Gratulation!
Wir gratulieren Jörg Isermeyer sehr herzlich zum Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder und Jugendbücher 2025 für seinen Roman Egal war gestern....
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Autor*in: Dominik Achtermeier
| Buchtitel | Die Geschichte der Schrift - Von der Steinzeit bis zum Digitalzeitalter |
|---|---|
| Autor*in, Übersetzer*in | Ekaterina Stepanenko, übers. v. Edmund Jacoby |
| Illustrator*in | Natalja Jaskina |
| Lesealter | 12+ |
| Umfang (Seitenzahl) | 64 Seiten |
| Verlag | Jacoby & Stuart |
| ISBN | 978-3-96428-215-6 |
| Preis | 20,00 Euro |
| Erscheinungsjahr | 2024 |
Neben der Sprache ist die Schrift das wichtigste Kulturwerkzeug. Doch wann und aus welcher Notwendigkeit heraus entstanden die ersten schriftlichen Aufzeichnungen? Wie funktionierte schriftliche Kommunikation in den altorientalischen Kulturen? Sind Bilder eigentlich auch Schrift? Welche Bedeutung hat das Schreiben in der Digitalität? Diesen und vielen weiteren Fragen widmet sich die Autorin Ekaterina Stepanenko im von Natalja Jaskina kongenial illustrierten Sachbuch Die Geschichte der Schrift – Von der Steinzeit bis zum Digitalzeitalter.
Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden.
Heranwachsenden die Kulturgeschichte der Schrift näherzubringen, gehört zu den wesentlichen Bildungsaufgaben in der Schule. Denn erst die Schrift erlaubt es Menschen unabhängig von Zeit und Raum schriftlich fixierte Informationen zu speichern und immer wieder abzurufen. Die Autorin Ekaterina Stepanenko und die Illustratorin Natalja Jaskina stellen mit ihrem Sachbuch unter Beweis, wie man Heranwachsenden ein umfangreiches Wissen über die Entwicklung der Schrift Adressat*innen gerecht in Text und Bild vermitteln kann. Hierzu laden sie die Leser*innen auf eine besondere Zeitreise ein, auf der an unterschiedlichen Stationen der Weltgeschichte Halt eingelegt wird. In chronologischer Reihenfolge begegnen Rezipierende auf den Doppelbuchseiten, die je einen thematischen Schwerpunkt setzen, zunächst Urmenschen, die kein Schriftsystem benötigten, um anderen Stämmen den Krieg zu erklären oder sich gegenseitig auf Gefahren hinzuweisen. Zur Verständigung nutzen sie nämlich einfache Gegenstände. Gestützt durch die mitreißenden wie anschaulichen Bildwelten der prämierten Illustratorin Jaskina, erfahren die Leser*innen, dass sich die heutigen Schriftsysteme nicht aus Gegenstandsschriften wie der Muschel-, Stock- oder Knotenschrift entwickelten, sondern aus Zeichnungen, wie sie vor 40.000 Jahren Menschen auf Höhlenwänden anbrachten. Doch nicht nur auf Wände, sondern auch auf Ton, Papyrus, Papier und nicht zuletzt Leder wurde geschrieben, sodass sich eine regelrechte Schreib- und Buchkunst entwickeln konnte.
Durch kurze Textblöcke und ausgewählte Informationen macht Stepanenko ihre Leser*innen nicht nur neugierig, sondern lädt Heranwachsende wie Erwachsene neben dem Wissensaufbau stets zum Mit- und Weiterdenken ein. Den Lesenden kann durch Informationen aus der Zeit der Sumerer, in der aus Zeichenbildern (Piktogrammen) auch Lautzeichen (Phonogramme) entwickelt wurden, bewusstwerden, dass sich eine Silbenschrift entwickelt hat, die dem Lautsystem unserer Sprache nahesteht. Die Entwicklung des Alphabets zwischen 1750 v. Chr. bis heute, d.h. von protosinaitischen zu lateinischen Schriftzeichen, wird auf der letzten Doppelbuchseite nachgezeichnet und lässt das Erkennen und Deuten der Entwicklungen von Buchstaben zu.
Das vom Verlag für das Lesealter ab 12 Jahren empfohlene und von Edmund Jacoby aus dem Russischen übersetzte Sachbuch wird jüngere wie ältere Leser*innen begeistern und sogar zusammenbringen. Zum Beispiel über Emojis, die wir heutzutage in der digitalen Kommunikation ganz selbstverständlich nutzen, die Schrift aber erst seit dem Jahrtausendwechsel ergänzen. Und doch erinnern sie an die Anfänge der Schrift in Bildern. Trotz technologischen Fortschritts und einer Veränderung der Wahrnehmung, kognitiver Fähigkeiten und des Gedächtnisses, so Stepanenko, hänge unsere Zukunft immer noch vom Lesen und unserer Vorstellungskraft ab. Am Ende der Kulturgeschichte vermisst man ein Kapitel zur Bedeutung von Schrift im Feld der künstlichen Intelligenz. Die Auseinandersetzung mit digitaler Textproduktion (z.B. durch KI-Chatbots wie ChatGPT) sollte unbedingt in der Familie oder in der Schule Vertiefung finden.
Im Anschluss an die Vorbemerkungen lässt sich das Sachbuch vielfältig einsetzen: Neben der privaten Lektüre für neugierige Leser*innen wird es gleichermaßen Viel- wie Wenigleser*innen aufgrund seiner Gestaltung zum Schmökern einladen. Auf keinen Fall darf das Buch in gutsortierten Bücherkisten, Klassen- oder Schulbüchereien fehlen, da es vergleichsweise wenig kindgerechte Sachbücher zu diesem Themenbereich gibt. Der Band Das Buch der bekannten Sachbuchreihe WAS IST WAS kann themenspezifisch ergänzend eingesetzt und zum Vergleich herangezogen werden. Fächerübergreifend lässt sich das Sachbuch Die Geschichte der Schrift – Von der Steinzeit bis zum Digitalzeitalter im Fach Deutsch, Geschichte und Erdkunde einsetzen. Auf diese Weise können Heranwachsende antike Kulturen und Völker, die maßgeblich an der Herausbildung von Schriftsystemen beteiligt waren, oder Epochen, in denen die Schrift revolutioniert wurde, genauer unter die Lupe nehmen. Im Anschluss an die Lektüre und eine Internetrecherche bietet es sich an, die Entwicklung der Schrift in Kurzreferaten, mit einer Klassenwandzeitung oder einem selbsterstellten Wiki zur Schrift nachzuzeichnen.