Rezensiert von Frank Münschke
Bodhi muss sein Heimatdorf verlassen, da dort Braunkohle abgebaut werden soll. Doch nachts schleicht er sich immer wieder zurück und stellt fest, dass nicht nur er, sondern auch unzählige Friedhofsgeister ungern umziehen möchten. Bodhi macht es sich zur Aufgabe, die Geister aus dem Dorf zu bringen. Dabei spielen seine neue Freundin Joe, ein Hypnose-Spray, Kirchglocken und Kühlboxen eine ganz besondere Rolle. Bodhi, Joe und ein Dorf voller Geister ist eine tolle Mischung aus Grusel, Spannung, Humor und auch etwas Gesellschaftskritik.
| Buchtitel | Bodhi, Joe und ein Dorf voller Geister |
| Autor | Sabrina Schmohl, illustr. v. Timo Grubing |
| Genre | Horror & Grusel |
| Lesealter | 10+ |
| Umfang | 176 Seiten |
| Edition | 1. Auflage |
| Verlag | Oetinger |
| ISBN | 978-3751206938 |
| Preis | 15,00 € |
| Erscheinungsjahr | 2025 |
Der elfjährige Bodhi hat sein Zuhause verloren: Sein Heimatdorf Nebelheim wird für den Braunkohleabbau abgerissen, seine Familie ist daher bereits nach Neu-Nebelheim umgezogen. Doch während seine Eltern versuchen, sich mit der neuen Situation abzufinden, kann Bodhi nicht loslassen. Immer wieder fährt er heimlich mit dem Fahrrad zurück in das verlassene Dorf, um letzte Dinge zu regeln – dafür hat er extra eine Liste erstellt.
Bei einem dieser Ausflüge trifft er auf Joe, ein etwas älteres Mädchen, das sich bestens mit Geistern auszukennen scheint. Gemeinsam entdecken die beiden, dass die Umbettung des Friedhofs zwar die Gebeine der Verstorbenen nach Neu-Nebelheim gebracht hat, ihre Geister jedoch zurückgeblieben sind. Und diese sind alles andere als friedlich: Wütend und ruhelos treiben sie ihr Unwesen und haben den Plan, die Körper der Arbeiter im Dorf zu übernehmen. Doch das ist für Bodhi alles andere als eine gute Idee, nicht nur weil sein Vater einer der Arbeiter ist.
Zusammen mit Joe beschließt er daher, das Problem selbst in die Hand zu nehmen. Mit Mut, Einfallsreichtum und ungewöhnlichen Ideen entwickeln sie einen Plan, um die Geister einzusammeln und ebenfalls nach Neu-Nebelheim zu bringen. Dabei muss Bodhi nicht nur übernatürliche Hindernisse überwinden, sondern auch lernen, mit Abschied und Veränderung umzugehen.
Bodhi muss sein Heimatdorf verlassen, da dort Braunkohle abgebaut werden soll. Doch nachts schleicht er sich immer wieder zurück und stellt fest, dass nicht nur er, sondern auch unzählige Friedhofsgeister ungern umziehen möchten. Bodhi macht es sich zur Aufgabe, die Geister aus dem Dorf zu bringen – dabei spielen seine neue Freundin Joe, ein Hypnose-Spray, Kirchglocken und Kühlboxen eine ganz besondere Rolle. Bodhi, Joe und ein Dorf voller Geister ist eine tolle Mischung aus Grusel, Spannung, Humor und auch etwas Gesellschaftskritik.
Im Zentrum der Geschichte steht Bodhi: Er ist neugierig, handelt aktiv und wächst im Verlauf der Geschichte über sich hinaus, die Figurenzeichnung bleibt dabei aber stets glaubwürdig. Bodhis Gefühle zwischen Verlust, Einsamkeit und Neuanfang werden insgesamt nachvollziehbar dargestellt, gleichzeitig nehmen diese innerlichen Momente nicht zu viel Platz ein und in der Gesamtsicht überwiegt ein äußerer Spannungsrahmen. Insgesamt kommt es also zu einer gelungenen und stimmigen Mischung aus innerer Figurencharakterisierung und äußerem Figurenhandeln, wodurch sich Bodhi sehr als Identifikationsfigur für kindliche Leser*innen anbietet. Auch die kecke und etwas eigensinnige Joe ist eine gut ausgearbeitete Figur, hier kann ergänzend allerdings auch kritisch angemerkt werden, dass ihre Hauptfunktion darin besteht, Bodhis Entwicklung zu unterstützen und sie vor allem als Helferfigur bzw. Mentorin angelegt ist.
Inhaltlich verbindet der Roman mehrere Themen stimmig miteinander: Freundschaft, Abschied, Neuanfang und der Umgang mit Veränderungen werden ebenso aufgegriffen wie eine leicht erkennbare gesellschaftskritische Perspektive auf den Braunkohleabbau. Diese Aspekte sind sinnvoll in die Handlung integriert, ohne dass der Eindruck entsteht, in Form von moralisierenden Erläuterungen die Leser*innen zu belehren. Ohnehin ist ein großer Pluspunkt des Romans, dass die einzelnen Facetten sehr stimmig kombiniert werden, gerade auch die Mischung aus Spannung, Innerlichkeit, Grusel und Humor, die genau auf die anvisierte Altersgruppe zugeschnitten ist.
Sprachlich ist das Buch insgesamt gut zugänglich und altersgerecht gestaltet. Die klare Struktur und die überschaubare Länge von 176 Seiten unterstützen die Lesbarkeit, besonders für Leser*innen an der unteren Grenze der Altersgruppe 10+. Auch die äußere Gestaltung überzeugt: Das Cover weckt Interesse und greift zentrale Aspekte der Geschichte auf, gerade die Gruselmomente und das räumliche Setting.
Bodhi, Joe und ein Dorf voller Geister ist insgesamt ein gelungener Kinderroman, der eine spannende Gruselgeschichte geschickt mit Humor und nachdenklichen Momenten verbindet.
Der Roman eignet sich besonders gut für Leser*innen im Alter von 10 bis 12 Jahren, da er eine spannende und zugleich gut zugängliche Geschichte bietet. Die klare, chronologische Erzählweise sowie das überschaubare Figurenarsenal erleichtern das Textverständnis und unterstützen auch weniger geübte Leser*innen beim Einstieg.
Zudem bietet der Text inhaltliche Anknüpfungspunkte für Gespräche und weiterführende Reflexionen, etwa zu den Themen Heimatverlust, Abschied und Umgang mit Veränderungen. Ebenso kann die Verbindung von realistischen und fantastischen Elementen dazu anregen, über unterschiedliche Erzählebenen nachzudenken.
Damit eignet sich der Roman sowohl für die individuelle Lektüre als auch für den Einsatz im Unterricht oder in der Leseförderung, insbesondere im Hinblick auf die Förderung von Lesefreude und Textverständnis.