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Dass das Buch Wenn die Welt unsere wäre auch als...
Autor*in: Barbara Reidelshöfer
| Buchtitel | Wale – Giganten der Meere |
|---|---|
| Autor*in, Übersetzer*in | Amandine Delaunay, übers. v. Ursula Bachhausen |
| Illustrator*in | |
| Lesealter | 10+ |
| Umfang (Seitenzahl) | 48 Seiten |
| Verlag | Gerstenberg |
| ISBN | 978-3-836-963336 |
| Preis | 22,00 Euro |
| Erscheinungsjahr | 2025 |
In dem Sachbilderbuch Wale – Giganten der Meere informiert die Autorin Amandine Delaunay über das größte Säugetier der Erde. Es geht ihr dabei nicht nur um einzelne Arten, sondern vor allem auch um ihre Besonderheiten und ihre Lebensweise: Wie fressen, jagen, leben und sterben sie? Wozu braucht man Flossen, Barten, Blas? Warum singen Wale? Diese und mehr Fragen werden in dem wunderschön illustrierten Bilderbuch für Kinder und Jugendliche kompakt und doch detailgenau erklärt.
Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden.
Wale faszinieren Kinder und sind deswegen auch beliebtes Sujet für Kindersachbücher. Wer deswegen denkt, dass eine Neuerscheinung dazu eigentlich überflüssig ist, wird mit Wale – Giganten der Meere schnell eines Besseren belehrt. Das wirklich große Format (37 cm!) passt ausgezeichnet zur Größe des Wals; aber das Buch ist nicht nur großformatig, sondern von Amandine Delaunay, die an der ESAG-Kunsthochschule in Paris studiert hat, auch großartig gezeichnet. Schon das ozeanblaue Cover zieht den Leser mit einer Blauwalmutter samt Kalb in seinen Bann; die Buchrückseite zeigt mit Narwalen und Delfinen die große Bandbreite der Walfamilie auf. Im Buchinneren wimmelt es von interessanten Informationen und die Wale und ihre Lebenswelt werden von der französischen Künstlerin spektakulär in Szene gesetzt. Dabei greift sie verstärkt auf ihre Lieblingsfarben schwarz, blau, weiß sowie verschiedene Techniken zurück. Bei diesem Sachbilderbuch orientiert sie sich auch an traditionellen Gravurtechniken – was eindrucksvoll in einem auf der Verlagshomepage zugänglichen Making-of-Video demonstriert wird. Die unendliche Tiefe des Ozeans fängt sie durch kontrastreiche Illustrationen ebenso beeindruckend ein wie die vielen unterschiedlichen Walarten, die sie sehr genau und detailliert zeichnet. Dazwischen wechselt sie zu eher atmosphärischen, vorwiegend in Blautönen gehaltenen Illustrationen mit Gouache-Farben, die die Stimmung der Tiefsee oder Besonderheiten der Wale widerspiegeln. So blickt die Leser auf einer Doppelseite ein empfindsam blickendes Walauge direkt an, was mit Informationen über die besondere emotionale Intelligenz der Säuger verknüpft wird. Überhaupt wird den Illustrationen viel Raum gegeben, fast jedes Kapitel erhält dafür eine Seite; etliche Doppelseiten visualisieren den Lebensraum der Wale großflächig. Aber auch auf den restlichen Seiten zeigen kleinere Zeichnungen bestimmte Eigenheiten wie den Kreisel oder den Riesenplatsch. Die Größenverhältnisse zwischen Mensch und Wal werden durch Taucher, die auf den Seiten zwischen den wichtigsten Walarten umherschwimmen, auf einen Blick deutlich.
Die kongenialen Illustrationen machen aus dem Buch, das der Verlag ab 8 Jahren empfiehlt, ein Buch für die ganze Familie. Bereits Kindergartenkinder werden mithilfe der Bilder gebannt das Buch anschauen, Vorschul- und Grundschulkinder werden das Vorlesen genießen und sich an erster Lektüre versuchen können, wobei die Informationstexte v.a. in Bezug auf Wortschatz für diese noch (zu) herausfordernd sein dürften. Gerade die Informationsfülle führt aber dazu, dass Wale – Giganten der Meere für ältere Kinder interessant bleibt und hier zum Nachschlagen, aber auch Durchlesen anregt. Erwachsene, egal ob Eltern oder Großeltern, werden nicht nur beim Vorlesen und gemeinsamen Anschauen Freude haben: Die einen werden sich an der hohen künstlerischen Qualität der Bilder erfreuen, die anderen an der ein oder anderen Detailinformation über die faszinierenden Tiere.
Denn das Buch informiert über alle wesentlichen Aspekte zwar knapp, aber doch erstaunlich präzise und mit Blick auf eher ungewöhnliche Fakten. Zu Beginn wird beispielsweise erst einmal ausgehend vom wissenschaftlichen Ordnungsnamen „Cetacea“ geklärt, was ein Wal überhaupt ist: Ein „Seeungeheuer“ oder zumindest das größte Lebewesen der Welt und sicher kein Fisch! Der Röntgenblick auf verschiedene Walarten zeigt deren Skelette und mit wenigen bunten Abbildungen werden die Vorstufen der heutigen Wale verdeutlicht. Alles Wissen rund um das jeweilige Kapitelthema wird einerseits über passende Illustrationen und andererseits mit genauen und komprimierten Informationstexten, die von Ursula Bachhausen aus dem Französischen übersetzt worden sind, sehr anschaulich, abwechslungsreich und anregend vermittelt.
Schön wäre noch ein Register mit Fachvokabular (z. B. ovipar, ovovivipar, Kiemen, Plankton, Fission-Fusion, Parasiten, Nomaden, Globetrotter) gewesen, damit auch sprachärmere Mädchen und Jungen oder solche, die sich bislang wenig für Tiere und deren Lebensweisen beschäftigt haben, ihnen unbekannte Wörter nachschlagen können.
Besonders interessant sind Kapitel wie „Walen zuhören“ oder auch „Der Chor der Ozeane“, die uns über besondere Kommunikationsfähigkeiten informieren und darüber, dass das Ohrenschmalz bei Walen ähnlich wie die Jahresringe eines Baumes zur Altersbestimmung dient! Solche kleinen Details, die bei den jungen Leser*innen als „Funfacts“ beliebt sein dürften, zeigen die intensive Auseinandersetzung der Autorin mit dem größten Lebewesen unserer Zeit. Kein Wunder, dass das vorletzte Kapitel der Bedrohung und dem Schutz der Wale gewidmet ist – nachdem man dieses fulminante Sachbilderbuch gelesen hat, wird wohl jede*r zum Walschützer werden wollen. Die Lese- und Kulturbegeisterten freut, dass Wale – Giganten der Meere mit einem Ausblick auf literarische Walgeschichten endet und so Lust auf Eintauchen in weitere Walabenteuer macht.
Insgesamt ein überaus lesens- und bestaunenswerter Titel zum Thema Wale, der völlig zurecht bereits den französischen Le gout de sciences-Preis in der Kategorie Sachbuch für Kinder und Jugendliche gewonnen hat (https://www.enseignementsup-recherche.gouv.fr/fr/amandine-delaunay-laureate-jeunesse-du-prix-le-gout-des-sciences-99541 )!
Der vorliegende Titel ist vielseitig einsetzbar. So kann es einerseits in der Schul- oder öffentlichen Bibliothek als großformatiges Bilderbuch Lust auf das Lesen machen. Andererseits kann es auch gezielt eingesetzt werden, um zum Thema Wale zu recherchieren. So können z. B. im fächerübergreifenden Biologie- und Deutschunterricht kleine Präsentationen zu verschiedenen Lebewesen entstehen: Für das Thema Wale liegt hier ein perfekter Titel vor, der eine weitere (Internet-)Recherche überflüssig macht. Auch auszugsweise könnte im Unterricht gearbeitet werden. Die Anregungen am Ende des Sachbilderbuchs könnten der Ausgangspunkt für eine multimodale Auseinandersetzung mit dem Wal als literarisches Motiv in Sagen, Romanen und Filmen darstellen.
Nachdem es aber noch viele weitere Wal-Sachbücher gibt, ist auch eine (vergleichende) Lektüreeinheit denkbar (z. B. India Desjardins: Die Wale und wir; Renate Ortega: Die geheime Welt der Wale; Michael Stavaric: Faszination Wale – Die Giganten unserer Zeit; Andreas Thernshaugen: Der Blauwal – Die unglaubliche Geschichte des größten Tieres, das je gelebt hat)
Eine Besonderheit ist auch der mögliche Blick in die Entstehung des Buches selbst: Auf der Homepage des Gerstenberg Verlags ist ein kurzes Video zu sehen, dass der Autorin und Illustratorin Amandine Delaunay über die Schulter schaut: www.gerstenberg-verlag.de/Kinderbuch/Neuheiten/Wale.html. Auch die französisch- bzw. englischsprachige Homepage der Autorin lädt dazu ein, mehr darüber zu erfahren, wie so ein Buchprojekt entsteht: www.amandinedelaunay.com/work