024 |
Das Leben in einer besseren, gerechteren, friedlichen Welt – diese Vorstellung treibt Whistleblower meist an. Dafür setzen sie alles aufs Spiel: Sie schauen nicht weg, sondern hin. Sie schweigen nicht, sondern enthüllen Geheimnisse. Sie denken nicht an sich, sondern an die Gesellschaft. Für die Wahrheit setzen sie viel aufs Spiel, mitunter ihr eigenes Leben. In dem Sachbuch Whistleblower Rebels stellt das Autorenduo Benjamin und Christine Knödler gemäß dem Untertitel 20 Menschen, die für die Wahrheit kämpfen vor. Darunter finden sich so bekannte wie Edward Snowdon oder Frances Haugen, die vielleicht sogar dem ein oder anderen Jugendlichen noch ein Begriff sein könnten, sondern auch eher unbekannte, vergessene Whistleblower*innen, wie Li Wenliang oder Margrit Herbst. Es werden nicht nur zeitgenössische Whistleblower*innen vorgestellt, sondern z. B. mit Edmund Dene Morel, der 1900 die brutalen, ausbeuterischen Zustände des belgischen Kolonialregimes angeprangert hat, auch Aufklärer*innen des (frühen) 20. Jahrhunderts. So wird auch die große thematische Vielfalt deutlich, für die sich die verschiedenen Whistleblower*innen einsetzen, die sich auch aus der Entscheidung des Autorenduos ergibt, nicht nur US-amerikanische oder europäische Whistleblower auszuwählen. So reichen die anzuprangernden Missstände von Finanzskandalen über Einflussnahme im Wahlkampf bis hin zu Pharma- und Dopingskandalen, dem Aufdecken von mangelhaften Arbeitsverhältnissen oder verbotenem Waffenhandel.
Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden.
Das Autorenduo Benjamin und Christine Knödler zeigt in den insgesamt 20 Kapiteln jeweils die Biographie verschiedener Whistleblower*innen und schildert, welche Probleme und Missstände sie zu ihrer Überzeugung brachten, handeln zu müssen. Sie erläutern dabei, wie die jeweilige Wahrheit ans Licht gebracht wird und machen auf die mitunter drastischen Konsequenzen aufmerksam, die eine Veröffentlichung der unbequemen Wahrheiten mit sich bringt. Die verschiedenen Biographien werden uns nicht nur erzählerisch nähergebracht, sondern Felicitas Horstschäfer hat jede*n einzelne*n Whistleblower gelungen porträtiert. Während die sonstigen Illustrationen eher auf Symbole zurückgreifen, die nur einen kleinen Aspekt der jeweiligen Biographie herausgreifen und häufig eher aus Layoutgründen eingesetzt sind, schaffen die gezeichneten Porträts einen visuellen Zugang zum jeweiligen Aktivisten. Diese Kurzbiographien sind nicht nur überaus informativ, sondern auch unglaublich spannend zu lesen, vor allem, weil nicht nur bekannte Whistleblower*innen vorgestellt werden, sondern die Auswahl in allen Aspekten umfassend ist: Nicht nur Männer, auch Frauen werden präsentiert, die aus verschiedenen Erdteilen kommen, aus verschiedenen Motivationen heraus zu „Rebell*innen“ wurden und gegen ganz unterschiedliche Missstände agierten.
Neben den biographischen Kapiteln beschäftigen sich zehn sogenannte Spots mit den allgemeingültigen Hintergründen des Whistleblowings, wodurch eine für Jugendliche wichtige Einordnung in historische, juristische und moralische Zusammenhänge erfolgt. Dabei wollen Benjamin und Christine Knödler, wie sie bereits im Vorwort des Sachbuchs ankündigen, Fragen wie „Was ist Wahrheit? Gibt es gute und schlechte Geheimnisse? Wie gehen wir mit Fake News und Verschwörungserzählungen um? Ist Whistleblowing eine Frage der Moral?“ (S. 8) klären, um so das Phänomen bzw. die einzelnen Aktionen umfassend bewerten zu können. Zu dieser kritischen Bewertung sollen dann auch die Leser*innen selbst in der Lage sein und erkennen, dass sie selbst auch Möglichkeiten haben, in einer krisenhaften Gegenwart moralisch zu leben und zu handeln, um eine freie, demokratische Welt mitzugestalten. Dieser Anspruch gelingt den beiden Autor*innen sehr gut, denn das Sachbuch informiert nicht nur und bietet damit eine fundierte Basis für eigene Bewertung, sondern formuliert auch explizit Fragen, die Leser*innen dazu anregen, selbst nachzudenken und ein eigenes Urteil zu fällen.
Da das Buch konzeptionell sehr gut durchdacht und für Jugendliche in einer klaren, verständlichen, aber dennoch ansprechenden Sprache formuliert ist und mit wirklich spannenden, kurzen Einblicken in verschiedene Leben und Fragestellungen aufwartet, animiert es dazu, auf einen Rutsch gelesen zu werden. Genauso kann man aber auch nur einzelne Biographien lesen oder sich mit einem Spot auseinandersetzen, um dann das Buch (kurzzeitig) wegzulegen, denn ein Wiedereinstieg ist auch aufgrund der Gestaltung jederzeit problemlos möglich.
Fazit: Whistleblower Rebels – 20 Menschen, die für die Wahrheit kämpfen ist ein im besten Sinne aufklärerisches Buch: Es informiert umfassend, aber bemächtigt die Jugendlichen auch zu einer eigenen Haltung. Zudem macht es Mut, selbst aktiv zu werden, da es demonstriert, dass eigenes Handeln immer eine probate Möglichkeit ist, sich mit Missständen nicht einfach abzufinden, sondern klar Stellung zu beziehen. Zwar muss nicht jede*r Leser*in gleich zur Whistleblower*in werden, kann aber trotzdem selbstwirksam handeln und für Freiheit, Menschenrechte, Gerechtigkeit und andere wichtige Werte einstehen. So leistet Whistleblower Rebels auch einen wichtigen Beitrag zur Demokratiebildung.
Whistleblower Rebels eignet sich sehr gut für die Leseförderung in der Schule und in Bibliotheken. Biographien über Vorbilder interessieren Jugendliche häufig sehr, zumal, wenn sie so kurz und interessant aufbereitet werden wie hier. Das Sachbuch ist auf Antolin gelistet und kann somit zur individuellen Leseförderung genutzt werden. Da es auch von anderen Verlagen ähnlich gestaltete Sachbilderbücher gibt (z. B. die Reihe Boys who dare to be different vom Loewe-Verlag), lohnt sich auch eine Präsentationsfläche, um auf den Geschmack gekommene Jugendliche mit neuem Lesefutter zu versorgen.
Das Sachbuch kann im Deutschunterricht sehr gut im Bereich des materialgestützten Informierens in der Mittelstufe eingesetzt werden. So könnten beispielsweise einzelne Whistleblower mithilfe von Textauszügen (und ggf. weiteren Rechercheinformationen) präsentiert werden. Ebenso könnten die neuesten rechtlichen Entwicklungen, die in verschiedenen Ländern im Jahr 2025 erlassen wurden, um Hinweisgeber besser zu schützen, recherchiert werden und in einem neuen Spot für das Buch formuliert werden.
Neben diesen inhaltlichen Recherchen bietet es sich genauso an, mit der Konzeption und Intention eines solchen Buches auseinandersetzen, zumal es im Internet nutzbare Autoreninterviews zu finden gibt. (https://www.youtube.com/watch?v=k3G5_EMAuhA; chrismon.de/artikel/55633/wer-sind-die-wichtigsten-whistleblower-ein-jugendbuch-klaert-auf).
Auch mündliche Debatten oder schriftliche Argumentationen zum Thema Whistleblowing können im Anschluss nach einer vertieften Beschäftigung mit der Lektüre geführt werden, so z. B. zum Thema, ob der 30. Juni weiterhin als internationaler Feiertag zur Anerkennung von Whistleblower*innen bestehen bleiben soll, ob es sinnvoll ist, dass Meldestellen für Missstände weiter ausgeweitet werden oder ob es moralisch vertretbar ist, geheime Regierungs- bzw. Firmeninformationen zu leaken, um damit auf Missstände aufmerksam zu machen. Ausgehend von dem Diktum „Wer Missstände benennt, hilft, sie zu beseitigen.“ könnten die Schüler*innen sich auch in Kooperation mit dem Politikunterricht auf die Suche machen, ob es in ihrer Gemeinde bzw. Stadt oder Landkreis Personen gibt, die in der Vergangenheit öffentlich Missstände angeprangert haben und darüber informieren, wie diese dabei vorgegangen sind.
Als literarische Ergänzung bietet sich im Deutschunterricht der von boys & books nominierte Toptitel Perfect Storm von Dirk Reinhardt an, der das Thema in einem intelligenten, multiperspektischen Thriller umsetzt.
Genauso vorstellbar ist es, in einem Klassenprojekt die Konzeption des Bandes auf ein anderes Themenfeld zu übertragen. Besonders geeignet erscheint hier z. B. das Thema „Ehrenamt“, da viele Kinder in Vereinen tätig sind und hier einfach Kontakt zu verschiedenen Menschen und Gruppierungen knüpfen, die sie porträtieren könnten. Aber auch die im Sachbuch von Benjamin und Christine Knödler bewährten Spots könnten hier gut umgesetzt werden, indem z. B. auf die Geschichte des Ehrenamts eingegangen wird, Erklärungsansätze für das Ehrenamt dargestellt werden sowie allgemeine Auswirkungen auf die Gesellschaft. So erfahren die Jugendlichen in ihrem Umfeld, das Engagement und Mitwirkung auch in scheinbar unpolitischen Vereinen eine wichtige Integrationsaufgabe darstellt und für die Beteiligten als sinnstiftend empfunden wird.