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Dass das Buch Wenn die Welt unsere wäre auch als...
Autor*in: Dominik Achtermeier
| Buchtitel | Atlas der fantastischen Orte |
|---|---|
| Autor*in, Übersetzer*in | Altea Villa, übers. v. Anke Wellner-Kempf |
| Illustrator*in | Andrea Alemanno |
| Lesealter | 8+ |
| Umfang (Seitenzahl) | 80 Seiten |
| Verlag | Edizioni White Star |
| ISBN | 978-8863126211 |
| Preis | 16,95 Euro |
| Erscheinungsjahr | 2023 |
Der Atlas der fantastischen Orte entführt seine Leser*innen auf eine Reise zu geheimnisvollen, sagenumwobenen und oft mythischen Stätten der Literaturgeschichte. Das Sachbilderbuch stellt eine faszinierende Sammlung der bekanntesten Schauplätze der Fantastik und Fantasy vor, die durch Sagen, die sich im Laufe der Zeit mit fantastischen Elementen angereichert haben, oder fiktionale Erzählungen berühmt geworden sind. Von der versunkenen Stadt Atlantis über Nimmerland bis hin zu Camelot und Avalon – das Werk kombiniert Fakten, Mythen und künstlerische Darstellungen, um diese außergewöhnlichen Orte zum Leben zu erwecken.
Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden.
In einer Welt, die immer schneller und digitaler wird, bewahrt der Atlas der fantastischen Orte mit Texten von Altea Villa und Illustrationen von Andrea Alemanno einen ganz besonderen Zauber: Er lädt junge Leserinnen und Leser auf zehn fesselnde Entdeckungsreise durch die sagenumwobenen, geheimnisvollen und fantastischen Winkel jener Welten ein, mit denen Generationen von Menschen bis heute aufgewachsen sind.
Jeder der vorgestellten Orte erhält zunächst eine liebevoll gestaltete Doppelseite. Hier findet sich eine prägnante, leicht verständliche Einführung in den Ort und sein kulturelles Symbolsystem. Ergänzt wird dies durch stilvolle, detailreiche Illustrationen, die die Fantasie anregen und eine wahrhaft immersive Leseerfahrung schaffen. Sie verleihen den Beschreibungen eine atmosphärische Tiefe und laden zum Staunen ein. Die nächste Doppelseite trägt jeweils die Randbemerkung „Meine Notizen“ und führt Heranwachsende durch die Handlung, die an jenem sagenumwobenen Ort stattgefunden haben. Kleine Info-Boxen liefern zusätzlich spannende Fakten und vertiefende Einblicke, ohne den Lesefluss zu stören. Herauszuheben sei aber die für einen richtigen Atlas unverzichtbare Kartografie aller zehn Welten. In einem jeweils der Umgebungen angepassten Zeichenstil zeigt das Kartenmaterial, wie labyrinthisch oder systematisch die Orte dieser Welt zusammenhängen. So lässt Andrea Alemanno das grüne Oz weit über die Smaragdstadt hinaus ins Umland leuchten. Das Land Albion illustriert sie als Schauplatz der Artussage hingegen mit seinen Burgen, Türmen, Bergen, Wäldern und Seen. Wegpunkte verbinden diese Schauplätze, an denen das zuvor vorgestellte Figurenpersonal (Zauberinnen, Königinnen, Lehrer des Königs und Ritter) zum Leben erwacht.
Die visuelle Aufmachung des Atlas ist zweifellos eine seiner größten Stärken. Die ästhetisch ansprechende Gestaltung macht das Sachbilderbuch zu einem echten Blickfang in jedem Bücherregal. Die Illustrationen sind nicht nur schön anzusehen, sondern erzählen selbst Geschichten und laden dazu ein, immer wieder neue Details zu entdecken. Auch die sprachliche Zugänglichkeit ist hervorragend gelungen: Die Texte sind in einer klaren, gut verständlichen Sprache gehalten, die sich ideal für Leser*innen ab etwa 8 Jahren eignet. Komplizierte Zusammenhänge werden einfach und anschaulich erklärt, ohne dabei an Tiefe zu verlieren. Die Vielfalt der Themen ist beeindruckend; der Atlas bedient eine breite Palette von Interessen – sei es Mythologie, Abenteuer, Geschichte oder Geografie – und spricht damit ein breites, auch älteres Publikum an, das sich für die Geheimnisse und Wunder unserer fantastischen Welt begeistert.
Der Atlas der fantastischen Orte eignet sich zum Aufbau von Lesemotivation ganz besonders, da er vor der Lektüre die literarische Welt vorstellt, ohne die gesamte Handlung zu verraten. Vielmehr macht er Lust, diese Welt lesend selbst zu erobern und bildet somit eine Brücke vom Sachbuch zur fiktionalen Literatur. Denn Actionreichtum und Abenteuer sind stets vorprogrammiert und somit gewiss Anreiz für Jungen wie Mädchen, ein Buch wie Tolkiens Der kleine Hobbit oder Stevensons Die Schatzinsel in die Hand zu nehmen. Übrigens gibt es mit der Arena-Reihe Klassiker einfach lesen ganz wunderbare Nacherzählungen, die bereits Leseanfänger*innen adressieren.
Ganz gewiss ist eine generationenübergreifende Lektüre oder das Weiterspinnen bzw. Ausdenken neuer Geschichten, die sich an diesen Orten abspielen könnten, eine willkommene Gelegenheit, sich mit Literatur erzählerisch und spielerisch auseinanderzusetzen. Auch kann der Atlas in Grundschule und der frühen Sekundarstufe I dazu anregen, andere literarische Welten, beispielsweise der letzten Lektüre, mit Stift oder Pinsel zeichnerisch zu gestalten und die Sammlung fortzusetzen. So eignet sich das Sachbilderbuch also auch hervorragend für den fächerübergreifenden Unterricht.
Denkbar wäre auch, diese Vorlagen als Modell für eigene Buchvorstellungen zu nutzen und die Kinder zu ihren Büchern z. B. im Kunstunterricht eine Landkarte mit einem passenden Illustrationsstil anfertigen zu lassen, mit deren Hilfe sie dann auch ihren Roman der Lerngruppe zugänglich machen könnten.
Jugendlichen und Erwachsenen, die an einer größeren Sammlung interessiert sind, seien auch die Bücher Atlas der literarischen Orte von Sarah Baxter oder Schauplätze der Weltliteratur: Eine Reise zu berühmten Orten großer Werke, herausgegeben von John Sutherland, zu empfehlen.