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Dass das Buch Wenn die Welt unsere wäre auch als...
Autor*in: Barbara Reidelshöfer
| Buchtitel | Alles über Geister |
|---|---|
| Autor*in, Übersetzer*in | Adam Allsuch Boardman, übersetzt von Sabine Rahn |
| Illustrator*in | Ders. |
| Lesealter | 12+ |
| Umfang (Seitenzahl) | 128 |
| Edition (Aktuelle Auflage) | 1 |
| Verlag | Karibu |
| ISBN | 978-3-96129-508-1 |
| Preis | 19,99 Euro |
| Erscheinungsjahr d. dt. Erstveröffentlichung | 03.09.2025 |
Alles über Geister informiert die Leser*innen über die Geschichte der Geister und führt sie dabei von der Vormoderne bis ins 21. Jahrhundert. Nach einer Einleitung, in der Adam Allsuch Boardman erst einmal definiert, was ein Geist und was ein Spuk ist und darauf eingeht, wie durch kritisches Hinterfragen Spukgeschichten rational erklärt werden können, zeigt er auf, dass es Geister schon so lange wie den Menschen selbst gibt und dass sie in allen Kulturen der Welt zu finden sind. Antike Jenseitsvorstellungen werden dabei ebenso ausgeführt wie erklärt, was Hantus, Duppys und Dämonen sind. Informationen über geisterhafte Gäste, gruselige Feste, Schutzvorkehrungen vor der Geisterwelt und noch vieles mehr runden das Kapitel ab. Danach entführt uns der Autor direkt ins 19. Jahrhundert, das vor allem ausgehend von den USA ein wahres „Geisterjahrhundert“ gewesen ist: der Spiritismus und Mediumismus war en vogue! Damit einher gehen sprechende Bretter, Geisterfotografie, Clubs und Gesellschaften, die sich mit dem Thema Geister beschäftigen. Das sind interessante Fakten rund um das Thema Geister, die nicht jedem bekannt sein dürften. Und so geht es auch in den folgenden Kapiteln weiter: Umfassend wird über die Geschichte der Geister und ihre jeweiligen spezifischen, zeitabhängigen Ausprägungen informiert. Wie sieht ein moderner Geisterjäger aus und was ist sein Handwerkszeug? Dass Geister nicht nur in alten Häusern spuken, sondern auch auf den Leinwänden wird z. B. im Kapitel ‚Geister in den Medien‘ deutlich. Und dass es auch im Internet spukt, erläutert der Autor fast ganz am Schluss des Sachbilderbuchs anhand verschiedener Beispiele. Ein zweiseitiges Glossar fasst die wichtigsten Fachtermini zusammen. Besonders hilfreich ist der alphabetisch gelistete Index, in dem weit über 100 Begriffe, Namen und Orte auftauchen, sodass man Alles über Geister auch gut als Nachschlagewerk nutzen kann.
Eine Leseprobe ist nicht vorhanden.
Das Thema des Buches spricht ältere Kinder und Jugendliche sicher per se an, denn wer gruselt sich nicht gerne? Dass die Geschichte über Geister und Geisterjäger aber so viel Informatives bereithält, dürfte nicht allgemein bekannt sein und in diesem Sinne ist Alles über Geister eine wahre Fundgrube.
Das Cover ist – bis auf den Titel und einen weißen Geist – ganz in schwarz und eher schlicht gehalten; so passt es gut zum Mysteriösen, das Geister und Spukgeschichten umgibt. Dadurch, dass der Geist die Leser*innen direkt anblickt, greift man fast zwangsläufig zum Buch. Beim Aufschlagen wird man neugierig, denn die Buchinnenseiten zeigen eine Art Memo-Board voller Fotos und Notizzettel. Sofort will man wissen, was die einzelnen Begriffe wie ‚schwarzäugige Kinder‘ oder ‚Zwerg-Geister‘ bedeuten, was das Schiff des fliegenden Holländers mit Geistern zu tun hat oder wer die Personen sind, die auf den Fotos zu sehen sind. Schnell ahnen Leser*innen, dass man die Antworten auf all diese Fragen beim Lesen des Sachbilderbuches erhält.
Alles über Geister entführt einen somit sofort in die Welt der Geister und Spukgeschichten und hat eine schier überbordende Zahl an Mythen, Legenden und Kuriositäten versammelt, die man auf einen Rutsch durchlesen kann oder auch je nach Interessensgebiet nur kapitelweise. Darin liegt auf alle Fälle eine Stärke des Buches: Man ist nicht gezwungen, das Kapitel über die Vormoderne lesen zu müssen, wenn man gerade nur etwas über den Spiritismus des 19. Jahrhunderts erfahren möchte. So lädt das Buch dazu ein, zu schmökern und sich durch die Jahrhunderte treiben zu lassen, um die besonderen Ausprägungen des Geisterglaubens kennenzulernen. Für Erwachsene hält das Buch ebenfalls interessante Details bereit: Neben Informationen, die Literaturbegeisterten sicherlich bekannt sein dürften (William Butler Yeats und Arthur Conan Doyle werden beispielsweise als Spiritisten „entlarvt“), gibt es auch eher unbekannte Fakten und Phänomene wie z. B. die enge Verbindung zwischen Spiritismus und Missbrauch der meist weiblichen Medien.
Adam Allsuch Boardman widmet jedem Thema meist eine Doppelseite. Dabei findet sich viel Wissenswertes, genau Recherchiertes und auch manch Anekdotisches, sodass eine – auch im grafischen Sinne – bunte, überaus ansprechende Mischung von Informationen sowohl ältere Kinder als auch Jugendliche sowie Erwachsene anspricht. Die vielen Illustrationen ergänzen wunderbar die Sachinformationen und setzen durch kleine Details immer wieder humorvolle Akzente – man merkt, dass der Autor Brite ist.
Einzig beim Kapitel ‚Auf Geisterjagd‘ hat wohl der Wille nach Diversität dazu geführt, dass man als Leser*in ziemlich lange überlegen muss, welche Rolle die abgebildeten Figuren haben: Denn hier wird erklärt, dass „Geisterjäger typischerweise britische oder amerikanische weiße Männer aus der Mittelklasse“ (S. 60) sind. In der dazugehörigen Bildergeschichte, die die übliche Untersuchung, also die Geisterjagd, visualisieren soll, findet man dann mehrere Figuren, bei denen man sich nach längerem Überlegen ein Geisterjäger-Team, bestehend aus einer Frau und einem Schwarzen Mann, erschließt – eine Verwirrung, auf die man im Sinne einer klaren, auch historisch korrekteren Darstellung besser verzichtet hätte. Denn durch die vielen Beispiele aus verschiedenen Kulturkreisen zeigt das Sachbilderbuch bereits eine Geschichte der Geister und Geisterjäger, die nicht rein eurozentrisch ist, wenngleich nicht alle Geistererscheinungen erfasst sind (so fehlt z. B. ein Kapitel über Voodoo).
Die Altersempfehlung des deutschen Verlags erscheint mit 10 Jahren etwas tief gegriffen, denn viele Zusammenhänge sind durchaus komplex und erfordern sowohl eine gewisse Lesekompetenz, aber auch Allgemeinbildung, was sich in der englischen Altersempfehlung (ab 14 Jahren!) widerspiegelt. Leseerfahrene Geisterjäger werden sicherlich schon mit 12 Jahren viel Freude an diesem toll gestalteten Sachbilderbuch zu einem außergewöhnlichen Thema haben. Aber auch für ältere Jugendliche ist es auf alle Fälle ein Buch, das zum Lesen anregen kann, und mit einem Gutschein für einen Gruselfilm ohne Frage ein beliebtes Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk darstellt!
Alles über Geister ist das perfekte Buch für den Halloween-Büchertisch in der öffentlichen oder schulischen Bibliothek und kann so die schon bekannten Sachbücher wie Geister (Enzyklopädie des Wunderbaren) von Sébastien Perez oder Halloween. Von Geistern, Vampiren und anderen Spukgestalten von Birge Tetzner wunderbar ergänzen.
Im Deutschunterricht kann es in Auszügen genutzt werden, um z. B. thematisch zu Geistern mit Sachtexten zu arbeiten oder gegenüberzustellen, wie Sachbilderbücher, Lexikonartikel oder Webseiten das Thema umsetzen.
Alles über Geister kann sehr gut für Buchvorstellungen verwendet werden. Besonders eignet es sich als Grundlage für ein kooperatives Präsentationsformat, da die einzelnen Kapitel eine hohe Informationsdichte aufweisen und somit das Sachbilderbuch auch von einem Team gelesen und präsentiert werden kann. Videoformate wie booktubes bzw. booktoksbieten sich ebenso an wie (Live-)Podcasts, in denen nicht nur der Inhalt von Alles über Geister vorgestellt und bewertet wird, sondern auch dessen Gestaltung.