Buchcover Zu schnell für diese Welt

Jay, von seinem besten Freund Dennis „Speedy Jay“ genannt, ist ein begnadeter Läufer: Er ist nicht...

Rezensiert von Patrick Taschler 

Jay ist schnell! So schnell, dass ihn sein bester Freund Dennis „Speedy Jay“ genannt hat. Durch einen ‚kriminellen Zufall‘ bekommen sie die Möglichkeit, beim Sportverein Leichtathletik zu trainieren – eine einmalige Chance! Vor allem für Jay eröffnet sich eine neue Welt. Eine emotional geladene Sportgeschichte über schwierige Familienverhältnisse, wahre Freundschaft, Durchhaltevermögen und den Glauben an sich selbst, um die eigenen Träume verwirklichen zu können.

BuchtitelZu schnell für diese Welt
AutorMartina Wildner
GenreSport
Lesealter12+
Umfang223 Seiten
VerlagBeltz & Gelberg
ISBN9783407759702
Preis14,00 €
Erscheinungsjahr2025

Jay, von seinem besten Freund Dennis „Speedy Jay“ genannt, ist ein begnadeter Läufer: Er ist nicht nur sehr schnell, sondern auch sehr ausdauernd. Bis jetzt hat er dieses Talent allerdings nur benutzt, um aus brenzligen Situationen zu fliehen. Jay und Dennis hängen nämlich am liebsten beim Sprühen auf den Abstellgleisen des S-Bahn-Geländes ab, wo sie einen verlassenen Wagon als Unterschlupf umfunktioniert haben. Beides ist natürlich verboten!

Prompt werden sie von Herrn Wolf, dem berühmten Trainer des lokalen Leichtathletikvereins erwischt, der sie verpflichtet zum Training zu gehen. Dennis findet es gar nicht so schlecht, aber Jay kann mit Autorität und den strengen Anforderungen des Trainers nicht umgehen.

Und genau diese ständige Konfrontation mit Herrn Wolf, Probleme mit seiner Mutter und vor allem mit seinem Bruder Keno, der ein erstklassiger Sprüher ist, aber immer in Schwierigkeiten gerät, und die Abwesenheit seines Vaters, der in Chile lebt und ihm sehr fehlt, werfen Jay aus der Bahn und so entscheidet er sich das Training hinzuschmeißen.

Dennis, der aber stets an Jay glaubt, ihm zur Seite steht und sein Talent nicht verschwendet sehen will, unternimmt alles, um ihn wieder auf die Spur zu bringen.

Letztendlich schafft es Jay zum abschließenden Rennen, dass er natürlich mit Abstand gewinnt. Und so träumt er bereits von einem Weltmeistertitel und einem Ferrari, den er sich unbedingt kaufen möchte.

Eine Leseprobe ist verfügbar.

Das Buch Zu schnell für diese Welt von Martina Wildner entführt die Leser*innen in eine Welt, die vom sportlichen Leistungsdruck, Neid und mangelndem Fairplay geprägt ist und wo die Unterstützung von Freunden und der eigenen Familie von größter Bedeutung ist bzw. wäre. Das Nicht-Aufgeben und das An-sich-Glauben spielen dabei ebenso eine zentrale Rolle. Themen, die die Autorin als frühere Leistungssportlerin selbst erlebt hat und deshalb auch sehr authentisch vermitteln kann.

Das stilisierte Cover offenbart sofort, dass es im Buch vor allem um das Thema ‚Laufen‘ geht und macht sportaffine Leser*innen sicherlich neugierig auf den Inhalt.

Die Geschichte wird von Dennis als Ich-Erzähler introspektiv erzählt. Dabei geht es vor allem um die Beweggründe der Protagonist*innen, deren Unsicherheiten, die inneren und äußeren Konflikte und deren Gefühle. Alles in einer spannenden Handlung verpackt. Auch Jugendsprache, wie etwa „Und dann hat dieser Wichser noch diesen Teppich…“ (Seite 26), „Scheiße die Bullen“ (Seite 68) oder „Busenhausen, Wixhausen oder Fickenmühlen“ (Seite 150) kommt zum Einsatz. Dafür ist eine bestimmte Reife der Leser*innen vorauszusetzen, die eher für die Altersgruppen ab 12+ zu erwarten ist. Da die Sprache ansonsten eher leicht verständlichen, die Sätze und Kapitel kurz und der Umfang mit 223 Seiten überschaubar sind, eignet sich das Buch auch für geübtere und empathische Leser*innen der Altersgruppe 10+.

Die realistisch gezeichneten Hauptfiguren Jay – mit seinen Autoritätsproblemen, seinem rebellischen und trotzdem sehr sensiblen Wesen – und Dennis – der stets an der Seite von Jay ist, ihn als wahrer Freund bei allem unterstützt – bieten viel Identifikationspotential für die Leser*innen, die in diesem Alter selbst oft mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Auch die Nebenfigur Xenia, die auf den ersten Blick alles zu haben scheint (Geld, Erfolg, Schönheit und Berühmtheit in den sozialen Medien), aber unter ihrer übereifrigen Mutter und den Schwierigkeiten beim Umgang mit Leistungsdruck leidet, schafft weitere Anknüpfungspunkte. 

Die Geschichte ist sehr schwungvoll geschrieben, liest sich rasch und bietet trotz der insgesamt ernsten Thematik viele witzige und skurrile Passagen, die die Leser*innen zum Lachen bringen (z.B. „»Fuck!«, schrie Jay und ging hinter einem Palettenstuhl in Deckung. Ich sprang ebenfalls auf und hielt meine Chipstüte als Schild… »ich hab mir immer schon gedacht, dass dieser Baum uns noch mal gefährlich wird«, sagte ich…“ (Seite 27), oder „»Jay im Ferrari«, kommentierte ich das Video. »308 GTS Quattrovalvole!«, krähte Jay. … Die Wände des Showrooms vibrierten. Jay kreischte und fuchtelte herum, sodass er dem Händler fast die Sonnenbrille – natürlich muss man in einem Ferrari eine Sonnenbrille tragen, ganz egal wie das Wetter ist – von der Nase schlug.“ (Seite 168 + 169).

Leser*innen, die eine spannende Sportgeschichte suchen und schätzen, bereits im Lesen geübt sind, es aber lieber kurz und bündig mögen, werden dieses Buch lieben und rasend schnell verschlingen.

Das Buch Zu schnell für diese Welt eignet sich nicht nur ausgezeichnet als inhaltlich wertvolle Freizeitlektüre oder für die freie Lesezeit in der Schule, sondern auch als Klassenlektüre, um den Leistungsdruck, die Versagensangst, und die Bedeutung von Fairplay zu thematisieren, die nicht nur beim Sport verbreitet sind, sondern vor allem auch in der Schule auf der Tagesordnung stehen. Dabei könnte man thematisieren, wie man mit Druck umgeht, wie man mehr Resilienz in den Alltag einbauen kann, welche Rolle die Klassengemeinschaft, der Freundeskreis und die eigene Familie spielen kann.