Buchcover Kuno Klapper hat nicht alle Knochen beisammen

Das Kinderbuch Kuno Klapper hat nicht alle Knochen beisammen von Tina Schilp erzählt ein humorvolles...

Rezensiert von Stefanie Boor

Das schusselige Skelett Kuno Klapper hat 100. Geburtstag und soll bei einer großen Feier in den Stand der großen Skelette aufgenommen werden. Dabei darf Kuno kein einziger Knochen fehlen. Da vermisst er in letzter Minute die linke Ferse! Und auch andere Skelette sind nicht mehr komplett. Wo steckt der Knochendieb? Die Suche startet als gruselig-liebenswürdiges Abenteuer.

BuchtitelKuno Klapper hat nicht alle Knochen beisammen
AutorTina Schilp, illustr. v. Vera Kiegeland
GenreHorror & Grusel
Lesealter8+
Umfang165 Seiten
Edition1. Auflage
VerlagCBJ
ISBN978-3-570-18272-7
Preis12,00 €
Erscheinungsjahr2025

Das Kinderbuch Kuno Klapper hat nicht alle Knochen beisammen von Tina Schilp erzählt ein humorvolles Gruselabenteuer rund um das schusselige Skelett Kuno. Ausgerechnet an seinem 100. Geburtstag stellt Kuno fest, dass ihm ein wichtiger Knochen – seine linke Ferse – fehlt. Dabei muss ein Skelett zu diesem besonderen Anlass unbedingt vollständig sein. Denn nur dann darf es aus dem Elternhaus ausziehen und endlich in die eigene Gruft einziehen.

Zunächst glaubt Kuno, den Knochen selbst verloren zu haben, doch bald wird klar, dass auch andere Untote betroffen sind. In der Stadt Torfingen scheint ein geheimnisvoller Knochendieb sein Unwesen zu treiben. Gemeinsam mit dem Zombiemädchen Amy, seinem unangenehmen Cousin Jonas und seinem besten Freund Valentin macht sich Kuno auf die Suche nach den verschwundenen Knochen.

Auf ihrer Reise durch die Welt der Untoten erleben sie spannende und teils gruselige Abenteuer, treffen auf ungewöhnliche Kreaturen und stoßen auf Rätsel und Gefahren. Dabei lernen die Figuren, zusammenzuarbeiten und einander zu vertrauen.

Die Geschichte verbindet gruseliges Setting mit viel Witz und warmen Momenten und erzählt von Selbstständigkeit, Freundschaft und dem Mut, sich auf unbekannte Wege zu begeben.

Eine Leseprobe ist verfügbar. 

Mit Kuno Klapper hat nicht alle Knochen beisammen gelingt Tina Schilp eine humorvolle, gruselig-leichte Geschichte, die perfekt auf eine mittlere Lesestufe (etwa ab 9 Jahren) zugeschnitten ist. 

Die Geschichte rund um das tollpatschige Skelett Kuno, das seinen fehlenden Knochen sucht und dabei einem geheimnisvollen Dieb auf die Spur kommt, überzeugt durch ein hohes Erzähltempo und viele witzige Einfälle. Die skurrile Welt der Untoten wird kindgerecht und mit einem Augenzwinkern dargestellt, sodass auch weniger geübte Leser*innen nicht abgeschreckt werden. Nicht zuletzt wird Kunos Unvollständigkeit – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne – zum Motor der Handlung. Junge Leser*innen, die oft an knappen, lustigen Geschichten mit leichtem Grusel Gefallen finden, werden sich schnell mit Kuno, dem kleinen Skelett, identifizieren. 

Die narrative Struktur ist klar gegliedert und folgt einem klassischen Spannungsaufbau mit episodischen Abenteuern, die auf ein zentrales Rätsel hinführen. Besonders hervorzuheben ist die dialogische Gestaltung, die nicht nur zur Charakterisierung der Figuren beiträgt, sondern auch die Lesbarkeit erhöht.

Die Satzstrukturen sind klar und überschaubar, die Kapitel mit meist um die 12 Seiten kurz und durch Wendepunkte gut gegliedert – ideal für junge Leser*innen, die noch ihre Ausdauer beim Lesen aufbauen. Der Umfang der einzelnen Abschnitte ist gut bewältigbar und die Handlung schreitet zügig voran. So ermöglicht der Titel Erfolgserlebnisse und stützt die Lesefreude.

Die Sprache spielt gekonnt mit Wortspielen und Alltagsbezügen, ohne zu überfordern. Da klappert Kuno wortwörtlich in verschiedenen Situationen vor Angst. Oder es wird vom „Geistergram-Kanal“ (S. 103) und von der „Nachtflix-Serie“ (S. 107) berichtet.

Ein weiterer Pluspunkt liegt in der Gestaltung: Die Illustrationen von Vera Kiegeland greifen die humorvoll-gruselige Atmosphäre stimmig auf und unterstützen das Textverständnis. Leider sind sie im Innenteil nur schwarz-weiß. Dennoch: Sie lockern das Schriftbild auf und bieten visuelle Ankerpunkte, die gerade für leseschwächere Kinder motivierend wirken. Meist füllen die Illustrationen eine ganze Seite, wodurch der Text, übrigens im Blocksatz, auch nicht zu oft unterbrochen wird.

Der bunte Titel schafft Neugierde, indem er Wimmelbild-ähnlich viele kleine Hinweise auf Figuren und Handlung gibt. So ist sofort die Hauptfigur Kuno erkennbar und auch die Nebenfiguren werden gezeigt. Die sabbernden Kürbisse lassen das Buch sicherlich zu einem beliebten Titel zur Halloween-Zeit werden.

Hilfreiches Detail: Das Vorsatzpapier stellt die einzelnen Figuren vor, was vorweg den Einstieg erleichtert und anschließend Sicherheit beim Lesen gibt. 

Wertvoll ist die Geschichte zudem durch ihre Themen: Loslassen, Selbstständigkeit und Freundschaft werden in einer humorvollen, nicht moralisierenden Form vermittelt. Aspekte wie Kooperation und Selbstakzeptanz werden nicht didaktisch überreizt, sondern nebenbei in die Handlung integriert. 

Zwei Frauenbilder sind hervorzuheben: Das Vampirmädchen Amy präsentiert erstens einen coolen, selbstbewussten Mädchentyp. Zweitens: der Bösewicht, in vielen Geschichten oftmals männlich, ist hier weiblich – und wird am Ende rehabilitiert.

Das Buch ist besonders geeignet für Wenig- oder Nichtleser, da die Kombination aus humorvoller Gruselgeschichte, klar strukturierter Handlung, dialogreicher Erzählweise und unterstützender Illustration einen motivierenden, leicht zugänglichen Einstieg bietet und das Buch somit zu einem besonders attraktiven Lesestoff für die Zielgruppe von boys & books macht.

Ein attraktiver Lesestoff für Jungen (und Mädchen), weil er Lesemotivation durch Humor, Spannung und visuelle Zugänglichkeit weckt. Und das Beste: Teil 2 folgte bereits im März 2026.

Fazit: Das Buch eignet sich in besonderer Weise für den Einsatz in der motivierenden Leseförderung, da es durch seine Kombination aus Humor, Spannung, klarer Struktur und visueller Unterstützung sowohl schwächeren als auch geübteren Leser*innen einen attraktiven, niedrigschwelligen Zugang zur Literatur eröffnet und nachhaltige Leselust fördern kann.

Kuno Klapper hat nicht alle Knochen beisammen bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten im schulischen wie außerschulischen Kontext. Das Buch eignet sich grundsätzlich sowohl als Klassenlektüre als auch für die eigenständige Freizeitlektüre. Besonders im Rahmen von Vielleseverfahren (z. B. Lesetagebücher, Antolin-Programme, freie Lesezeiten) entfaltet der Text sein Potenzial, da er durch Spannung und Humor eine intrinsische Lesemotivation begünstigt. Und bei Lust auf mehr: Es gibt bereits einen zweiten Teil.

Maßnahmen der Leseförderung

Das Werk ist besonders geeignet für beispielsweise motivationsorientierte Leseförderung (z. B. in Leseclubs oder Fördergruppen), da es Hemmschwellen gegenüber dem Lesen abbaut. Die dialogreiche Geschichte eignet sich aber auch sehr gut zum Vorlesen, Mitlesen und der szenischen Umsetzung. Kapitel für Kapitel kann auch das Mitverfolgen der detektivischen Handlung (Hypothesen bilden, Vermutungen überprüfen) ein spannendes Projekt sein.

Methodische Umsetzungsmöglichkeiten

Das klassische Lesetagebuch, das individuell gestaltet wird, könnte folgende Aktionen beinhalten: 

  • Vermutungen über den „Knochendieb“ formulieren (antizipierendes Lesen),
  • Figuren charakterisieren (z. B. Kuno als Antiheld),
  • Lieblingsstellen illustrieren oder weiterschreiben,
  • eigene „Gruselgeschichten mit Humor“ entwickeln.

Auch szenisches Lesen oder Rollenspiel bieten sich an: Die dialogreichen Passagen können in Gruppen erarbeitet und präsentiert werden, wodurch Leseflüssigkeit und Textverständnis gefördert werden. 

Gestaltung eines Gruselbuch-Tisches

Schüler*innen können frei nach dem Motto Wem Kuno gefällt, greift auch gern nach… einen Gruselbuch-Lesetisch gestalten. Ein Angebot in der Schule für andere Klassen oder zu Halloween. Passende Titel: 

  • Das kleine böse Buch
  • Die Brücke der toten Hunde
  • Bitte nicht öffnen
  • Der bleiche Hannes
  • Weitere Titel auf der Internetseite von boys and books