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Buchcover Fee Krämer: Hilfe, ich bin ein Panda!

Rezension von Doris Schmitt-Constabel

„Ich will nicht mehr unsichtbar sein“, wünscht sich Benno von der kichernden Wunschdose, die er auf dem Schulweg gefunden hat. Doch bestimmt hat er nicht damit gerechnet, in einen ausgewachsenen Panda verwandelt zu werden. Seitdem ist nichts mehr normal. Laufen, Essen, Schlafen und sogar Pupsen geht nur noch auf Panda-Art. Gemeinsam mit seiner Familie setzt er alles daran, wieder ein zehnjähriger Junge zu werden. Ob ihm das gelingen wird?

Ein kurzweiliges, humorvolles und vor allem 'super lesbares' Kinderabenteuer auf nur 72 Seiten, das besonders für Leseanfänger*innen geeignet ist. 

 

BuchtitelHilfe, ich bin ein Panda!
AutorFee Krämer
GenreFantasy
Humor & Comedy
Lesealter8+
Umfang72 Seiten
VerlagBeltz & Gelberg
ISBN978-3-407-82386-1
Preis9,95 €

Der zehnjährige Benno Bienenstich möchte nicht mehr unsichtbar sein. Doch wirklich unsichtbar ist Benno gar nicht. Als „Kind der unteren Mitte“ wird er nur allzu oft von den anderen Familienmitgliedern übersehen oder überhört. Da sind nämlich noch die zwölfjährigen Zwillinge Moritz und Mira sowie die kleine Schwester Lisa, die alle Aufmerksamkeit der Eltern für sich beanspruchen. Der eher zurückhaltende Benno kommt dagegen einfach nicht an. Als Benno auf dem Schulweg eine kichernde Dose findet mit der Aufschrift „Wish – Wünsche in Dosen“, sieht er seine Chance gekommen und zögert nicht lange: „Endlich nicht mehr unsichtbar sein“ ist sein sehnlichster Wunsch, den er vorsichtig in die Dose flüstert. Zunächst passiert gar nichts, doch beim Aufwachen am nächsten Morgen fühlt er sich seltsam schwerfällig und schafft es kaum mit seinen Händen die Bettdecke zurückzuschlagen. Er sieht an sich herunter und erschrickt: Er hat sich in einen Panda verwandelt! So hatte sich Benno das nun ganz und gar nicht vorgestellt. Ab sofort ist Panda Benno nicht nur der Mittelpunkt der Familie, sondern sorgt überall, wo er auftaucht, für Aufsehen. Während des Familienurlaubs auf dem Bauernhof haben die Bienenstichs nun ein gemeinsames großes Ziel: Den ausgewachsenen Bären wieder in einen zehnjährigen Jungen zurück zu verwandeln. Das schweißt die Familie nicht nur zusammen, sondern bringt sie auch in manch abenteuerliche wie komische Situation. Ob es ihnen am Ende gelingen wird Benno seine menschliche Gestalt zurückzugeben?

Eine Leseprobe kann hier eingesehen werden. 

Welches Kind einer Großfamilie kennt es nicht, das Gefühl, nie das einzige Kind zu sein, nie die Beachtung zu finden, die es sich wünscht? Damit hat Fee Krämer in ihrem Buch ein Thema auf geschickt humorvolle Weise aufgegriffen, das vielen Kindern bekannt ist, ohne dabei zu sehr zu problematisieren. Gleichzeitig hat sie mit Benno eine sympathische Identifikationsfigur geschaffen, dessen fast hoffnungslose Situation man zu Beginn des Buches regelrecht spüren kann. Benno fühlt sich in seiner Rolle als „Kind der unteren Mitte“ einfach nicht beachtet und von den anderen Familienmitgliedern weder gesehen noch gehört. Besonders deutlich wird dies zu Beginn des Buches geschildert, als die Familie über ein gemeinsames Urlaubsziel abstimmt. Bennos Versuche, sich in die Diskussion einzubringen, scheitern allesamt kläglich und gehen unter in dem ständigen Aufruhr um die drei Geschwister. Er schafft es einfach nicht sich durchzusetzen. Daher rührt sein sehnlichstes Anliegen „nicht mehr unsichtbar zu sein“. Fast schon grotesk erscheint nun das Ergebnis seiner in die leere Limodose geflüsterten Bitte: Er hat sich in einen unübersehbaren ausgewachsenen Pandabären verwandelt. Der junge und eher unerfahrene Lesende wird vermutlich erst nach einigen weiteren Leseseiten merken, dass Bennos Wunsch ja tatsächlich in Erfüllung gegangen ist. Panda Benno fällt nun überall auf durch seine Größe, sein tierisches Verhalten und seine Andersartigkeit. Viele praktische Dinge sind von nun an nicht mehr möglich und bringen komische Komplikationen mit sich, die beim Lesen für Leichtigkeit und Spaß sorgen: Als großer Panda findet er keinen Platz mehr im Auto und muss aufs Dach geschnallt werden. Nirgends kann er sich mehr verstecken - allein zwischen den Kühen findet er Deckung. 

Nun dreht sich alles um den unübersehbaren Bären und um den gemeinsamen Plan, Benno wieder seine menschliche Gestalt zurückzugeben. Darüber hinaus findet er auf einmal die Anerkennung seiner Geschwister: Die kleine Lisa liebt sein kuscheliges Fell, der große Bruder Moritz hilft ihm aus der Klemme und Schwester Mira besorgt ihm das passende Futter – und zum ersten Mal in seinem Leben hat Benno auf dem Bauernhof ein eigenes Zimmer. Trotz und genau wegen aller tierischen Komplikationen erstarkt Benno zusehends. Und als am Ende des Buches schließlich die Rückverwandlung gelingt und Benno wieder ein normaler Junge wird, so bleibt ihm nun nicht nur seine ureigene persönliche Pandageschichte, die ihm die uneingeschränkte Bewunderung seiner gesamten Familie einbringt, sondern auch ein kleines Stück Panda an und in ihm zurück, das ihm  auch weiterhin Selbstbewusstsein, Stärke und Durchsetzungsvermögen verleiht. 

Erzählt wird diese Geschichte aus der Sicht des Protagonisten – des zehnjährigen Benno. Als Ferienhausaufgabe soll er drei Wochen lang Tagebuch führen. So ist Bennos „Pandaverwandlung“ chronologisch geordnet entsprechend den 13 datierten Tagebucheinträgen, die die Kapiteleinteilung darstellen. Kurze überschaubare Sätze und ein vertrauter Wortschatz machen das Leseverständnis leicht. Der übersichtliche Schriftsatz und die großzügige Textstruktur mit großem Zeilenabstand und zahlreichen Absätzen sorgen nicht nur für insgesamt wenig Text auf einer Seite, sondern vor allem für Übersichtlichkeit und leichte Orientierung. Äußerst passend also ist Hilfe, ich bin ein Panda! in der „Super-lesbar“-Reihe des Gulliver Verlages erschienen und bestens für die Zielgruppe der weniger starken Leser*innen der Alterskategorie 8+ geeignet.

Das Cover ist ansprechend und leseanimierend gestaltet, doch befinden sich im Text selbst nur selten kleine und kaum aussagekräftige Schwarz-weiß-Illustrationen. Könnten doch gerade weniger leseaffine Kinder durch ein bisschen mehr Bild und/ oder Farbe so gut zur Lesefreude verführt werden!

Hilfe, ich bin ein Panda! ist ein humorvolles, fantastisches Kinderbuch, das bequem zu lesen ist. Dank des liebenswerten Protagonisten Benno, der leichtfüßig und charmant von seiner skurrilen Pandaverwandlung erzählt, können auch leseunerfahrene Kinder rasch in die Geschichte eintauchen und garantiert herzlich lachen über die zahlreichen situationskomischen Szenen.
Und wer weiß, vielleicht bleibt auch den jungen Lesenden ein kleines Stückchen Bärenfell nach dem Miterleben des verrückten Pandaabenteuers erhalten. 

Aufgrund seiner sprachlichen und erzählerischen Einfachheit ist dieses Buch ideal für die private Lektüre geeignet. Vor allem ungeübten Leser*innen und Wenigleser*innen versprechen die gerade mal 72 Seiten schnellen Leseerfolg. Die übersichtliche Gliederung in 13 kurze Kapitel macht eine Einteilung in viele kleine, motivierende Leseeinheiten möglich. Der großzügige Schriftsatz und die übersichtliche Textstruktur ermöglichen eine selbständige Orientierung.  

Somit ist Hilfe, ich bin ein Panda! auch im schulischen Kontext empfehlenswert und ist durch das „Super-lesbar“- Konzept besonders für leistungsdifferenzierte Bücherkisten und Schulbibliotheken geeignet. So kann das Buch in freien Lesezeiten genutzt werden und wird durch seine Kürze vielleicht auch Lesemuffel zur Teilnahme an Vielleseverfahren motivieren. Gerade der geringe Umfang macht sogar den Einsatz als Lektüre bei einer leistungsheterogenen Klassenzusammensetzung möglich, wobei es im Ethikunterricht oder Sachunterricht zu den Themen Familie, Wünsche, Gefühle, Tiere etc.  passend eingebunden werden könnte. Eine tierische Verwandlung aller Art könnte im Deutschunterricht als Schreibanlass dienen oder es könnte ein Steckbrief zu den Lebensgewohnheiten eines Pandas entworfen werden.