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Dass das Buch Wenn die Welt unsere wäre auch als...
Autor*in: Dominik Achtermeier
| Buchtitel | Wer hat hier das Sagen? |
|---|---|
| Autor*in, Übersetzer*in | Caroline Stevan, übers. v. Silv Bannenberg |
| Illustrator*in | Elīna Brasliņa |
| Lesealter | 10+ |
| Umfang (Seitenzahl) | 188 |
| Edition (Aktuelle Auflage) | 1 |
| Verlag | Helvetiq |
| ISBN | 978-3-03964-119-2 |
| Preis | 22,50 Euro |
| Erscheinungsjahr d. dt. Erstveröffentlichung | 2025 |
Caroline Stevans Sachbilderbuch Wer hat hier das Sagen? überschreitet die Grenzen eines traditionellen Lehrbuchs zur politischen Geschichte und hält, wie der Untertitel bereits andeutet, eine umfassende Reise in die Welt von Diktatoren, Präsidentinnen, Königen und anderen Herrscherfiguren bereit. Das von Elīna Brasliņa wundervoll und farbenfroh illustrierte Buch nimmt wissbegierige Heranwachsende ebenso wie interessierte Erwachsene mit auf eine historische Expedition, die menschliche Gesellschaften und ihre Regierungsformen vorstellt. Im Zentrum stehen die grundlegenden Fragen nach der Natur und Notwendigkeit von Herrschaft: Brauchen Menschen immer einen Anführer und wie kann Macht fair aufgeteilt werden? Das Buch beleuchtet diese Thematik unter anderem anhand biografischer Kurzporträts historischer Persönlichkeiten, stellt deren Wirken und Politik vor und bewertet sie.
Eine Leseprobe ist vorhanden.
Aus der früheren Zusammenarbeit der Autorin Caroline Stevan und der Illustratorin Elīna Brasliņa am Sachbuch Die Stimme der Frauen – Das Frauenwahlrecht meinen Kindern (und ihren Eltern) erklärt (2021), in dem der lange Weg der Frauen zur politischen Mitbestimmung nachgezeichnet wird, entstand bereits der Wunsch, sich intensiver mit dem Thema Macht auseinanderzusetzen. Obwohl die Geschichte der Macht traditionell männlich geprägt ist, wird in diesem Buch bewusst auch eine weibliche Perspektive eingenommen.
Dass Stevan das Thema umfassend und zugleich kindgerecht aufbereitet, zeigt sich bereits im Aufbau: sieben Kapitel, die jeweils klare Leitfragen formulieren. Geschickt nutzt die Autorin eine persönliche Ansprache, durch die Kinder und Jugendliche von der Einleitung bis zu den Dankesworten aktiv mitgenommen werden. Gleich zu Beginn wird durch Alltagsbezug und Aktualität Interesse geweckt: „Wenn du dieses Buch in deinen Händen hältst, lebst du bestimmt in einer Demokratie. Ich hoffe, es kann dir dabei helfen, sie zu hegen und zu pflegen.“
Nachdem in den ersten beiden Kapiteln zunächst Grundbegriffe geklärt und historische wie gegenwärtige Machtstrukturen anhand prägnanter Beispiele erläutert werden, widmet sich das dritte Kapitel den „Spielarten der Diktatur“ (S. 114 f.). Auf einer Doppelseite werden Herrschaftsformen wie „Gottesherrschaft“, „Absolute Monarchie“ oder „Faschismus“ voneinander abgegrenzt. Viele dieser Begriffe sind vertraut. Für die abstrakten Begriffe werden anschauliche Beispiele ihrer Ausprägung in der Weltgeschichte erläutert, sodass sie jugendliche Leser*innen problemlos verstehen können. Stevan greift Fragen auf, die dabei ganz selbstverständlich entstehen: Weshalb sind Diktatoren, Despoten und Tyrannen häufig miteinander befreundet? Und wie kann eine Diktatur überwunden werden?
Besonders spannend wird die Lektüre, wenn das Sachbilderbuch über die Darstellung von Machtverteilung und Verantwortung in Demokratien hinausgeht und Idealvorstellungen einer herrschaftsfreien Gesellschaft diskutiert. In kurzen, gut verständlichen Texten stellt die Autorin gesellschaftliche Utopien vor und zeigt alternative Organisationsformen von Macht – sogar im Tierreich.
Neben einem Glossar bietet der Anhang ein abwechslungsreiches Angebot: ein Quiz, ein Fehlersuchbild, einen humorvollen Psycho-Test („Welche Art von Diktator*in bist du?“) sowie eine Bibliografie für Kinder und Erwachsene. Damit beweist Caroline Stevan ein feines Gespür dafür, das Thema für verschiedene Lern- und Lesetypen zugänglich zu machen.
Wer hat hier das Sagen? motiviert über die Lektüre hinaus dazu, Machtstrukturen in Schule, Familie oder Gesellschaft selbst zu hinterfragen und zu erproben. So wird das Sachbilderbuch zu einer vielschichtigen, anregenden und visuell überzeugenden Publikation, die komplexe politische Mechanismen auf verständliche und zugleich unterhaltsame Weise vermittelt.
Das Sachbilderbuch Wer hat hier das Sagen? eignet sich in besonderer Weise für die schulische wie auch außerschulische Leseförderung, da es auf mehreren Ebenen zum Nachdenken, Diskutieren und Weiterlesen anregt. In der Sekundarstufe I kann es insbesondere im Politik-, Ethik- und Geschichtsunterricht eingesetzt werden, um Lesekompetenz, Urteilsbildung und politisches Denken zu fördern. Durch die klare Kapitelstruktur, die sachlich prägnante Sprache und die anschauliche Gestaltung lassen sich gezielt Lesestrategien trainieren – etwa das Formulieren von Fragen an den Text, das Klären von Fachbegriffen oder das Zusammenfassen zentraler Aussagen. In einer Unterrichtseinheit zu Macht und Demokratie kann das Buch beispielsweise den Einstieg in Themensequenzen zu Herrschaftsformen, Beteiligung und Verantwortung oder Missbrauch von Macht bilden. Schülerinnen und Schüler erstellen mithilfe des Sachbilderbuchs zu Begriffen wie „Macht“, „Diktatur“ und „Demokratie“ Mind-Maps, vergleichen historische und aktuelle Machtstrukturen und reflektieren, welche Formen von Macht sie selbst im Alltag erleben. Kurze Lesepassagen können als Grundlage für Gruppenarbeiten, Debatten oder kreative Aufgaben dienen – etwa das Entwerfen einer „gerechten Regierung“ oder das Schreiben eines Tagebucheintrags aus der Sicht einer fiktiven Herrscherfigur.
Besonders für den Geschichtsunterricht bietet das Buch wertvolle Anknüpfungspunkte, um politische Systeme verschiedener Epochen miteinander zu vergleichen. In der Sekundarstufe I lässt sich die Darstellung der „Spielarten der Diktatur“ aus dem Buch mit historischen Beispielen wie der römischen Kaiserherrschaft, der absolutistischen Monarchie oder totalitären Systemen des 20. Jahrhunderts in Beziehung setzen. Dabei können Schüler*innen herausarbeiten, wie sich Macht in unterschiedlichen historischen Kontexten legitimiert – durch göttliche Berufung, dynastische Ordnung oder ideologische Überhöhung – und wie sich diese Muster bis in die Gegenwart fortsetzen oder verändern. In der Sekundarstufe II lässt sich das Buch zur Vertiefung einsetzen, etwa um autoritäre und populistische Tendenzen moderner Gesellschaften mit historischen Herrschaftsformen zu vergleichen. So kann die Diskussion darüber entstehen, welche Strukturen Diktaturen ermöglichen, wie demokratische Systeme gefährdet werden und welche Rolle Medien, Sprache und Machtinszenierung dabei spielen. Der Vergleich verschiedener Systeme – etwa einer faschistischen Diktatur und gegenwärtigen populistischen Bewegungen – erlaubt eine differenzierte Betrachtung von Machtmechanismen, ohne historische Ereignisse oder Akteure mit der Gegenwart gleichzusetzen. Fazit: Für den schulischen Kontext ein unverzichtbares Sachbilderbuch mit großem Potential für fächerübergreifendes Lernen!
Aber auch im außerschulischen Bereich eröffnet Wer hat hier das Sagen? zahlreiche Möglichkeiten für eine lebendige Literaturvermittlung. In Bibliotheken oder Jugendtreffs könnten Leseclubs auf den Titel aufmerksam gemacht werden. Der Aufbau des Sachbuchs eignet sich, um jede Woche ein Kapitel in Vorbereitung auf das nächste Leseclub-Treffen zu lesen und dort dann gemeinsam zu diskutieren. Unter Anleitung eines Experten bzw. einer Expertin könnten die Jugendlichen beispielsweise erarbeiten, wie sich Macht in historischen Diktaturen von demokratischer Mitbestimmung unterscheidet, oder eigene Erfahrungen mit Macht und Verantwortung in Schule, Familie oder Verein reflektieren. In Schreib- und Kreativwerkstätten könnten sie inspiriert durch das Buch eigene Utopien einer gerechten Gesellschaft entwerfen, Szenen aus einer fiktiven Demokratie als Kurzgeschichte schreiben oder die Konzepte in Form von Comics visualisieren. Dabei lassen sich Themen wie Gewaltenteilung, Partizipation oder gesellschaftliche Verantwortung spielerisch erproben.
Digitale Formate erweitern die Vermittlungsmöglichkeiten zusätzlich: Jugendliche könnten einen Podcast produzieren, in dem sie zentrale Begriffe des Buches erklären oder aktuelle Beispiele demokratischer und autoritärer Strukturen analysieren. Ebenso denkbar sind kurze Video-Clips oder Erklärvideos für Social-Media-Plattformen, in denen sie etwa die Unterschiede zwischen Absolutismus, Faschismus und moderner Populismusbewegung anschaulich darstellen. Diese Aktivitäten fördern nicht nur die kritische Auseinandersetzung mit politischen Themen, sondern stärken auch Medien- und Präsentationskompetenz und die Fähigkeit, komplexe Inhalte verständlich zu vermitteln.