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Dass das Buch Wenn die Welt unsere wäre auch als...
Autor*in: Dominik Achtermeier
| Buchtitel | EVOLUTION – Von der Entstehung des Lebens bis heute |
|---|---|
| Autor*in, Übersetzer*in | Sarah Darwin & Eva-Maria Sadowski |
| Illustrator*in | Olga Baumert |
| Lesealter | 10+ |
| Umfang (Seitenzahl) | 64 Seiten |
| Edition (Aktuelle Auflage) | 1. Aufl. |
| Verlag | Arena |
| ISBN | 978-3-401-72065-4 |
| Preis | 18,00 € |
| Erscheinungsjahr d. dt. Erstveröffentlichung | 13.09.2024 |
Die Evolution ist Thema vieler Sachbücher, besonders für naturwissenschaftlich interessierte Heranwachsende. Doch wenn die Ururenkelin des berühmten Naturforschers Charles Darwin, Sarah Darwin, gemeinsam mit ihrer Berliner Kollegin Eva-Maria Sadowski ein Sachbuch über die Evolutionsgeschichte herausbringt, darf man wohl besonders gespannt sein. Mit ihrem Sachbuch setzen sich die Autorinnen das Ziel, die Vielfalt von Lebensarten auf unserem Planeten vorzustellen und mit überraschenden Informationen in Text und Bild neugierig auf vergangene und gegenwärtige Naturräume zu machen.
Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden.
Auf rund 96 Seiten entfaltet sich ein reich illustriertes Panorama der biologischen Evolution: Von den ersten Einzellern über die Entwicklung komplexer Lebensformen bis hin zum heutigen Artenreichtum. Darwin und Sadowski verbinden wissenschaftlich fundierte Informationen mit erzählerischen Elementen, anschaulichen Beispielen und verständlichen Erklärungen. Themen wie natürliche Selektion, Anpassung, Fossilienfunde oder die Bedeutung von DNA werden altersgerecht eingeführt, ohne dabei zu vereinfachend oder belehrend zu wirken.
In chronologischer Reihenfolge beginnt die Zeitreise mit der Entstehung der Erde vor 4,6 Milliarden Jahren. Doch es gibt nicht nur Rückwärts-, sondern auch Vorausschauen. So geht die Wissenschaft etwa davon aus, dass sich die Kontinente in 220 Millionen Jahren wieder zu einem Superkontinent bilden, so wie vor 250 Millionen Jahren Pangäa. Es folgen Kapitel zum Regenwald, zum Leben im Meer und in Sumpfgebieten, die den Weg der Entwicklung vom Wasser ans Land nachzeichnen. Dabei eröffnet jede Doppelseite den Lesenden ein neues Thema.
Jedes, der 27 Kapitel, besteht aus einer Doppelseite und überzeugt durch abwechslungsreiche Textkästen, Illustrationen und Fragen, die zum Weiterdenken und Staunen anregen. Das Kapitel, in dem die natürliche Selektion‘ beschrieben wird (S. 12f.), ist wie ein Spielbrett gestaltet und besteht aus acht Feldern. Durchläuft man die Felder, eröffnet sich den Lesenden, weshalb eine Pflanze, die von Kaninchen besondere gerne verzehrt wird, nach kurzer Zeit in den Kampf ums Dasein kommen kann und auf einer saftigen Wiese aussterben kann.
Die Illustratorin Olga Baumert zieht die Lesenden durch detailgetreue Anschauungsobjekte visuell in ihren Bann. Bereits auf dem farbenfrohen Cover blicken uns exotische Tiere aus einem Urwald an Pflanzen und Blättern ins Gesicht und machen so neugierig auf die Inhalte des Sachbuchs. Dieser Vorgeschmack entfaltet in den Kapiteln eine sinnstiftende Wirkung, indem die Illustrationen kein Beiwerk zu den kurzen Textportionen sind, sondern ein Fenster in unsere (un-)bekannte Evolutionsgeschichte.
Die ‚Koevolution‘, der Prozess, bei dem sich zwei oder mehr Arten gegenseitig in ihrer Evolution beeinflussen, wird auf Seite 36 am Phänomen der Bestäubung von Pflanzen durch kleine Tiere erklärt. Letztere werden durch einen besonderen Duft oder die Farbe, die eine Pflanze entwickelt, angezogen, um den Pollenstaub oder Samen zur nächsten Pflanze zu transportieren. Im Anschluss an diese eindrückliche Erklärung wird eine historisch-wissenschaftlicher Perspektive eingenommen: Charles Darwin hat bereits im 19. Jahrhundert festgestellt, dass Orchideen ihren Nektar am Ende einer 30 Zentimeter langen Röhre sammeln. Er schloss daraus, dass der Bestäuber eine ebenso lange Zunge oder Saugrüssel haben muss, um an den Nektar zu gelangen.
Beim Lesen der kurzen, doch sehr prägnanten Texte stellen Jungen wie Mädchen fest, dass die Autorinnen sehr darauf bedacht sind, einer jungen Leserschaft wissenschaftlichen Befunde altersgerecht näherbringen zu wollen. Dabei werden Fachbegriffe reduziert und/oder umschrieben. Bedauerlicherweise treten diese kleinen Informationstexte teilweise vor den bildgewaltigen wie eindrucksvollen Illustrationen der talentierten Olga Baumert zurück. Dies liegt auch an der reduzierten Schriftgröße, die das Lesen etwas erschwert und den Fokus stärker auf die visuelle Gestaltung rücken lässt.
Ein besonderes Highlight des Sachbuchs EVOLUTION – Von der Entstehung des Lebens bis heute ist die durchgängige Einbindung berühmter Entdecker*innen und Wissenschaftler*innen, wodurch die Forschungsgeschichte vom 18. Jahrhundert bis ins 21. Jahrhundert lebendig wird. Im jüngsten Zeitabschnitt der Erdgeschichte, dem Quartärzeitalter, angekommen, zeigen Darwin und Sadowski auf, dass heute Menschen die Welt verändern. Viele negative Beispiele, z.B. menschengemachter Klimawandel durch Umweltverschmutzung und die daraus resultierenden verheerenden Folgen für das Leben oder Sterben von Pflanzen und Tieren, aber auch die Übertragung gefährlicher Viren aus der Natur auf den Menschen, bleiben nicht ohne einen optimistischen Ausblick. So appellieren die Autorinnen: „Doch die Menschen können diesen Wandel noch abbremsen und unseren Planeten für künftige Generationen retten.“ (S. 49) Zwei ‚Persönlichkeiten‘ die auf dieser Doppelseite nicht fehlen dürfen, sind die in einem Kurzporträt abgebildeten `Persönlichkeiten‘ Uğur Şahin und Özlem Türeci, die den COVID-19-Impfstoff entwickelten und dafür ausgezeichnet wurden.
Ein (Stamm-)Baum des Lebens, eine Weltkarte mit den berühmtesten Fossilienfundorten sowie ein Glossar mit den wichtigsten Fachbegriffen rundet das Sachbuch ab und zeugen davon, dass man dieses Sachbuch als Nachschlagewerk auch lange nach der ersten Lektüre immer wieder einmal aufschlagen kann.
Dass sich Menschen auf allen Kontinenten in diesem Augenblick für eine nachhaltige Zukunft unseres Planeten einsetzen, zeigen Darwin und Sadowski durch Kurzvorstellungen weiterer Wissenschaftler*innen (S. 51). Sich mit diesen Persönlichkeiten näher auseinanderzusetzen, kann ein möglicher Ansatz für eine unterrichtliche Vertiefung darstellen. Möglich wäre es, die Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen und Umweltschützer*innen mithilfe von Kurzreferaten noch mehr in unser Bewusstsein zu rücken. Auch ein Vergleich der Persönlichkeiten früher und heute wäre möglich, um Parallelen ihres Wirkens und Forschens festzustellen. Fächerübergreifendes Potenzial entfaltet das Sachbuch besonders für eine Verknüpfung der naturwissenschaftlichen Fächer mit den Fächern Geografie und Deutsch.
Ein Hinweis auf die Arbeit des Museums für Naturkunde Berlin und das National History Museum London – beide sind vor oder nach der Lektüre einen Besuch wert! – klärt auf, dass sich seit 1992 ein internationales Netzwerk die Aufgabe stellt, in Forschungszusammenhängen auf Kulturen und ihre Lebensräume besonders achtzugeben und Naturwissenschaft als Teamarbeit zu denken. So könnte man die Auseinandersetzung mit dem Sachbuch auch als Anlass nehmen, um eines dieser oder auch ein kleineres naturkundliches Museum zu besuchen, um zu erforschen, welche Aspekte dort dem Publikum nähergebracht werden sollen.