Buchcover Jasper Wulff: Jasper Wulff – Der coolste Wolf der Stadt

Das Aufwachsen in einer Werwolf-Familie ist alles andere als einfach. Jasper Wulff kann davon ein...

Rezension von Bartholomäus Figatowski

Gelb leuchtende Augen? Fürchterlich lange Krallen? Extremer Haarwuchs? Wenn sich Jasper Wulff bei Stress in einen Werwolf verwandelt, ist das für seine Umgebung schockierend. Deshalb musste Jasper seinen Eltern versprechen, jede Aufregung zu vermeiden und sein wahres Wesen zu verbergen. Doch dann verwickelt ihn der angeberische Carter in einen handfesten Streit. Zum Glück ist die furchtlose Elly an Jaspers Seite, die dafür sorgt, dass Jasper immer die Nerven behält… Dank witziger Dialoge und jeder Menge Werwolf-Action wird dieser Comic-Roman Leser*innen ab 9 Jahre begeistern.  

BuchtitelJasper Wulff – Der coolste Wolf der Stadt
AutorJasper Wulff
GenreAbenteuer
Fantastischer Realismus
Comic & Graphic Novel
Lesealter8+
Umfang144 Seiten
Verlagdtv Junior
ISBN978-3-423-76352-31
Preis11,00 €

Das Aufwachsen in einer Werwolf-Familie ist alles andere als einfach. Jasper Wulff kann davon ein Liedchen heulen. Wenn sich Jasper bei Stress und großer Anspannung in einen Werwolf verwandelt, versetzt das seine Mitmenschen in Furcht und Schrecken. Deshalb musste er seinen Eltern versprechen, jede unnötige Aufregung zu vermeiden und sein wahres Wesen zu verbergen. Das klappte an ihrem bisherigen Wohnort, einem Blockhaus inmitten eines Nationalparks, ziemlich gut. Dort arbeitete Jaspers Vater als Ranger und Jasper war wegen einer “Allergie” von der Schulpflicht befreit. Als jedoch die Stelle seines Vaters abgebaut wird und dieser eine Bürotätigkeit antreten soll, muss die Familie in ein Haus im großstädtischen Sheffield umziehen. In der dicht bebauten Reihenhaussiedlung droht nun die Aufdeckung ihres ‘tierischen’ Familiengeheimnisses. Zum Glück lernt Jasper zufällig Elly kennen, ein aufgewecktes Nachbarsmädchen, das ihm das Einleben in die neue Umgebung erleichtert. Auch freundet er sich mit Marc und Jeff an und verstärkt die Fußballmannschaft in ihrem Wohnviertel. Doch leider verlaufen nicht alle seine neuen Bekanntschaften so positiv. So kriegt es Jasper bald mit dem angeberischen Carter zu tun, der zudem ausgerechnet in dem Fußballteam spielt, gegen das Jaspers Mannschaft ein Match bestreiten muss. Wie gut, dass Jasper Elly an seiner Seite weiß, die ihn auch in brenzligen Situationen davor bewahrt, aus der Haut zu fahren und so seine wahre Identität zu verraten.

Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden.

“ARGH! Wir sind umgezogen. Oder nein, anders, wir mussten umziehen”, klagt Jasper Wulff, der fast zwölfjährige Protagonist in Antje Szillats gleichnamigem phantastischen Roman. Bekanntlich sind Umzüge nicht immer schön. Was bedeutet das aber für einen Werwolf-Jungen, dessen wahre Identität nicht bekannt werden darf und der darum seinen abgelegenen Wohnort in der Natur besser nicht verlassen sollte? Trotz der phantastischen Handlungsprämisse, dass Werwölfe existieren und inkognito unter gewöhnlichen Menschen leben, ist Jaspers Lebenssituation für viele junge Leser*innen nachvollziehbar und spannungsgeladen. Großen Lesespaß garantiert Szillats Roman dabei aufgrund einer gelungenen Mischung actionreicher und humorvoller Handlungselemente und des sympathischen Protagonisten, der uns als Ich-Erzähler von seinen Abenteuern in der Stadt berichtet. Hier spielt Szillat sogar mit einer Autorenfiktion, wenn es in ihrer Kurzbiographie heißt, dass sie die Geschichte zusammen mit Jasper Wullf aufgeschrieben hat. Hinsichtlich der Figurendarstellung ist auch Elly positiv hervorzuheben. Szillat gestaltet diese Nebenfigur sehr differenziert und lebendig – etwa mit Blick auf Ellys Faible für magische Wesen oder ihre persönlichen Eigenschaften wie Mut und ein großes Selbstbewusstsein. Dies trägt dazu bei, dass die Freundschaftsgeschichte zwischen Elly und Jasper sehr lebendig wirkt.

Szillats Roman greift eine ganze Reihe von interessanten, adressatenbezogenen Themen auf: Neben dem Werwolf-Plot, der beispielsweise an Aimée Carters “Animox”-Serie um jugendliche Tierwandler erinnert, werden durch die Themen “Freundschaft” und “neues Zuhause” weitere Leseanreize geschaffen. Die Erzählweise hat episodenhaften Charakter, wobei die Frage, inwiefern die wahre Identität von Jasper und seiner Familie verborgen bleiben kann, als Handlungsklammer dient. Ob Jaspers Anpassungsproblemen an das Leben in der Stadt, die Abenteuer mit Elly oder der Konflikt mit Carter, – immer geht es spannend und abwechslungsreich zu. Letztendlich kann sich Jasper zwar gegen die Bösartigkeiten Carters zur Wehr setzen, am Handlungsende wird dieser jedoch selbst als magischer Puma-Mensch-Hybrid entlarvt, was natürlich einige Fragen aufwirft, die aber nicht mehr beantwortet werden. Dass Jasper aber nun in Elly eine echte Freundin findet und sich seine Familie dafür entscheidet, in Sheffield wohnen zu bleiben, wird die Leser*innen durchaus im Sinne eines Happy End zufriedenstellen.

Jasper ist ein Werwolf-Junge, der die Leser*innen zur Identifikation einlädt. Positiv hervorzuheben sind auch die lebendigen Dialoge und die Action-Szenen. Mit Blick auf einige jugendsprachliche Ausdrücke und emotionale Wendungen wird der Roman allerdings eher Leser*innen ab 9 Jahren empfohlen.  Dass man Szillats Werwolf-Roman unbedingt bis zum Ende lesen will, liegt nicht zuletzt an den witzigen Comic-Zeichnungen von Jan Reiser. Die Innenillustrationen dienen dabei nicht nur der Ausschmückung, sondern bereichern die Handlung, wenn sie beispielsweise auf unterhaltsame Weise das Familienleben der Werwölfe darstellen. Besonders ungeübte Leser*innen werden dank des witzigen Zeichenstils ‚mitgenommen‘ und zum Weiterlesen motiviert.

Bei Jasper Wulff handelt es sich um einen unterhaltsamen Comic-Roman, der selbst ausgesprochene Lesemuffel dazu einlädt, das Buch bis zum Ende zu lesen. Jaspers Lebenssituation – die Notwendigkeit, sich nach dem Umzug der Familie in einer fremden Stadt zurechtfinden zu müssen – ist auch für jüngere Leser*innen nachvollziehbar. Auch die Freundschaftsthematik wird durch die Verwendung des Tierwandler-Motivs auf originelle Weise variiert. Daher ist dieser Roman sicherlich eine Bereicherung für jede Klassen- bzw. Schulbibliothek.

In der Grundschule und zu Beginn der Sekundarstufe I kann er zudem für eine Vielzahl von leseanimierenden Verfahren – wie z.B. die Lesekiste – empfohlen werden. Selbstverständlich eignet sich der Roman auch für die Privatlektüre; zusätzliche Leseanreize entstehen außerdem, wenn die Leser*innen zuvor bereits mit dem Tierwandler-Motiv in anderen Kinderbüchern in Berührung gekommen sind oder gar die Lektüre phantastischer Kinderromane favorisieren.