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Autor*in: Barbara Reidelshöfer
| Buchtitel | Nächste Station Mars? Die Geschichte der Raumfahrt |
|---|---|
| Autor*in, Übersetzer*in | Martin Verg |
| Illustrator*in | Alexander Mostov |
| Lesealter | 8+ |
| Umfang (Seitenzahl) | 80 Seiten |
| Verlag | Karibu |
| ISBN | 9783961292967 |
| Preis | 19,99 Euro |
| Erscheinungsjahr | 2024 |
Martin Verg informiert in seinem Sachbilderbuch über die Raumfahrt und geht dabei weit in die Geschichte zurück. Denn die wesentlichen Erkenntnisse, um den Raum oberhalb der Erdatmosphäre zu erschließen, gehen auf bekannte Wissenschaftler, Denker und Schriftsteller zurück, die lange vor unserer Zeit lebten und forschten. Vier davon (Ptolemäus, Kopernikus, Jules Verne und Wernher von Braun) widmet Verg im ersten Kapitel „Von der Schöpfungsgeschichte zur ersten Rakete“ jeweils eine Doppelseite. Diese steht immer unter dem Motto „Drei Fragen zu…“. So werden die historischen Persönlichkeiten kurz vorgestellt, ihr Beitrag zur Raumfahrt erklärt und eingeordnet, warum dieser so wichtig ist. Nach diesem Muster lernen die Leser*innen auch in den weiteren Großkapiteln („Der Wettlauf ins All“, „Miteinander statt gegeneinander“ und „Die Reise geht weiter“) Menschen kennen, die für die Entwicklung der Raumfahrt eine entscheidende Rolle spielen. Und da die ersten Lebewesen im All nicht etwa Menschen, sondern Tiere waren, erhalten sie eine ganze Doppelseite und die beiden „Sputnik-Hündinnen“ Strelka und Belka werden zusätzlich mit einer „Drei-Fragen-zu-Doppelseite“ bedacht. Ein weiteres stilbildendes Element sind die insgesamt acht Steckbriefe zu bekannten Raketen. Daneben finden sich etwas längere Informationstexte, die komplexere Zusammenhänge zu einzelnen Themen, wie der Übergang zur Kooperation in der bemannten Raumfahrt oder die Marsbewohnungspläne, erklären. Kleine Mitmachaktivitäten runden das Sachbilderbuch ab.
Auf der Verlagshomepage ist keine Online-Leseprobe abrufbar. Einige Seiten kann man auf den bekannten Online-Portalen einsehen, z. B. hier:
Der Karibu Verlag empfiehlt Nächste Station Mars? bereits Kindern ab 8 Jahren. Und tatsächlich ist es für diese auch geeignet. Vor allem die Seiten, die mit drei Fragen oder Steckbriefen arbeiten, sind auch für Leseanfänger geeignet (auch wenn die Schriftgröße nicht allzu groß ist), da sie relativ wenig Text enthalten, der durch farbig abgesetzte Überschriften und große Illustrationen, die einen oder mehrere Aspekte bebildern, leicht zugänglich ist. Ein weiterer Pluspunkt, der unerfahreneren Leser*innen entgegenkommt, ist die Auftaktseite jedes Großkapitels. Hier wird in drei bis fünf Sätzen die Quintessenz des Artikels auf den Punkt gebracht und auf der gegenüberliegenden Seite findet der Illustrator Alexander Mostov eine dazu passende Zeichnung. So wird das zweite Kapitel mit zwei schwebenden Raumfahrern symbolisiert, die beide gleichzeitig versuchen, den Mond zu erreichen. Und die Kooperation der Supermächte USA und Sowjetunion, die nach dem Wettlauf ins All zur Kooperation finden, wird durch einen Händeschlag vor der Erde symbolisiert. Diese eingängigen Bilder sind auch für Kinder im Grundschulalter schon gut verständlich, ebenso wie die meisten der Texte. Hier wird die journalistische Erfahrung des ehemals als Chefredakteur für die Kinderzeitschrift geolino tätigen Autors Verg besonders deutlich. Die Reduktion eines komplexen Themas gelingt ihm so gut, dass tatsächlich ein Großteil des Buches schon für Dritt- und Viertklässler lesbar sein dürfte. Etwas schwierigere Textpassagen können entweder vorgelesen oder eben auch ausgelassen werden, um zu späterer Zeit selbst erlesen werden zu können.
Auch die Auswahl der einzelnen Themen ist vielfältig und lesemotivierend. Vielleicht spricht wenig technikaffine Kinder das Kapitel über die Tiere im All besonders an. Kinder, die sich besonders dafür interessieren, wie und warum sich die Dinge entwickelt haben, werden vor allem mit dem ersten Großkapitel über die Entstehungsgeschichte der Rakete ihre Freude haben. Diejenigen, die sich vor allem für Raketen interessieren, finden einige interessante Steckbriefe und können sogar eine Rakete mit Backpulverantrieb selbst bauen (S. 45). Eine kurze Anleitung für ein Astronautentraining oder das Rezept für Astronauteneis dürften den Bastlern und Tüftlern gefallen. So bietet Nächste Station Mars? für jedes Kind etwas und ist von daher gut auch in den Klassen 2 – 5 einsetzbar.
Das Buch eignet sich in der (Schul-)Bücherei besonders gut für die Präsentation auf einem Thementisch „All, Raumfahrt und Raketen“, da es hier nicht nur unzählige Sachbücher (z. B. Dr. Manfred Bauer: Planeten - Unsere fernen Nachbarn; Matthias Maurer: Mission im Weltraum; Jan van der Veken: Das Raumfahrtbuch), sondern ebenso zahlreiche literarische Texte gibt (Nina Basovic Brown: Wer ist hier der Alien; Timo Parvela: Kepler 62; Jochen Till: Alien Academy), die das Thema Weltall eher witzig als Setting umsetzen.
Für den Deutschunterricht der Primarstufe sind sicherlich auch die beiden Schreibformen des drei Fragen-Interviews bzw. Steckbriefs Möglichkeiten, Informationen gut strukturiert zu präsentieren. So kann Motivation für adressatenorientiertes Schreiben bei den Schüler*innen hergestellt werden und die vorliegenden Schreibformen als Modell genutzt werden, um sie auf andere Themen des Lehrplans zu übertragen. So ist es beispielsweise vorstellbar, die Entwicklung von Werkzeugen und Geräten (vgl. Lehrplan Bayern, Heimat- und Sachunterricht 3/4) in den Blick zu nehmen und dazu ein eigenes Klassenbuch gemeinsam zu erstellen.
Auszüge aus dem Buch, z. B. zur Zukunft der Raumfahrt, könnten ebenfalls im Deutschunterricht als Sachtexte eingesetzt werden, um Lesestrategien einzuführen oder zu üben. Daneben ist Nächste Station Mars? sicherlich ein häufig zur Hand genommenes Buch in freien Lesezeiten, da es mit seinem Thema auf viele Interessenten stoßen dürfte. Auch als Ausgangspunkt für die Recherche zu einer mündlichen Präsentation über einzelne Astronauten, die Geschichte oder die Zukunft der Raumfahrt kann es gewinnbringend eingesetzt werden.