Buchcover Dragon World

Luca muss gemeinsam mit Zane und Yazmine im Klassenraum nachsitzen. Die drei Kinder kennen sich kaum...

Rezensiert von Christina Gürth

Aus dem Klassenzimmer ins nächste Level: Gerade noch war für Luca Nachsitzen angesagt – ausgerechnet mit Zane und Yazmine, die ständig streiten. Doch plötzlich finden sich die drei Kinder in neuer Gestalt und mit magischen Fähigkeiten ausgestattet in der mythischen Welt Imperia wieder. Gelingt es ihnen, als echtes Team zusammenzuwachsen? Denn laut Prophezeiung können sie nur gemeinsam diese Mission erfüllen und die alte Herrschaft der Drachen retten. Ein actiongeladener Reihenauftakt, spannend bis zur letzten Seite.

BuchtitelDragon World – Angriff der Feuerschlange
AutorMaddy Mara, übers. v. Christina Neiske, illustr. v. James Claridades
GenreAbenteuer
Fantastische Literatur
Lesealter8+
Umfang123 Seiten
Edition1. Auflage
Verlagdtv
ISBN978-3-423-76613-5
Preis13,00 €
Erscheinungsjahr2026

Luca muss gemeinsam mit Zane und Yazmine im Klassenraum nachsitzen. Die drei Kinder kennen sich kaum und während sie eine geheimnisvolle Kreidezeichnung an der Tafel betrachten, kommt es zwischen Zane und Yazmine schon nach kurzer Zeit zu Streitigkeiten. Als Luca erkennt, dass die Zeichnung die Umrisse des sagenhaften Landes Imperia zeigt, von dem ihre Lehrerin Mrs. Long oft erzählt hat, beginnt sich plötzlich ein besonderer Stein in einem Regal zu bewegen. Es handelt sich um eine Geode, ein sogenanntes Donner-Ei, von dem Mrs. Long berichtet hatte, dass sich in seinem Inneren etwas sehr Wertvolles verberge.

In dem Moment, in dem Luca den Stein berührt, finden sich die Kinder mitsamt dem Donner-Ei in einer anderen Welt wieder – in neuer Gestalt: Luca als Drache, Zane als rosafarbenes, flauschiges Monster und Yazmine mit der Fähigkeit, sich unsichtbar zu machen.

In der Nähe eines Vulkans müssen sie ihre neuen Fähigkeiten schnell einsetzen, um einer gefährlichen Magma-Mamba zu entkommen. Erst danach verstehen sie, wo sie sich befinden und dass sie offenbar eine Aufgabe haben. Dabei hilft ihnen das Wissen über Imperia, das Mrs. Long ihnen immer wieder vermittelt hat. Auf dem Donner-Ei entdecken die Kinder eine Landkarte mit ihrer Position und einem blinkenden Zielpunkt. Außerdem erscheint die Anzeige 1:0, die sie als Spielstand deuten.

Am Zielpunkt, dem Berg der Weisheit, erhalten sie eine rätselhafte Prophezeiung. Das Spiel habe begonnen und drei Fremdlinge könnten es nur gemeinsam gewinnen, wenn sie den ersten Drachen zur Feuerkrone bringen würden. Die geheimnisvollen Worte müssen von den Kindern erst entschlüsselt werden und nach und nach erkennen sie, dass sie Teil des Spiels sind und eine konkrete Mission erfüllen müssen.

Ihr Gegenspieler ist der rätselhafte Dartsmith, der zunächst nur durch eine Art Minidrohne in Erscheinung tritt. Später gelingt es ihm, den Kindern in einem Gasthaus das Donner-Ei zu stehlen. Erst durch diesen Verlust wird ihnen klar, welche Bedeutung das Ei hat – und dass es Luca in Drachengestalt sein muss, der es in den Vulkan wirft.

Durch Teamarbeit, die Kombination ihres Wissens und den gezielten Einsatz ihrer besonderen Fähigkeiten gelingt es den Kindern schließlich, Dartsmith das Ei wieder abzunehmen und es vor der Magma-Mamba zu retten. Luca wirft das Drachen-Ei in den Vulkan und am Ende zeigt sich auf dem Ei die Schrift: „Level 1 erfolgreich abgeschlossen“ (S.100).

Eine Leseprobe ist verfügbar. 

Ohne Computer ins nächste Level – genau das erleben nicht nur die Leser*innen von Dragon World, sondern auch die Hauptfiguren der Geschichte, die sich plötzlich in der magischen Welt „Imperia“ wiederfinden und gegen eine gefährliche „Magma-Mamba“ kämpfen müssen.

Angriff der Feuerschlange bildet den Auftakt der Dragon World Reihe des australischen Autorenduos Hilary Rogers und Meredith Badger, die unter dem Pseudonym Maddy Mara bereits weitere erfolgreiche Kinderbuchserien veröffentlicht haben.

Die Stärke von Dragon World ist vor allem der gelungene Transfer von Elementen digitaler Spielwelten in eine literarische Form und die actiongeladene Handlung, die junge Leser*innen schnell in ihren Bann ziehen wird – auch, wenn dafür einiges an Text zu bewältigen ist.

Die Orientierung an Computerspielen erscheint reizvoll, da sie gezielt an die digitale Lebenswelt von Kindern anknüpft und so vielleicht auch diejenigen Lesenden erreicht, die bisher wenig Erfahrung mit dem Medium Buch haben. Schon der Klappentext hat einen hohen Aufforderungscharakter, er greift die Spielthematik explizit auf und fordert die Leser*innen mit „Rette Imperia“ direkt zum Mitmachen auf. Die Hauptfiguren im Buch erscheinen wie Avatare mit ‚Skins‘ und spezifischen Fähigkeiten, müssen Gegner besiegen, Hinweise entschlüsseln und gemeinsam ein magisches Drachen-Ei retten – eine actionreiche Abfolge, die sich stark an Spielmechaniken orientiert und den Rezipient*innen vielleicht vertraut ist. Das Aufgreifen bekannter (Erzähl-)Muster vermittelt den Lesenden dann bestenfalls auch mehr Sicherheit in der schriftsprachlichen Welt und kann so das Leseverständnis unterstützen.

Zur Orientierung in der Welt Imperia dient den Lesenden eine vor Textbeginn abgedruckte Landkarte und den Protagonisten eine interaktive Karte, die auf dem magischen Drachen-Ei dargestellt ist. Blinkende Punkte zeigen den Figuren den aktuellen Standort sowie das nächste Ziel an; auch die aktuellen Spielstände werden auf dem Ei abgebildet. Um ins nächste Level zu gelangen, müssen Hindernisse überwunden und der berüchtigte Gegenspieler Dartsmith besiegt werden. Der Text ist insgesamt stark handlungsorientiert und von zahlreichen actionbetonten Szenen geprägt. Gerade diese Struktur dürfte Kinder ansprechen, die sich sonst eher in digitalen Spielwelten bewegen. 

Über den Hintergrund der einzelnen Figuren erfährt man sehr wenig, der Fokus liegt klar auf der äußeren Handlung, die zügig vorangetrieben wird. Tief ausgearbeitete Charaktere stehen dabei nicht im Mittelpunkt – was der Geschichte jedoch keinen Abbruch tut, die vor allem eins bietet: spannende Unterhaltung.

Dragon World verbindet Action aber auch mit einer deutlichen sozialen Dimension, indem anhand der Hauptfiguren Themen wie Konflikte, Teamarbeit oder gegenseitiges Vertrauen explizit zur Sprache kommen. Die Kinder, die plötzlich gemeinsam in die mystische Welt Imperia katapultiert werden, müssen dort als Team eine Mission erfüllen. Zu Beginn kennen sie sich kaum und vor allen Dingen Zane und Yazmines Umgang miteinander ist anfänglich durch Sticheleien geprägt. Davon ist Luca, der auf eine rätselhafte Weise für die Rettung der Drachenwelt vorherbestimmt zu sein scheint, wenig begeistert. Doch in Imperia wird schnell klar: Nur gemeinsam können sie das Abenteuer bestehen. Die Kinder merken, dass ihre jeweiligen Fähigkeiten – ebenso wie ihr Wissen über Imperia, das sie aus Erzählungen ihrer geheimnisvollen Lehrerin Mrs. Long noch im Gedächtnis haben – sich ideal ergänzen. Zane kennt sich beispielsweise besonders gut mit den Wesen Imperias aus und Yazmine mit ihrer Vorliebe für Karten kann sich besonders gut räumlich orientieren.

Schritt für Schritt wächst aus anfänglicher Abneigung ein funktionierendes Team, das sich gegenseitig schätzt und lernt, einander zu vertrauen. Erst indem die Figuren ihre individuellen Stärken und ihr Wissen zusammenführen, schaffen sie es, die Prophezeiung der Drachen zu erfüllen und das erste Level zu meistern.

Die Dynamik zwischen den drei sehr unterschiedlichen Hauptfiguren, die erst nach und nach zu einem Team zusammenwachsen, macht das Buch zusätzlich reizvoll – und erinnert ggf. an den Multiplayermodus bei Online-Spielen. Auch hier wird mit unbekannten Mitspielern, die keine Freunde in der realen Welt sind, ein Team gebildet und gemeinschaftlich eine Mission gespielt. 

Die äußere Buchgestaltung ist für die Zielgruppe vermutlich sehr attraktiv. Das mit Spotlack gestaltete Cover ist ein Blickfang. Es zeigt einen Drachen und eine bedrohliche Feuerschlange vor einem Vulkan. Diese Darstellung und die auf der Buchrückseite und dem Vorsatzblatt in dynamischen Bewegungen abgebildeten Figuren verweisen so bereits optisch auf die actionreiche Handlung. Die direkte Leser*innenanrede im Klappentext mit der Aufforderung „Spiel das Spiel! Rette Imperia, das Reich der Drachen“ und „Tauche ein in die Dragon World“ verspricht ein fast interaktives Abenteuer.

Textlich fordert das Buch durchaus eine gewisse Lesefertigkeit. Die Schrift und Zeilenabstände sind zwar angenehm groß und die kurzen Kapitel von maximal zehn Seiten erleichtern die Orientierung im Text, allerdings führt der verwendete Blocksatz inkl. vieler Worttrennungen dazu, dass die Seiten sehr textlastig wirken, was für ungeübte Leser*innen herausfordernd sein kann. Verstärkt wird dies durch den geringen Anteil an Illustrationen, die das Textverständnis unterstützen könnten – wobei die zentralen Figuren und Situationen aber stets abgebildet werden. 

Ein starker Anreiz zum Weiterlesen über die aktuelle Geschichte hinaus entsteht durch die in das Buch integrierte Leseprobe des Folgebands (Im Auge des Wolfes). Sie endet mit einem Cliffhanger und führt, so ist zu vermuten, direkt zurück nach Imperia ins nächste Level, in dem eine Mission zum zweiten Drachen-Ei erfüllt werden muss. Positiv ist, dass der zweite Band zeitgleich mit dem ersten erschienen ist, so kann der Lesespaß nahtlos fortgesetzt werden. Ein dritter Band ist bereits für Herbst 2026 angekündigt. Zusätzlich stehen für die ersten beiden Bände E Book-Versionen und digitale Hörbücher zur Verfügung, so dass zwischen unterschiedlichen Rezeptionsformen variiert werden kann. 

Dragon World überzeugt durch seine gelungene Verbindung von Elementen digitaler Spielwelten und actionreicher Handlung, wodurch jungen Leser*innen ein Eintauchen in die von Beginn an spannende Geschichte ermöglicht wird. Wegen der textreichen Gestaltung eignet sich der Titel besonders für Kinder, die bereits über gefestigte Lesefertigkeiten verfügen, aber erst noch einen längeren Leseatem ausbilden müssen und dabei von einem packenden, abenteuerreichen Lesestoff profitieren.

Das Buch Dragon World. Angriff der Feuerschlange eignet sich vor allem für die Privatlektüre oder offene Leseförderformate, wie z.B. Lesekisten.

Darüber hinaus lässt sich der Text auch gut in größeren Vorlesegruppen (im außerunterrichtlichen Kontext, z.B. im Ganztag) einsetzen, da er nicht auf das durchgängige Zeigen von Bildern angewiesen ist und die Kapiteleinteilung kurze Lese-Einheiten bietet. Die vielen kleinen Cliffhanger an den Kapitelenden sorgen dafür, dass die Spannung erhalten bleibt und schüren die Neugier auf den Fortgang der Geschichte. Die dem Text vorangestellte Landkarte von Imperia könnte dazu dienen, gemeinsam mit den Zuhörenden die Ziele und Stationen der Mission, welche die Hauptfiguren durchlaufen, als Lesespur zu visualisieren.

Wenn das Buch in einer Gruppe gelesen wird, könnte es außerdem einen interessanten Gesprächsanlass bieten, um Vergleiche zwischen der Rezeption von Büchern und digitalen Spielen anzustoßen. Denn die kindliche Lebenswelt ist generell stark durch Medienverbünde geprägt und somit wird es den einzelnen Kindern bestimmt möglich sein, auf eigene Erfahrungen zurückzugreifen, die über die Vorlesegeschichte hinausgehen.

Dragon World ist als mehrteilige Reihe angelegt, was den Aufbau einer stabilen Lesemotivation unterstützt. Dazu trägt auch bei, dass in Bd. 1 Angriff der Feuerschlange eine Leseprobe des Folgebands (Im Auge des Wolfes) integriert ist, so dass die Lesenden nahtlos in das nächste Leseabenteuer ‚hinübergezogen‘ werden. Zusätzlich stehen für die ersten beiden Bände E Book-Versionen und digitale Hörbücher (Verlag Silberfisch; Sprecher: Tim Kreuer) zur Verfügung, so dass unterschiedlichen Rezeptionsvorlieben Rechnung getragen und zwischen anstrengender Schriftsprache und entlastendem Hörerlebnis variiert werden kann.