Rezensiert von Frederic Reese
Was, wenn du plötzlich in deiner eigenen Spielwelt gefangen bist? Genau das passiert dem bekannten Minecraft-Gamer und YouTube-Streamer Too Bad – und plötzlich steht er sich selbst gleich mehrfach gegenüber! Zwischen verrückten Challenges in seiner eigens gebauten Minecraft-Welt zur Rettung seines Freundes und einer mitfiebernden Community wird klar: In dieser Welt ist nichts unmöglich. Aber schafft er es auch zurück? TooBad und das Klonproblem ist eine unterhaltsame Gaming-Lektüre, die für jeden Minecraft-Fan ein absolutes Muss ist!
| Buchtitel | TooBad und das Klon-Problem |
| Autor | TooBad, Aljoscha Jelinek und Matthias Kempke |
| Genre | Abenteuer |
| Lesealter | 12+ |
| Umfang | 168 Seiten |
| Edition | 3. Auflage |
| Verlag | Community Editions |
| ISBN | 978-3-96096-574-9 |
| Preis | 16,90 € |
| Erscheinungsjahr | 2025 |
Im Zentrum des Comic-Romans steht der bekannte Minecraft-YouTuber TooBad, der gemeinsam mit seinem Freund Maggus in seine selbst erschaffene Minecraft-Welt hineingezogen wird. Ausgangspunkt der Handlung ist eine von ihnen entwickelte Klonmaschine, die sie betreten – mit unerwarteten Folgen: TooBad wird vervielfältigt, jedoch nicht identisch, sondern in Form von fünf überzeichneten, antagonistisch angelegten Versionen seiner selbst. Diese tragen sprechende Namen wie „TooGood, TooCute, TooHot, TooTired und TooAngry“ und verkörpern jeweils zugespitzte Charaktereigenschaften.
Die Situation eskaliert, als TooGood Maggus entführt und in einem Turm gefangen hält. Für TooBad beginnt damit eine Reihe von Herausforderungen, in denen er sich seinen eigenen Klonen stellen muss. Ziel ist es, diese sogenannten „Challenges“ zu bestehen, um seinen Freund zu befreien.
Begleitet wird TooBad dabei nicht nur von verschiedenen Unterstützerfiguren innerhalb der Spielwelt, sondern auch von seiner YouTube-Community, die das Geschehen beobachtet und kommentierend begleitet. Am Ende gelingt es TooBad, sich gegen seine Klone zu behaupten und Maggus zu retten.
Eine Leseprobe ist verfügbar.
Bereits die äußere Gestaltung des Buches setzt einen klaren Leseanreiz: Das Cover visualisiert die verschiedenen Klone der Hauptfigur und verweist damit unmittelbar auf das zentrale Handlungselement. Auch die Darstellung der Klonmaschine auf der Rückseite greift dieses Motiv auf und macht deutlich, dass sich die Handlung in einer Minecraft-Welt verortet. Gerade für die anvisierte Zielgruppe wird so bereits vor der Lektüre eine klare Erwartungshaltung aufgebaut.
Auch die formale Gestaltung unterstützt den Zugang zur Lektüre. Die Schriftgröße ist angemessen gewählt, die Kapitel umfassen in der Regel acht bis zehn Seiten und sind damit überschaubar strukturiert. Aufgelockert wird der Text durch ganzseitige Illustrationen, die zentrale Szenen visualisieren, sowie durch eingestreute Kommentare der YouTube-Community, die das Geschehen begleiten. Ergänzt wird dies durch lautmalerische Elemente, die insbesondere actionreiche Passagen unterstützen und den Lesefluss erleichtern.
Inhaltlich orientiert sich der Aufbau stark an der Logik eines Computerspiels: Ausgehend von einer klar definierten Ausgangssituation muss der Protagonist eine Reihe von Herausforderungen bewältigen, an deren Ende ein finaler Gegner steht. Diese Struktur ist für die Zielgruppe leicht nachvollziehbar und erzeugt einen kontinuierlichen Spannungsbogen, der auf ein klassisches Happy End hinführt.
Die Einbettung in die Minecraft-Welt stellt dabei einen zentralen Reiz dar. Vorkenntnisse des Spiels sind zwar nicht zwingend erforderlich, erhöhen jedoch das Lesevergnügen deutlich, da zahlreiche typische Elemente und Begriffe aufgegriffen werden. Insbesondere gaming-affine Kinder und Jugendliche sowie Fans des YouTubers TooBad dürften sich hier schnell angesprochen fühlen.
Neben dem hohen Unterhaltungswert werden auch grundlegende Themen wie Freundschaft und – in Ansätzen – Identitätsentwicklung verhandelt. Die Konfrontation mit den eigenen, überzeichneten Charakterzügen in Form der Klone eröffnet dabei die Möglichkeit einer einfachen Form der Selbstreflexion. Diese Entwicklung bleibt jedoch insgesamt eher oberflächlich und tritt hinter die abenteuerorientierte Handlung zurück.
Mit einem Umfang von rund 170 Seiten, die zudem durch zahlreiche Illustrationen ergänzt werden, handelt es sich um eine eher kurze und niedrigschwellige Lektüre. Gerade für leseunerfahrene Kinder – insbesondere Jungen mit Interesse an Gaming – bietet das Buch somit einen gut zugänglichen Einstieg. Zusätzliche Elemente wie beiliegende Sticker können darüber hinaus einen weiteren motivierenden Anreiz darstellen.
Insgesamt überzeugt der Roman weniger durch inhaltliche Tiefe als vielmehr durch seine klare Ausrichtung auf Unterhaltung und Zugänglichkeit und eignet sich damit besonders für eine Zielgruppe, die bisher wenig Leseerfahrung besitzt, aber über ein starkes Interesse an digitalen Spielwelten verfügt.
Der Comic-Roman eignet sich in besonderem Maße für die selbstständige Lektüre. Aufgrund seiner klaren Struktur, der zugänglichen Sprache sowie der unterstützenden Gestaltung durch Illustrationen und kurze Kapitel kann er ohne zusätzliche Begleitung gelesen werden. Gerade für leseunerfahrene Kinder stellt das Buch somit einen niedrigschwelligen Zugang dar.
Dennoch kann eine gemeinsame Lektüre – etwa im familiären Kontext – gewinnbringend sein. Insbesondere dann, wenn Kinder bereits eine hohe Affinität zur Minecraft-Welt besitzen, eröffnet das Buch vielfältige Gesprächsanlässe. Für Erwachsene kann dies eine Möglichkeit darstellen, Einblicke in die Lebenswelt und Mediennutzung ihrer Kinder zu gewinnen, während zugleich das gemeinsame Lesen gefördert wird.
Auch im schulischen Kontext sind einzelne Einsatzmöglichkeiten denkbar, wenngleich sich der Roman weniger als klassische Klassenlektüre anbietet. Vielmehr könnte er beispielsweise in einer Schulbibliothek, im Rahmen freier Leseangebote oder in Lesekisten zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus lassen sich thematische Anknüpfungspunkte für den Unterricht erschließen: So kann die Rolle von Influencern und YouTubern reflektiert oder die Bedeutung digitaler Spielwelten für Kinder und Jugendliche thematisiert werden.
Ergänzend bieten sich auch handlungsorientierte Zugänge an, etwa durch die Auseinandersetzung mit spielbasierten Lernumgebungen. In Verbindung mit frei zugänglichen Alternativen zu Minecraft (z. B. Minetest/Luanti) können eigene virtuelle Welten gestaltet werden, wodurch kreative und kollaborative Lernprozesse angestoßen werden. Entsprechende didaktische Konzepte liegen bereits vor und können in diesem Zusammenhang aufgegriffen werden (z. B. www.blockalot.de).
Insgesamt ist der Roman daher vor allem als motivierende Freizeitlektüre zu empfehlen, die insbesondere bei gaming-affinen Kindern – und hier vor allem bei Jungen mit geringer Leseerfahrung – das Interesse am Lesen fördern kann.