Rezensiert von Felix Grießhammer
Obwohl er gerade noch als Teil der Hitlerjugend gekämpft hat, möchte Harald nach dem Kriegsende die NS-Ideologie 1945 überwinden. Jennifer ist 1989 eigentlich Teil des DDR-Unrechtsregimes, in ihr wachsen jedoch auch die Zweifel und sie beginnt, ihr Leben zu hinterfragen. Nadiem möchte im Deutschland des Jahres 2025 Fuß fassen, doch wird von rechts bedroht. Alle drei vereint ein Ziel: ein freies Leben –aber werden sie es schaffen?
| Buchtitel | Wenn die Welt unsere wäre |
| Autor | Christian Linker |
| Genre | Gegenwart & Zeitgeschichte |
| Lesealter | 14+ |
| Umfang | 350 Seiten |
| Edition | 1. Auflage |
| Verlag | dtv |
| ISBN | 978-3-423-74126-2 |
| Preis | 16,00 € |
| Erscheinungsjahr | 2025 |
Harald überlebt verwundet den Zweiten Weltkrieg und wird in einem britischen Lazarett behandelt, wo er einen englischen Offizier kennenlernt. Nach seiner Rückkehr in die Heimat wird ebenjener Offizier dort stationiert, um Jugendliche für demokratische Werte zu gewinnen. Er organisiert Diskussionsrunden und Treffen, bald tanzen die Jugendlichen zu amerikanischer Musik, und Harald übernimmt das örtliche Jugendzentrum. Als Erich, Haralds ehemaliger Vorgesetzter in der HJ, zurückkehrt, steigt er an die Spitze der städtischen Verwaltung auf und verbietet den Jugendclub. Harald widersetzt sich, kämpft für die Freiheit der Musik und für demokratische Mitbestimmung und setzt sich schließlich auf demokratischem Weg gegen das Verbot durch.
Jennifer, zunächst systemtreu, arbeitet inoffiziell für die Stasi und soll die Kirchengemeinde bespitzeln. Bei deren Treffen verliebt sie sich in die Tochter des Pfarrers und beginnt, das System kritisch zu hinterfragen. Als Neonazis, deren Existenz die DDR offiziell leugnet, ein Treffen der Gemeinde überfallen, will sie den Übergriff melden, stößt bei der Stasi jedoch auf taube Ohren. Wegen ihrer kritischen Fragen in der Schule wird sie in den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau eingewiesen. Nach der Freilassung erlebt sie den Mauerfall, zieht in den Westen und macht ihr Abitur. Schließlich kehrt sie in die ehemalige DDR zurück und heiratet die Tochter des Pfarrers.
Nadiem strebt 2025 nach Integration in Deutschland, kandidiert als Schülersprecher und plant die Teilnahme an einem Poetry Slam. Ein Vorfall im Schwimmbad eskaliert in eine Prügelei, und ein später kursierendes Video stellt ihn irreführend als Gewalttäter dar. Er sieht sich gezwungen, seinen Ruf zu verteidigen und sich gegen rechtsextreme Bedrohungen zur Wehr zu setzen.
Eine Leseprobe ist verfügbar.
Wenn die Welt unsere wäre ist ein fesselnder Roman, der besonders fortgeschrittene Lesende dazu anregen kann, sich mit wichtigen Themen wie Demokratie, Freundschaft und Identität auseinanderzusetzen.
Das schlichte Cover mit einem blauen Hintergrund und dem gelben Titel in ansprechendem Graffitistil zieht sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Der Titel selbst, formuliert als unvollständiger Konditionalsatz, fordert implizit die Lesenden auf, ihn selbstständig mit ihren Träumen, Wünschen und Vorstellungen zu ergänzen. So wird schon vor dem Lesen Interesse und Neugier auf den Roman geweckt. Die Verwendung des Possessivpronomens „unsere“ schließt dabei die Lesenden aktiv in den Imaginationsprozess ein, was das Interesse weckt und sie dazu verleitet, den Roman in die Hand zu nehmen, um ihn zu lesen.
Der Roman gliedert sich in drei abwechselnde Handlungsstränge, die geschickt miteinander verwoben sind. Im ersten Strang überlebt Harald verwundet den Zweiten Weltkrieg und wird in einem britischen Lazarett behandelt, wo er einen englischen Offizier kennenlernt. Nach seiner Rückkehr in die Heimat wird ebenjener Offizier dort stationiert, um Jugendliche für demokratische Werte zu gewinnen. Er organisiert Diskussionsrunden und Treffen, bald tanzen die Jugendlichen zu amerikanischer Musik, und Harald übernimmt das Jugendzentrum. Als Erich, Haralds ehemaliger Vorgesetzter in der HJ, zurückkehrt, steigt er an die Spitze der städtischen Verwaltung auf und verbietet den Jugendclub. Harald widersetzt sich, kämpft für die Freiheit der Musik und für demokratische Mitbestimmung und setzt sich schließlich auf demokratischem Weg gegen das Verbot durch. Jennifer, zunächst systemtreu, arbeitet inoffiziell für die Stasi und soll die Kirchengemeinde bespitzeln. Sie verliebt sich in die Tochter des Pfarrers und beginnt, das System kritisch zu hinterfragen. Als Neonazis, deren Existenz die DDR offiziell leugnet, ein Treffen der Gemeinde überfallen, will sie den Übergriff melden, stößt bei der Stasi jedoch auf taube Ohren. Wegen ihrer kritischen Fragen in der Schule wird sie in den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau eingewiesen. Nach der Freilassung erlebt sie den Mauerfall, zieht in den Westen und macht ihr Abitur. Schließlich kehrt sie in die ehemalige DDR zurück und heiratet die Tochter des Pfarrers.
Nadiem strebt nach Integration in Deutschland, kandidiert als Schülersprecher und plant die Teilnahme an einem Poetry Slam. Ein Vorfall im Schwimmbad eskaliert in eine Prügelei, und ein später kursierendes Video stellt ihn irreführend als Gewalttäter dar. Er sieht sich gezwungen, seinen Ruf zu verteidigen und sich gegen rechtsextreme Bedrohungen zur Wehr zu setzen.
Die Handlungsstränge sind geschickt miteinander verwoben, sodass in den jeweils darauffolgenden Handlungssträngen Hinweise auf die Figuren der früheren Zeitstufe eingestreut sind. Ohne dabei zu viel Informationen zu verraten, entsteht somit ein erzählerisches Netz, welches den Lesenden Orientierung bietet. Die einzelnen Kapitel enden nie in sich abgeschlossen, sodass für den Lesenden stets die Spannung aufrechterhalten bleibt und er hierdurch zum Weiterlesen angeregt wird.
Die Protagonist*innen sind allesamt im Alter der Lesenden, was es ihnen ermöglicht, sich in deren Lebenswelt hineinzuversetzen. Harald, Jennifer und Nadiem sind sehr sympathische Figuren, deren innere Entwicklung glaubhaft und nachvollziehbar ist. Besonders beeindruckend ist, wie sie ihre ideologische Prägung ablegen, einen Erkenntnisprozess durchlaufen, und sich aus freien Stücken für die Demokratie entscheiden. Diese positive Entwicklung bietet ein hohes Identifikationspotential, auch wenn einige erfahrene Leser die reflektierte Darstellung der Figuren als konstruiert empfinden könnten. Für jugendliche Leser*innen hingegen sind die idealisierten Handlungsweisen inspirierend und motivierend.
Die Sprache des Romans ist einfach und angemessen für die Zielgruppe. Mit wenigen schwierigen Wörtern und kurzen, gut verständlichen Sätzen sind die Dialoge glaubhaft und tragen zur Zugänglichkeit der Handlung bei. Die abwechselnden Handlungsstränge, die stets an spannenden Sollbruchstellen enden, erzeugen einen Sog, der das Buch zu einem echten Pageturner macht.
Wenn die Welt unsere wäre ist ein intensiver und ansprechender Roman, der durch seine packende Handlung und die zugängliche Sprache überzeugt. Die Themen Demokratie, Freundschaft und Mut sind nicht nur relevant, sondern auch ansprechend für jugendliche Leser. Die Kombination aus identifikationsstarken Figuren und einer mitreißenden Erzählweise macht diesen Roman zu einer empfehlenswerten Lektüre für Jugendliche, die sich mit ihrer eigenen Lebenswelt und zeitgeschichtlichen Themen auseinandersetzen möchten.
Es ist keine Fortsetzung des Romans geplant und bis jetzt ist der Titel kein Teil eines größeren Medienverbunds. Der Roman ist als private Lektüre für Jugendliche ab 14 vollends zu empfehlen. Im schulischen Kontext bietet sich der Roman als Klassenlektüre zwar für lesestarke, interessierte Klassen an, jedoch ist er derzeit nur für 16€ verfügbar. Gleichzeitig könnten auch mit leseschwachen Leser*innen lediglich einer der drei Handlungsstränge gelesen werden. Der Roman eignet sich aber auch als freie Lektüre im schulischen Kontext. Der Roman sollte aber auch in öffentlichen Büchereien nicht fehlen; hier bietet es sich besonders an, ihn z. B. bei zeitgeschichtlichen oder gesellschaftspolitischen Thementischen einer breiteren Leseöffentlichkeit vorzuschlagen. Ist der Roman in den Bestand der Schulbücherei aufgenommen, so kann er auch bei einem leseanimierenden Verfahren (beispielsweise einem Book-Slam oder der Erstellung eines Buch-Trailers) eingesetzt zu werden. Wem der Roman gefällt, der interessiert sich auch für Vor uns das Meer von Alan Gratz.