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Gute Nachrichten aus aller Welt – Von Sudan bis Afghanistan

Buchtitel Gute Nachrichten aus aller Welt – Von Sudan bis Afghanistan
Autor*in, Übersetzer*in Melanie und Minitta Kandlbauer
Illustrator*in Yani Hamdy
Lesealter 10+
Umfang (Seitenzahl) 128
Edition (Aktuelle Auflage) 1
Verlag Leykam
ISBN 978-3-7011-8318-0
Preis 22 Euro
Erscheinungsjahr d. dt. Erstveröffentlichung 02.09.2024

Katastrophen, Unglücke, Krisen – schlechte Nachrichten dominieren die Medien und zeigen, wie schlimm es generell um unsere Welt steht. Das Sachbilderbuch Gute Nachrichten aus aller Welt – von Sudan bis Afghanistan berichtet auch von der ganzen Welt, aber mit völlig anderem Fokus. Wie der Buchtitel schon verrät, geht es dem Autorinnenduo Kandlbauer, darum „gute Nachrichten“ zu verbreiten, um damit nicht zuletzt auch den ein oder anderen vorurteilsbehafteten Blick auf sogenannte Entwicklungsländer zu verändern. Das Buch nimmt die Kinder und Jugendlichen auf eine Reise um die Welt und besucht dabei viele Länder der Kontinente Afrika, Asien, Europa und Ozeanien. Auch Amerika wird besucht, wobei hier Nord- und Südamerika zusammengenommen sind. Aber wie bei der Länderauswahl Europas wählen die Autorinnen absichtlich Länder, von denen man in Europa normalerweise wenig oder wenn nur Schlechtes bzw. Bedrohliches hört. Zu Beginn jeden Kapitels lernt man einen Bewohner des Kontinents kennen, der die Leser*innen dazu auffordert, das Unbekannte zu entdecken. Durch kleine Rätselfrage wird bereits auf das allgemeine Nichtwissen über den jeweiligen Kontinent aufmerksam gemacht, was auf der folgenden Doppelseite unter der Überschrift „Was nicht in den Schulbüchern steht“ geändert wird. Im Anschluss werden verschiedene Länder porträtiert und dabei der Fokus auf besondere Nachrichten gelegt. So erfährt man beispielsweise über Afghanistan nicht nur wichtiges Lexikonwissen zu Lage, Bevölkerung, Hauptstadt, Nationaltier und berühmten Personen, sondern lernt auch, dass ‚Fereshta Karim‘ mobile Bücherbusse für Kinder und Jugendliche eingerichtet hat, damit Heranwachsende lesen und lernen können. Dass Afghanistan das Land der ersten Ölgemälde ist, dürfte auch überraschen. Jedes Großkapitel schließt mit einer Mitmachaktion ab. So spielt man im Afrika-Kapitel „Ampe“, ein lustiges ghanaisches Wettkampfspiel, oder kann ein Gedicht schreiben, wie es in Somalia Tradition zu sein scheint. Im Asien-Kapitel werden Drachen gebastelt und das Ozeanien-Kapitel endet mit dem Erlernen der neuseeländischen Gebärdensprache. Mit einem kurzen Kapitel über Selbstbezeichnungen, einem kleinen Glossar zu schwierigen Wörtern und Büchertipps endet das inspirierende und mutmachende Sachbilderbuch.

Eine Leseprobe ist nicht vorhanden. 

Gute Nachrichten aus aller Welt – von Sudan bis Afghanistan ist ein wirklich wohltuendes Sachbilderbuch. Denn in einer Welt, in der Krisen im Sekundentakt die Medien überfluten, wächst die Sehnsucht nach guten Nachrichten. Die Wiener Schwestern Minitta und Melanie Kandlbauer, die neben ihrer Autoren- und Herausgebertätigkeit im Bildungsbereich arbeiten, besinnen sich in ihrem neuen Sachbuch darauf, dass man mit einem offenen, vorurteilsfreien Blick Erstaunliches und Aufbauendes weltweit entdecken kann. Diese kleinen und großen Geschichten über besondere Menschen, historische Stätten, Erfindungen oder kulturelle Höchstleistungen lassen Länder in ganz anderem Licht erscheinen. Statt Krieg, Korruption und Krisen erfahren die Leser*innen viel Neues und erweitern dadurch ihren Horizont. Auch das ein oder andere Vorurteil, das durch den weißen, eurozentrischen Blick und einseitige Berichterstattung entstanden ist, kann so korrigiert werden. 

Der gleiche Aufbau jeder Länderseite schafft für leseschwächere Kinder und Jugendliche Orientierung: Der Einstieg in die Doppelseite geschieht durch einen kurzen Text, der mit einer besonderen Information versucht, am Alltagswissen der Leser*innen anzuknüpfen. So wird bei Ägypten darauf hingewiesen, dass es aufgrund der Pyramiden ein wichtiges Tourismusziel ist. Aber bei diesen Informationen bleibt der Einführungstext nicht stehen, sondern weitet schon hier den Blick. Im Falle von Ägypten erfährt man z. B., dass ägyptische Erfindungen unseren Alltag maßgeblich beeinflussen. Denn wer putzt nicht täglich zweimal die Zähne mit Zahnpasta? Ohne Ägypten nicht möglich! Zusätzlich zu dieser neugierig machenden Kurzeinführung in das Land, die ähnlich wie ein kleiner Reiseführer funktioniert, erhält man in einem farbig abgesetzten Kasten technische Informationen. Immer wird man über Lage, Bevölkerung und Hauptstadt informiert, dazu gibt es zwei wechselnde Kategorien (beliebtes Gericht, Nobelpreis, Rekord, berühmte Person, Nationaltier), sodass es nie langweilig wird. Mit der Kategorie „Wusstest du das?“ werden die jungen Leser*innen direkt angesprochen und die dort zu findenden Informationen sind auf alle Fälle Quizshow-verdächtig. Mit drei zusätzlichen kurzen Informationstexten werden jeweils drei richtig gute Nachrichten aus dem Land dargestellt. Im Fall von Rumänien beispielsweise lernt man, dass dort die größte Felsskulptur Europas zu finden ist, in Rumänien nicht nur der Füllfederhalter erfunden wurde, sondern auch das 3-D-Filmformat. Schließlich erfährt man, dass die Menschen dort eine wunderschöne Neujahrstradition haben. All diese Informationen beglücken nicht nur durch die ausgewählten Inhalte, sondern auch wegen der großflächigen, farbenfrohen Illustrationen Yani Hamdys. Ästhetisch ansprechend werden so die Besonderheiten der jeweiligen Länder in atmosphärische Bilder umgesetzt. So setzt Hamdy immer wieder geschickt landestypische Farben und Formen in ihre collagenartigen Bilder ein. Besonders lädt die Weltkarte, die nach dem Vorwort die Route des Sachbilderbuchs visualisiert, zum Entdecken ein. Hier hat die Illustratorin viele typische Besonderheiten integriert, die man manchmal erst auf den zweiten Blick erkennt.

Dass das Buch bereits für jüngere Kinder konzipiert ist (der Verlag bewirbt es ab 8 Jahren), wird vor allem an den Mitmachseiten und der häufigen Leser*innenansprache deutlich. Trotzdem ist das Buch zum Selbstlesen erst für etwas ältere Kinder der ausgehenden Primar- bzw. der beginnenden Sekundarstufe bewältigbar, da die Schrift für Leseanfänger*innen zu klein ist. Aber zum Vorlesen und Anschauen eignet es sich auch schon für jüngere Kinder und es ist auf alle Fälle ein Sachbilderbuch, das man über Jahre hinweg immer wieder in die Hand nehmen kann: Wenn man in den Medien eine negative Nachricht über Samoa oder Russland oder Haiti hört oder wenn die Nachbarn gerade aus den Ferien auf den Philippinen oder in Namibia zurückkehren oder die neue Arbeitskollegin oder der Mitschüler aus Syrien ist und man eigentlich sonst gar nichts über diese Länder weiß, lohnt sich der Blick in Gute Nachrichten aus aller Welt – von Sudan bis Afghanistan! Ein wirklich bereicherndes Sachbilderbuch zum Nachschlagen, Stöbern, Gedankenreisen, mit dem man dazulernt, das Vorurteile abbaut und das man mit guter Laune zuschlägt! 

Gute Nachrichten aus aller Welt – von Sudan bis Afghanistan kann sowohl zur individuellen als auch zur schulischen Leseförderung eingesetzt werden und ist auf alle Fälle eine Inspirationsquelle für Projekte im Bereich der BNE. Deswegen sollte es in jeder Schulbibliothek zu finden sein: für die Schüler*innen, aber auch die Lehrkräfte, die hier auf die Schnelle besondere Nachrichten über die Herkunftsländer ihrer Schützlinge erfahren oder Auszüge aus dem Buch nutzen können, um z. B. im Geographieunterricht das Schulbuch zu ergänzen.

 

Das Sachbilderbuch kann in mehrsprachigen Klassen eingesetzt, aber auch gezielt als Anlass genommen werden, über die Herkunftsländer der Schüler*innen, von denen in der Sammlung viele auftauchen dürften, zu informieren und das dort präsentierte Wissen mit dem Erfahrungsschatz der Lerngruppe sowie weitergehenden Recherchen in einem Schreibprojekt fortzuschreiben. 

 

Da es weder ein Kapitel zu Deutschland noch zu Österreich oder zur Schweiz gibt, liegt es nahe, im Rahmen des materialgestützten informierenden Schreibens im Deutschunterricht ein neues, auch mehrseitiges Kapitel zu konzipieren, für das alle Schüler*innen kurze Informationstexte (kooperativ) verfassen. Denn auch über Deutschland hört man häufig viel zu viel Negatives; Aktionen aus der Bürgerschaft, engagierte Ideen und innovative Impulse gehen häufig in der Berichterstattung unter, was auch zur zunehmenden Zukunftsunsicherheit bzw. -lähmung bei Schüler*innen beitragen dürfte. Hier kann im Unterricht gezielt dagegen gearbeitet werden und so Resilienz der Kinder und Jugendlichen durch einen positiven Blick auf Partizipationsmöglichkeiten aufgebaut werden: Die Recherche nach jüngst erfolgten Aktionen zur Mitgestaltung und positiver Veränderung in Gesellschaft, Kultur, Stadt und Land, Umwelt- und Naturschutz sowie Sport bietet viele Möglichkeiten, sich mit politischer Einflussnahme und Gestaltungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen und zu erfahren, dass eine solche für jede*n von uns möglich und sinnstiftend ist. Die entstehenden Texte sind sicherlich auch für die Schulgemeinschaft, vielleicht sogar für die Kommune bzw. Stadt interessant, zumal wenn die Schüler*innen sich – gerade in Zusammenarbeit mit dem Gemeinschaftskunde- bzw. Politikunterricht – mit dieser beschäftigt haben und könnten in einer kleinen Ausstellung der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Sollte sich das Projekt über den Klassenraum ausweiten, ist natürlich auch an die Zusammenarbeit mit weiteren Unterrichtsfächern wie Kunst oder die Nutzung von Projekttagen zu denken. Aber in kleinerem Rahmen können die besten Texte auch auf der Schulhomepage oder in der Schulbibliothek mit einem passenden Büchertisch präsentiert werden.

 

Ein solcher kann natürlich auch unabhängig davon neben den Gute[n| Nachrichten aus aller Welt mit Sachbüchern wie Generation Hope – wie wir gemeinsam die Welt verändern; Whistleblower Rebels – 20 Jugendliche, die für Wahrheit kämpfen; Boys who dare to be different; Good night stories for rebel girls weitere inspirierende Veröffentlichungen präsentieren und so Mut für eine bessere Zukunft machen.