Buchcover Joshua Jackelby

Joshua Jackelby und seine Freund*innen Charlie und Leroy behaupten sich im täglichen Kampf ums...

Rezensiert von Kristina Schmitt

Der Zeitungsjunge Joshua Jackelby und seine Freunde schlagen sich auf den harten Pflastern des Londons im Jahre 1851 Tag für Tag durch. Gemeinsam trotzen sie Armut, gefährlichen Straßenbanden und geraten mitten in einen mysteriösen Kriminalfall um ein gestohlenes Fluggerät. Mutig stellen sie sich dem Kampf gegen Ungerechtigkeit und geraten selbst in Lebensgefahr…

BuchtitelJoshua Jackelby
AutorBenedict Mirow, illustr. v. Maximilian Meinzold und Timo Kümmel
GenreKrimi & Thrill
Abenteuer
Lesealter12+
Umfang383 Seiten
Edition1. Auflage
VerlagThienemann
ISBN978-3-522-18860-9
Preis17,00 €
Erscheinungsjahr2025

Joshua Jackelby und seine Freund*innen Charlie und Leroy behaupten sich im täglichen Kampf ums Überleben auf den rauen Straßen der ärmsten Viertel des Londons im Jahre 1851. Zusammen mit ihrer treuen Gefährtin, einer jungen Hündin namens Hazel, die der mutige Zeitungsjunge Joshua als Welpen aus der Themse gerettet hat, stellt sich die Freundesgruppe den gefährlichen Seiten der Stadt. Sie kämpfen gegen bedrohliche Straßenbanden, setzen sich für Gerechtigkeit ein und begeben sich in einem rätselhaften Verbrechen auf die Suche nach einer gestohlenen Flugmaschine – einer revolutionären Erfindung der ersten Züge der Luftfahrt. Um den Fall zu lösen und die kriminellen Machenschaften aufzudecken, wagen sich die Freund*innen auch in die hohen Gesellschaftskreise und bringen sich damit selbst mehr und mehr in Lebensgefahr. Durch Mut, Zusammenhalt und Scharfsinn schaffen es die jungen Abenteurer*innen, die Erfindung zu retten, weitere Verbrechen zu verhindern und die Täter zu entlarven. Für ihren Einsatz werden die Kinder reichlich belohnt und kommen ihren eigenen Träumen einen großen Schritt näher. 

Eine Leseprobe ist verfügbar. 

Direkt und mit viel Spannung entführt Joshua Jackely die Leser*innen gleich zu Beginn des Romans in seine Welt: in das historische London von 1851, sein tägliches Leben als obdachloser Zeitungsjunge, den gemeinsamen Alltag mit seinen Freund*innen, seinen Traum von einer Zukunft als königlicher Bote zu Pferd und die gefährliche Rettung des Hundewelpen Hazel. Dadurch wird unmittelbar ein Spannungsbogen aufgebaut und das Setting definiert, was den Zugang zur erzählten Welt erleichtert. Der damit erzeugte Lesesog erhöht die Lesemotivation und kann dies bis zum Ende der Geschichte (trotz des hohen Umfangs von ca. 380 Seiten) aufrechterhalten. 

Durch die spannenden Abenteuer und die mysteriösen kriminellen Machenschaften verdichtet sich die Geschichte immer mehr. Die Kämpfe zwischen den rivalisierenden Banden spitzen sich zu und die Bedrohung durch die verübten (zum Teil brutalen) Verbrechen wie Diebstahl, versuchter Mord, Brandstiftung etc. der rätselhaften Täter regen zum Weiterlesen an. Im Zentrum steht das revolutionäre Fluggerät, das in einem Raubüberfall gestohlen wurde. Joshua und seine Freund*innen konnten den überfallenen, schwerverletzten Erfinder in letzter Minute retten, doch die Pläne und der Prototyp blieben verschwunden. Das zentrale Thema um den Diebstahl der Flugmaschine wird mit verschiedenen Nebensträngen verwoben. Dabei bleibt die Handlung nachvollziehbar und im Laufe der Geschichte laufen die Fänden zusammen. Am Ende können die Kinder nicht nur den Fall lösen, sondern ihre persönlichen Träume und Ziele auch stückweise erfüllen. Das klare und hoffnungsvolle Ende gibt dem Roman einen positiven Abschluss.

Auch der klare Aufbau und die konkrete Strukturierung der Kapitel (ca. 15-25 Seiten pro Kapitel) erleichtern den Lesefluss. So gibt die Angabe des Datums zu jedem Kapitelstart zeitliche Orientierung (z. B. „Donnerstag, 2. Oktober 1851,“ S. 85). Ergänzend sind immer wieder die Uhrzeit und der Ort als Zwischenüberschrift angegeben, um dem Handlungsverlauf folgen zu können (z. B. „5:25 p.m. – Am Dock“, S. 85). Die wiederkehrenden Ausrufe als Zeitungsjunge am Beginn fast eines jeden Kapitels rahmen die Handlung zusätzlich und schaffen dabei einen verbindenden Erzählimpuls (z. B. „Extrablatt! Extrablatt! Brand in Lambeth! Theater in Flammen! […]“, S. 224).

Besonders überzeugen die authentischen, differenziert angelegten Figuren. Durch die verschiedenen Charaktere kann der Roman Identifikationspotenzial für viele junge Leser*innen anbieten. Neben Joshua erhalten die Leser*innen auch Einblick in die Handlungs- und Gefühlswelten der anderen Jugendlichen, v. a. Leroy, Charlie und Aarya. Dabei wird auf stereotype Zeichnungen grundsätzlich verzichtet: Joshua ist gleichzeitig mutig und kämpferisch, aber auch sensibel und einfühlsam. Seine Freundin Charlie selbstbewusst, furchtlos, klug und stark – so übernimmt sie z. B. die körperlich anstrengende Arbeit in der Freundesgruppe. Durch die individuell zugeschriebenen Charaktereigenschaften einer jeden Figur kann man sich leicht in die Protagonist*innen hineinversetzen. Zusätzlich erhalten Joshua und Aarya durch ihre tierischen Begleiter weitere Attribute. Die Erweiterung durch die Tierwelt, ein bekanntes Element aus der Literatur, kann für Leser*innen zusätzlich die Lesemotivation und subjektive Involviertheit verstärken. Besonders Joshuas Verbundenheit zu seiner Hündin Hazel macht ihn nahbar und authentisch. Der Pfau an der Seite von Aarya ist eher ungewöhnlich und könnte Leser*innen irritieren. Dennoch ist das exotische Tier sinnvoll in die Geschichte eingegliedert und führt in Aaryas indische Herkunft ein.

Alles in allem bietet der Roman durch eine gelungene Mischung aus actionreichen Abenteuern, spannenden Kriminalfällen und dem mystisch anmutenden historischen Setting sowie den überzeugenden Protagonist*innen eine geeignete Lektüre für junge Leser*innen, die sowohl Leseanfänger*innen (trotz des Umfangs) als auch geübten Leseratten Freude bereiten kann. 

Joshua Jackelby eignet sich für verschiedene Verfahren der Leseförderung sowohl als motivierende Klassenlektüre als auch im Einsatz in Vielleseverfahren oder als Freizeitlektüre. Durch die Mischung aus den beliebten Genres Abenteuer und Krimi spricht die Geschichte viele Jugendliche an und kann zum Lesen animieren. Die differenziert angelegten Figuren stellen zudem großes Identifikationspotenzial für junge Leser*innen auch im heterogenen Klassensetting bereit. 

Anknüpfungspunkte für fächerübergreifende Projektarbeiten bieten die unterschiedlichen zentralen Themen. Hier könnten in Kooperation mit den Fächern Englisch (historisches London inkl. Straßenkarte im Buch, Landeskunde Großbritannien etc.), Geschichte (Geschichte von Großbritannien, Kolonien, Sklaverei etc.) oder Physik (Fluggerät, Luftfahrt etc.) wichtige Aspekte des Romans herausgearbeitet werden.

Zudem können in kreativen Verfahren, z. B. handlungs- und produktionsorientiert, die Symbolik der verschiedenen Tiere in Joshua Jackelby untersucht werden: die Bedeutung der Pferde und der Hündin für Joshua, des Pfaus für Aarya, der exotischen Besucher wie der Elefant und die anderen Zirkustiere etc. Dies kann z. B. durch Book Creator kreativ erarbeitet werden.

Auch zu anderen literarischen Werken können Bezüge und Vergleiche hergestellt werden, z. B. zu Charles Dickens Oliver Twist, Cornelia Funkes Herr der Diebe oder Enid Blytons Fünf Freunde.