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Buchempfehlungen

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Buchcover Corinna Rindlisbacher: Die chinesische Spiegelfalle

Rezension von Benjamin Tüngethal

Jeder kennt es: Da fasst man einmal einen chinesischen Zauberspiegel in einem Kuriositätenladen an und ZACK schon hat man einen neunmalklugen Goblin namens Pierre aus einer Paralleldimension an der Backe. Wer nicht weiß, wie man so einen wieder loswird, findet in diesem Roman eine interaktive Anleitung. Dabei begegnet der*die Leser*in Fridolin und Pierre, die beim Lösen einiger kniffeliger Rätsel dringend Hilfe brauchen können…

BuchtitelDie chinesische Spiegelfalle
AutorCorinna Rindlisbacher
GenreFantasy
Lesealter10+
Umfang256 Seiten
VerlagPlanet!
ISBN978-3-522-50701-1
Preis9,99 €

Die Erzählung Die chinesische Spiegelfalle handelt von dem Jungen Fridolin und dem Goblin Pierre, die zusammen versuchen, Pierre durch einen magischen Spiegel wieder in seine Dimension zu schicken. Doch um das zu erreichen, müssen die beiden eine Vielzahl von Rätsel lösen – mit Hilfe des Lesenden!

Als Fridolin mit seiner Mutter in einem Kuriositätenladen ist, berührt er einen verzauberten Spiegel. Dadurch kommt der Goblin Prärgilhodez (genannt Pierre) aus seiner Dimension in unsere Welt. Gleichzeitig werden beide an den Handgelenken durch einen Zauber verbunden. Um Pierre wieder zurückzuschicken, müssen beide im gesamten Laden nach Hinweisen suchen und diese zusammensetzen.

Zu Beginn erklärt ihnen ein ausgestopftes Krokodil, dass der Spiegel ein Tor zwischen Pierres und Fridolins Dimension sei. Mit einem Rätsel schickt es die beiden weiter. Sie finden heraus, dass sie bestimmte Symbole am Spiegel aktivieren müssen, um das Tor erneut zu öffnen. Um welche Symbole und welche Reihenfolge es sich handelt, müssen die beiden sich an mehreren Stationen erarbeiten. Schließlich landen beide wieder beim Krokodil. Bevor sie Symbole auswählen können, müssen sie den Namen des Spiegels laut aussprechen, erklärt es. Das Vorhaben, Pierre auf die andere Seite zu schicken, gelingt ihnen schließlich auch, aber das Band besteht weiterhin. An dieser Stelle teilt sich die Geschichte, je nachdem wofür sich der*die Leser*in entschieden hat: (1) Fridolin und Pierre gelingt es, die richtige Reihenfolge der Symbole zu erraten, bevor die Mutter wieder in den Raum kommt und Fridolin erwischen kann. Weil Fridolin sich augenscheinlich gut benommen hat, bekommt er ein Spaghetti-Eis. (2) Beiden gelingt es nicht, die richtige Reihenfolge zu finden und Fridolins Mutter erwischt ihn bei dem Spiegel. Sie spricht einen Zauberspruch, der Pierre in seiner Dimension hält und das Band auflöst.

Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden. 

Corinna Rindlisbacher gelingt mit Die chinesische Spiegelfalle ein fesselndes, interaktives Abenteuer für alle, die gerne beim Lesen mitbestimmen möchten. Es handelt sich nämlich um eine Erzählung, bei der viele Entscheidungen von den Lesenden selbst getroffen werden dürfen: Um an bestimmten Handlungspunkten fortzufahren, muss man dann zu der entsprechenden Seite springen. Auf diese Weise werden auch einige Rätsel gelöst oder eben nicht, wenn man den falschen Weg gewählt hat.

Durch die suggeriert interaktive Mitgestaltung der literarischen Welt wird das Leseerlebnis besonders, denn nach wenigen Seiten Lektüre kann man bereits in der Mitte des Buches sein. Für junge Lesende erzeugt das freilich eine große Motivation, weiterzulesen. Aufgrund der vielen und teilweise großen Sprünge durch die Buchseiten hat der Lesende das Gefühl, sehr schnell „voranzukommen“ und vertieft sich immer mehr in die Handlung. So erscheinen die knapp 250 Seiten gar nicht mehr viel. Zudem sind die Episoden zwischen den Entscheidungen immer nur wenige Seiten lang. Auch damit werden schnelle Leseerfolge gefördert.

In der Erzählung geht es vorrangig um den Jungen Fridolin. Zunächst ist Fridolin genervt, weil ihn seine Mutter zum Einkaufen mitgenommen hat, worauf er eigentlich keine Lust hatte. Lesende werden sich mit dieser Situation sehr gut identifizieren können und sind dadurch gleich in die Handlung involviert. Auf dem Weg, die Reihenfolge der rätselhaften Symbole auf dem Spiegel zu finden, die Pierre wieder zurückschicken sollen, begegnen die beiden unter anderem Geweihwürmern und dem sprechenden Krokodil. Diese originellen Figuren bringen sprichwörtlich Farbe in die Erzählung, machen die Rätsel der vielen kleinen Episoden lebendig und bringen Freude beim Lesen. Wichtig ist auch, dass die ganze Erzählung von der jederzeit möglichen Wiederkehr der Mutter vom Gespräch mit dem Händler in einen engen zeitlichen Rahmen gesteckt wird. Fridolin und Pierre müssen also immer sehr schnell handeln. So bleibt die Handlung für Lesende sehr spannend.

Da die Aktivität der Leserschaft im Mittelpunkt steht, tritt Fridolin als Charakter – anders als bei „normalen“ Kinderbüchern – allerdings etwas in den Hintergrund und wirkt nicht sehr aussagekräftig. Er wundert sich beispielsweise kaum über den erscheinenden Goblin, ekelt oder erschreckt sich auch mal vor etwas. 

Gestalterisch wurde sich ebenfalls große Mühe gegeben, dem Buch sowie dessen Handlung Dynamik zu verleihen.  Das Cover ist für Jungs sicherlich ansprechend, wirkt aber bereits vor Lesebeginn recht bedrohlich und passt nicht ganz zum abenteuerlichen Inhalt im Kunst- und Kuriositätenladen. Zwar sind die Illustrationen im Buch nicht sehr aussagekräftig, da sich die wenigen Zeichnungen, die es gibt, häufig wiederholen, aber als Gesamtwerk sticht das Buch durchaus durch diese durchgängige Illustration hervor. Wünschenswert wäre dagegen beispielsweise eine Karte des Kuriositätenladens zur Orientierung oder Illustrationen der vielen einzelnen Stationen. Allerdings wird das tatsächliche Textvolumen durch die vielen Bilder pro Seite oft deutlich verringert.

Sprachlich ist das Buch einfach gehalten und für den schnellen Lesekonsum prädestiniert, was auch durch die Interaktivität und die Seitengestaltung vorangetrieben wird. Knappe Sätze, einfacher Satzbau und einfaches Vokabular machen es möglich, dass der Inhalt leicht verständlich übermittelt wird. Insgesamt ist das Werk inhaltlich und sprachlich sehr leicht zugänglich. Die Faszination für diese Erzählung wird allerdings vorrangig durch die Interaktivität erzeugt. Diese lässt die kleinen Schwächen nebensächlich wirken und ist ganz hervorragend für die Leseförderung geeignet.

Das Werk eignet sich speziell für „Lesemuffel“, die mit dieser Erzählung sehr schnell zu großen Leseerfolgen kommen. Dementsprechend sollte das Werk in keiner Lesekiste oder Klassenbibliothek fehlen und mit spezieller Empfehlung herausgegeben werden.