Rezensiert von Dominik Achtermeier
Adrian hat Startschwierigkeiten in den USA. Doch schon bald tauscht er das Schachbrett gegen das Footballfeld und wird Teil der Schulmannschaft. Sein Teamkollege Ice trainiert hart und sieht in Adrian plötzlich einen Konkurrenten um die Position des Quarterbacks. Können die Bulls gegen die Arizona Pumas unter diesen Voraussetzungen überhaupt gewinnen? Ein kurzweiliger Sportroman für diejenigen, denen das Lesen noch schwerfällt, die sich aber von ‚echten‘ Themen begeistern lassen wollen.
| Buchtitel | Teamplayer |
| Autor | Nina Basovic Brown |
| Genre | Sport Gegenwart & Zeitgeschichte |
| Lesealter | 10+ |
| Umfang | 128 Seiten |
| Edition | 1. Auflage |
| Verlag | Gulliver |
| ISBN | 978-3-407-81404-3 |
| Preis | 12,00 € |
| Erscheinungsjahr | 2026 |
Der 12-jährige Adrian Foster zieht für ein Jahr in die USA, die Heimat seines Vaters. Als er an der neuen Schule zwei Mobber umrennt und diese wie Kegel umfallen, lädt Ice, der Quarterback des Footballteams, ihn ins Team ein. Adrian bewundert Ice von Anfang an, denn dieser will eines Tages Profispieler werden und trainiert jeden Tag sehr hart dafür. Anfangs läuft alles super für Adrian, denn er findet nicht nur neue Freunde, er beweist auch Moral und zeigt Talent. Doch bald herrscht dicke Luft bei den Bulldogs und sogar das erste Spiel der Saison gegen die Arizona Pumas ist in Gefahr, denn Ice hat es plötzlich auf Adrian abgesehen und Adrian ahnt, es steckt mehr dahinter als der Streit um die Position des Quarterbacks. Ice lebt bei seiner Mutter auf einem Trailerpark und ist nicht so vermögend, wie er vorgibt. Adrian kommt dahinter, als Ice in einem Sportgeschäft in Versuchung gerät, neue Footballschuhe zu stehlen. Beim finalen Spiel ist der Streit zwischen Ice und Adrian beigelegt und Oma Edna mit ihrer Bulldogge angereist. Natürlich können die Bulldogs da nur gewinnen.
Eine Leseprobe ist verfügbar.
„Im Football gibt es für jede Körperform die passende Position.“ (S. 37) Das zentrale Motiv des realistischen Sport- und Freundschaftsromans Teamplayer ist American Football als sozialer Erfahrungsraum, in dem sich Fragen von Zugehörigkeit, Konkurrenz und Selbstbehauptung entfalten. Damit greift der Text typische Themen der Kinder- und Jugendliteratur auf, die in der Literaturwissenschaft häufig mit Entwicklungsaufgaben der frühen Adoleszenz verbunden werden, etwa die Suche nach Anerkennung in einer neuen Gruppe oder den Umgang mit Rivalität und Freundschaft. In dieser Hinsicht erweist sich das Thema für Zehnjährige als altersangemessen und zugleich anschlussfähig an die Lebenswelt vieler Heranwachsender. Der Roman erzählt zwar in einem US-amerikanischen Setting und rückt mit American Football eine Sportart ins Zentrum, die im deutschsprachigen Raum lange eher eine Randerscheinung darstellte, doch die eigentlichen Konflikte – neu an einer Schule zu sein, sich in einer Gruppe behaupten zu müssen oder hinter die Fassade eines scheinbar selbstbewussten Mitschülers zu blicken – besitzen eine hohe Alltagsnähe. Dass American Football auch im deutschsprachigen Raum zunehmend Aufmerksamkeit erhält, etwa durch die wachsende mediale Präsenz, dürfte das Interesse der Zielgruppe zusätzlich fördern. Insgesamt wirkt das Thema daher sowohl motivierend als auch passend für das Genre des Jugendromans.
Die Handlung von Teamplayer setzt nach einem unvermittelten Einstieg in das Erzählen aus der Rückschau des Protagonisten und Ich-Erzählers mit einem konflikthaften Moment ein, als Adrian an seiner neuen Schule in eine Auseinandersetzung mit zwei Mobbern gerät und dadurch überhaupt erst ins Blickfeld des Footballteams rückt. Diese narrative Entscheidung erzeugt rasch Spannung und etabliert den zentralen Handlungsrahmen. Der Roman folgt anschließend im Wesentlichen einem klaren Hauptstrang: Adrians Aufnahme in das Team der Schulmannschaft der Bulldogs und die sich entwickelnde Rivalität mit dem ambitionierten Quarterback Kent, genannt Ice (Spielername). Daneben treten kleinere Nebenstränge hinzu, etwa Adrians Eingewöhnung in die neue Umgebung, seine Anrufe mit dem in Deutschland zurückgelassenen Freund Jannis oder die allmähliche Enthüllung von Ices familiärer und sozialer Situation. Diese Elemente sind jedoch eng mit dem Hauptkonflikt verbunden und erweitern ihn eher, als dass sie eigenständige Erzähllinien bilden. Strukturell ist die Handlung überwiegend chronologisch und linear aufgebaut. Komplexe Zeitsprünge oder Perspektivwechsel spielen kaum eine Rolle, was die Nachvollziehbarkeit deutlich erhöht. Der Spannungsbogen orientiert sich an einer klassischen Dramaturgie des Sportromans, bei der Trainings- und Konfliktphasen auf ein entscheidendes Spiel als Höhepunkt zulaufen. Auf dieser Ebene wirkt der Roman stellenweise erwartbar, zugleich erfüllt diese klare Struktur jedoch eine wichtige Funktion für die Zielgruppe, da sie Orientierung bietet und das Lesen erleichtert.
Auch sprachlich zeigt sich deutlich, dass der Text auf weniger geübte Leserinnen und Leser zugeschnitten ist. Satzbau und Syntax sind überwiegend einfach gehalten; kurze bis mittellange Sätze dominieren, während komplexe Satzgefüge selten auftreten. Das Konzept der Reihe verzichtet auf seitenüberschreitende Sätze und sorgt auch durch den erweiterten Zeilenabstand für eine bessere Lesbarkeit. Der Wortschatz bleibt größtenteils alltagsnah und verständlich, wobei Fachbegriffe aus dem American Football wie ‚Blocken‘, ‚Quarterback‘ oder ‚Touchdown‘ zwar eingeführt, aber stets im Kontext erschlossen und zusätzlich durch ein Glossar im Anhang (S. 126f.) nachgeschlagen werden können. Das zweiseitige Begriffsverzeichnis könnte etwas umfangreicher sein, indem weitere Begriffe wie beispielsweise ‚Yards‘ (S. 43), die im Roman vorkommen, dort berücksichtigt würden. Bildhafte oder stark metaphorische Sprache tritt zugunsten einer direkten, klaren Erzählweise zurück.
Die Dialoge wirken glaubwürdig und altersnah, da sie jugendliche Kommunikation abbilden, ohne übermäßig umgangssprachlich oder künstlich zu erscheinen. Erzählt wird aus einer personalen Perspektive, wodurch die Lesenden Einblick in Gedanken und Empfindungen Adrians erhalten, während andere Figuren zunächst nur von außen erschlossen werden können, ohne eindimensional zu bleiben. Der Ich-Erzählung fördert die Identifikation mit Adrian und unterstützt das Mitverfolgen seiner Entwicklung innerhalb der Geschichte.
Insgesamt überzeugt der Roman weniger durch literarische Komplexität als durch seine klare Ausrichtung auf Lesbarkeit und Lesemotivation. Die Kombination aus zugänglicher Sprache, übersichtlicher Handlung und lebensnahen Konflikten entspricht dem Konzept niedrigschwelliger Jugendliteratur, wie es auch die Reihe „READY – Bücher für alle, die einfach lesen wollen“ des Beltz Verlag verfolgt. Für die Zielgruppe erfüllt der Text damit seine Funktion sehr überzeugend: Teamplayer erzählt eine spannende, leicht zugängliche Geschichte über Fremdsein, Freundschaft und Zusammenhalt und bietet über den American Football zugleich einen thematisch frischen Zugang über eine bislang eher selten dargestellte Sportart.
Als Klassenlektüre in der Orientierungsstufe der weiterführenden Schule bietet Teamplayer einen besonderen didaktischen Mehrwert, der vor allem in seiner sprachlichen Zugänglichkeit liegt. In den Klassen 5-6 treffen Lehrkräfte häufig auf sehr heterogene Lesekompetenzen. Eine sprachlich einfach gestaltete und klar strukturierte Lektüre wie Nina Basovic Browns Teamplayer (2026) oder Korbjäger (2024) erleichtert es, gemeinsam im Klassenverband an einem literarischen Text zu arbeiten, ohne dass schwächere Leserinnen und Leser frühzeitig den Anschluss verlieren. Die kurzen Kapitel, der übersichtliche Handlungsverlauf und der weitgehend alltagsnahe Wortschatz unterstützen das sinnentnehmende Lesen und bieten eine gute Grundlage, Lesestrategien einzuüben bzw. zu wiederholen.
Didaktisch sinnvoll kann es sein, die Lektüre kapitelweise mit kurzen Leseaufträgen zu begleiten, etwa indem Schülerinnen und Schüler zentrale Ereignisse zusammenfassen oder Veränderungen in den Beziehungen zwischen den Figuren festhalten. Ebenso bietet sich ein Lesetagebuch an, in dem Eindrücke zu den Figuren Adrian, Ice, Stinky und Co. gesammelt und reflektiert werden; dadurch wird das Verstehen der Figurenentwicklung gefördert. Darüber hinaus lässt sich der Sportroman gut für Perspektivübungen nutzen, beispielsweise durch kurze Schreibaufgaben aus der Sicht einer Figur oder durch das Nachspielen ausgewählter Szenen, etwa des Konflikts zwischen Adrian und Ice im Footballteam der Schule.
Gleichzeitig eröffnen die Themen der Handlung – neue Schule, (Team-)Zugehörigkeit, Konkurrenz und Freundschaft – zahlreiche Anknüpfungspunkte an die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler und fördern Gespräche über soziale Dynamiken in Gruppen im schulischen Umfeld und in der Freizeit. Auch die Sportart American Football sollte im Rahmen einer unterrichtlichen Behandlung genauer in den Blick genommen werden, indem Spielregeln, die unterschiedlichen Positionen und Taktiken von den Lernenden untersucht und grafisch aufbereitet werden. Fächerübergreifendes Potenzial bietet hierbei das Erproben der Sportart im Sportunterricht. Dass das gemeinsame Ausüben einer Sportart gepaart mit Lesesequenzen positiv auf die Leselust einwirken kann, beweist das Projekt kicken & lesen. Hierin werden Fußball begeisterte Jungen (und Mädchen) abholt. Durch motivierende Aktivitäten werden eine besondere Atmosphäre und Erfolgserlebnisse geschaffen, die die Lust am Lesen erhöhen können und sich auf andere Sportarten übertragen lassen können. Ferner ließe sich über die Lektüre hinaus die Faszination für den American Football durch eine Projektarbeit zur US-amerikanischen Profiliga NFL (National Football League), deren Teams und den Superbowl als ‚das‘ Sportereignis in den Vereinigten Staaten von Amerika mediengestützt vertiefen. Hierbei könnten neben audiovisuellen Medien auch Sachbücher (z. B. Erklärs mir, als wäre ich 5 – American Football von Petra Cnyrim und Moritz Wollert) Einsatz finden.
Insgesamt eignet sich der Einsatz des Romans Teamplayer von Nina Basovic Brown daher nicht nur als erste umfangreichere Klassenlektüre in der Orientierungsstufe, sondern zeigt auch großes Potenzial für außerunterrichtliche Leseförderung am Spielfeldrand, weil er Lesesicherheit aufbaut, Motivation zum Weiterlesen stärkt und zugleich genügend inhaltliche Impulse für literarisches und soziales Lernen bietet.