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Buchcover Martin Baltscheit: Die besseren Wälder

Rezension von Lisa Wettlaufer

Ferdinand wächst mit seinen Eltern und vielen anderen Schafen in einer friedlichen Umgebung in den besseren Wäldern auf. Er führt ein ganz normales Leben, geht in die Schule und, einmal im Jahr wie alle Schafe, zur Schur. Obwohl sie erst ihre Zweifel hatten, sind seine Eltern schließlich ganz besonders stolz, als Ferdinand zur Lichtnacht in der Basilika allein das Schafe Maria singen darf, denn er kann besonders schön singen...

BuchtitelDie besseren Wälder
AutorMartin Baltscheit
GenreComing of Age
Lesealter14+
Umfang249 Seiten
Edition2013
VerlagBeltz & Gelberg
ISBN978-3-407-82033-4
Preis19,95 € (gebundene Ausgabe)

Ferdinand wächst mit seinen Eltern und vielen anderen Schafen in einer friedlichen Umgebung in den besseren Wäldern auf. Er führt ein ganz normales Leben, geht in die Schule und, einmal im Jahr wie alle Schafe, zur Schur. Obwohl sie erst ihre Zweifel hatten, sind seine Eltern schließlich ganz besonders stolz, als Ferdinand zur Lichtnacht in der Basilika allein das Schafe Maria singen darf, denn er kann besonders schön singen.
Doch dann geschieht ein Mord und Ferdinand gerät unter Verdacht. Ferdinand weiß nicht wie ihm geschieht, denn die genauen Details des Mordes sind unklar. Er verlässt die besseren Wälder und den sie umgebenden schützenden Zaun auf eigene Faust und begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit und nach sich selbst.

Die Wölfe haben den Wald hinter sich gelassen. Die kleine Familie geht mit dem Wind. Der Vater mit einem Kompass in der Hand. Die Mutter von Beginn an mit einem Rucksack voller Angst, das Kind hat nichts als den Schnee im Kopf. Schwer zu sagen, wann sie die Grenze überschritten haben – ob überhaupt. Es war immer die Rede von einem Tor im Norden der besseren Wälder. Sie sagen, im Winter wäre es eingeschneit. Dann kannst du rüber, du kannst im Schnee über den Zaun fliegen. Keiner, weiß, ob sie schon geflogen sind, ob sie auf die Knie sinken dürfen und ein Dankgebet sprechen. Die Wolfsfamilie geht hintereinander wie die kleinste aller Ketten. Drei Glieder. Das reicht, um sich an etwas festzuhalten. Sie gehen im Gleichschritt und stapfen eine Naht in den Schnee. Sie binden sich ans Land, nähern sich ihrem Traum und die Mutter hat das erste Mal seit Tagen keine Magenschmerzen.
Plötzlich ein Schuss. Er reißt die Stille auseinander wie ein dünnes Blatt Papier. Der Junge blinzelt gegen die Schneeflocken an. Bis eben hat er sich vorgestellt, Schneeflocken wären Popcorn und er durchschwimmt als Wal ein endloses Popcornmeer. Der Knall des Schusses geht durch alle Herzen und der Junge drückt die Hand des Vaters fester (S. 15).

Der Ich-Erzähler in seiner Welt
Ferdinand führt das ganz normale Leben eines Schafes. Er fühlt sich wohl in den besseren Wäldern und es gibt so gut wie keine Regel und Norm, gegen die er verstoßen möchte. Nur manchmal schleichen Ferdinand und sein Freund Beck sich mit den anderen jungen Böcken in das rote Dorf, das außerhalb der schützenden Zäune liegt, um dort dem geordneten Leben zu entfliehen und endlich mal ausgiebig feiern zu gehen.
Ferdinand tritt seinen Freunden, Eltern und seinem Großvater gegenüber immer freundlich auf. Sein Kommunikationsverhalten seinen Eltern und besonders seinem Großvater gegenüber ist davon geprägt, dass er ihnen erzählt, was sie hören wollen – oft trägt Ferdinand Gedichte vor oder beantwortet Fragen zu Natur und Überleben, die ihm sein Großvater stellt. Dabei scheint er stolz zu sein, wenn er die Fragen korrekt beantworten kann.
Solidarität empfindet Ferdinand mit seinem besten Freund Beck und der jungen Melanie, in die er sich verliebt.

Verstehen durch Erzählen
Ferdinands mentale Ausgangslage und seine Selbstwahrnehmung sind von dem Wissen bestimmt, dass er ein höfliches Schaf unter vielen ist, bei dem alles seinen geordneten Gang geht. Sein Gesangstalent ist etwas Besonderes, womit er jedoch äußerst bescheiden umgeht. Doch mit dem unerklärlichen Mord kommen bei Ferdinand Selbstzweifel auf, denen er auf den Grund gehen muss.
Am Ende des Buches weiß Ferdinand, wer und was er ist. Er erfasst seine eigenen Lebensumstände klar und deutlich und versteht, dass er nicht mehr in den besseren Wäldern leben kann. Gleichzeitig findet er einen passenden Lebensentwurf für sich ohne dabei seine Vergangenheit zu vergessen.

Buchcharakter
Das Cover der gebundenen Ausgabe zeigt ein blondes, farbenfroh gekleidetes Mädchen und einen schwarz gekleideten, farblos wirkenden Jungen. Die beiden sitzen auf dem Boden, das Mädchen lehnt an dem Jungen, der seine Arme um das Mädchen geschlungen hat. Sie blicken ernst geradeaus, um sie herum scheint nichts zu sein. Die Kapitel sind relativ lang, jedoch gibt es in jedem Kapitel die Möglichkeit, das Lesen zu unterbrechen. Die etwas größere Schrift macht das Lesen angenehm.
Die sprachliche Komplexität des Romans ist etwas anspruchsvoller. Baltscheits Sprache ist mitunter philosophisch, aber oft auch alltagsgetreu. Die Sätze sind zwar nicht übermäßig lang, jedoch werden ab und zu Ausdrücke verwendet, die nicht (mehr) zu unserem heutigen Sprachgebrauch gehören. Baltscheits Sprache kombiniert daher traditionelle und moderne Elemente, was zunächst ungewöhnlich erscheinen mag, sich aber tatsächlich gut vereinbaren lässt.

Zusammenfassende Bewertung und Fazit:
Die besseren Wälder von Martin Baltscheit ist ein illustrierter Roman, der einer modernen Fabel gleicht. Es geht um die Geschichte eines jungen Bocks, der auf die Suche nach sich selbst gebracht wird. In diesem Zusammenhang wird die Frage nach dem Kräfteverhältnis von Instinkt und Erziehung gestellt. Die besseren Wälder ist ein innovatives Buch, in dem traditionelle und typische Elemente von Fabel, Jugend- und Kriminalroman vereint werden, sodass eine spannende Geschichte entsteht, die in einer historisch angehauchten Gegenwart spielt.

Der Roman ist für individuelle Heim- oder schulische Gruppenlektüre ab Klasse 10 (in Auszügen) geeignet und bietet beispielsweise die thematische Behandlung verschiedener genrebezogener Aspekte (Roman, Krimi, Jugendbuch, Fabel).