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Buchcover Susan Shreve: Mein Freund Twist

Rezension von Lisa Wettlaufer

Ben hat in der Schule oft Ärger, eigentlich seit der ersten Klasse, und außerdem lispelt er. Dabei möchte er eigentlich gar keinen Ärger machen, doch irgendwie geht immer etwas schief und Ben wird für sein Verhalten vom Rektor bestraft. Bens beste (und einzige) Freundin ist seine große Schwester Meg, die ihn immer versteht. Eines Tages kommt ein neuer Junge, der sich Twist nennt und ein rotes Fragezeichen auf dem Kinn hat, in Bens Klasse...

BuchtitelMein Freund Twist
AutorSusan Shreve
GenreComing of Age
Lesealter10+
Umfang154 Seiten
Edition2005
VerlagErika Klopp Verlag
ISBN978-3-7817-1844-9
Preis9,99 €

Ben hat in der Schule oft Ärger, eigentlich seit der ersten Klasse, und außerdem lispelt er. Dabei möchte er eigentlich gar keinen Ärger machen, doch irgendwie geht immer etwas schief und Ben wird für sein Verhalten vom Rektor bestraft. Bens beste (und einzige) Freundin ist seine große Schwester Meg, die ihn immer versteht. Eines Tages kommt ein neuer Junge, der sich Twist nennt und ein rotes Fragezeichen auf dem Kinn hat, in Bens Klasse. Twist und Ben werden Freunde, aber Twist scheint einen schlechten Einfluss auf Ben zu haben, denn die beiden haben jetzt ständig Ärger. Deswegen möchten viele Eltern nicht, dass ihre Kinder mit Twist spielen. Hinzu kommt, dass Ben und Twist das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) haben. Wird es Ben gelingen, den Eltern und den anderen Kindern in seiner Klasse klar zu machen, dass Twist und er zwar ein bisschen anders, im Grunde jedoch ganz normale Jungen sind?

An dem Tag also, an dem mein Leben umgekrempelt und ich als „Ben Carter kriegt Ärger“ bekannt wurde – als ob das mein voller Name wäre -, saßen wir im Essensraum. Mary Sue saß auf meiner einen Seite und Billy Bass auf der anderen, und Billy Bass sagte zu mir: „Was hast du in deiner Thermosflasche?“
„Tomatensssuppe“, sagte ich.
„Tomantensssuppe?“, fragte Mary Sue. „Davon habe ich noch nie gehört.
„Er meint ‚Suppe’“, sagte Billy.
„Aber er hat ‚Sssuppe’ gesagt“, sagte Mary Sue.
Sie drehte sich zu Elly Suregate um, die auf der anderen Seite neben ihr saß.
„Hast du gehört, dass Ben Tomatensssuppe in seiner Thermosflasche hat?“
Und sie fiel lachend vom Stuhl. Elly lachte auch und erzählte Tammy Anderson, was ich gesagt hatte, und sie lachten beide in ihre Pulloverärmel.
„Sag meinen Namen“, sagte Mary Sue, als sie sich wieder eingekriegt hatte.
„Kuh“, sagte ich.
Ich stopfte mein Essen in die Lunchbox zurück und stand vom Tisch auf. Ich dachte daran, meine Tomatensuppe über Mary Sues lockiges braunes Haar zu schütten, aber ich habe es nicht gemacht. Stattdessen verließ ich den Essensraum ohne ein Wort und ging den Flur entlang an den zweiten und dritten Klassen vorbei, bis zu unserem Klassenraum. Ms Percival saß an ihrem Schreibtisch und korrigierte unseren Rechtschreibtest. Ich hasste Rechtschreibung, weil ich schlecht darin war und es immer noch bin, sogar wenn ich die Wörter vor dem Test auswendig lerne und mit Meg über und übe. Meistens falle ich durch, deshalb rechnete ich damit, das mich Ms Percival mit einem von ihren traurigen du-hast-es-wieder-nicht-geschafft-Benjamin-Blicken angucken würde, aber das tat sie nicht. Stattdessen schaute sie auf, lächelte und sagte mit ihrer Singsangstimme: „Hallo, Ben.“ Ich antwortete nicht.
Ich ging rüber zu Mary Sues Tisch, klappte den Deckel hoch, nahm ihren lila Teddy raus, ging schnurstracks an Ms Percival vorbei, machte die Tür zur Toilette der ersten Klasse auf und stopfte den Bären tief in das Klo. Dann spülte ich. Ich weiß nicht, was ich gedacht hatte, was passieren würde, wenn ich die Spülung zog, während ein Bär in der Kloschüssel steckte. Ich vermute, ich hatte gehofft, der Bär würde im Dunkel der Rohre und der Kanalisation verschwinden. Aber was passierte, war, dass die Toilette überlief. Das Wasser lief über meine und Ms Percivals Schuhe, schwemmte über Flur und Jonno Bailey kam angerannt, zog den Bären aus der Kloschüssel und gab ihn Mary Sue, die weinte.
Ms Percival stieß einen kleinen Kreischer aus, als das Wasser aus dem Klo über die Spitzen ihrer Schuhe spülte, packte mich an der Schulter und nahm mich mit ins Büro des Rektors. Der Rektor schickte mich nach Hause. Einfach so.

Der Ich-Erzähler in seiner Welt
Ben fühlt sich in der Schule nicht wohl und fügt sich den dort herrschenden Regeln und Normen nur mit einem inneren Widerwillen. Am liebsten würde er gar nicht mehr in die Schule gehen, wo er den ständigen Hänseleien seiner Mitschüler und Mitschülerinnen ausgesetzt ist. Ben fühlt sich von den anderen Kindern sowie von seinen Lehrern und Lehrerinnen, hierbei ganz besonders von seinem Rektor, unverstanden. Sein Kommunikationsverhalten diesen Personen gegenüber ist von Resignation und Frustration geprägt. Die einzigen Erwachsenen, die ihn verstehen bzw. verstehen wollen sind seine Eltern. Solidarität empfindet Ben mit seiner Schwester, die ihm immer zuhört und ihm Lösungsvorschläge für seine Probleme anbietet, und natürlich mit Twist, seinem einzigen Freund in der Schule.

Verstehen durch Erzählen
Bens mentale Ausgangslage ist geprägt von dem Wissen, dass er, egal wie sehr er sich auch bemüht, in der Schule regelmäßig Ärger bekommt. Manchmal ist ihm dabei gar nicht klar, warum er für welche Tat bestraft wird. Die Lehrkräfte und die anderen Kinder sind nur daran interessiert, Ben in eine unangenehme Lage zu bringen.
Ben ist sich den Konsequenzen seiner Handlungen manchmal nicht bewusst bzw. möchte sie sich auch nicht bewusst machen. Er fühlt sich oft ungerecht behandelt und versteht nicht, warum er in bestimmten Situationen so reagiert, wie er reagiert. Dadurch ist seine Selbstwahrnehmung auf seine Sicht der Dinge limitiert. Seine Schwester und seine Eltern helfen ihm ab und zu, für ihn schwierige Situationen zu verstehen.
Am Ende des Buches erfasst Ben seine eigenen Lebensumstände deutlich besser. Ihm ist klar, dass er und Twist anders sind, was aber nicht bedeutet, dass die beiden Jungen nur auf der Suche nach Stress und Ärger sind. Dies macht Ben sich und den Erwachsenen um ihn herum klar.

Buchcharakter
Das Cover der deutschen Übersetzung zeigt den unteren Teil des Gesichts eines etwa 10-jährigen Jungen mit Sommersprossen. Auf sein Kinn ist ein rotes Fragezeichen gemalt. Die Kapitellänge variiert zwischen zehn bis 15 Seiten. In jedem Kapitel gibt es Absätze, die eine Lesepause ermöglichen. Die etwas größere Schrift macht das Lesen angenehm.
Die sprachliche Komplexität des Romans ist recht einfach, da die Sätze relativ kurz sind und die Wortwahl sich an einem umgangssprachlichen Register orientiert. Shreves Roman ist gut zu verstehen ist und lässt sich flüssig lesen. Der Text setzt sich aus kurzen Erzählungen und vielen Dialogen zusammen, wodurch eine gewisse Nähe zum Leser entsteht.

Zusammenfassende Bewertung und Fazit:
Susan Shreve gelingt mit „Mein Freund Twist“ die glaubhafte der Darstellung der gedanklichen Innenwelt eines Jungen, der ADS und Schwierigkeiten hat, die Welt um ihn herum zu verstehen. Als Leser kann man sich gut in Ben hineinversetzen und seine Wahrnehmung nachvollziehen. Auch die von Unverständnis geprägte Sichtweise der außenstehenden Erwachsenen und der anderen Kinder auf Ben wird überzeugend beschrieben. Dabei erreicht Shreve am Ende des Buches, dass mehr Verständnis für Ben und sein Verhalten aufgebracht wird. Insgesamt lässt sich das Buch flüssig lesen und beschäftigt sich mit einer in unserer heutigen Gesellschaft aktuellen Thematik.

Der Roman ist für individuelle Heim- oder schulische Gruppenlektüre ab Klasse 5 (in Auszügen) geeignet. Er bietet die Behandlung verschiedener Themenkomplexe, wie z.B. Freundschaft, soziale Ausgrenzung und das Leben und den Umgang mit AD(H)S.