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Dass das Buch Wenn die Welt unsere wäre auch als...
Autor*in: Dominik Achtermeier
| Buchtitel | Wie spricht man eigentlich über den Tod? |
|---|---|
| Autor*in, Übersetzer*in | Anna Fiske, übers. v. Ina Kronenberg |
| Illustrator*in | Anna Fiske |
| Lesealter | 8+ |
| Umfang (Seitenzahl) | 80 |
| Edition (Aktuelle Auflage) | 1 |
| Verlag | Hanser |
| ISBN | 978-3-446-28735-8 |
| Preis | 17,00 € |
| Erscheinungsjahr d. dt. Erstveröffentlichung | 2024 |
Der Tod gehört zu den großen Themen des Lebens – und zugleich zu jenen Bereichen, über die Erwachsene oft nur schwer sprechen können. Kinder hingegen begegnen Fragen nach Sterben, Abschied und Trauer häufig mit bemerkenswerter Offenheit. Genau hier setzt Anna Fiskes Sachbilderbuch Wie spricht man eigentlich über den Tod? an. Die vielfach ausgezeichnete norwegische Autorin und Illustratorin widmet sich einem existenziellen Thema mit einer Mischung aus Sachlichkeit, Wärme und kindgerechter Unbefangenheit.
Eine Leseprobe ist vorhanden.
Bereits auf den ersten Seiten wird deutlich, dass Fiske keine tröstenden Floskeln oder einfachen Antworten liefern möchte. Stattdessen greift sie Fragen auf, die viele Kinder beschäftigen: Was passiert, wenn jemand stirbt? Warum müssen Menschen sterben? Wie läuft eine Beerdigung ab? Und was geschieht danach?
Das Buch beschränkt sich dabei nicht auf biologische Erklärungen des Sterbens, sondern thematisiert ebenso Trauer, Erinnerungen, unterschiedliche Bestattungsformen sowie religiöse und kulturelle Vorstellungen vom Tod. Besonders hervorzuheben ist die konsequente Multiperspektivität: Verschiedene Deutungen stehen nebeneinander, ohne dass eine Sichtweise als allgemeingültig dargestellt wird. Dadurch eröffnet das Sachbilderbuch Räume für eigene Gedanken und bietet Ausgangspunkte für Gespräche über den Tod und das Sterben.
Eine besondere Stärke zeigt sich in den kulturvergleichenden Einblicken. So wird beispielsweise der mexikanische ‚Tag der Toten‘ vorgestellt, an dem Verstorbene mit Musik, Lieblingsspeisen und festlichen Ritualen geehrt werden. Solche Beispiele erweitern den Blick auf den Umgang mit Tod und Trauer und machen deutlich, dass Abschiednehmen in unterschiedlichen Kulturen sehr verschieden gestaltet werden kann.
Gestalterisch bleibt Anna Fiske ihrem unverwechselbaren Stil treu: Die farbenfrohen, detailreichen Illustrationen laden zum Entdecken ein und verleihen dem Thema eine überraschende Leichtigkeit. Die bewusst einfach gehaltenen Figuren erinnern an Kinderzeichnungen und schaffen einen niederschwelligen Zugang. Dadurch verliert das ernste Thema etwas von seiner Schwere, ohne jedoch verharmlost zu werden.
Typisch für das Sachbilderbuch ist das enge Zusammenspiel von Bild und Text: Informationen werden nicht nur erklärt, sondern zugleich visualisiert, ergänzt und kommentiert. Viele Seiten enthalten kleine Szenen und Beobachtungen, die zum längeren Verweilen und gemeinsamen Betrachten anregen.
Die Sprache ist klar, direkt und leicht verständlich. Komplexe Sachverhalte werden in kurzen Textabschnitten erläutert, ohne vereinfacht oder belehrend zu wirken. Fiske nimmt die Fragen von Kindern ernst und begegnet ihnen auf Augenhöhe. Humorvolle Elemente lockern die Lektüre immer wieder auf und schaffen eine Atmosphäre, in der auch schwierige Gefühle ihren Platz haben dürfen.
Gerade diese Verbindung aus Sachinformation, Offenheit und behutsamem Humor macht das Buch zu einer gelungenen Gesprächsgrundlage. Es vermittelt nicht nur Wissen über Sterben und Tod, sondern unterstützt zugleich die emotionale Auseinandersetzung mit Verlust, Trauer und Erinnerung.
Der Verlag empfiehlt das Buch bereits für Kinder ab vier Jahren. Diese Einschätzung erscheint jedoch nur eingeschränkt überzeugend. Zwar können einzelne Bilder und Gesprächsanlässe bereits jüngeren Kindern zugänglich sein, viele der angesprochenen Fragen und Perspektiven setzen jedoch ein gewisses Maß an Abstraktionsvermögen voraus. Aus pädagogischer Sicht eignet sich das Buch daher besonders für Grundschulkinder ab etwa acht Jahren.
Darüber hinaus bietet die Vielfalt der Inhalte auch Jugendlichen und Erwachsenen zahlreiche Anknüpfungspunkte. Insbesondere Eltern, Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte sowie Mitarbeitende in Bibliotheken finden hier ein außergewöhnliches Sachbilderbuch, das Wissen vermittelt, Gespräche eröffnet und unterschiedliche Zugänge zum Thema Tod bietet.
Das Sachbilderbuch Wie spricht man eigentlich über den Tod? sollte in keiner schulischen und öffentlichen Bibliothek fehlen, denn es kann sowohl inhaltlich wie gestalterisch voll überzeugen. Gerade für Heranwachsende im Grundschulalter, die sich für das Lebensende interessieren und bisweilen sehr offen mit dem Thema Tod umgehen, ist der Titel auf alle Fälle eine Wissensquelle, die sicherlich auch das Nachdenken über die eigene Endlichkeit anregt und daher durch einen für dieses Thema sensibilisierten Erwachsenen begleitet werden sollte.
Darüber hinaus bietet das Buch zahlreiche Anknüpfungspunkte für den Einsatz im Unterricht. Die abwechslungsreich gestalteten Doppelseiten laden dazu ein, gemeinsam ins Gespräch zu kommen, Fragen zu sammeln und eigene Vorstellungen vom Sterben, Tod und Erinnern zu entwickeln. Insbesondere im Sachunterricht, Religionsunterricht oder in fächerübergreifenden Projekten kann das Buch als Ausgangspunkt für philosophische Gespräche, kreative Schreibanlässe, Rechercheaufträge oder die Gestaltung eigener Sachbuchseiten dienen. Dabei überzeugt der Titel vor allem dadurch, dass er keine einfachen Antworten vorgibt, sondern Kinder dazu ermutigt, eigene Fragen zu stellen und unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen.
Auch außerhalb der Schule eignet sich das Buch hervorragend als Gesprächsanlass in Familien, Bibliotheken oder anderen Bildungseinrichtungen. Die kindgerechte Aufbereitung eines oftmals tabuisierten Themas erleichtert es Erwachsenen und Kindern gleichermaßen, über eigene Erfahrungen, Ängste und Hoffnungen ins Gespräch zu kommen.
Wer Gefallen an diesem gelungenen Sachbilderbuch findet, dem seien die weiteren Werke der norwegischen Autorin und Illustratorin Anna Fiske empfohlen. In ihren Aufklärungsbüchern greift sie Themen auf, die Kinder unmittelbar beschäftigen und zu denen sie häufig viele Fragen haben. Die bei Hanser erschienen Titel Alle gehen in die Schule (2021), Wie macht man eigentlich ein Baby? (2022), Wie ist es eigentlich, erwachsen zu sein? (2023) oder Alle haben einen Po (2024) zeigen eindrucksvoll, wie Sachbücher Neugier wecken, zum Nachdenken anregen und zugleich Freude am Entdecken vermitteln können. Gerade diese Verbindung aus Wissen, Staunen und Gesprächsanlässen macht Anna Fiskes Bücher zu einer lohnenswerten Bereicherung für Schule, Bibliothek und Familie.
Bücher wie Frank Hartmanns Sachbuch Wie tief ist ein Grab? Alles über Sterben, Tod und Abschiednehmen (2024) und Radieschen von unten dürfen darf auf einem Thementisch für Kinder, Erwachsene greifen vielleicht gerne neben demn generationenübergreifenden Titeln noch zusätzlich zu Ralph Caspers Ratgeber Wenn Papa jetzt tot ist, muss er dann sterben? (2020).