Buchcover Ulrich Hub: Füchse lügen nicht

In der Animal Lounge des Flughafens herrscht Langeweile und Ratlosigkeit. Seit Tagen geht kein Flug...

Rezension von Eva Maus

In der Animal Lounge des Flughafens herrscht Langeweile und Ratlosigkeit. Seit Tagen geht kein Flug mehr. Auch der Sicherheitshund weiß nichts Näheres und so warten der müde Pandabär, der kranke Affe, das identische Schaf-Geschwisterpaar,  der prominente Tiger und die hysterische Gans. Sie warten brav drei Tage lang bis ein mysteriöser Fuchs auftaucht...

BuchtitelFüchse lügen nicht
AutorUlrich Hub; mit Bildern von Heike Drewelow
GenreHumor & Comedy
Comedy
Lesealter8+
Umfang143 Seiten
VerlagCarlsen
ISBN978-3-551-55649-3
Preis12,90 €

In der Animal Lounge des Flughafens herrscht Langeweile und Ratlosigkeit. Seit Tagen geht kein Flug mehr. Auch der Sicherheitshund weiß nichts Näheres und so warten der müde Pandabär, der kranke Affe, das identische Schaf-Geschwisterpaar,  der prominente Tiger und die hysterische Gans.
Sie warten brav drei Tage lang bis ein mysteriöser Fuchs auftaucht, mit Geschichten über seine Heldentaten imponiert und die Tiere davon überzeugt, dass man auch in einem verlassenen Flughafen – nicht zu Letzt mit Hilfe des Duty-free-Shops – richtig Spaß haben kann. Die Tiere hören auf den Fuchs und nicht auf den mahnenden Sicherheitshund - denn Füchse lügen nicht. Ganz nebenbei klaut dieser allerdings die wertvollen Reisepässe der Tiere und verschwindet.
Als er zurückkehrt, weil die Tiere ihm doch ans Herz gewachsen sind und man Freunde schließlich nicht bestiehlt, muss er zugeben, dass er ein Lügner und Betrüger ist. Die Vorwürfe der anderen weist er allerdings zurück, denn auch sie haben nicht immer die Wahrheit gesagt und der Fuchs kann die kleinen und großen Flunkereien mühelos enttarnen. Entrüstet stürzen sich die Entlarvten auf ihn und prügeln ihn nieder. Nur der Sicherheitshund trauert um den nun scheinbar toten Fuchs und hält den anderen Tieren den Spiegel vor: Als der Fuchs das erste Mal die Wahrheit gesagt hat, haben sie ihn angegriffen. Wie gut, dass der Fuchs sich nur totgestellt hat. Denn er ist es schließlich, der allen Tieren nicht nur das Leben rettet, sondern auch die Freiheit schenkt.

Die Leseprobe zu "Füchse lügen nicht" von Ulrich Hub finden Sie unter dem folgenden Link:
www.carlsen.de/hardcover/fuchse-lugen-nicht/34880

Füchse lügen nicht ist ein ungewöhnliches, interessantes, gleichsam lustiges und ernstes Buch. Es konfrontiert den Leser mit vielen grundsätzlichen Fragen zu Werten und Normen ohne sie explizit zu formulieren oder gar Antworten nahe zu legen.

Das Buch erinnert dabei in weiten Strecken an eine Fabel: Das überschaubare Personal besteht aus wenigen, sprechenden Tieren, die sich wiederum auf wenige, zumeist klischeehafte Eigenschaften reduzieren lassen: Der Panda zum Beispiel ist bequem und eingebildet, weil er sich durch seinen Artenschutzstempel im Pass als etwas Besonderes wähnt. Der Tiger inszeniert sich als berühmter Fernsehstar, fällt aber auch durch seine Dummheit auf. Der Affe ist cholerisch, hibbelig und bildet sich viel auf seine (angeblichen) Krankheiten ein. Dabei stellen die auf ihren Flug wartenden Tiere eine Gruppe dar, die sowohl der nach Ordnung und Regeln strebende Sicherheitshund als auch der anarchistische und durchtriebene Fuchs zu beeinflussen suchen. Ersterer will seine Routine nicht gefährden und seine Aufgabe erfüllen, letzterer will die wertvollen Reisepässe der Tiere stehlen. Beide hinterfragen ihre Handlungen und Motive erst am Ende der Handlung.

Auch an ein Kammerspiel erinnert das Buch. Es wird getragen von den Gesprächen zwischen den Tieren und spielt abgesehen von einem kurzen Ausflug in die Abfertigungshalle und deren Duty-free-Shop in der gefliesten und spartanisch eingerichteten Animal Lounge. Auch die sachlich-beschreibende Erzählform trägt zu dem Eindruck bei, es handle sich eher um ein Theaterstück.
Insgesamt entsteht dadurch eine unwirkliche Atmosphäre, die für Kinder ungewohnt aber auch reizvoll ist und durch das Fehlen einer offensichtlichen Moral eine interessante Kulisse für viele Denkanregungen bildet: Wann ist Lügen in Ordnung (und wann nicht)? Was bedeutet Freiheit? Welche Regeln darf man wann überschreiten? Was macht Freundschaft aus?

Seinen Humor bezieht Füchse lügen nicht zum Teil aus Situationskomik und Slaptstick, wenn etwa der Tiger wieder erst verzögert versteht, was die anderen besprechen oder die identischen Schafe ihre Einzigartigkeit betonen. Bestimmend ist aber eine satirische Zuspitzung üblicher Normen durch die ‚Versuchsanordnung‘ in der Animal Lounge. Der Humor wirkt allerdings weniger als brüllende Pointe, denn als anhaltendes Schmunzeln beispielsweise über die Unsinnigkeit des regelkonformen Wartens, die Dummheit und das vorhersehbare Verhalten der Tiere oder ihre immer wiederkehrenden, eingebildeten Aussagen über sich selbst und ihren besonderen Wert.

Häufig kann die Geschichte dabei mehrere Ebenen bedienen und augenzwinkernd Komik für vorlesende Erwachsende generieren (Heißt der Duty-free-Shop so, weil es dort keine Pflichten gibt – auch nicht die, zu bezahlen?) und gleichzeitig den jüngeren Lesern Lustiges und Spannendes bieten. (Der Panda pupst immer wieder übelriechend und meint, er dürfe das, weil er unter Artenschutz steht.) Dadurch wird die Bestimmung eines geeigneten Lesealters sehr schwer. Ulrich Hub hat mit Füchse lügen nicht ein Buch geschrieben, dass sicher schon Fünfjährigen vorgelesen werden kann, dem aber auch ältere und geübtere Leser einiges abgewinnen können. Die kurzen Kapitel, wenig Text auf den einzelnen Seiten, eine sehr klare Sprache und die vielen, liebevollen und lustigen Bilder von Heike Drewlow machen das Buch in jedem Fall auch für Leseanfänger attraktiv.

Füchse lügen nicht eignet sich sehr gut für eine Verwendung in verschiedenen Kontexten der Leseförderung und des Literaturunterrichts. Es kann durch seine ungewohnte Erzählweise und Handlung zum vorsichtigen Heranführen an Alterität genutzt werden, vor allem aber durch die vielen aufgeworfenen Fragen zu Gesprächen motivieren. Zusätzlich bietet sich auch die Inszenierung einzelner Szenen oder des ganzen Buches auf der Bühne an. Abhängig von inhaltlichen Schwerpunkten und methodischem Vorgehen ist der sinnvolle Einsatz des Buches zwischen der zweiten und der fünften Klasse denkbar.
 
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