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Steine und Gebeine – Was Fossilien uns über das Leben auf der Erde erzählen

Buchtitel Steine und Gebeine – Was Fossilien uns über das Leben auf der Erde erzählen
Autor*in, Übersetzer*in Rob Wilshaw, übers. v. Cornelia Panzacchi
Illustrator*in Sophie Williams
Lesealter 8+
Umfang (Seitenzahl) 80 Seiten
Verlag E. A. Seemann Henschel
ISBN 978-3-86502-531-9
Preis 22,00 Euro
Erscheinungsjahr 2024

Überreste früherer Lebensformen, die im Gestein der Erdkruste erhalten geblieben sind, nennt man Fossilien. Ein Glück, dass in der Vergangenheit Sediment frühere Lebensformen konserviert oder besser „mineralisiert“ hat. Rob Wilshaw informiert in Steine und Gebeine – Was Fossilien uns über das Leben auf der Erde erzählen kindgerecht über die Faszination dieser Überreste und ihrer Wissenschaft (Paläontologie), die erst im 19. Jahrhundert entstand. Nach einer grundlegenden Einführung ins Thema Fossilienkunde geht es auf Zeitreise ins Präkambrium und das Paläozoikum, das Mesozoikum, das Känozoikum und zurück in die Gegenwart. Das bildgewaltige wie wunderschön illustrierte Sachbuch stellt sich abschließend die Fragen „Wie kommt ein Dinosaurier ins Museum?“ und „Wie wird man Paläontolog*in?“, bevor es mit einem Glossar schließt.

Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden. 

Auf jeder Seite des Sachbilderbuchs wird die Faszination Rob Wilshaws für Fossilien spürbar. Mit einem „Fossilbericht“ verschafft er seinen Leser*innen zunächst einen Überblick über die Epochen der Erdgeschichte – man könnte auf der Bildebene ebenso von Erdschichten sprechen. Und auf diese Weise wird den Heranwachsenden schnell klar: Um Fossilien aus dem Präkambrium zu finden, muss man schon ganz schön tief graben. 

Der weitere Aufbau der Kapitel ist sinnvoll gewählt, nimmt uns Wishaw doch mit auf eine spannende Zeitreise durch die Erdgeschichte. Den Anfang bilden 3,5 Milliarden Jahre alte Cynaobakterien. Wir begegnen Arm- und Gliederfüßlern, bevor wir zum Dimetrodon blättern. Dieser ist ein Vorfahre der Dinosaurier. Funde aus der Trias, Jura- und Kreidezeit wissen über die echte Jurassic World viel zu berichten. 

Die Erdgeschichte und das Leben in jeder Epoche werden immer wieder durch „Fallstudien“ unterbrochen. Hier finden sich jeweils kleine Infokästen mit in der Regel kuriosen Hintergrundinformationen, die wie Post-its gestaltet sind. Sophie Williams sorgt mit ihrem markanten, comicartigen Zeichenstil für viel Aufsehen, sodass Lesende ganz gewiss länger auf den Doppelseiten verweilen werden, die jeweils auch für sich stehen können und nicht chronologisch gelesen werden müssen. Ganz besonders werden die unzähligen Arten von Dinosauriern, die uns das Sachbuch vorstellt, begeistern. Diese reichen vom 50 Zentimeter langen Tropidosuchus bis zum 26 Meter langen Diplodocus. Grafiken (z.B. eine Gegenüberstellung der Fortbewegung von Dinosauriern und Krokodilen) sowie Listen (z.B. ein Überblick, was wir dank der Forschung über Dinosaurier wissen und was eben nur reine Fiktion ist) sorgen für besten Lesespaß und erstklassige Unterhaltung.

Mit einem bunten Baum voller Fossilien und der Frage danach, warum Paläontologie wichtig ist, endet das Sachbuch. So erfahren wir, dass Paläontologie es uns ermöglicht, aus der Vergangenheit zu lernen, wie wir die Ökosysteme und alle in ihnen lebenden Arten heute vor der Klimaerwärmung und ihren Folgen schützen können. Erste Erkundungen können unter Zuhilfenahme der Tipps im Buch im Bachlauf in unserer Nachbarschaft vorgenommen werden. Auf diese Weise wird das Sachbilderbuch zu einer Art Mitmach-Buch und lockt die Lesenden aus ihren Sesseln heraus in die Natur, dorthin, wo das Abenteuer auf Klein und Groß wartet. Und wer weiß, vielleicht schlummern in dem ein oder anderen Nachwuchsforscher auch unentdeckte Talente, die später einmal in einen Beruf in den Naturwissenschaften überführen? 

Chapeau – solche lehrreichen und unterhaltsamen Sachbücher brauchen wir in unserer sich immer schneller drehenden Welt. Denn sie öffnen den Blick für das manchmal kleine, unscheinbare Steinchen, das Urzeitleben konserviert und überdauert hat.

Die Rezension zeigt, dass das Sachbuch vielfach einsetzbar ist. In einer Bibliothek, die z. B. mit einem Thementisch jungen Leser*innen Lust auf Naturwissenschaft machen möchte, darf dieses Sachbuch sicher nicht fehlen. Denn es richtet sich sowohl an Heranwachsende, die bereits von Dinosauriern fasziniert sind, als auch an jene, deren Interesse an Bakterien, Fossilien oder die Erdgeschichte erst noch geweckt werden muss.

Um die Lesemotivation in der Primarstufe zusätzlich zu fördern, bieten sich verschiedene kreative Begleitangebote an. So könnten fächerübergreifend (Deutsch + Sachunterricht) etwa Forscherpässe gebastelt bzw. ausgegeben werden, mit denen sich Kinder ab Klassenstufe 3 auf eine „Leseexpedition“ durch das Buch begeben und bei jeder gelösten Aufgabe oder beantworteten Frage einen Stempel sammeln. Auch eine Mini-Fossilienwerkstatt – etwa mit Gipsabdrücken oder Sand-Ausgrabungen – kann das Interesse am Thema wecken und den Sachtext mit praktischer Erfahrung verknüpfen.

Darüber hinaus lädt das Buch dazu ein, eigene Entdeckungen zu dokumentieren: Kinder könnten ihr „Lieblingstier der Urzeit“ zeichnen und einen kleinen Steckbrief dazu verfassen oder in Gruppen einen Zeitstrahl der Erdgeschichte mit Illustrationen aus dem Buch nachbauen. Wer gerne erzählt oder schreibt, kann die Biografie der Fossilienforscherin Mary Anning (S. 8f.) kreativ aufgreifen – etwa in Form eines Tagebuchs, Interviews oder kleinen Hörspiels.

Solche begleitenden Aktivitäten regen nicht nur zum Lesen an, sondern schaffen auch eine Verbindung zwischen Textverstehen, Kreativität und Forscherdrang – eine ideale Kombination für lebendige Leseförderung im Sachbuchbereich.