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Magie der Bäume

Buchtitel Magie der Bäume
Autor*in, Übersetzer*in Emmanuelle Kecir-Lepetit; übers. von Marie Gamillscheg
Illustrator*in Léa Maupetit
Lesealter 10+
Umfang (Seitenzahl) 96
Edition (Aktuelle Auflage) 1
Verlag Leykam
ISBN 978-3-7011-8342-5
Preis 18,5 Euro
Erscheinungsjahr d. dt. Erstveröffentlichung 12.08.2024

37 verschiedene Bäume werden in dem Sachbilderbuch vorgestellt, sortiert nach verschiedenen Habitaten: Auf der Wiese und im Wald, in der Stadt und im Garten, im Süden und in den Bergen begegnen wir ganz unterschiedlichen Bäumen und lernen viel über ihre Herkunft, Legenden und jeweiligen Eigenheiten. Aber es geht in dem Buch auch um die Magie der Bäume, die durch den fantasievollen Ton der Autorin Emmanuelle Kecir-Lepetit vermittelt wird und sich in kleinen, fast unglaublichen Detailinformationen widerspiegelt.

Eine Leseprobe ist leider nicht vorhanden. 

Mit dem Sachbilderbuch legt das Autorenduo Emmanuelle Kecir-Lepetit und Léa Maupetit bereits das dritte Buch der Reihe in bekannter Qualität vor. Nach Magie der Vögel und Magie der Blumen widmet sich das aktuelle Buch den Bäumen. 37 Bäume werden auf einer Doppelseite in Text und Bild genau beschrieben und mit einem durchdachten Farb-und Letteringkonzept wunderschön in Szene gesetzt. Der Illustratorin Léa Maupetit gelingt es mit klaren und gleichzeitig detailreichen Zeichnungen, die Besonderheiten der einzelnen Baumarten hervorzuheben: Während auf der linken Seite der Doppelseite bis auf eine Illustration einer Besonderheit des jeweiligen Baumes wie beispielsweise der Rinde oder der Blüte mehrheitlich Text zu finden ist, ist die linke Seite von einer farbigen Zeichnung eines Asts mit Blättern und Frucht geprägt. Außerdem findet sich dort auch immer im oberen oder unteren Eck eine Komplettansicht des Baumes, sodass man dessen Gestalt ebenso vor sich hat wie Details, die man benötigt, um in freier Wildbahn einen Baum bestimmen zu können. 

Kleine Informationstexte ergänzen diese ansprechenden Illustrationen. So wird der Überblickstext der gegenüberliegenden Seite wunderbar erweitert. Dort erhält der*die Leser*in wie in einem Lexikon üblich wichtige Fakten zum Baum: die lateinische Bezeichnung ebenso wie die botanische Einordnung und Informationen zu Größe und Lebensdauer, die durch Farbgestaltung und Layout übersichtlich präsentiert werden. Aber die Magie der Bäume geht vor allem durch die Texte Emmanuelle Kecir-Lepetits, die von Marie Gamillscheg übersetzt worden sind, weit über ein normales Baumlexikon hinaus. Denn der Autorin gelingt es mit ganz kurzen Texten, das jeweils Besondere, Magische der vorgestellten Bäume herauszuarbeiten und so die Leser*innen zum Staunen zu bringen. Diese werden immer wieder explizit angesprochen, was besonders die etwas jüngeren Kinder ansprechen dürfte. Ältere Leser werden vor allem durch die vielen Detailinformationen, die immer wieder überraschendes Wissen zu Bäumen bereithalten, verblüfft. Denn wer weiß schon, dass der weibliche Gingko-Baum im Zuge der Fortpflanzung eine sehr unangenehme Geruchsbelästigung darstellt und deswegen in Parks nur männliche gepflanzt werden? Oder dass die Gallwespe, die die Feige zur Vermehrung braucht, von einem Enzym versetzt wird und sich damit in der Feigenfrucht auflöst? Oder dass die Kiefer der Baum mit der größten ökologischen Spannweite unseres Kontinents ist? All dies und noch viel mehr erfährt man in den 37 Baumporträts, die uns Bäume von Ahorn bis Zypresse vorstellen, darunter auch eher unbekannte wie der Japanische Schnurbaum oder der Zürgelbaum. Abgerundet wird die Magie der Bäume durch ein zweiseitiges alphabetisch geordnetes Glossar, in dem man wichtige und immer wieder benutzte Fachbegriffe übersichtlich nachschlagen kann.

So ist das Sachbilderbuch für die gesamte Familie ein Bilderbuchschatz, der nicht nur zum Nachschlagen bei einem Spaziergang dienen kann (das gewählte Michelinführer-Format erleichtert ein Einstecken in den Wanderrucksack), sondern auch zum Schmökern im Kinder- und Wohnzimmer einlädt. Vorlesen, selbstlesen, anschauen, nachschlagen, sich in die Natur träumen – alles ist möglich mit diesem wirklich sehr empfehlenswerten Baumführer, der in keinem Haushalt fehlen sollte.

Mit dem Buch in der Hand kann man sich auf die Suche machen, um die Bäume in ihrer Umwelt selbst zu entdecken – schon deswegen sollte es in keiner Bibliothek fehlen, denn es leitet durch die Lektüre zum Beobachten und zu weiterer Beschäftigung mit der Natur mühelos an. 

Aber auch als Geschenk für Kinder oder als Mitbringsel für eine Familie ist es deswegen mehr als geeignet, da es verschiedene Altersgruppen anspricht.

Im schulischen Kontext kann das Buch sehr gut auch im Biologieunterricht genutzt werden, um die Schüler*innen anzuleiten, mithilfe der Beschreibungen und Zeichnungen Bäume zu suchen und zu bestimmen. Natürlich können dabei auch Funde in einem Herbarium gesammelt werden, die dann beispielsweise in einer Sequenz zum Thema „Wald“ präsentiert werden. 

Als längerfristiges Projekt kann ein Baum über mehrere Monate fotografiert und beobachtet werden und diese Eindrücke in einem Baumtagebuch gesammelt werden (vgl.: https://www.waldorf-ideen-pool.de/Schule/faecher/naturkunde-klasse-4---7/pflanzenkunde-5.-kl.-/projekte/Baumtagebuch---anleitung.)

Aber – und hier bietet sich dann ein fächerübergreifendes Arbeiten oder Projekttage an – genauso ist es möglich, das vorliegende Sachbilderbuch mit neuen Seiten zu ergänzen. Denn alle vier Großkapitel zeigen nur eine Auswahl von bekannten Bäumen; längst nicht alle, die vielleicht auf dem Pausenhof, in der Umgebung der Schule oder im eigenen Garten zu entdecken sind. So können auch über den Birnbaum, den Kiribaum oder die Mehlbeere interessante Fakten herausgefunden und zu spannenden Informationstexten verdichtet werden.

Ein interessantes Projekt wäre es auch, ein Buch über die Bäume der Zukunft zu gestalten – in Zusammenarbeit mit Städteplaner*innen bzw. Kommunalpolitiker*innen würde hier nicht nur naturwissenschaftliches und sprachliches, sondern auch politisches Lernen stattfinden, indem die Schüler*innen herausfinden, welche Fragestellungen für das zukünftige Leben wichtig sind und in einer Gemeinde bzw. einer Stadt diskutiert werden (müssten), und so auch erfahren, dass Wissen für eine aktive Mitgestaltung in einer Demokratie unabdingbar ist. 

In mehrsprachigen Klassen kann das Buch auch ein Anlass sein, über die Bäume der jeweiligen Herkunftsländer zu sprechen und zu überlegen, ob die hier vorliegende Sammlung für die jeweilige Klassengemeinschaft vollständig ist oder noch ergänzt werden müsste. Im interkulturellen Kontext bietet es sich dann an, dass jedes Kind einen Baum aus dem Buch auswählt, diesen vorstellt oder aus Perspektive des Baumes eine Geschichte des Ortes schreibt, an der er steht, wächst und erlebt, was um ihn herum passiert. Je nach Alter und Schreibvermögen der Schüler*innen werden hier ganz unterschiedliche Geschichten entstehen, mit denen dann weitergearbeitet werden kann.