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Buchcover Constanze Klaue: Ausgerechnet Mops!

Rezension von Tina Kaschub

Große Kulleraugen, ein kuschelig-flauschiges Fell und ein fröhliches, verspieltes Wesen - wie wohl jedes Kind wünscht sich auch Emil Balduin Motz einen tierischen Freund fürs Leben: einen Hund. Noch dazu ist er überzeugt, dass ein Hund genau das Richtige für die ganze Familie nach Opas Tod ist! Durch Zufall gerät er allerdings an einen kleinen, eher hässlichen Vierbeiner: ausgerechnet (einen) Mops! Ein tierisches Lesevergnügen für Jung und Alt!

BuchtitelAusgerechnet Mops!
AutorConstanze Klaue
GenreHumor & Comedy
Lesealter10+
Umfang272 Seiten
Verlagdtv Hanser
ISBN978-3-423-76301-1
Preis12,95 €

Neues Haus, neue Schule, neues Leben: Der zehnjährige Emil hat es nicht leicht, denn nach dem Tod seines Opas ist auf einmal alles anders. Er zieht mit seinen Eltern und seinen beiden Geschwistern aufs Land, um Oma nicht alleine zu lassen. Dort schlägt die Stimmung zunächst allen auf das Gemüt, vor allem natürlich Oma, die eine „Sperrzone“ in Form eines mit Sperrband abgeschotteten Zimmers mit Opas Sachen errichtet hat und kurzerhand in die Gartenhütte zieht, um ihre Ruhe zu haben. 

Doch schnell kommt Emil eine Idee, um die Gesamtsituation zu verbessern: Ein Hund muss her – und zwar ein großer! Durch einen quirligen, treuen und verschmusten Vierbeiner sind sicherlich alle gleich wieder viel fröhlicher und glücklicher! Aus diesem Grund setzt er alles auf das bevorstehende Weihnachtsfest und um als Mathematikprofi die Wahrscheinlichkeit der Erfüllung seines Wunsches zu erhöhen, streicht er sogar sämtliche andere Wünsche! Doch als der Weihnachtstag endlich da ist, kommt es zur großen Enttäuschung des Protagonisten: Nicht nur, dass seine Eltern aufgrund von Opas Tod das diesjährige Weihnachtsfest völlig verschwitzt haben, Emil bekommt auch noch einen Hund – aus Plüsch! Völlig fassungslos und wütend ist damit das Weihnachtsfest für ihn beendet. 

Am nächsten Tag allerdings meint es das Schicksal gut mit ihm: Durch Zufall entdeckt Emil bei seinem kleinen Winterausflug tatsächlich einen Hund, der in Not ist. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen großen, starken, königlichen Hund, wie er sich ihn gewünscht hat, sondern ausgerechnet um einen winzigen, schrumpeligen Mops mit Glupschaugen! Schnurstracks hilft er dem ausgesetzten Tier und nimmt es heimlich mit nach Hause, bis sein Besitzer gefunden wird. Dort gelingt es ihm zunächst, sein Geheimnis für sich zu behalten, indem er beispielsweise Hundefutter bei seinem Schuldirektor besorgt oder ihn nachts ausgerechnet in die sogenannte „Sperrzone“ bringt. Darin befinden sich viele Erinnerungsstücke an Emils Opa, weshalb alle dieses Zimmer meiden sollen und wollen. Was würde sich also besser als Versteck für den Mops eignen? Doch wem der Vierbeiner gehört, muss Emil immer noch herausfinden. Natürlich will er das Tier seinem Besitzer nicht stehlen! 

Schließlich stellt sich heraus, dass ausgerechnet Fleischer-Ole, ein kleiner, dicker Fiesling aus Emils Schule, der Besitzer von Mops ist! Doch der möchte den kleinen Hund gar nicht zurück! Und nach einer gemeinsamen Suchaktion nach dem Mops ist Fleischer-Ole auch gar nicht mehr so gemein zu Emil! Letztlich landet das neue Haustier bei Emils Oma in der Gartenhütte – so ist sie nicht mehr einsam und Emil kann sich jederzeit um seinen neuen Vierbeiner kümmern. Ein perfektes Hunde-Happyend!

Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden.

Der 10-jährige Emil, der mit seiner Familie um den verstorbenen Opa trauert, wünscht sich zur Aufmunterung der ganzen Familie nichts sehnlicher als einen Hund. Davon handelt der großartige Kinderroman Ausgerechnet Mops! von Constanze Klaue, geschrieben aus der Ich-Perspektive des Protagonisten.

Zwar behandelt das Buch durch den Tod von Emils Opa eine durchaus ernsthafte Thematik, dennoch schafft die Autorin durch ihre humoristische Schreibweise aus Sicht des Ich-Erzählers eine Leichtigkeit und Lockerheit, ohne zu salopp oder lächerlich zu wirken oder den traurigen Schicksalsschlag der Familie abzuwerten. Im Gegenteil: Ein kindgerechter Umgang mit Trauer ist in diesem Roman mehr als geglückt. Nicht zuletzt dank Emils neuem Tierfreund „Mops“ durchbricht er die „Sperrzone“, ein Zimmer voller Erinnerungen an seinen Opa, und schafft es damit, den Verlust mehr und mehr anzunehmen. 

Gleichzeitig durchziehen humorvolle Textpassagen die gesamte Handlung, die die Lesenden stets zum Lachen bringen: Angefangen von Emils Vater, der grundsätzlich gegen alles allergisch ist (zum Leidwesen der Hauptfigur also auch gegen Hunde!) über die Leidenschaft des Protagonisten zur Mathematik (vor allem im Bereich der Primzahlen und der Wahrscheinlichkeitsrechnungen) bis hin zu den vielen Hundeweisheiten bekannter Persönlichkeiten, die wie Emil die Vorzüge eines Hundes zu schätzen wussten. Kein Wunder also, dass er in einem Hund die Lösung aller Probleme sieht, denn schon Hildegard von Bingen wusste: „Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird wieder gesund.“ (S.46)!

Dass ein Mops aber so gar nicht den ursprünglichen Wunschvorstellungen Emils von seinem Traumhund entspricht, erscheint ebenso witzig wie die vielen Listen, die sich Emil erstellt, wie beispielsweise „Liste Nr. 25 Berühmte Persönlichkeiten, die in ihrer Quersumme Primzahlen ergeben“ (S.12). 

Daneben ist es aber auch die konsequente direkte Ansprache des Protagonisten an seine Leserschaft, die den Roman überzeugend gestaltet: Der Ich-Erzähler lässt die Leser*innen sehr nah am Geschehen teilhaben, indem er sie immer wieder konkret anspricht und einbezieht („Wenn ihr die ganze Geschichte von mir hören wollt – und ich verspreche euch, dass es sich auf jeden Fall lohnt-, dann kann ich euch nicht verschonen“, S.13). Dieser Kniff fördert die Lesemotivation ungemein und baut darüber hinaus Spannung auf. 

Auch die Sprache ist einem Roman für Kinder ab 9 Jahren angemessen: Eine einfache Syntax und zum Alter passendes Vokabular machen das Buch leicht verständlich. Darüber hinaus zeigen sich einige Raffinessen der Autorin, die das Lesen noch abwechslungsreicher gestalten: So befinden sich sporadisch Fußnoten im Text, die am Seitenende entweder Erklärungen oder vielmehr Kommentare des Ich-Erzählers einflechten. Die von Emil angefertigten Listen, aber auch vereinzelte Textpassagen in szenischer Dialogform durchbrechen den gewöhnlichen Lesefluss und sorgen so für Variation: So wird der*die Leser*in „Zuhörer*in“ eines Telefonats zwischen dem Protagonisten und seinem Schulleiter, der ebenfalls Hundebesitzer ist, sowie mit seiner Oma, die ihre Trauer alleine in der Gartenhütte des Anwesens verarbeitet. 

Doch auch die Gestaltung des Kinderbuchs ist sehr gelungen: Bereits das Cover erscheint für die Zielgruppe sehr attraktiv. Es zeigt eine vielversprechende Dynamik zwischen einem Mops, der sich mit Absperrband im Maul auf einem Sessel befindet, und einem Jungen, der neugierig hinter der Rückseite des Sessels hervorlugt. Auch im Innenteil des Buchs befinden sich vereinzelt Illustrationen, die ebenso ansprechend kindlich gestaltet sind und die Handlung zusätzlich unterstützen. So wird zur Veranschaulichung beispielsweise der kleine, runzlige Mops mit Glupschaugen dem ausgewachsenen, struppigen irischen Wolfshund des Schulleiters gegenübergestellt. 

Mit Ausgerechnet Mops! ist Constanze Klaue ein großartiges Kinderbuch gelungen, das auf witzige und kluge Weise den Umgang eines Jungen mit einem Trauerfall in der Familie behandelt und gleichzeitig den wohl größten Wunsch eines jeden Kindes thematisiert: Der Wunsch nach einem Haustier. Und im vorliegenden Fall eben: „Ausgerechnet (ein) Mops!“ 

Ausgerechnet Mops! bietet großes Lesepotenzial in mehreren Bereichen: Ob als private Lektüre, als freie Lektüre im schulischen Kontext oder als Klassenlektüre – aufgrund der thematischen Vielfalt ist der Kinderroman vielseitig einsetzbar. 

Vor allem durch den früher oder später sicherlich einsetzenden leidenschaftlichen, genuinen Wunsch von Kindern nach einem Haustier, aber auch die Behandlung eines ernsten Themas, dem Verlust eines nahestehenden Menschen, offeriert das Buch viele Diskussions- und Bearbeitungsfelder. Darüber hinaus fördern Themen wie Familie oder Freundschaft, die im Mittelpunkt der Lektüre stehen, aufgrund ihrer Nähe zur Lebenswelt der Kinder deren Lesemotivation.

Von Vorteil sind außerdem die wenigen sprachlich-stilistischen Schwierigkeiten, die den Lesenden kaum Probleme bereiten sollten. Eine einfache Syntax und ein dem Alter angemessenes Vokabular erleichtern das Leseverständnis. Darüber hinaus sind geeignete Identifikationsfiguren für die Lesenden vor allem durch den Protagonisten Emil, aber auch durch dessen Zwillingsschwester Paula vorhanden.

Eine Begleitung durch eine Lehrkraft ist dennoch durchaus vorstellbar, vor allem in Hinblick auf die Themenschwerpunkte. 

Methodische Ansätze wären hier beispielsweise kreatives Schreiben, indem die Kinder bestimmte Textpassagen aus der Perspektive des Mops beschreiben, oder eine Prolepse, die die gesamte Familie nach einem Jahr Leben mit ihrem neuen Haustier oder auch die Freundschaft zwischen Emil zum einstigen „Gegner“ Fleischer-Ole darstellt, die sich am Ende des Kinderromans anbahnt. 

Des Weiteren wäre auch die Einbettung dieses Kinderromans in Unterrichtsprojekte denkbar, wie etwa zu Themen wie (Haus-)Tiere oder auch der Umgang von Kindern mit Trauer. 

Besonderes Leseförderpotenzial steckt in diesem Kinderroman demnach vor allem in der raffinierten Verknüpfung von Humor mit einem ernsten Thema. Unterstützt wird dies durch die illustrative sowie sprachliche Gestaltung dieser Lektüre. Auch eine formale Betrachtung der abwechslungsreichen Gestaltungselemente wie Dialoge etc. ist denkbar.

Der Roman erreicht daher nicht nur eine tierliebe Leserschaft, sondern alle, die Lust auf ein witziges Abenteuer haben.