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Dass das Buch Wenn die Welt unsere wäre auch als...
Autor*in: Dominik Achtermeier
| Buchtitel | Brücken |
|---|---|
| Autor*in, Übersetzer*in | Magda Garguláková, übers. v. Mirko Kraetsch |
| Illustrator*in | Jakub Bachorík |
| Lesealter | 12+ |
| Umfang (Seitenzahl) | 72 |
| Edition (Aktuelle Auflage) | 1 |
| Verlag | Karl Rauch |
| ISBN | 978-3-7920-0388-6 |
| Preis | 28,00 € |
| Erscheinungsjahr d. dt. Erstveröffentlichung | 15.07.2025 |
In dem Sachbilderbuch Brücken werden Brücken nicht einfach als Hilfsmittel zur Überquerung eines nicht leicht passierbaren topografischen Hindernisses gekennzeichnet. Vielmehr entfaltet Magda Garguláková in fünf Kapiteln eine wahre Evolutionsgeschichte der Brücke, in der keine Frage wissbegieriger jüngerer wie älterer Leser*innen offenbleiben dürfte. So wird in Bild und Text beantwortet, in welchen unterschiedlichen Situationen Brücken hilfreich sein können, welche physikalischen Kräfte wirken müssen, damit eine Brücke hält, welche historischen Zeugnisse Brücken und ihre Baukunst uns heute noch geben und welche Funktion sie in Filmen, Sagen und Mythen oder als Symbol erfüllen.
Eine Leseprobe ist vorhanden.
Es gibt Brücken aus Holz, Stahl und Beton, doch man spricht ebenso von ‚Brücken‘, wenn es darum geht, politische Gräben zu überwinden. Dann müssen Brücken, meist als kleine Pflänzchen im Kopf großer und kleiner Weltenlenker, gebaut werden. Um diese symbolischen Brücken und sogenannte ‚Brückenbauer‘ – zu letzterer Kategorie zählt u. a. der Papst im Vatikan – geht es am Rande in diesem Sachbilderbuch auch, doch natürlich stehen echte Brücken und ihre Ingenieurskunst im Zentrum dieser zum Staunen einladenden Sachliteratur im fein geprägten Einband. Ein großformatiges und gewichtiges Buch ist es geworden, welches dank der klaren und verständlichen Sprache Magda Gargulákovás, in der Übersetzung aus dem Tschechischen von Mirko Kraetsch, auf jeder Doppelseite mit thematischen Hinführungen sowie Beschreibungen der Abbildungen aufwartet. Besonders gut gelungen sind aber die zahlreichen eindrücklichen Illustrationen von Jakub Bachorik, die unverwechselbar sind und teils an Wimmelbuchillustrationen erinnern. Informationen, die in Flussdiagrammen angeordnet sind, ziehen die Blicke der Lesenden auf sich, leiten die Augen und laden zum Verweilen ein. Ein Highlight ist wohl die doppelseitige Illustration Venedigs mit all seinen Kanälen und Brücken (S. 28-29). Die kunstvollen Brückenansichten sind mal minimalistisch-skizzenhaft, mal detail- und maßstabsgetreu. Sie zeigen, erklären oder vergleichen verschiedene Brücken und bleiben dank ihrer Ikonografie im Kopf. Garguláková und Bachorik gelingt es auf diese Weise, den Lesenden Überblicks-, aber auch Detailwissen zu vermitteln. Schritt für Schritt führen sie Interessierte lesend und gleichzeitig staunend in die Planung und Konstruktion von Brücken (S. 12-16) ein, zeigen auf Statistikseiten etwa, wie viele Brücken über weltbekannte Flüsse reichen (S. 19), und diskutieren, wie lang, haltbar, merkwürdig, kurios und schön Brücken sind. Auf diese Weise werden Kategorien aufgebaut, mit denen auch Brücken-Noviz*innen auf Anhieb etwas anfangen können. Physikalisches, politisches, geografisches und historisches Wissen wird in diesem Sachbuch eher unterschwellig vermittelt. Gerade diese zeitgemäße Form der analogen Informationsvermittlung ist in einer so hohen Qualität heute gar nicht so leicht zu finden.
Das Buch überzeugt durch einen geschickten Aufbau und findet unterschiedliche visuelle Gestaltungsformen: Für „Die Geschichte der Brooklyn Bridge“ wählt der Illustrator etwa den Stil der Graphic Novel. Dabei dominieren Blautöne, die nur von der US-Flagge unterbrochen werden (S. 38-39). Die Kapitel, in denen Lesende zum Mitdenken und Mitmachen eingeladen werden, erstrahlen in einem warmen Gelbton. Hierzu gehört es auch, sich als Baumeister*in einer Spaghetti-Brücke zu erproben (S. 53), wodurch der Sachbuchtitel geschickt Rezeption und Selbststätigkeit verknüpft.
Insofern ist der Weg von der Spaghetti-Brücke im Buch zur eigenen Spaghetti-Brücke am Küchentisch zuhause oder am Arbeitstisch in der Schule bereits geschlagen. Leseförderung mit dem Sachbilderbuch Brücken von Garguláková und Bachorik kann sehr vielfältig umgesetzt werden. Dass Brücken symbolisch für Beziehungen zwischen Völkern, für Übergang und Hoffnung stehen können, lässt sich im Deutsch- wie Politik- oder Religionsunterricht vertiefen. Hierzu können auch kreative Schreib- wie Arbeitsaufträge gestellt werden, die an das Alter der Lerngruppe angepasst sein sollte. Diese könnten lauten: „Wo müssen wir in unserem Schulalltag Brücken bauen?“ oder „Welche Eigenschaften muss ein Politiker oder Geistlicher mitbringen, der Brücken zwischen unterschiedlichen Völkern, Interessen oder Weltanschauungen bauen möchte bzw. der Zuversicht und Hoffnung in den Köpfen von Menschen pflanzen will?“
Darüber hinaus regt das Sachbilderbuch dazu an, über die vielen Brücken und Übergänge nachzudenken, die Geschichte geprägt und verändert haben. Beispielsweise war die Bösebrücke, die die Berliner Ortsteile Prenzlauer Berg und Wedding verbindet, Schauplatz der deutsch-deutschen Geschichte. Am Abend des 9. Novembers 1989 passieren dort die ersten DDR-Bürger den Grenzübergang. Der Film Bornholmer Straße von Christian Schwochow aus dem Jahr 2014 zeigt die letzten Stunden am Checkpoint vor der Öffnung und steht für unzählige Brücken, die immer auch schon Schicksalsorte im Leben von Menschen waren und sind.
Auch Fontanes Ballade Die Brück‘ am Tay kann in einer Projektarbeit zu Brückenunglücken in Medien – exemplarisch für literarische Texte – genauer untersucht und mithilfe historischer Quellen überprüft werden.
Besonders der Neubau der Leverkusener Rheinbrücke (A1) oder der Rahmedetalbrücke (A45) eignet sich gut für eine genauere Betrachtung im Geografieunterricht. Jugendliche lassen sich für Berichte oder Dokumentationen begeistern, die den Abriss oder die Sprengung alter Brücken zeigen und erklären, wie neue Brücken geplant und gebaut werden. Bei all diesen Ideen kann das Sachbilderbuch Brücken von Magda Garguláková und Jakub Bachorík als passende Begleitlektüre dienen.