Buchcover Wir Jungs vom Prinzenpark

Dennis lebt mit seiner Familie in Braunschweig. Sein großer Bruder Che ist sein liebster...

Rezensiert von Doris Schmitt-Constabel

Dennis Schröder ist derzeit das bekannteste Gesicht des deutschen Profibasketballs. Nun erzählt er gemeinsam mit Christian Tielmann von seiner Kindheit im Braunschweiger Prinzenpark, von Skateboard-Abenteuern und ersten Korbwürfen mit Tomatendosen bis hin zur Erfüllung seines großen Traums: Spieler der NBA zu werden. Eine actionreiche, spannende, humorvolle und farbenfrohe Lektüre über Freundschaft und Teamgeist, Niederlagen und Pannen und natürlich über Basketball.

BuchtitelWir Jungs vom Prinzenpark
AutorDennis Schröder, Christian Tielmann, illustr. v. Jan Saße
GenreSport
Lesealter8+
Umfang192 Seiten
VerlagCarlsen
ISBN978-3551559531
Preis15,00 €
Erscheinungsjahr2025

Dennis lebt mit seiner Familie in Braunschweig. Sein großer Bruder Che ist sein liebster Spielkamerad und großes Vorbild. Bei jedem Wetter vergnügen sie sich mit ihren Freunden auf den Skateboardrampen des Braunschweiger Prinzenparks.

Als eines Tages die Angeber aus der Weststadtgang mit einem Basketball im Prinzenpark auftauchen, sind ausgerechnet sie es, die Dennis Interesse und Leidenschaft für diesen Sport wecken. Sofort ist der sportbegeisterte Junge fasziniert von diesem orangen Ball, der in hohe Körbe fliegen soll. Von da an trainiert er täglich, wenn auch zunächst mit seinem Kumpel Maiki mit improvisierten Basketbällen in dessen Kinderzimmer: Papierkugeln fliegen in Mülleimer auf Schränken und als diese schließlich auch leere Tomatendosen sind, die Maikis Zimmer ins rote Soßenchaos versetzen, bekommt er (nach der gemeinsamen Zimmerrenovierung) von seinem Vater seinen ersten Basketball geschenkt. Ein Skateboardunfall, bei dem sich Bruder Che den Arm bricht, ist Auslöser dafür, dass die Mutter ihren beiden Jungs das Skateboardfahren verbietet. Von nun an steht der Basketball im Mittelpunkt von Dennis sportlichen und auch nichtsportlichen Aktivitäten, was ihm sehr häufig schulischen wie häuslichen Ärger beschert. Denn Dennis ist zwar ein absoluter Teamplayer und seine Freunde bedeuten ihm alles, doch flippt er auch schnell einmal aus und ist wenig zuverlässig. Erst durch die Entdeckung und Förderung durch Trainer Liviu Calin lernt Dennis Disziplin und schafft es so, sich durch hartes Training den Traum vom Basketballspieler zu erfüllen. 

Eine Leseprobe ist verfügbar. 

„Kein Mensch wird als Basketballweltmeister geboren, auch ich nicht.“ (S.6)

Dies betont Dennis Schröder in seinem autobiographischen Kinderbuch „Wir Jungs vom Prinzenpark“ von Beginn an und macht damit nicht nur deutlich, dass er sich selbst als ganz gewöhnlichen Jungen ansieht, der in Braunschweig geboren wurde und aufwuchs, sondern auch, dass der Weg zu seiner sportlichen Karriere keinesfalls planmäßig und geradlinig verlief. 

Genau davon erzählen die beiden Autoren Schröder und Tielmann so humorvoll und temporeich, dass bereits auf den ersten Buchseiten Begeisterung, Sympathie und Spannung aufkommt und man mehr vom Werdegang des Protagonisten lesen möchte. 

In chronologischer Reihenfolge erfahren die Lesenden zunächst von Dennis Vorliebe für Schnelligkeit und seiner ersten großen sportlichen Passion, dem Skateboarden. Der Braunschweiger Prinzenpark ist sein zweites Zuhause und später der Ort, an dem er zum ersten Mal aktiv mit einem Basketball in Berührung kommt. Leidenschaftlich und sportbegeistert, wie der Junge vom Prinzenpark nun einmal ist, dribbelt und trainiert er bei jeder Gelegenheit, so dass Schule viel zu kurz kommt und auch Dennis´dfs Mutter an dessen Unzuverlässigkeit verzweifelt. Zahlreiche, sicherlich ab und zu überzeichnete Kindheitsepisoden, machen schnell klar: Wo Dennis ist, herrscht nicht selten auch Chaos. Doch sind es gerade diese witzig komischen Episoden, die dafür sorgen, dass man den verrückten wie gutherzigen Jungen schnell ins Herz schließt und dass bei der Lektüre keinerlei Langeweile aufkommt.

Über diesen schrägen und abenteuerlichen Kindheitsanekdoten wacht aber stets der reflektierende Blick des erwachsenen Profibasketballers Dennis Schröder, der nun sein eigenes Verhalten rückblickend durchaus kritisch bewertet und seinen jungen Leser*innen nicht selten ganz direkt vom Nachmachen abrät. 

Viele seiner Erlebnisse bezeichnet er als Schlüsselmomente und schildert, in welcher Weise sie zu einer Veränderung in seinem Leben geführt haben. Ein Zwischen-den-Zeilen-Lesen ist also nicht nötig, die Botschaft ist stets klar zu verstehen. Hierbei werden oft Vergleiche zu Basketballthemen gezogen. Spielfeldgeschehen wird mit den Erlebnissen des echten Lebens parallelisiert, wodurch Basketball spezifische Fachbegriffe und Abläufe auch für Lesende, die weniger mit dieser Sportart vertraut sind, durchaus anschaulich und verständlich erklärt werden. 

 „Wir Jungs vom Prinzenpark“ ist mit dem Thema Basketball freilich eine Sportgeschichte, aber noch vielmehr ist es eine Coming-of-Age-Erzählung, die vom Auf und Ab im Leben des Protagonisten berichtet, bis schließlich das Auftreten des Trainers Liviu Calvin den Wendepunkt in Dennis bisher eher chaotischem Leben darstellt: Endlich kann er sich entwickeln und lernt nach und nach, sich an Regeln zu halten, diszipliniert zu trainieren. So versteht er sukzessiv, was wichtig ist, wenn man in seinem Leben etwas erreichen will.

 Unabdingbare Pfeiler und Werte auf dem Weg zum Erfolg sind dem sportbegeisterten Hauptakteur stets Freundschaft und Teamgeist, Zusammenhalt und Miteinander, welche somit auch niemand glaubwürdiger verkörpert als die Jungs vom Prinzenpark selbst. 

Die jungen Protagonisten sind dabei keine perfekten Vorbilder, sondern Figuren aus dem echten Leben mit Stärken und Träumen, Problemen und Schwächen und vor allem jeder Menge Flausen im Kopf. Ehrlich und authentisch berichten die beiden Autoren von zahlreichen Fehltritten und Schwächen. Denn der junge Dennis besitzt wenig Disziplin und steht sich mit seiner mangelnden Impulskontrolle zunächst selbst im Weg. Er kann nicht verlieren, flippt bei Niederlagen regelmäßig aus und läuft damit so manches Mal Gefahr, aus der Mannschaft zu fliegen. Damit greift das Autorenduo ein für viele junge Leser*innen dieser Altersgruppe allzu bekanntes Thema auf und macht das große Basketballidol mit seiner menschlichen Schwäche zur idealen Identifikationsfigur, zu einem nahbaren Sympathieträger und zu einem realistischen Vorbild.

Mit einem Leseumfang von 192 Seiten setzt „Wir Jungs vom Prinzenpark“ allerdings sowohl Offenheit gegenüber dem Lesen sowie auch eine gewisse Leseerfahrung voraus und ist somit vor allem für die fortgeschritteneren Leser*innen der Altersgruppe 8+ zu empfehlen. Leseanfänger*innen dürften sich mit den langen Kapiteln und den zahlreichen, oft eng bedruckten Textseiten eher schwer tun. 

Farbige großflächige Illustrationen und zahlreiche Comicelemente, die häufig sogar eine ganze Seite einnehmen, sorgen aber maßgeblich für humorvolles, unterhaltsames und abwechslungsreiches Lesevergnügen. Jan Saßes Zeichnungen sind modern, witzig und treffen nicht selten den Nagel auf den Kopf. Durch sie wird das Leseverständnis der recht temporeichen Geschichte unterstützt. 

Lust aufs Lesen weckt mit Sicherheit das dynamisch gezeichnete Cover, welches nicht nur den bekannten Namen des Autors werbewirksam in Szene setzt, sondern auch das Thema Basketball durch eine geriffelte Oberfläche haptisch erfahrbar macht. 

Mitreißend, authentisch und emotional werden in „Wir Jungs vom Prinzenpark“ sowohl sportliche Leidenschaft und Teamgeist als auch ethisch gesellschaftliche Werte wie Zusammenhalt, Toleranz und Gleichheit transportiert. Dennis Schröders Lebensgeschichte will Mut machen, mit Vorurteilen aufräumen und fordert auf, für seine Ziele zu kämpfen und natürlich Basketball zu spielen, denn: „Irgendwo hängt immer ein Korb rum, der nur auf euch wartet.“ (S. 187)

„Wir Jungs vom Prinzenpark“ ist vor allem als private Lektüre für fortgeschrittenere Leser*innen zu empfehlen. Mit 192 Seiten ist dieser Titel recht umfangreich, setzt damit Lesemotivation und -erfahrung voraus und ist somit weder für Leseanfänger*innen noch als Klassenlektüre der Zielgruppe 8+ zu empfehlen.

Doch könnte Schröders humorvolle Erzählung gerade sportbegeisterte Kinder durch Vorleseprojekte im schulischen Bereich oder auch durch abwechselndes gemeinsames Erlesen zum Selbstlesen motivieren – hat ja nun sogar Basketballstar Dennis Schröder ein ganzes Buch geschrieben…

Die verarbeiteten Themen wie Niederlage und Erfolg, Freundschaft und Teamgeist verdienen es freilich immer, gerade im schulischen Kontext, aufgegriffen und diskutiert zu werden. Auch das Thema Rassismus, dem der Autor das sechste Kapitel widmet, ist vor allem in multinationalen Klassenverbänden brandaktuell und lädt zu Sensibilisierung und Erfahrungsaustausch ein.

 

In der Auseinandersetzung mit der Lektüre, ob nun als Klassenprojekt, Gruppenarbeit oder  innerhalb einer Buchpräsentation durch eine Leserolle oder -kiste, bietet Dennis Schröder natürlich als prominente Person selbst Anlass zur weiteren Recherche. Biographische Daten, Karriere, Leben, Bilder und Videos könnten gesammelt und auf einem Zeitstrahl dargestellt werden, zu Plakaten verarbeitet oder als Referat vorgetragen werden. 

Im Rahmen des Kunstunterrichts oder textproduzierenden Deutschunterrichts könnte die Handlung in Auszügen auch in Comicpanels kreativ gestaltet werden.

 

In Schul- und Klassenbibliotheken mit einem heterogenen Buchangebot sollte der Titel keinesfalls fehlen. Motivieren doch das witzig dynamische Cover mit seiner haptischen Besonderheit sowie der auffallend gedruckte, bekannte Name des Autors sicherlich zahlreiche (nicht nur) sportaffine Kinder zur Ausleihe und zum selbstständigen Erlesen der Geschichte.