Buchcover Stadt der Magier und Diebe

Als der junge Taschendieb Cor von der Stadtpolizei geschnappt und als Arbeitssklave verkauft wird,...

Rezensiert von Nicole Bachor-Pfeff

Eine mittelalterliche Stadt, mächtige Magier, flinke Diebe – ein Mix, der für Spannung ab dem ersten Satz sorgt. Der junge Taschendieb Cor wird von der Stadtpolizei geschnappt und als Arbeitssklave verkauft. Sein Käufer, ein großer Magier, ist sehr bald nicht mehr sein Herr, sondern sein Meister und wird nach und nach viel mehr als das. Gemeinsam ermitteln sie in sonderbaren Diebstählen und Morden und müssen am Ende versuchen, nicht weniger als die ganze Stadt zu retten. Dabei geht es schnell um Leben und Tod!

BuchtitelStadt der Magier und Diebe
AutorJudith Mohr
GenreFantasy
Lesealter12+
Umfang414 Seiten
VerlagCarlsen
ISBN978-3-551-586-58640-7
Preis15,00 €
Erscheinungsjahr2025

Als der junge Taschendieb Cor von der Stadtpolizei geschnappt und als Arbeitssklave verkauft wird, befürchtet er das Schlimmste. Doch was Cor anfangs als das grausame Ende seines Lebens in Freiheit sieht, wird seine große Chance. Denn sein Käufer ist niemand weniger als der große Magier, Jonathan Barnaby Fossell, ein weiser, freundlicher und fürsorglicher Mann. Mit ihm entdeckt er, dass magische Fähigkeiten in Cor stecken und so wird aus dem Sklaven Cor der Lehrling der magischen Künste und aus seinem Herrn sein Meister. Das alles halten die beiden aber geheim, nur die treue und überaus gute Köchin des Hauses, Babette, weiß darüber Bescheid: Da auch sie den Jungen sehr bald ins Herz schließt, erlebt Cor das erste Mal in seinem Leben ein Gefühl von Geborgenheit. Aber lange unbeschwert genießen darf er dieses Leben nicht.

Ungeklärte Diebstähle, Morde und Explosionen ereignen sich in den Gassen von Parnass und alles deutet darauf hin, dass böse Intrigen die ganze Stadt gefährden. So bittet der Magier Cor um Hilfe bei seinen Ermittlungen. Zunächst befürchtet Cor, dass er die Diebesgilde verraten soll, was für ihn böse enden würde, da diese keine Verräter duldet. Aber als auch seine alten Freunde in Gefahr geraten, weiß er, auf welcher Seite er steht. Gemeinsam ermitteln sie gegen die skrupellosen Verbrecher, wobei Cor seine Fähigkeiten als Dieb und seine neu entdeckten magischen Fähigkeiten sehr gut einsetzen kann. Als sein Meister entführt wird, muss Cor gemeinsam mit seiner Freundin Ro, ein Mädchen, das in seiner Diebesgruppe war, erst den wirklich großen Gefahren entgegentreten und nicht nur seinen Meister retten.

Eine Leseprobe ist verfügbar. 

Judith Mohr zeigt in Die Stadt der Magier und Diebe einen wundervollen, tolle Atmosphäre schaffenden Schreibstil. Flüssig und wortgewandt nimmt sie die Leser*innen mit in eine aufregende, mittelalterliche Welt voller Magie, Spannung, aber auch Güte, Treue, Loyalität und Freundschaft. Sie erschafft in ihrer schönen Sprache wunderbare Bilder, und so wandelt man mit Cor und seinem Meister durch die mittelalterliche Stadt Parnass, in der die ganze Handlung spielt.  

Manchmal ist es berührend, manchmal gefährlich und nervenaufreibend. Aber genau aus diesem Grund möchte man das Buch nicht aus den Händen legen, auch wenn die Handlung an wenigen Stellen etwas zügiger hätte vorangetrieben werden können. Schon der Einstieg, in dem Cor erzählt, wie es ihm geht und welches Schicksal auf ihn wartet, fesselt und so bleibt es spannend und rätselhaft bis zum Schluss, da erst am Ende enthüllt wird, wer hinter all den schrecklichen Ereignissen in der Stadt steckt und welche Motive diese Person leiten. 

Die Figuren sind sympathisch und besitzen viel Identifikationspotenzial: Sei es der weise und weitsichtige Magier, Jonathan Barnaby Fossell, der Cor als Sklaven kauft, seine Talente erkennt und schätzt und dann zu seinem Gefährten durch die gefährliche Zeit macht. Sei es die liebenswerte, etwas bärbeißige Haushälterin des Magiers, Babette, die sich rührend um die beiden kümmert und deren erzieherische Maßnahmen einen zum Schmunzeln bringen. Sei es Clem, der die kleine Gruppe von Dieben leitet und ausbildet, in die Cor mit neun Jahren eintrat, um nicht vor Hunger und Einsamkeit zu sterben und der immer wieder seine Loyalität beweist. Und nicht zuletzt seine Freundin Ro, mit der Cor eine tiefe Verbundenheit teilt und die ihm im Kampf gegen das Böse beisteht, nachdem sie sich eine Zeit lang schmerzlich vermissen mussten. Auch die weiteren acht Magier des Zirkels sind interessante und gut variierende Charaktere: von der hakennasigen Prucilla Pernickel bis zum dünnlippigen Ignatius Lampert oder rundlichen Cornelius Funkelstein.

Die Stadt der Diebe ist ein zügig zu lesender Pageturner, den man vor dem Ende kaum zur Seite legen mag. Und nach dem Ende ist man etwas traurig, da einem die Figuren ans Herz gewachsen sind - eben wie Freunde. Aber man darf sich ja schon auf das nächste Fantasy-Abenteuer mit ihnen freuen. Ein Buch, das endlich mal die seit Harry Potter üblichen Muster bricht und Magie wieder neu erfindet.

Das sehr schöne und edle Cover wirkt ebenso einladend wie die Haptik des Buches. Darüber hinaus wird aber gänzlich auf Illustrationen verzichtet.

Es eignet sich für eher leseerfahrene Leser*innen ab 12 Jahren, die Spannung, Fantasy und Krimis mögen und denen Morde in mittelalterlichen Städten nicht den Schlaf rauben.

Besonders schön ist, dass es als erster Band einer Reihe angekündigt ist, aber jeder Band in sich abgeschlossen und unabhängig lesbar ist. Trotzdem freut man sich auf die nächste Begegnung mit Cor und Ro.

Die Stadt der Magier und Diebe eignete sich prima als Freizeitlektüre für alle, die Fantasy lieben und darf in keiner Schul- oder Klassenbibliothek (5.-7. Klasse) fehlen. Aber aufgrund des Umfangs von über 400 Seiten und an manchen Stellen nichts für Zartbesaitete ist, sollte der Einsatz als Klassenlektüre gut überlegt sein. Wem TintenherzKrabat oder auch Harry Potter gefallen, der liest auch gerneDie Stadt der Magier und Diebe