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Buchcover Simak Büchel: Im Auftrag von Bogumil: Ein rätselhaftes Päckchen

Rezension von Thorsten Hadeler

Tammo ist ein Außenseiter, weil seine Mutter nicht viel Geld hat und er die Hosen seiner Schwester auftragen muss. Seine Mitschüler machen ihm das Leben zur Hölle, und so ist es ihm sehr recht, als sich plötzlich die Möglichkeit einer Ferienreise ergibt. Ein geheimnisvoller Brief taucht auf, in dem ein ihnen Unbekannter ihn, seine Mutter und seine Schwester bittet, ein wichtiges Päckchen für ihn nach Schweden zu bringen. Als Belohnung bietet er ihnen einen zweiwöchigen Urlaub in seinem Sommerhaus an. Unterwegs werden die drei allerdings von zwei zwielichtigen Gestalten verfolgt, die ihnen das Päckchen stehlen wollen...

BuchtitelIm Auftrag von Bogumil: Ein rätselhaftes Päckchen
AutorSimak Büchel
GenreAbenteuer
Lesealter8+
Umfang288 Seiten
Edition2012
VerlagBeltz & Gelberg, Weinheim
ISBN3407743556 bzw. 9783407743558
Preis8,95 €

Tammo ist ein Außenseiter, weil seine Mutter nicht viel Geld hat und er die Hosen seiner Schwester auftragen muss. Seine Mitschüler machen ihm das Leben zur Hölle, und so ist es ihm sehr recht, als sich plötzlich die Möglichkeit einer Ferienreise ergibt. Ein geheimnisvoller Brief taucht auf, in dem ein ihnen Unbekannter ihn, seine Mutter und seine Schwester bittet, ein wichtiges Päckchen für ihn nach Schweden zu bringen. Als Belohnung bietet er ihnen einen zweiwöchigen Urlaub in seinem Sommerhaus an. Unterwegs werden die drei allerdings von zwei zwielichtigen Gestalten verfolgt, die ihnen das Päckchen stehlen wollen und sie in allerhand gefährliche Situationen bringen. Am Ziel in der Wildnis Nordschwedens angekommen glauben sie sich endlich in Sicherheit und genießen in vollen Zügen ihren Urlaub und die Natur um sie herum. Doch dann entdecken sie ganz in ihrer Nähe einen bedrohlichen Mann mit einem Messer und Blut auf seinen Hosen, und auch ihre Verfolger sind plötzlich wieder da.

Fistels drückten sich in die Sitze. Feodora hatte den Schlüssel bereits ins Zündschloss geschoben. Um sie her setzten sich immer mehr Leute in ihre Autos.
Der Strom der Menschen hielt an. Von überall her erklangen heitere Stimmen. Die Vorfreude war fast zu greifen. Die Küste! Die Küste war nah! Dort draußen wartete Schweden auf sie! Alle waren guter Dinge, nur Familie Fistel war entsetzt, denn der Hagere kam ohne zu zögern auf ihr Auto zu. Dodo begann zu zittern und Feodora schluchzte leise. Instinktiv schlang sie die Arme um den Bauch und verdeckte Bogumils Päckchen, welches immer noch in ihrem
Hosenbund steckte.
»Was machen wir nur, Kinder, was machen wir nur? Ojemine ...«
Ruckartig blieb der Mann vor Feodoras Tür stehen und neigte sein Gesicht zur Seite, bis er ihr genau in die Augen sehen konnte. Feodora kreischte. Der Hagere lächelte ein. schmales, blutleeres Lächeln, welches seine Augen nicht erreichte. Mit dem sonderbar gewölbten Siegelring klackte er gegen die Scheibe, leicht und immer wieder in demselben Takt…
»Verschwinden Sie! Hauen Sie ab! Lassen Sie mich und meine Kinder in Ruhe!«, rief Feodora und drückte auf die Hupe. Die Menschen um sie her merkten auf und sahen in ihre Richtung.
»Tzz…  tz…  don't ....«, ?üsterte der Mann und ließ seine Jacke für einen Moment aufschwingen. Irgend etwas Dunkles, Bedrohliches hing in einer Halterung unter seiner Achsel. Der Griff einer Pistole etwa?
»Glupiecl… Dummkopf! Don't be so silly!«
Tammos Kehle schnürte sich zusammen. Seine Augen blickten starr auf die Ausbeulung der Jacke.
»Hilfe! Ist denn niemand da, der uns helfen kann?« Feodoras Stimme überschlug sich. Und in dem Moment, als ein Fahrgast an Fistels Auto herantrat, richtete sich der Hagere auf, legte die Kuppe seines Zeige?ngers an die Scheibe und ging davon.
»Don't mind lads! Alles o.k.! I thought it was a dear old friend of mine! Mein Fehler! So sorry! Tut mir wirklich leid!«

In manchen Abenteuerbüchern wird die Motivation der Hauptfiguren etwas vernachlässigt. Warum begibt man sich eigentlich in das Abenteuer, was treibt einen dazu? Schließlich ist ein Abenteuer in der Regel auch mit Gefahren verbunden, und die geht man ja nicht leichtfertig ein.

Pure Abenteuerlust, der Reiz des Unbekannten, mag da zwar in vielen Fällen überzeugen, gerade in Kinderbüchern, denn schließlich ist für Kinder in ihrem Alltag ständig sehr viel neu, ist fast jeder Tag ein Abenteuer. Simak Büchel gibt sich aber in "Im Auftrag von Bogumil: Ein rätselhaftes Päckchen" mit der Begründung, warum sich sein Held auf die Abenteuerreise begibt, etwas mehr Mühe.

Tammo hat es in seinem normalen Leben sehr schwer. Zum einen kann er einfach nicht den sozialen Erwartungen seiner Mitschüler gerecht werden. Weil seine Mutter alleinerziehend und zudem arbeitslos ist, hat die Familie nur sehr wenig Geld, und so muss Tammo zum Beispiel auf die jeweils angesagte Kleidung verzichten und in den seiner Schwester zu klein gewordenen Hosen zur Schule gehen, wofür er von seinen Mitschülern verhöhnt wird. Insbesondere der feiste Sohn des Metzgers hat es mit seinen beiden nicht minder unangenehmen Kumpels auf ihn abgesehen und fängt ihn in den Schulpausen oder auf dem Heimweg immer wieder ab, um ihn grundlos zu piesacken. Spätestens als Tammo dann auch noch kurz vor Beginn der Sommerferien vor den Augen seiner Mitschüler in die peinlichste Situation seines Lebens gerät, wird dem Leser klar, dass Tammo jede sich bietende Gelegenheit ergreifen wird, um einfach mal von der Bildfläche zu verschwinden - Tammo ist sozusagen reif fürs Abenteuer.

Dieses kommt nun auf recht mysteriöse Weise daher, nämlich in Form eines Briefes von einem Unbekannten, der sich Bogumil nennt. In dem Brief werden Tammo, seine Mutter und seine Schwester gebeten, ein Päckchen unbekannten Inhalts nach Schweden zu bringen, und als Dankeschön für diesen Dienst sollen sie noch zwei Wochen in einem schwedischen Ferienhaus verbringen dürfen. Da die Familie kein Geld für einen Urlaub hat, willigt man ein.

An dieser Stelle wird deutlich, dass sich der Autor zwar sehr um die in Abenteuerliteratur übliche realistische Erzählweise bemüht hat, aber bei der Aufgabe, die hier für die Protagonisten zu bewältigen ist, mag sich mancher kritische (erwachsene) Leser fragen, ob das nicht ein wenig weit hergeholt und sehr stark konstruiert ist. Für den jungen Leser wird dies aber sicher von geringer Bedeutung sein, denn schließlich ist das ganze nicht unmöglich, und darüber hinaus erzeugt dieses Konstrukt ein hohes Maß an Spannung.

Spannung zu erzeugen ist nun etwas, auf das sich Simak Büchel wirklich bestens versteht. Die Familie macht sich auf den Weg nach Schweden, und schon auf der Fähre wird ihnen von zwei zwielichtigen Männern nachgestellt, die sich an ihrem Auto und an ihrer Kabine zu schaffen machen, um an das geheimnisvolle Päckchen heranzukommen. So wird die Geschichte quasi zu einem Road Movie, bei dem die Familie immer wieder in gefährliche Situationen gerät und sich allerlei einfallen lassen muss, um den Verfolgern zu entkommen.

Geschickt gewährt Simak Büchel dabei dem Leser immer wieder Atempausen, in denen die Familie glaubt, die Verfolger abgeschüttelt zu haben - bevor dann plötzlich und erschreckend die nächste gefährliche Situation Tammo sozusagen wie ein Jack-in-the-box anspringt.

Es gehört zu den Stärken dieses Buches, dass Simak Büchel fast in jeder Erzählsituation, und sei sie noch so spannend oder auch lustig, noch eine tiefere Aussage für die jungen Leser in der Hinterhand hält. Als es dann zum Beispiel schließlich zum finalen Showdown kommt und die Familie sich mitten in der Nacht allein im Wald eines Angriffs der Verfolger erwehren muss, bekommen sie zum Glück Hilfe von einem Nachbarn, von dem sie es am allerwenigsten erwartet hätten, den sie sogar für gefährlich gehalten haben, und so lernt der Leser ganz nebenbei, dass man Menschen besser nicht nach ihrem Äußeren beurteilen sollte.

So macht es Simak Büchel an vielen Stellen seiner Erzählung: Er thematisiert sehr geschickt die Werte, die dem Handeln der Protagonisten zu Grunde liegen. Wenn wir z. B. davon lesen, dass Tammos Familie arm ist, dann erfahren wir auch, dass Tammo gelernt hat, damit umzugehen und die Hänseleien seiner Mitschüler zu ertragen, weil er weiß, dass es im Leben Wichtigeres gibt als Geld.

Und so ist dieses Buch nicht nur eines, das den jungen Leser wie viele andere Abenteuerbücher mit einem spannenden Leseerlebnis erfreut, sondern in dem er darüber hinaus noch viele Anregungen bekommt, über Dinge, die sicher nicht nur dem Helden Tammo, sondern auch dem Leser ständig in seinem Umfeld begegnen werden, immer wieder neu nachzudenken.

Für Vielleseprogramme geeignet.