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Buchempfehlungen

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Buchcover Zanib Mian: Planet Omar - Nichts als Ärger

Rezension von Christina Gürth

Neue Stadt, neues Zuhause, neue Schule: Wer hätte da nicht ein flaues Gefühl im Bauch? So geht es  auch Omar, denn schließlich könnte es sein, dass ihn keiner mag oder dass seine neue Lehrerin ein Alien-Zombie ist. Und tatsächlich, Omar und seine muslimische Familie sind zunächst nicht überall willkommen. Trotz ernster Themen bietet der Text im Comic-Roman-Stil überaus witzig erzählte Episoden aus dem turbulenten Alltag eines muslimischen Jungen.

BuchtitelPlanet Omar - Nichts als Ärger
AutorZanib Mian
GenreComic & Graphic Novel
Lesealter8+
Umfang224 Seiten
VerlagLoewe
ISBN978-3-7432-0769-1
Preis9,95 €

Omar, ein Junge im Grundschulalter, muss mit seiner Familie umziehen, weil seine Mutter ihren „Traumjob“ bekommen hat. Omars Eltern sind Wissenschaftler und gemeinsam führt die Familie sonntags - am „Wissenschaftstag“ - auch zu Hause immer wieder Experimente durch. Dabei geht es in der Familie, zu der noch Omars große Schwester Maryam und der kleine Bruder Esa gehören, sehr lebhaft und lustig zu. Der Familienalltag ist unverkennbar durch den muslimischen Glauben geprägt, dem die Familie angehört. Vor dem ersten Tag in der neuen Schule hat Omar große Angst, die er aber mit Hilfe seines imaginierten Drachenfreundes H2O und Charlie, einem netten Jungen in der neuen Klasse, schnell überwinden kann. Wäre da nicht Daniel, der ihm in der Schule immer wieder das Leben schwer macht. Von Daniel und auch der neuen Nachbarin der Familie, einer alten Dame, erfolgen immer wieder Sticheleien und offene Anfeindungen, die einen fremdenfeindlichen Hintergrund haben. Dies ändert sich erst, als Omars Familie der Nachbarin in einer Notsituation beisteht und Omar Daniel aus der Patsche hilft, als beide bei einem Schulausflug in der Großstadt verloren gehen. Tatkräftig und ideenreich rettet Omar die beiden Jungs aus der misslichen Situation, während Daniel sich im wahrsten Sinne des Wortes in die Hosen macht. Das gemeinsame Erlebnis führt dazu, dass sich Daniel verändert und Omars Freund wird, nachdem er Omars Familie und deren Religion besser kennenlernen durfte.

Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden. 

Die Autorin Zanib Mian widmet das Buch allen Kindern, „die schon einmal das Gefühl hatten, anders zu sein wäre etwas Schlechtes.“

Der Protagonist des Buches ist ein muslimischer Junge, der mit seiner Familie in London aufwächst. Inhaltlich spielen die Themen muslimische Religion und Fremdenfeindlichkeit - sie gehören zum Alltag der Familie - eine wesentliche Rolle. Die attraktive Cover-Gestaltung und die Buchaufmachung im Comic-Roman-Stil geben aber bereits einen Hinweis darauf, dass die Themen nicht schwerfällig-ernst, sondern auf eine leichte und unterhaltsame Weise präsentiert werden, was sie aber nicht weniger feinfühlig erlebbar macht.

Den jungen Lesenden offenbart sich schnell, es ist nicht Omar, der ein Problem mit dem Anderssein hat, sondern es sind die von Vorurteilen geprägten Menschen in seiner neuen Umgebung, die Probleme machen. So ist z.B. die neue Nachbarin offen fremdenfeindlich und auch der Klassenfiesling hat es besonders auf Omar abgesehen. Erst als beide unfreiwillig auf Hilfe von Omar bzw. dessen Familie angewiesen sind und sie dadurch mehr über das Leben in der muslimischen Familie erfahren, geben sie ihre Vorbehalte auf und es entwickeln sich Freundschaften.

Aus kindlicher Perspektive erzählt der Protagonist Omar aus seinem Alltag und dient dabei als Identifikationsfigur für viele junge Leser*innen, denn die geschilderten Ereignisse und Gefühlslagen knüpfen vielfältig an die Lebenswelt von Grundschulkindern an: irgendwo der oder die ‚Neue‘ zu sein, sich in der Stadt zu verlaufen, Auseinandersetzungen mit Geschwistern auszufechten, Konflikte in der Schule zu erleben oder Diskriminierungserfahrungen zu machen. Omar meistert alle Herausforderungen stets ideenreich und mutig. Seine Fantasie kommt ihm dabei in Gestalt eines Drachen zu Hilfe und so ist es H2O, sein imaginierter Super-Drachen-Freund, der ihm durchgängig bei seinen kleinen und größeren Abenteuern beisteht.

Die Autorin Zanib Mian kombiniert die für die Altersgruppe interessanten Themen Familie, Schule und Freundschaft zu einer kurzweiligen und humorigen Erzählung, wobei sich muslimische Kinder vielleicht besonders darüber freuen dürften, dass es in einem solchen Kinderbuch in deutscher Sprache nun auch einen muslimischen Kinderbuch-Helden gibt und ihre Religion eine wesentliche Rolle spielt. Die mit der muslimischen Religion unvertrauten Leser*innen erfahren während der Geschichte auf sehr unterhaltsame Weise viel über Traditionen, Bräuche und Feste und bekommen die Gelegenheit, den im Alltag einer modernen muslimischen Familie gelebten Glauben besser kennenzulernen.

Dabei kommt der Humor nie zu kurz. Besonders die kindliche Perspektive auf religiöse Fragen führt zu vielen erheiternden Momenten, wenn Omar zum Beispiel darüber nachdenkt, ob seine ersten Fasten-Versuche im Ramadan ihm eine geheime Belohnung Allahs in Form eines echten Ferrari einbringen könnten. In seiner Vorfreude kann er jedenfalls das Lenkrad schon fast in Händen spüren (S. 129). Oder wenn Omar überlegt, ob er eine besondere Belohnung von Allah erwarten kann, weil er versehentlich seine ganze Familie unsanft aus dem Schlaf gerissen hat, denn schließlich hat er ja dafür gesorgt, dass alle pünktlich zum Morgengebet wach sind (S. 20).

Die Geschichte folgt einem rein chronologischen Ablauf und wird durchgängig aus der Perspektive des kindlichen Protagonisten erzählt, so dass auch ungeübte Leser*innen von der Erzählstruktur nicht überfordert werden. Da der Text an das sprachliche Ausdrucksvermögen eines Kindes im Grundschulalter angelehnt ist, sind Satzstruktur und Wortschatz für die Zielgruppe 8+ gut zu bewältigen. Unvertraute Wörter, die hauptsächlich dem religiösen Kontext entstammen, werden textintern erklärt.

Das Buch ist übersichtlich in 23 kurze Kapitel gegliedert, so dass kleine, überschaubare Leseeinheiten entstehen, die auch von Kindern mit kurzem Leseatem bewältigt werden können. Der Textumfang ist mit 219 Seiten recht umfangreich, das Schriftbild und die Seitengestaltung sind jedoch so großzügig angelegt, dass trotzdem schneller Leseerfolg garantiert ist. Nahezu jede Einzelseite weist einen Bildanteil oder typographische Besonderheiten auf. Diese vielfach sehr witzig gestalteten Elemente im Comic-Stil lockern den Text stark auf und unterstützen das Textverständnis. Für eine gute Orientierung im Text sorgen auch die dem ersten Kapitel vorangestellten Übersichtsseiten zu den Romanfiguren, hier werden der Protagonist und seine Familienmitglieder jeweils auf einer Einzelseite vorgestellt.

Hervorzuheben ist außerdem das sehr ansprechend gestaltete Buch-Cover. Es greift die im Buchinnern verwendete Bebilderung im Comic-Stil auf und ist auffällig bunt und mit Spotlack verziert, so dass es viele Kinder zum ‚Zugreifen‘ animieren dürfte.

Planet Omar bietet kurzweiligen Lesespaß mit Tiefgang und eine klare Botschaft für Toleranz und Mut, ohne dabei belehrend zu wirken. Die Autorin Zanib Mian und die Illustratorin Nasaya Mafaridik haben einen überaus sympathischen Kinderbuch-Helden erschaffen, der mit Humor und viel Fantasie auch bei ungeübten Leser*innen punkten kann.

Das Buch ist für die private Lektüre geeignet und daher nachdrücklich für die Anschaffung in Grundschulbüchereien zu empfehlen. Darüber hinaus kann es auch in Lesekisten integriert werden, die in freien Lesezeiten zum Einsatz kommen. Der vorliegende erste Band der Reihe Planet Omar - Nichts als Ärger ist bei Antolin gelistet. Auch ein zweiter Band, Planet Omar - Der blanke Wahnsinn, ist bereits erschienen. Im englischen Original sind bereits vier Bände veröffentlicht, so dass auch mit weiteren Bänden in deutscher Sprache zu rechnen ist und die Buch-Reihe das lesefördernde Potenzial serieller Literatur voll entfalten kann.

Trotz des großen Bildanteils eignet sich der Roman auch zum Vorlesen (z.B. in einer Gruppe). Das zeigt beispielsweise auch das Angebot von Hörbüchern zum ersten und zweiten Band, die aktuell allerdings nur in englischer Sprache vorliegen. Der Text ist grundsätzlich auch ohne die visuellen Anteile gut lesbar, sollte aber für den Vorlesevortrag gut vorbereitet werden. Zudem sollte die attraktive grafische Gestaltung des Buches den Zuhörenden nicht vorenthalten werden. Es bietet sich beispielsweise an, das auszugsweise Vorlesen aus dem Roman mit einer kreativen Annäherung an die besondere Machart des Buches zu verknüpfen. So könnten einzelne Episoden aus dem Roman zum Ausgangspunkt dafür werden, um mit Schrift bzw. verschiedenen Typographien zu experimentieren und diese ggf. mit Illustrationen im Comic-Stil zu kombinieren. Dabei kann in den Entwürfen der ursprünglich erzählte Inhalt der Geschichte im Zentrum stehen oder die kreativen Ausarbeitungen werden zum Anlass genommen, um eine Anbindung der Geschichte an die persönliche Lebenswelt der Kinder herzustellen.