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Money, money, money. Von der Münze bis zum Bitcoin - Die unglaubliche Geschichte des Geldes

Buchtitel Money, money, money. Von der Münze bis zum Bitcoin – Die unglaubliche Geschichte des Geldes
Autor*in, Übersetzer*in Benoist Simmat; übersetzt von Antje Riley
Illustrator*in Tristan Garnier, Kolorierung von Marie-O Galopin
Lesealter 14+
Umfang (Seitenzahl) 208
Edition (Aktuelle Auflage) 1
Verlag Knesebeck
ISBN 978-3-95728-838-7
Preis 18 Euro
Erscheinungsjahr d. dt. Erstveröffentlichung 30.06.2025

Wie kam es zur Entstehung des Geldes? Welche Rolle spielte der Tauschhandel oder die Kaurimuschel dabei? Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Macht und Münze? Gab es zuerst Münzen oder Scheine? Und wo entstand eigentlich das moderne Bankenwesen? Wie sind die Zusammenhänge zwischen Geldwirtschaft und Handel? Und funktionieren digitale Transaktionen eigentlich genauso wie der Tauschhandel? Alle diese Fragen (und noch viele mehr) werden in Money, money, money. Von der Münze bis zum Bitcoin - Die unglaubliche Geschichte des Geldes geklärt. In acht großen Kapiteln erzählen Benoist Simmat und Tristan Garnier von den Ursprüngen der Geldwirtschaft und ihrer komplexen Entwicklung von der Steinzeit bis heute. Die Graphic Novel nimmt uns dabei mit auf eine spannende Zeitreise und entführt uns in alle Teile der Welt, um alles über die Geschichte des Geldes aufzudecken. 

Eine Leseprobe ist vorhanden. 

Dass Money, money, money trotz seines Stils ein ernstzunehmendes Wissenschaftssachbuch ist, verdeutlicht bereits das Vorwort des Professors für Finanzwissenschaft, Olivier Bossard, der die Graphic Novel als „eine erstaunlich fundierte Studie, die den besten Vorlesungen an einer Universität oder Business School in nichts nachsteht“ (S. 8) und als „kleines Juwel“ (ebd.) rühmt. Diesem euphorischen Urteil kann man sich anschließen. Es ist verblüffend, wie es das Autorenteam schafft, ein so vielschichtiges und faktenreiches Thema leichtfüßig und spannend zu vermitteln. Mit Benoist Simmat wagt sich kein Unbekannter an die Geschichte des Geldes, ist er doch in Frankreich ein bekannter Wissenschaftsjournalist, der auch schon mit dem Buch Die unglaubliche Geschichte des Weines (und dem Nachfolgeband über das Bier) wichtige Kulturgüter geschichtlich beleuchtet hat. Gemeinsam mit dem Illustrator Tristan Garnier ist aber nun ein besonderes Werk entstanden, das von Antje Riley sorgfältig übersetzt wurde. Der sehr präzise Zeichenstil Garniers haucht der vielleicht etwas trocken anmutenden Materie viel Leben und mit kleinen Details auch immer wieder Witz ein, sodass es von der ersten Seite an Spaß macht, sich durch die Geschichte des Geldes zu lesen. Der Comicstil Garniers und die lebhaft colorierten Panels, die von der Illustratorin Marie-O Galopin zu verantworten sind, lassen an klassische Asterix und Obelix-Comics oder Yuval Noah Hararis Geschichte der Menschheit denken und vereinen eine scheinbar leichte Lektüre mit fundiertem Fachwissen.

Erleichternd ist neben der grafischen Umsetzung vor allem auch die Einteilung in acht große Kapitel: Nach einer kurzen Einleitung, indem sich der Erzähler, der Erfinder des Bitcoins, vorstellt und die Leserschaft direkt anspricht (leider nicht wie auf dem Klappentext mit ‚Du`, sondern mit ‚Sie‘, was für Jugendliche unnötig Distanz aufbaut), informiert das erste Kapitel über die Zeiten, in denen es noch kein Geld gegeben hat und Geschäfte über Tauschhandel funktionierten. Das zweite Kapitel erzählt über das fast vergessene Reich der Münzen, Lydien, von dem aus das Münzgeld seinen Weg ins Persische Reiche, Makedonien, dem gesamten Mittelmeerraum und mit Alexander dem Großen in den gesamten Nahen Osten fand. Und was das Schwinden der römischen Münzbestände mit dem Untergang des Römischen Reichs zu tun hat, kann dort nachgelesen werden, bevor im 3. Kapitel „Der lange Weg zum Papiergeld“ beschrieben wird. Auch hier erfährt man spannende Zusammenhänge rund um Eroberung und Entwicklung des Geldes. So werden verschiedene Kulturen, wie die Mayas und die Song-Dynastie, als Beispiele für unterschiedliche Entwicklungen herausgehoben, bevor das vierte Kapitel den hoch entwickelten Mittleren Osten und dessen Finanzpraktiken vorstellt. Auch die weiteren Kapitel beleuchten wichtige Aspekte der Geldwirtschaft, so beispielsweise das Zeitalter der Kolonisation und Konquistadoren (Kapitel 5), und zeigen immer wieder auf, dass die finanzielle Entwicklung Hand in Hand mit politischen Entscheidungen und Ereignissen ging und geht. Besonders spannend sind hier die Zusammenhänge rund um den Einfluss des Dollars und die Entwicklung internationaler Währungssysteme, aber auch das singuläre Moment der Euroeinführung. Das letzte Kapitel wirft dann einen genauen, durchaus kritischen Blick auf heute: „Das virtuelle Zeitalter“ spricht nicht nur die großen Börsencrashs an, sondern mit der Erfindung von Kryptowährungen eben auch den Beginn etwas ganz Neuen, was unsere Gesellschaft in den kommenden Jahren sicherlich beeinflussen wird.

Diese wechselseitigen Beziehungen und Einflussnahmen, den Zusammenhang zwischen Geld, gesellschaftlichem Wandel und politischer Macht illustriert und analysiert diese umfangreiche Graphic Novel auf überzeugende Art und Weise. Money, money, money. Von der Münze bis zum Bitcoin – Die unglaubliche Geschichte des Geldes ist ein wirklich fundiertes Kompendium, das komplexe Beziehungen verständlich darstellt, ohne diese zu sehr zu vereinfachen. Für ein praktikables Nachschlagewerk wäre ein Register wünschenswert gewesen, um auf diese Weise bestimmte Entwicklungen sofort nachschlagen zu können. So verliert man sich beim Lesen gerne in den großen Entwicklungslinien und gerät ob des Detailreichtums in Text und Bild immer wieder ins Staunen. Ein beeindruckendes Werk, das auch Lust macht, sich genauer mit wirtschaftlichen Zusammenhängen auseinanderzusetzen.

 

Die Graphic Novel eignet sich hervorragend in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern Wirtschaft und Geschichte, um niedrigschwellig als Lesetipp für interessierte Jugendliche empfohlen zu werden. Es kann hier aber auch sehr gut als Informationsgrundlage dienen, um bestimmte Aspekte des Geldverkehrs herauszuarbeiten. So können beispielsweise die einzelnen Kapitel „Das Reich der Münzen“, „Der lange Weg zum Papiergeld“ oder „Das virtuelle Zeitalter“ Ausgangspunkt für eine weitere Recherche sein und die Ergebnisse in Podcasts oder Erklärvideos für die Klasse motivierend zusammengefasst werden.

In differenzierten Leseprojekten oder Vielleseverfahren kann Money, money, money sachorientierte Jugendliche zum Lesen animieren. Der Comicstil lässt vielleicht auch die dem klassischen Buch eher abgeneigten Schüler*innen zugreifen, obwohl der komplexe Inhalt und die vielen Fakten und detailreichen Zusammenhänge Durchhaltevermögen oder spezifisches Interesse am Thema voraussetzen.