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Buchempfehlungen

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Buchcover Cressida Cowell: Drachenzähmen leicht gemacht

Rezension von Livia Gärtner und Nisha Wirth

Der junge Wikinger mit dem unglaublich langen Namen „Hicks der Hartnäckige vom Hauenstein der Dritte“ lebt auf der kleinen Insel „Wattnbengel“, auf der es von wilden Drachen nur so wimmelt. Wie es die Tradition verlangt, steht für Hicks und die anderen Jungen seines Alters die Reifeprüfung bevor. Nur wer darin beweisen kann, dass er mutig einen Drachen stehlen und ihn erfolgreich dressieren kann, wird als vollwertiges Mitglied des Stammes aufgenommen, ansonsten droht die Verbannung und somit der Tod...

BuchtitelDrachenzähmen leicht gemacht (aus der Reihe Hicks, der hartnäckige Wikinger)
AutorCressida Cowell (übersetzt von Angelika Eisold-Viebig)
GenreFantastischer Realismus
Lesealter10+
Umfang199 Seiten
Edition4. Auflage 2011
VerlagArena Verlag, Würzburg
ISBN978-3-401-06567-0
PreisGebundene Ausgabe: Fr. 19.80/ Euro 12.99

Der junge Wikinger mit dem unglaublich langen Namen „Hicks der Hartnäckige vom Hauenstein der Dritte“ lebt auf der kleinen Insel „Wattnbengel“, auf der es von wilden Drachen nur so wimmelt. Wie es die Tradition verlangt, steht für Hicks und die anderen Jungen seines Alters die Reifeprüfung bevor. Nur wer darin beweisen kann, dass er mutig einen Drachen stehlen und ihn erfolgreich dressieren kann, wird als vollwertiges Mitglied des Stammes aufgenommen, ansonsten droht die Verbannung und somit der Tod.

Dass Hicks als Sohn des Häuptlings eigentlich stark und mutig sein sollte, aber im ganzen Stamm nur als Hicks der Nutzlose bekannt ist, macht die Sache nicht leichter.

Wie sich herausstellt, sind Hicks Sorgen berechtigt: Schon die ersten beiden Teile der Reifeprüfung verlaufen überhaupt nicht heldenhaft, der dritte Teil aber endet in einer Katastrophe. Die Verbannung ist bereits beschlossene Sache, als es Hicks und seinem kleinen, dickköpfigen Drachen Zahnlos im letzten Moment gelingt, den riesigen Meeresdrachen zu besiegen und somit den ganzen Stamm zu retten.

Aber im Winter hielten die Drachen Winterschlaf und am Kliff war es still, bis auf ihr unheimliches, tiefes Schnarchen. Hicks konnte die Vibrationen noch durch die Sohlen seiner Sandalen hindurch spüren.
„Also“, sagte Grobian, „ seht ihr die vier Höhlen ungefähr auf halber Höhe des Kliffs, die so ähnlich ausschauen wie die Löcher eines Totenkopfs?“
Die Jungen nickten.
„In der Höhle, die aussieht wie das rechte Auge, ist die Kinderstube der Drachen, wo in diesem Augenblick dreitausend junge Drachen die letzten Wochen ihres Winterschlafes verbringen.“
„OOOHHH“, seufzten die Jungen aufgeregt.
Hicks schluckte schwer. Zufällig wusste er beträchtlich mehr über Drachen als alle anderen. Von klein auf war er von diesen Wesen fasziniert. Er hatte insgeheim viele Stunden mit der Beobachtung von Drachen verbracht. (Drachen-Beobachter wurden als weltfremde Streber betrachtet, deshalb war es notwendig, das geheim zu halten.) Und was Hicks über Drachen gelernt hatte, sagte ihm, dass nur ein Verrückter sich in eine Höhle mit dreitausend Drachen wagte.
Niemand sonst schien jedoch allzu besorgt zu sein.
[…]
„Nehmt nicht irgendeinen Drachen. Es ist wichtig, dass er die richtige Grösse hat. Das soll schliesslich der Drache sein, der für euch Fische fängt und Wild erlegt. Ihr wählt den Drachen, der euch einmal in die Schlacht begleiten soll, später, wenn ihr älter und Krieger des Stammes seid. Also, wenn ihr ein ordentliches Tier wollt, wählt einfach das grösste, das in euren Korb passt. Lungert nicht zu lange in der Höhle rum…“
Herumlungern?, dachte Hicks. In einer Höhle mit dreitausend schlafenden Drachen?
„Ich muss euch wohl nicht sagen“, fuhr Grobian fröhlich fort, „dass ihr OHNE einen Drachen überhaupt nicht mehr zurückzukommen braucht. Jeder, der bei dieser Auf-gabe versagt, wird sofort ausgeschlossen. Der Stamm der Räuberischen Raufbolde hat keine Verwendung für VERSAGER. Nur die Starken gehören zu uns.“
Unglücklich blickte sich Hicks herum. Nichts als Schnee und Meer, so weit das Auge reichte. Ein Leben ausserhalb des Stammes sah auch nicht allzu verlockend aus.

(Drachenzähmen leicht gemacht: Seiten 15-17)

Da in Drachenzähmen leicht gemacht phantastische Elemente wie die Drachen und die fiktive Wikingergesellschaft eine zentrale Rolle einnehmen, kann das Werk der Phantastischen Kinderliteratur zugordnet werden.
Die ganze Geschichte spielt auf der Wikingerinsel „Wattnbengl“ und obwohl durch das „Vorwort des Autors“, in welchem Hicks erklärt, dass es damals, als er jung war noch viele Drachen gab, klar wird, dass der Erwachsene Hicks die Geschichte seiner Kindheit erzählt, so spielt doch alles in einer phantastischen Welt. Die einzige Verbindung zwischen der primären und der sekundären Welt ist der Leser selbst. Es wird eine Welt konstruiert, die in verfremdeter Form die reale spiegelt. Tatsächlich sind auch gesellschaftskritische Aspekte erkennbar. Hicks hinterfragt die traditionelle Wikingergesellschaft (und somit auch seinen Vater, der Häuptling ist), er möchte sich nicht ohne weiteres den auf „Wattnbengl“ vorherrschenden Rollenbilder, sowie den Wert- und Normvorstellungen unterordnen und widersetzt sich diesen.
Weitere Gattungsmuster die in die vorliegende phantastische Geschichte verflochten wurden, sind die Aspekte der Aussenseiterrolle, welche Hicks zu Beginn einnimmt und seiner Entwicklung zu einem Mitglied des Wikingerstammes respektive zu einem Held (Coming of age und Antiheld).

Obwohl durch die in sich geschlossene Welt typische Themen der Phantastischen Literatur wie die Reise oder die Suche nach der Schwelle, die von der primären in die sekundäre Welt führt, wegfällt, so entspricht die Handlung dennoch vertrauten Mustern. Der jugendliche, gute Noch-nicht-Held Hicks, der im ersten Teil die Auf-gaben der Reifeprüfung zu bestehen hat, während ihm Grobian (der für die Reife-prüfung verantwortliche Krieger) und die anderen jugendlichen Wikingern, allen voran Stinker der Dussel (der rücksichtslose Anführer der Jungenbande und an sich geborene Wikingerheld), das Leben schwer machen. Unterstützung findet Hicks bei seinem Grossvater Alt Faltl, der ihn ermutigt, an seine Fähigkeiten zu glauben und die Regeln und Normen des Stammes kritisch zu betrachten. Als wirklicher Gegenspieler und böse Bedrohung taucht im zweiten Teil der Seedrache auf, der „in Friede kommt und dennoch alle auffressen wird“.
Im Kampf gegen diesen übermächtigen Gegner kommen die noch so grossen und gewalttätigen Wikinger an ihre Grenzen, erst durch Hicks Einfallsreichtum und seinem Wissen über Drachen gelingt es ihm – mit Unterstützung der andern Wikingerjungen – den Seedrachen zu überlisten.
Hicks eigenwilliger Drache Zahnlos erscheint als Gestaltwandler, immer wieder arbeitet er gegen Hicks oder bringt ihn noch mehr in Schwierigkeiten, doch ganz zum Schluss beweist auch der kleine Drache ganz viel Mut und rettet selbstlos (äusserst untypisch für einen Drachen) Hicks Leben.

So machen sich Hicks Bemühungen, Zahnlos entgegen den Stammestraditionen nicht mit Anschreien, sondern freundschaftlich zu erziehen, am Ende doch noch bezahlt. Die Freundschaft zwischen Hicks und seinem Drachen kann als wichtige Funktion der Sozialisation und Enkulturation betrachtet werden. Insbesondere da Hicks durch seine nicht wikingertypischen Eigenschaften Mühe hat, von der Gesellschaft respektiert zu werden.
Hicks ist klein, unauffällig und gibt zu, dass er Angst hat, er möchte nicht versagen, ist aber auch intelligent, und hält zu seinen Freunden – diese Eigenschaften machen
Hicks zu einem zugänglichen Charakter. Ähnliche Ängste und Enttäuschungen kennen die jugendlichen Leser aus eigener Erfahrung, sie können sich daher mit Hicks identifizieren. Die Abenteuer, welche der junge Wikinger zu bestehen hat, können als Projektionsflächen von eigenen Fantasien dienen und Mut machen, an sich selber zu glauben.
Indem sich der Leser durch Hicks mit der Wikingergesellschaft auseinandersetzt, hat er zugleich die Möglichkeit, die eigene, reale Gesellschaft damit zu vergleichen und diese dadurch zu reflektieren. Ausserdem ist durch den Perspektivenwechsel auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Identität und der Frage was Recht und Unrecht ist, möglich.

Das Buch eignet sich somit hervorragend, um Rollenbilder und die daran geknüpften gesellschaftlichen Erwartungen zu untersuchen. Auch stärkt es insbesondere Jungen, indem es Mut macht, den eigenen Fähigkeiten und Stärken zu vertrauen und sich nicht dem Erwartungsdruck zu beugen. Abgesehen davon ist Drachenzähmen leicht gemacht schlicht spannend zu lesen und motiviert dazu, weitere Abenteuer mit Hicks zu erlesen.

Drachenzähmen leicht gemacht erfüllt vieles, was laut Leseforschung männlichen Heranwachsenden gefällt: Es ist ein abenteuerlicher Roman, der in einer phantastischen Welt spielt, in der sich Wikinger Drachen als Haustiere halten und sich der junge Wikinger Hicks als Held beweisen muss. Trotz, oder eben gerade durch die phantastische Welt, lassen sich auch Themen der realen Welt aufschliessen.

Aufgrund der vielen Darstellungselementen eignet sich das Buch sehr zum Selber-lesen. Empfohlen wird das Buch ab 10 Jahren, das Anspruchsniveau befindet sich auf einem mittleren Niveau.

Die fast durchgehen hohe Spannung des Romans weckt die Leselust und macht das Buch daher speziell geeignet für Vielleseverfahren und die Leseanimation. Für die individuelle Lektüre im schulischen Bereich sind im Leseförderungsprogramm Antolin Quizfragen zum Buch zu finden.
Als Unterrichtsprojekt würde sich eine vergleichende Auseinandersetzung mit dem Animationsfilm How to train your dragon (Dreamworks-Studio, 2010) gut eignen.
Da der Film nur in Anlehnung an das Buch entstanden ist und in vielen Handlungen vom Roman abweicht, lassen sich zum Beispiel Gruppenweise Aspekte aus dem Roman mit dem Film vergleichen (zum Beispiel Rollenbilder und Erwartungen, Darstellung der Drachen etc.). Ebenfalls oder alternativ existieren für beide Versionen (Roman- und Filmhandlung) Hörbücher.