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Der Traum vom Gold: Sportlegenden zwischen Hoffnung, Sieg und Niederlage

Buchtitel Der Traum vom Gold: Sportlegenden zwischen Hoffnung, Sieg und Niederlager
Autor*in, Übersetzer*in Volker Mehnert
Illustrator*in Paulina Eichhorn
Lesealter 10+
Umfang (Seitenzahl) 87 Seiten
Verlag Gerstenberg
ISBN 978-3-8369-6232-2
Preis 24,00 Euro
Erscheinungsjahr 2024

Der Traum von Gold stellt viele faszinierende Geschichten bekannter Sportler*innen vor. Dabei geht es nicht nur um sagenhafte Triumphe oder Rekorde, sondern auch um persönliche Tragödien, die das Leben der Sportler*innen geprägt haben. Insgesamt werden 19 bekannte Frauen und Männer in vierseitigen Kapiteln porträtiert – und Halla, das olympische Springpferd! In jedem Kapitel wird mindestens ein*e weitere*r Sportler*in beleuchtet und somit ein umfassenderes Bild der Sportart gegeben. Gewidmet wird das Buch dem unbekannten Olympiasieger von 1900, der zufällig in die Rolle eines Sportlers schlüpfen dufte und den niederländischen Zweier zum Sieg steuerte, aber eine anonyme Legende blieb. Die Auswahl des Sachbilderbuchs ist vielfältig: So werden von Fußball über Eiskunstlauf bis hin zu Schwimmern viele unterschiedliche Sportarten abgedeckt. Es werden Frauen und Männer (und ein Tier) aus ganz unterschiedlichen Ländern und Zeiten in den Mittelpunkt gestellt und dabei auch Besonderheiten des jeweiligen Sports aufgezeigt. Nicht ausgespart werden kritische Aspekte des Sports wie Doping oder Konkurrenzdenken sowie gesellschaftspolitische Phänomene wie Rassismus oder Diskriminierung.

Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden. 

Mit Der Traum vom Gold: Sportlegenen zwischen Hoffnung, Sieg und Niederlage ist dem Autor Volker Mehnert und der Illustratorin Paulina Eichhorn ein begeisterndes Kinder- und Jugendsachbuch gelungen. Denn aufgrund der überaus gelungene Auswahl von berühmten Sportler*innen und der Darstellung besonderer Momenten aus deren Leben will man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Die große Faszination des Sports kann vor allem mithilfe der farbenfrohen Illustrationen Eichhorns sehr gut nachempfunden werden. Die häufig großformatigen, fotorealistischen Zeichnungen fangen die Persönlichkeit der Sportler*innen so gut ein, dass man fast denkt, man säße ihnen direkt gegenüber oder sei auf dem Sportplatz, der Turnhalle, im Boxring anwesend. Auch die Sportart und deren Besonderheiten, z. B. in Bezug auf Bewegungsabläufe, werden durch kleinere Illustrationen eindringlich vermittelt.

Das breite Spektrum der ausgewählten Sportarten führt dazu, dass fast jede Schüler*in ‚seine‘ bzw. ‚ihre‘ Sportart oder sogar ein bereits bekanntes Idol finden kann. Ausgehend vom eigenen Freizeitverhalten und individuellen Interessen lassen sich somit neue Wissensbereiche erlesen und entdecken.

Der Aufbau des Sachbilderbuchs erfolgt immer nach dem gleichen Prinzip: Die Kapitelüberschrift besteht aus dem Namen der sportlichen Person sowie einer kurzen Schlagzeile. Hier werden sowohl Zitate aufgegriffen, wie bei Muhammad Ali mit „I am the greatest!“, oder charakterisierende Erläuterungen, die wie beispielsweise im Kapitel zu Simone Biles schon darauf hinweisen, dass „Medaillen nicht alles sind“. Diese kurzen Schlagzeilen motivieren ungemein zum Lesen, möchte man doch wissen, was es damit genau auf sich hat. Dies wird dann in den folgenden Texten erläutert. Der Haupttext beschreibt den bedeutendsten Karrieremoment und je nach gewähltem Schwerpunkt folgen ergänzende Abschnitte, die den Lebensweg und die Bedeutung der Sportlerinnen und Sportler ausführlicher darstellen. Ihnen wird zumeist ein*e weitere*r Athlet*in an die Seite gestellt, um die Sportart oder das zentrale Thema differenzierter zu beleuchten. Die Text-Bild-Kombinationen sind durchgängig sehr gut gelungen und bieten den Leser*innen einen eindrucksvollen Zugang in die jeweilige Sportswelt.

Interessant ist die Auswahl der Sportler*innen vor allem deswegen, weil nicht nur Menschen des 21. Jahrhunderts porträtiert werden, sondern im ersten Kapitel bis in die griechische Antike zurückgegangen wird. So wird mit Pheidippides, dem ersten Marathonläufer, der Zusammenhang zwischen Politik und Sport verdeutlicht, der auch in vielen weiteren Porträts aufgegriffen wird. So geht es eben nicht um reine Sportlerbiographien, sondern um das gesamte gesellschaftliche und politische Umfeld des Sports. Naturgemäß finden sich die meisten Beispiele im Buch zur Sportgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts, aber Volker Mehnert kramt auch spannende und weniger bekannte Einzelschicksale aus dem 18. und 19. Jahrhundert hervor. Lediglich eine Sportlegende aus dem nun immer wichtiger werdenden E-Sport fehlt. Aber vielleicht gibt es irgendwann einen zweiten Band? Stoff genug bietet die Sportgeschichte allemal und sicher ist auch, dass eine Fortsetzung viele interessierte Kinder und Jugendliche fände, die gerne mehr über ihre liebste Freizeitbeschäftigung lesen würden!

Der Traum vom Gold: Sportlegenden zwischen Hoffnung, Sieg und Niederlagen eignet sich gut für die private Lektüre, aber auch für freie Leseformate (z. B. in einer Lesekiste zum Thema Sport oder auch Vorbilder). Auch als Recherche-Grundlage für Sportlerbiographien oder auch bestimmte Querschnittsaspekte (z. B. Frauen im Sport, Sport im Nationalsozialismus, Rassismus im Sport) lässt sich das Buch gewinnbringend einsetzen. Im Deutschunterricht kann man es in einer Unterrichtssequenz zum materialgestützten Informieren verwenden, um z. B. weitere Texte nach dem vorliegenden Modell zu verfassen. Auch in einer Sequenz über ‚Vorbilder‘ könnte es seinen Platz finden. 

Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, denen dieses schön gestaltete Sachbilderbuch gefällt, sind besonders die bekannten Reihen Boys who dare to be different oder die Good Night Stories for Rebel Girls empfehlenswert.