Rezensiert von Daniel Zonsius
Als zwei Jugendliche bei einem Feuer im alten Herrenhaus vor der Stadt umkommen, ist es mit dem beschaulichen Leben in Sanera vorbei. Ein Unfall? Oder ist doch etwas dran an der Spukgeschichte vom Ghul in Carrington Manor? Die Kleinstadt-Polizei ist überfordert und so beginnen Cam, Amber, Jonesy und Buffy auf eigene Faust mit der Spurensuche in der verfluchten Villa. Auf gar keinen Fall würden sie sich im Gruselhaus trennen, das steht fest… oder?
| Buchtitel | Let’s Split Up |
| Autor | Bill Wood, übers. v. Alice Kronenberg |
| Genre | Krimi & Thrill |
| Lesealter | 14+ |
| Umfang | 343 Seiten |
| Edition | 1. Auflage |
| Verlag | One |
| ISBN | 978-3-8466-0270-6 |
| Preis | 15,00 € |
| Erscheinungsjahr | 2025 |
Die alte Carrington-Villa in dem kleinen US-amerikanischen Ort Sanera ist seit Jahren Gegenstand unheimlicher Gerüchte. Früher gehörte sie einem wohlhabenden Mann, der bei einem verheerenden Brand ums Leben kam – und seitdem scheint er dort keine Ruhe zu finden. Der Legende nach spukt Robert Carrington noch immer durch das verfallene Gebäude, und Augenzeug*innen wollen eine Gestalt mit glühenden Augen an den Fenstern gesehen haben.
Immer wieder wagen sich deshalb Mutige in die Villa, um das Geheimnis selbst zu ergründen. So auch die beiden Highschool-Schüler*innen Brad und Shelley. Ihr Vorhaben endet jedoch tragisch – sie kehren nicht lebend zurück.
Spätestens jetzt stellt sich die Frage, ob die Geschichten über das verfluchte Haus nicht doch eine wahre Basis haben. Hat es der Geist wirklich auf jeden abgesehen, der ihm zu nahe kommt? Und könnte die Bedrohung sogar auf die ganze Stadt übergreifen?
Diese Fragen lassen auch die vier Freund*innen Amber, Buffy, Jonesy und Cam nicht los. Entschlossen, der Wahrheit auf den Grund zu gehen, beginnen sie eigene Nachforschungen anzustellen. Nach und nach kommen sie den wahren Motiven auf die Spur: Angeblich liegt das Vermögen des alten Carrington immer noch irgendwo verborgen in seiner Villa und irgendwer scheint darauf versessen, sich dieses anzueignen, koste es, was es wolle. Egal, ob es sich beim Carrington-Ghul nun um einen echten Geist oder einen skrupellosen Schatzsuchenden handelt, die vier Jugendlichen kennen natürlich die Regeln, die in einem Spukhaus gelten – vor allem die wichtigste: Man sollte sich auf keinen Fall trennen. Immer neue brenzlige Situationen zwingen die Gruppe jedoch, mit ihrem Vorsatz zu brechen, bevor es ihnen schließlich gelingt, das Mysterium um den Carrington-Ghul zu lösen und den Mörder zu überführen, der all die Zeit ganz in ihrer Nähe weilte.
Eine Leseprobe ist verfügbar.
Bereits ein erster Blick auf das Cover von Bill Woods Roman „Let’s Split Up“ macht deutlich, wohin die Reise geht: Der starke Schwarz-Rot-Kontrast, die blutigen Fußspuren stimmen eindrucksvoll auf die düstere Atmosphäre des Romans ein und wecken die Erwartung eines nervenaufreibenden Leseerlebnisses – eine Erwartung, die die Geschichte auch erfüllt. Schon auf den ersten Seiten entfaltet sich eine packende Handlung, als der geheimnisvolle Carrington-Ghul seine ersten Opfer fordert und damit eine Kette unheimlicher Ereignisse in Gang setzt, die das beschauliche Städtchen Sanera erschüttern.
Im Zentrum der Handlung stehen die vier Jugendlichen Cam, Jonesy, Amber und die neu zugezogene Buffy, die – frustriert von der Überforderung der örtlichen Polizei – nach dem Tod ihrer Mitschüler*innen beschließen, selbst Nachforschungen anzustellen. Was zunächst wie ein klassisches Gruselabenteuer beginnt, entwickelt sich zu einer vielschichtigen Geschichte über Freundschaft, Zusammenhalt, Mut und persönliche Herausforderungen. Besonders gelungen ist dabei die sorgfältige Ausarbeitung der Figuren: Cam kämpft mit der Abwesenheit seiner alleinerziehenden Mutter, die unermüdlich arbeitet, um ihrem Sohn eine bessere Zukunft zu ermöglichen, während der intelligente und introvertierte Jonesy mit den Folgen der Alkoholabhängigkeit seiner Mutter zurechtkommen muss. Amber hingegen fühlt sich durch die überfürsorgliche Kontrolle ihrer Eltern eingeengt, und Buffy steht vor der schwierigen Aufgabe, sich in einer neuen Umgebung zu behaupten und das Vertrauen der Gruppe zu gewinnen.
Im Laufe der Handlung verleihen diese individuellen Konflikte der Geschichte emotionale Tiefe. Die vier Jugendlichen wachsen dabei zu einer echten Wahlfamilie zusammen, die sich gegenseitig Halt gibt und gemeinsam über sich hinauswächst, selbst als die ersten romantischen Gefühle innerhalb der Gruppe für Spannungen sorgen. Diese zwischenmenschliche Dynamik sorgt dafür, dass man sich den Figuren schnell verbunden fühlt und ihre Entwicklung mit Spannung verfolgt.
Erzählerisch überzeugt der Roman durch seine kurzen, prägnanten Kapitel, die aus wechselnden Perspektiven geschildert werden. Dadurch entsteht ein hohes Erzähltempo, das den Spannungsbogen konstant aufrechterhält. Die Bedrohung durch den Carrington-Ghul bleibt dabei stets greifbar und treibt die Geschichte voran, nicht zuletzt, weil er den Jugendlichen scheinbar immer einen Schritt voraus ist. Dieses Katz-und-Maus-Spiel sorgt für ein durchgehend fesselndes Leseerlebnis, das kaum Raum zum Durchatmen lässt.
Trotz eines Umfangs von über 300 Seiten bleibt die Handlung klar strukturiert und entwickelt sich zielstrebig voran. Die zugängliche Sprache und der lineare Aufbau machen den Roman auch für weniger geübte Leserinnen und Leser attraktiv, ohne dabei an Spannung einzubüßen.
Insgesamt gelingt Bill Wood mit „Let’s Split Up“ eine mitreißende Mischung aus Grusel, Spannung und emotionaler Tiefe. Der Roman verbindet klassische Motive der Horrorliteratur mit einer authentischen Darstellung jugendlicher Lebenswelten und zeigt eindrucksvoll, wie wichtig Zusammenhalt, Vertrauen und Freundschaft sind – besonders dann, wenn man sich den eigenen Ängsten stellen muss. Ein rundum gelungenes Buch, das seine Leserinnen und Leser von der ersten Seite an in seinen Bann zieht.
Let’s Split Up eignet sich hervorragend für die private Lektüre auf ganz unterschiedlichen Lesestufen, da der Roman eine zugängliche Sprache mit einer durchgehend spannenden Handlung verbindet. Trotz der unheimlichen Thematik bleibt die Geschichte stets so gestaltet, dass sie zu keinem Zeitpunkt übermäßig gruselig oder belastend wirkt, sondern vielmehr ein angenehmes Maß an Nervenkitzel bietet. Dadurch kann das Buch auch problemlos im schulischen Kontext, etwa im Rahmen von Vielleseverfahren, eingesetzt werden. Als Auftakt einer Reihe von Young-Adult-Thrillern eröffnet der Roman zudem einen niederschwelligen Einstieg in das Genre und kann dazu beitragen, Leselust überhaupt erst zu wecken. Gleichzeitig bietet er aber auch genügend Spannung und Umfang, um bereits begeisterte Leserinnen und Leser zu fesseln und ihren Lesehunger weiter zu stillen.