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Fred im alten Rom - Im Schatten des Kolosseums

Buchtitel Fred im alten Rom - Im Schatten des Kolosseums
Autor*in, Übersetzer*in Birge Tetzner
Illustrator*in Karl Uhlenbrock
Lesealter 10+
Umfang (Seitenzahl) 240
Edition (Aktuelle Auflage) 1
Verlag ultramar media
ISBN 978-39819200-9-3
Preis 22 Euro
Erscheinungsjahr d. dt. Erstveröffentlichung 01.09.2025

In dem Erzählsachbuch Fred im alten Rom - Im Schatten des Kolosseums besucht Fred mit seinem Großvater Rom. Während eines ausgiebigen Stadtrundgangs landen die beiden im Kolosseum, wo sie mit der Archäologin Flavia verabredet sind. Diese führt sie durch die langen Gänge des Untergeschosses des Amphitheaters und erzählt ihnen von den damals üblichen Tierhetzen und Gladiatorenkämpfen. Auf einmal befindet sich Fred in echt mitten im hektischen Getriebe einer antiken Show und muss versuchen, zu überleben. Aber zuerst muss er einem verletzten Tierkämpfer helfen. Glücklicherweise trifft er dabei auf einen Medicus, der ihn als Gehilfen annimmt. So lernt Fred Rom von einer ganz anderen Seite kennen und erfährt am eigenen Leib noch mehr über die Geschichte und den Alltag der alten Römer. Ein besonderer Schwerpunkt des Erzählsachbuchs sind die Gladiatorenkämpfe und alles, was darum herum wissenswert ist: Ausbildung, Ernährung und Kämpfe der Gladiator*innen, antike Medizin, die Situation des Publikums bei den antiken Spielen, das Sklavensystem der römischen Antike – um nur einige der Aspekte zu nennen, die uns Birge Tetzner in ihrer Geschichte rund um Fred und den vielen zusätzlichen Sachinformationen detailgenau, anschaulich und verständlich vermittelt.

Eine Leseprobe ist (noch) nicht vorhanden. 

Die Fred-Reihe dürfte vielen Kindern bekannt sein, denn vor allem die Hörspielreihe, die ursprünglich aus einem Kinder-Audioführer des Pergamonmuseums zur großen Skythenausstellung 2007 entstanden ist, hat in den letzten zwei Jahrzehnten zahlreiche Fans gewinnen können. So gibt es inzwischen zahlreiche Abenteuer mit Fred, in denen Fred sich mit vergangenen Kulturen beschäftigt und dabei nicht nur viel über die Skythen, sondern auch über die Eiszeit, die Ägypter, die Römer oder auch die Wikinger erfährt und gleichzeitig spannende Abenteuer erlebt. Diese gelungene Mischung wurde 2019 gottseidank endlich in eine wunderschön illustrierte Buchausgabe gegossen: Fred bei den Wikingern. Seitdem hat es Fred in Buchform noch in die Eiszeit (2022) geschafft und nun ist endlich der dritte Band, basierend auf dem bereits erschienen Hörspiel erschienen. Wie bei den bisherigen Bänden der Reihe auch besticht Fred im alten Rom - Im Schatten des Kolosseums durch vielerlei Dinge: eine packende Geschichte, ein sympathischer Protagonist, spannende Sachinformationen und eine hinreißende Illustration. Hierfür ist wieder Klaus Uhlenbrock verantwortlich. Seine Illustrationen schaffen die besondere Atmosphäre dieser Reihe. Einerseits rekonstruieren sie detailgenau die Vergangenheit, indem Uhlenbrock z. B. genau die Waffengattungen der Gladiatorenzeit mit Schwarz-Weiß-Bleistiftskizzen zeichnet und immer wieder Originalrelikte der Römerzeit abgebildet werden, um die Erzählung mit Funden zu belegen. Andererseits schaffen es wunderschöne Farbillustrationen, die Distanz zur Vergangenheit aufzubrechen und der imaginierten Geschichte Leben einzuhauchen. Denn Uhlenbrock gelingt es neben der Vermittlung von historisch Verbürgtem hervorragend, eine besondere Atmosphäre einzufangen und die Figuren und deren Emotionen so zu zeichnen, dass man sich als Leser*in mitten im alten Rom fühlt. Dazu trägt auch Birge Tetzners Art der Geschichtserzählung bei. Nach einem kurzen Sachkapitel, das die Sage um die Entstehung Roms spannend nacherzählt, springt das Sacherzählbuch in die Gegenwart und der*die Leser*in begegnet zum ersten Mal Fred, der gerade in Rom angekommen ist. So knüpft Tetzner an Alltagserfahrungen an, die viele Kinder teilen können: die Begegnung mit einer neuen Stadt, einer fremden Sprache und Kultur. Gemeinsam mit Fred erobert man die Straße der Kaiserforen und das Forum Romanum und wird dabei vom Großvater unterhaltsam über die römische Geschichte unterrichtet, ohne dass dadurch die Handlung der Geschichte gestört wird. Fachbegriffe werden in der Geschichte farbig hervorgehoben und hinten ausführlich in einem fundierten Glossar erklärt. Rotbraun gestaltete Infotexte, die zwar etwas klein geschrieben sind, sich aber ansonsten gut ins Seitenlayout einfügen und durch die Farbgestaltung vor allem sofort als Zusatztext erkennbar werden, informieren über alle relevanten Themen. Besonders spannend wird es in dem Moment, als Fred in die Vergangenheit rutscht und in Tunika, Toga und Sandalen gekleidet auf einmal wirklich im alten Rom ist. Und zwar direkt bei einer Tierhetze! Dieser Moment wird durch Text und Illustration sehr spannungsreich geschildert und kann hier auch Kinder zum Lesen verführen, die vor allem äußere Handlungsspannung benötigen, um Lesemotivation aufzubauen. Da dieser Moment erst auf Seite 52 einsetzt, muss bei geschichtsdesinteressierten Leser*innen vielleicht auch ein anderer Einstieg ins Buch gewählt werden: entweder durch den Einsatz des Hörmediums, durch gemeinsames Lesen im Unterricht oder eine Vorwegnahme dieser überaus spannenden Stelle, um davon ausgehend herauszufinden, wie Fred überhaupt in diese Situation gekommen ist. Auf alle Fälle ist sicher: Spätestens an dieser Stelle werden alle Zuhörer*innen oder Leser*innen wissen wollen, wie es mit dem Jungen weitergeht und dabei en passant jede Menge wissenswerte Fakten über das Leben im alten Rom kennenlernen. 

Nach 170 Seiten ist das Abenteuer Freds zu Ende, aber zum Glück noch nicht das Buch. Die restlichen 60 Seiten sind gespickt mit zusätzlichen Informationstexten über das Römische Reich (wie bereits die Karte des ‘Imperium Romanum‘ zur Zeit der größten Ausdehnung im Jahr 117 n. Christus, die die Buchinnenseiten schmückt). Eine auf einer Seite komprimierte Zeittafel listet die wichtigsten Daten des Römischen Reichs auf, wobei man hier vielleicht statt der vorrangigen Auflistung von römischen Kaisern auch politische Ereignisse wie die Ständekämpfe oder die Christenverfolgung hätte aufnehmen können, um so einen Anschluss an den schulischen Geschichtsunterricht zu bieten. Positiv hervorzuheben ist, dass bei den nachgestellten Informationstexten immer wieder hervorgehoben wird, was wir heute trotz Archäologie und Geschichtswissenschaft nicht wissen, aber auch, wie wir dieses Nicht-Wissen (immer wieder neu) interpretieren können. So erfährt man eindrucksvoll, dass die Beschäftigung mit der Vergangenheit auch immer eine Rekonstruktion und eine Annäherung ist, die sich aus dem Interesse speist, wie die Menschen damals gelebt haben. Wer diese Seiten liest, erfährt auch manches über die Figuren der vorher gelesenen Geschichte, die in weiten Teilen eben auch von Quellen und genauer Geschichtskenntnis inspiriert ist. Interessant ist auch die Nutzung des historischen Bauwerks des Kolosseums, das Jahr für Jahr nicht nur Hundertausende Touristen anzieht, sondern es als Erinnerungsort gegen die Todesstrafe zu nutzen und ihm somit auch eine gegenwärtige Bedeutung zuzumessen. Das extra Kapitel über Waffengattungen der Gladiatoren darf für Begeisterte der Antike nicht fehlen. Hier werden sich vor allem junge Geschichtsfreaks ihr Spezialwissen anlesen! Aber auch die nach dem Glossar aufgelisteten Römerorte sowie die Literaturtipps zum Weiterforschen werden auf Begeisterung der alten und neuen Römerfans stoßen.

Fred im alten Rom - Im Schatten des Kolosseums ist ein wahres Juwel für Geschichtsliebhaber*innen jeden Alters, aber auch für Kinder und Erwachsene, die nicht nur in eine Geschichten eintauchen wollen, sondern dabei etwas über eine längst vergangene Kultur lernen möchten. Wissenschaftlich überaus fundiert weckt auch dieser Band die Vergangenheit zum Leben und begeistert für Geschichte – was will man mehr von einem Autorenduo, außer dass bald ein neuer Fred-Band erscheint?

Das Buch eignet sich sowohl für die individuelle Lektüre als auch für Leseförderung im unterrichtlichen wie schulischen Kontext. 

Aufgrund der überaus ansprechenden Gestaltung sollte es einen prominenten Platz in jeder Schul- und öffentlichen Bibliothek erhalten und z. B. auf Medientischen präsentiert werden. Da Birge Tetzner bereits viele historische Kindersachbücher- und hörspiele verfasst hat, wäre es möglich, sie als bekannte Autorin mit einem Autorenporträt zu feiern (2027 würde sich das z. B. zum 20-jährigen Jubiläum von Fred besonders anbieten), um sie einer noch größeren Leserschaft bekannt zu machen. 

Da Kinder sich besonders für die römische Geschichte interessieren, bieten sich ausgehend von Fred im alten Rom - Im Schatten des Kolosseums in einer Bibliothek Thementische zur Römischen Antike an, die mit bekannten Kinderbuchklassikern (z. B. Henry Winterfeld: Caius, der Lausbub aus dem alten Rom), aktuellen Neuerscheinungen (z. B. Gary Northfield: Julius Zebra – Raufen mit den Römern; Caroline Lawrence: Romans Quest – Flucht aus Rom) und anderen Sachbüchern (z. B. Andrea Schaller: Rom – Eine Stadt verändert die Welt) sowie weiteren Medien (z. B. Themenhefte von Geolino oder Dein Spiegel; Hörspiele wie Die Zeitdetektive; Filme wie Asterix und Obelix, Geheimnis um Rom usw.) Lust auf die Beschäftigung mit der Vergangenheit und aufs Lesen machen.

Auf der Homepage des Verlags, ultramar media, finden sich viele zusätzliche Fundstücke, wie Making-Ofs, Hörspielproben, aber auch Buchtrailer, die Lust auf die gesamte Buchreihe machen. So lässt sich vermuten, dass auch zu Fred im alten Rom - Im Schatten des Kolosseums Ähnliches nachgeliefert wird, um dieses neue Abenteuer in Buchform zu bewerben. Da es Im Schatten des Kolosseums bereits seit 2020 als von der Kritik hochgelobtes, Hörspiel gibt, lässt sich im Geschichts- oder Deutschunterricht wunderbar mit diesem Medienverbund arbeiten und auch weniger leseaffine Kinder für (diese) Geschichte begeistern.

Das Buch ist zudem im Geschichtsunterricht in Auszügen einsetzbar, z. B. um damit in eine Stunde motivierend einzusteigen. Auch Lernzirkel zum Thema Alltag im alten Rom können damit ergänzt werden. Als Buchempfehlung von der Geschichtslehrkraft kann es hier auch weniger leseaffine, aber geschichtsbegeisterte Jungs und Mädchen zum Lesen motivieren, was natürlich genauso über eine Buchvorstellung im Deutschunterricht geschehen kann. Hier bieten sich fächerübergreifende Leseprojekte an, z. B. das Erstellen eines digitalen Buchregals zum Thema „Römische Antike“ oder eine kleine Buchausstellung mit Kurzbewertungen in der Bibliothek oder in Papierform als „Buchvorstellung an der Leine“ vor dem Klassenzimmer.

Auch als gemeinsame Klassenlektüre ist Fred im alten Rom vorstellbar, wobei der hohe Anschaffungspreis dem entgegensteht. Ansonsten ist es aber auch denkbar, das Thema Römische Antike als übergreifendes Lektürethema zu wählen und dazu verschiedene Bücher in Kleingruppen zu lesen, um sich gemeinsam über die unterschiedlichen Umsetzungen auszutauschen.