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Buchcover Benjamin Alire Sáenz: Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums

Rezension von Anna Kalusok

Aristoteles, genannt Ari, ist 15 und Nichtschwimmer. Bis er im Schwimmbad Dante kennenlernt. Dante bringt ihm nicht nur das Schwimmen bei, sondern begibt sich mit ihm zusammen auf den oftmals schwierigen Weg zum Erwachsensein. Die beiden Jungen sind Kinder mexikanischer Einwanderer, die in Texas aufwachsen. Beide Familien sind zugleich ähnlich und doch unterschiedlich...

BuchtitelAristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums
AutorBenjamin Alire Sáenz
GenreComing of Age
Lesealter14+
Umfang(dt.) 383 Seiten
Edition2014
Verlag(engl.) Simon & Schuster Books for Young Readers; (dt.) Thienemann-Esslinger Verlag GmbH
ISBN(dt.) 9783522201926
Preis(dt.) 16,99 €

Aristoteles, genannt Ari, ist 15 und Nichtschwimmer. Bis er im Schwimmbad Dante kennenlernt. Dante bringt ihm nicht nur das Schwimmen bei, sondern begibt sich mit ihm zusammen auf den oftmals schwierigen Weg zum Erwachsensein. Die beiden Jungen sind Kinder mexikanischer Einwanderer, die in Texas aufwachsen. Beide Familien sind zugleich ähnlich und doch unterschiedlich. In Dantes Familie herrscht ein offener Umgang miteinander: Man wird umarmt, geküsst und es wird viel geredet. In Aristoteles’ Familie werden bedrückende Themen, wie die Kriegsvergangenheit des Vaters oder der Gefängnisaufenthalt des älteren Bruders Bernardo verschwiegen. Doch sowohl die Eltern von Aristoteles als auch Dantes Eltern wollen für ihre Söhne nur das Beste. Ein schwerer Unfall und der Wegzug Dantes wirft Schatten über die Freundschaft der beiden Heranwachsenden und wirft Fragen auf, denen sich beide nur schwer stellen können. Das Buch erzählt nicht nur von der Freundschaft zweier Jungs, sondern auch vom schweren Schritt ins Erwachsenenleben. Der Wunsch gleichzeitig von der Familie gehalten und losgelassen zu werden gefolgt von allen Problemen und Erfahrungen, welche die Pubertät mit sich bringt, werden in einer poetischen und klaren Sprache erzählt.

„Was soll ich denn machen?“ Ich spürte, dass sich meine Stimme überschlug. Aber ich weigerte mich zu weinen. Was gab es da zu weinen? „Ich bin ratlos.“ Ich sah Mrs Quintana an und dann Sam. „Dante ist mein Freund.“ Ich wollte ihnen sagen, dass ich nie einen Freund gehabt hatte, nie, keinen richtigen. Bis Dante kam. Ich wollte ihnen sagen, dass ich nicht gewusst hatte, dass es Menschen wie Dante auf der Welt gab, Menschen, die gern Sterne deuteten und die Geheimnisse des Wassers kannten, die genau wussten, dass Vögel in den Himmel gehörten und nicht von gemeinen, dummen Jungs in ihrem anmutigen Flug abgeschossen werden sollten. Ich wollte ihnen sagen, dass er mein Leben verändert hatte und ich nie wieder derselbe wäre. Und dass ich irgendwie das Gefühl hatte, dass Dante mir das Leben gerettet hatte und nicht umgekehrt. Ich wollte ihnen sagen, dass er, abgesehen von meiner Mutter, der erste Mensch war, mit dem ich über Dinge sprechen wollte, die mir Angst machten. Ich wollte ihnen so vieles sagen und doch fehlten mit die Worte. Also wiederholte ich nur dumm: „Dante ist mein Freund.“
Sie sah mich an, lächelte fast. Aber sie war zu traurig, um zu lächeln. „Sam und ich haben uns nicht in dir getäuscht. Du bist tatsächlich der liebste Junge auf der Welt.“
„Neben Dante“, sagte ich.
„Neben Dante“, sagte sie.
Sie begleiteten mich zu meinem Pick-up. Und dann kam mir ein Gedanke. „Was ist eigentlich mit dem anderen Jungen passiert?“
„Er ist weggelaufen“, sagte Sam.
„Und Dante nicht.“
„Nein.“
In dem Moment brach Mrs Quintana zusammen und weinte. „Warum ist er nicht weggelaufen, Ari? Warum ist er nicht einfach weggelaufen?“
„Weil er Dante ist“, sagte ich.
(S. 329-330)

Der Roman Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums von Benjamin Alire Sáenz ist ein durch und durch gelungener Coming-of-Age Roman. Mit schönen, fast schon poetischen Worten wird die Geschichte der zwei Freunde Aristoteles, genannt Ari, und Dante erzählt. Beide sind Kinder mexikanischer Einwanderer und beide wohnen im Texas der späten 80er Jahre. Zu Beginn des Romans haben beide eher eine Außenseiterrolle inne, da sie sich lieber mit sich selbst beschäftigen, als Freunde zu suchen, und damit eine gattungstypische Normabgrenzung vornehmen. Ari grübelt gerne vor sich hin und Dante zeichnet. Doch dann lernen sie sich eines Tages im Schwimmbad kennen und Dante bringt dem Nichtschwimmer Ari das Schwimmen bei. Von Anfang an herrscht eine besondere Beziehung zwischen den beiden. So unterschiedlich sie auch sind, Dante offen und gesprächig, Ari eher verschlossen und nachdenklich, so gut scheint ihre Freundschaft darauf aufzubauen und die beiden sich zu ergänzen. In Aris Familie herrscht zwar ein liebevolles Verhältnis untereinander, aber Probleme und Unangenehmes werden gerne verschwiegen. So möchte Ari gerne wissen, was genau mit seinem Bruder Bernardo passierte, welcher seit Jahren wegen Totschlags im Gefängnis sitzt. Ebenso weiß er nichts Genaues über die Kriegsvergangenheit seines Vaters.

Im Gegensatz dazu wird in Dantes intellektueller Familie nicht nur viel umarmt und geküsst, es wird auch viel geredet. Zwei Welten prallen durch diese stark unterschiedlichen mentalen Ausgangslagen aufeinander und verschmelzen. Plötzlich wird die Freundschaft der beiden jedoch durch einen Unfall überschattet. Es scheint, als ob sie sich nur schwer davon erholen kann. Doch selbst mit der darauf folgenden räumlichen Trennung, da Dante mit seinen Eltern für ein Jahr nach Chicago zieht, bleibt die Freundschaft bestehen. Als Brieffreunde retten sie sich über das Jahr und tauschen nun ihre Erfahrungen, die sie ohne einander machen, offen aus. In einem Jahr kann viel passieren, vor allem wenn man fünfzehn ist. Die ersten Erfahrungen mit Mädchen, mit Alkohol und Drogen, ein ständiges Abkapseln vom Elternhaus und gleichzeitiges Zweifeln daran, was von der Zukunft erwartet werden soll, kennzeichnen diese Zeit. Als Dante zurückkommt, scheint die Freundschaft jedoch ungetrübt weiter zu bestehen und sich sogar zu etwas völlig Neuem zu entwickeln. Gemeinsamen Ausflügen in Aris Pick-Up und Nächten unter dem Sternenhimmel mit Gesprächen über Gott und die Welt steht nun nichts mehr im Wege. Und am Ende scheinen beide Jungen zu sich gefunden zu haben, indem sie zu sich selbst und ihrer Liebe zueinander stehen und sich so akzeptieren wie sie sind und nicht, wie die Welt sie gerne hätte – Solidarität im tiefsten Sinne.

Der Spannungsbogen verläuft eher sacht. Aris Sicht auf die Welt ist einfach und ohne viel Aufregung. Trotzdem wird der Leser immer und immer wieder zum Weiterlesen und Mitträumen angeregt. Sáenz ist hier ein Buch über Freundschaft, Loyalität, Heranwachsen, Liebe und alles was mit diesen Begriffen verbunden werden kann, gelungen, an welchem nicht nur der junge Leser seine Freude haben wird.

Das Buch ist sehr verständlich und einfach geschrieben, lässt dabei aber eine durchklingende Poesie nicht missen. Die Kapitel sind angenehm kurz gehalten, was den Lesefluss nicht beeinträchtigt sondern eher fördert. Die Schriftgröße hat ebenso eine angemessene Größe und das Cover der deutschen Ausgabe ist ansprechend gestaltet. Es zeigt einen im Wasser liegenden Jungen, der zur Hälfte von Wasser bedeckt ist und mit der anderen Hälfte aus dem Wasser ragt und symbolisiert damit bereits treffend die Gespaltenheit, welche ein jeder Jugendlicher während der Pubertät erfährt.

Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums eignet sich für Leser ab vierzehn Jahren oder reife Leser ab 12 Jahren.  Der Protagonist Ari vereint viele Gedanken und Gefühle, die es in der Pubertät zu erfahren gibt und ist damit ein guter Anreiz für einen Leser im entsprechenden Alter. Das Buch ist gleichzeitig einfach und doch poetisch geschrieben und erfordert somit keine allzu große Leseerfahrung. Durch kurze Kapitel wird der Leser zum Weiterlesen animiert. Das Buch eignet sich meiner Meinung nach ebenso gut für ein Unterrichtsprojekt in Klasse 8 oder 9, da es Themen behandelt, die für Schüler in dem Alter relevant sind. Hierbei muss jedoch bedacht werden, dass es aus einer männlichen Perspektive geschrieben ist und somit eventuell für die Schülerinnen weniger interessant erscheinen könnte.