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Buchcover Tino Schrödl: Australien?Australien!

Rezension von Katharina Platz

Meo ist fünfzehn Jahre alt und ein typischer Außenseiter. In der Schule hat er nur eine einzige, beste Freundin namens Odette. Ansonsten verbringt er seine Zeit am liebsten mit seiner Mutter auf dem Sofa vor dem Fernseher. Als sein Vater ihm mitteilt, dass die Familie nach Australien ziehen wird, sträubt Meo sich dagegen, seine gewohnte Umgebung verlassen zu müssen...

BuchtitelAustralien? Australien! Ein Roadmovie
AutorTino Schrödl; Umschlagillustration von Ulf K.
GenreAbenteuer
Lesealter12+
Umfang288 Seiten
Edition1. Auflage
Verlagueberreuter
ISBN978-3-7641-7016-5
Preis14,95 €

Meo ist fünfzehn Jahre alt und ein typischer Außenseiter. In der Schule hat er nur eine einzige, beste Freundin namens Odette. Ansonsten verbringt er seine Zeit am liebsten mit seiner Mutter auf dem Sofa vor dem Fernseher.

Als sein Vater ihm mitteilt, dass die Familie nach Australien ziehen wird, sträubt Meo sich dagegen, seine gewohnte Umgebung verlassen zu müssen. Schließlich einigt sich die Familie darauf, erst einmal in den Ferien Urlaub in Australien zu machen. Weil Meo darauf besteht, darf auch Odette die Familie in den Urlaub begleiten.  
In Australien angekommen findet Meo jedoch prinzipiell alles langweilig und ist ständig unzufrieden.

Bei einer Führung durch den Kakadu-Nationalpark entfernen sich Meo und Odette zu weit von ihrer Gruppe und verlaufen sich prompt. Nach einer überstandenen Nacht im Freien weigert sich Meo, zu seinen Eltern zurückzukehren und beschließt auf eigene Faust, mit Odette nach Melbourne zu fahren. Zu spät merkt er, dass er nicht annähernd genug Geld hat, um Fahrkarten für die dreieinhalbtausend Kilometer lange Strecke zu kaufen. Auf ihrer abenteuerlichen Reise treffen die beiden sowohl hilfsbereite Menschen als auch zwielichtige Gestalten und müssen einige gefährliche Situationen überstehen, bevor Meos Eltern die Ausreißer einholen können.

Vor dem Zelt höre ich nur das leise Knistern des Feuers und die typischen Geräusche der Nacht, irgendwelche Grillen oder Mäuse. Trotzdem kann ich nicht mehr einschlafen.
Nach einer Weile höre ich wieder das Geräusch. Es ist wie ein Schuh, der auf einen Zweig tritt und stehen bleibt. Mir kriecht eine Gänsehaut den Nacken hoch und ich beschließe, Odette zu wecken. Dabei bin ich sehr vorsichtig, da ich nicht will, dass sie so abrupt hochschreckt, wie es sonst ihre Art ist. Ich will weder, dass da draußen jemand stutzig wird, noch, dass Sandy wach wird.
Behutsam streiche ich ihr über den Arm, erst ganz sachte, dann etwas stärker. Zu meinem Erstaunen greift sie irgendwann nach meiner Hand und tätschelt sie zärtlich.
»Da ist jemand vor dem Zelt«, flüstere ich ihr ins Ohr.
Nun fährt sie doch nach oben wie eine Kerze. »Wo?«
Hastig bedeute ich ihr, ruhig zu sein und spähe erschrocken zu Sandy, die zum Glück weiterschläft. Für jemanden auf der Flucht hat sie einen sehr gesunden Schlaf. Odette lauscht und signalisiert mir dann, dass sie nichts hört.
»Wahrscheinlich ist er weggelaufen«, wispere ich. Sicher hat er Odette gehört.
»Wir sollten verschwinden«, findet Odette. »Die Polizei sucht bestimmt nach diesen Jungs, und wenn sie sie finden, denken sie, wir wären ihre Komplizen und wir wandern ebenfalls ins Kitchen.«
Damit hat sie allerdings recht.
»Was aber, wenn da draußen ein Serienmörder rumschleicht?«, gebe ich zu bedenken.

Zu Beginn der Geschichte beschreibt sich Meo selbst als Streber, der keine Begabung für Kunst oder Sport besitzt, Angst vor Krankheiten hat und keine Veränderungen mag. Als er erfährt, dass er nach Australien ziehen soll, bricht für ihn eine Welt zusammen. Mit Australien assoziiert er zuerst nur Kängurus, Giftschlangen und Haie. Außerdem fürchtet er sich davor, seine Freunde zu verlassen und auf eine neue Schule zu gehen. Obwohl seine Eltern ihm in jeder Hinsicht großzügig entgegenkommen, bleibt Meo Australien gegenüber voreingenommen und verhält sich trotzig.

Seine unbedachten Entscheidungen bringen sowohl ihn als auch seine Freundin Odette immer wieder in brenzlige Situationen. Sowohl die realistisch geschilderten Gefahren der australischen Tierwelt wie Krokodile, giftige Spinnen und Schlangen, als auch die große Hitze am Tag machen Meo und Odette zu schaffen. Doch nicht nur durch die Probleme, die die exotische Umgebung mit sich bringt, wird Spannung erzeugt, sondern auch dadurch, dass der wahre Charakter der Wegbegleiter von Meo und Odette oft nur schwer einzuschätzen ist. Eine sympathische Gruppe junger Menschen entlarvt sich als gesuchte Bankräuber und ein unheimlicher Mann, der sich für Jesus hält, bietet ihnen an, bei sich zu übernachten.

Meo ist ein Antiheld, der in überspitzer Darstellung ein typisch pubertierendes Verhalten an den Tag legt. Einerseits möchte er zwar als Person ernstgenommen und respektiert werden, andererseits bringt er sich und seine beste Freundin durch unüberlegte, vorschnelle Entscheidungen leichtsinnig in Gefahr. Seine Handlungen sind oft aus egoistischen Gründen motiviert und lassen Meos Charakter fragwürdig erscheinen. Odette ist seine einzige Freundin, dennoch schämt er sich für ihr unattraktives Äußeres und ihre plumpe Art sich zu bewegen. Obwohl es für alle anderen offensichtlich ist, bemerkt er nicht einmal, dass Odette verliebt in ihn ist.

Heutzutage werden viele Heranwachsende mit der Situation konfrontiert, dass sie aufgrund der beruflichen Situation ihrer Eltern den Wohnort wechseln müssen. In der Geschichte wird dem rebellierenden Pubertierenden auf selbstironische Weise ein Spiegel vorgehalten. Das abschreckende Beispiel, das Meo gibt, vermittelt humorvoll die überzogenen Reaktionen von Jugendlichen, die sich gegen etwas sträuben, das sie im Grunde noch gar nicht kennen. 

Schließlich erkennt auch Meo, dass vieles in Australien anders ist als er sich es vorgestellt hatte und dass er seinen Eltern für die Möglichkeiten, die sie ihm eröffnen, dankbar sein muss, statt nur an sich zu denken.

Die Geschichte ist in 29 kurze Kapitel unterteilt, die von einem personalen Erzähler im Sprachstil eines Jugendlichen formuliert sind, ohne gekünstelt zu wirken. Ein kleines Manko ist, dass die Kapitel häufig nicht auf einer Rectoseite beginnen, wie es eigentlich üblich ist. 

Das Werk ist für Vielleseprogramme geeignet. Es richtet sich an Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren, die eine mittlere Lesefähigkeit besitzen.