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Buchcover Thorsten Nesch: Buster, König der Sunshine Coast

Rezension von Julius Massenkeil

Von seinen Eltern wird der 18-jährige Bastian nach knapp bestandenem Abitur zum Sprachkurs nach Kanada geschickt. Eigentlich sollte es Thailand werden. Doch seine ausgiebigen Alkoholexzesse haben zu mehr Strenge im elterlichen Haus geführt. In Kanada wird schnell klar, die Sprachschule TurboEnglisch Ltd. hat seit geraumer Zeit geschlossen. Das sind beste Voraussetzungen für einen vierwöchigen Road Trip durch die kanadische Provinz...

BuchtitelBuster, König der Sunshine Coast
AutorThorsten Nesch
GenreComing of Age
Lesealter14+
Umfang294 Seiten
VerlagRowohlt
ISBN978-3-499-21499-8
Preis8,99 €

Von seinen Eltern wird der 18-jährige Bastian nach knapp bestandenem Abitur zum Sprachkurs nach Kanada geschickt. Eigentlich sollte es Thailand werden. Doch seine ausgiebigen Alkoholexzesse haben zu mehr Strenge im elterlichen Haus geführt. In Kanada wird schnell klar, die Sprachschule TurboEnglisch Ltd. hat seit geraumer Zeit geschlossen. Das sind beste Voraussetzungen für einen vierwöchigen Road Trip durch die kanadische Provinz. Nirgends lernt man Englisch schneller als während der praktischen Anwendung.
Ausgerüstet mit Rucksack, Zelt und Schlafsack trampt Bastian von Vancouver entlang der Sunshine Coast über Vancouver Island nach Victoria. Während seiner Reise trifft er Mountainbike-Tester, Aussteiger, Billardspieler, Hafenarbeiter. Begleitet wird sein Trip durch nichts weniger als dem Dope „The-Best-in-the-West“, einigen Bierchen und viel Gitarrenmusik. Doch Bastian macht nicht dort weiter, wo er aufgehört hat. Das Knüpfen neuer Freundschaften, das (erste) Verlieben und das Leben in der kanadischen Natur lassen ihn erwachsener werden. In der Wildnis muss Bastian die Einsamkeit aushalten, dem Wetter trotzen und sich gegen Bärenangriffe verteidigen. Die bildhübsche Marleen verdreht Bastian völlig den Kopf. Nach einigen zufälligen Begegnungen trifft Bastian einen Entschluss.

„Drei Tassen Cowboy-Kaffee machen mich richtig wach. Die Sonne bricht durch, und in der Bucht herrscht binnen Minuten eine brütende Hitze, da die Berge den Wind abhalten.
Aufgrund des Wetters gönne ich mir einen Spaziergang. Kann man so etwas Spaziergang nennen? Klingt so altbacken. Es sollte ein anderes Wort dafür geben, wie Chillen oder Grooven. ‚Ciao, Mum, Pa, ich groove ein bisschen durch die Stadt.‘ Und wenn mich JoJo fragt, was ich gemacht habe? ‚So gegrooved.‘
Ich kaufe ein in dem kleinen Laden im Ort mit dem humpelnden Verkäufer, Obst und zwei Postkarten. Beim Rausgehen treffe ich Tony und Chey, sie betreiben einen Hot-Dog-Stand auf dem Weg zum Totempfahl, dann treffe ich Chris, den netten jüngeren Bruder von Chey, mit sympathischer Plauze und irgendwie zu kurzen Armen, außerdem fehlt ihm der kleine Finger der rechten Hand. Er schraubt an einem Außenbordmotor herum, wir verabreden uns abends zum Poolbillard.
Dann laufe ich John, der größten Schnapsnase des Ortes, über den Weg. Man kann sich hier wirklich nicht aus dem Weg gehen. Hier arbeitet ja auch niemand.
John ist einer der draft dodger im Ort, einer jener Amerikaner, die während des Vietnamkrieges nach Kanada geflohen sind, um nicht in die Armee eingezogen zu werden.“ (S. 146f.)

Der Ich-Erzähler in seiner Welt
Der Roman weist typische Merkmale eines Coming-of-Age Romans auf; geschickt werden Elemente des Roadmovie und dem Erwachsenwerden verknüpft. Der 18-jährige Bastian steht nach seinem knapp bestandenem Abitur und etlichen feuchtfröhlichen Feierlichkeiten vor einer ungewissen Zukunft. Mit einem Hauch autoritären Erziehungsduktus verbannen ihn seine Eltern zu einem Sprachkurs nach Kanada. Die Verbannung entpuppt sich für Bastian als eine gute Chance sich selber zu suchen.
Das planlose Reisen durch die Provinz, das Leben in kanadischer Wildnis und die Unwägbarkeiten des Verliebens bieten gewisse Spannungsmomente. Das Verreisen nach dem Abitur insbesondere auf andere Kontinente schließt an die Lebenswelt heutiger Jugendliche an. Kiffen, Saufen, Freiheit verbunden mit Gitarrenwehmut einem Schuss abenteuerlicher Gefahr, kuriosen Bekanntschaften, der Suche nach dem heißesten Girl – oder bei Bedarf dem heißesten Typen – aber auch unsicheren Selbstfindung sind vielleicht die wesentlichen Wünsche der Backpacker-Generation. Der Roman greift diese Phänomene auf und betreibt in gewisser Weise auch etwas Werbung. Warum allerdings Kanada zunächst langweiliger sein soll als Thailand, bleibt unklar.

Verstehen durch Erzählen
Geprägt ist die Identitätssuche entlang der kanadischen Sunshine Coast von einer radikalen Subjektkonzeption. Bastian berichtet als autodiegetischer Erzähler selbstreflexiv von seinem Road Trip, dem Ablösen von elterlichen Erwartungen und eigenen Zukunftsvorstellungen. In der relativ kurz erzählten Zeit wird dennoch die Jaußsche „systemprägende Dominante“ des Adoleszenzromans deutlich, nämlich ein zwischen Kindheit und Erwachsensein schwebender Jugendlicher auf Identitätssuche. Der Protagonist entwickelt sich von einem draufgängerischen Jugendlichen zu einem interessierten und neugierigen Reisenden.

Fazit
Das Cover des Romans greift wesentliche Ereignisse Bastians‘ Reise in künstlerisch gestalteten Symbolen auf und bietet eine interessante Möglichkeit bereits vor dem Lesen die Entwicklung der Geschichte zu entdecken. Die mittelgroße Schriftgröße des Textes ermöglicht einen leichten und schnellen Lesefortschritt. Der Roman ist in fünf (Akte) und 43 Kapitel untergliedert. Die hohe Anzahl an Kapiteln geht mit kurzer Kapitellänge einher und bietet auch für leseunerfahrene Rezipienten die Chance den chronologischen Aufbau des Romans problemlos nachzuvollziehen. Der Text wird einfach und mit viel wörtlicher Rede erzählt. Die verwendete Jugendsprache wirkt meist authentisch.
Buster, König der Sunshine Coast ist ein leicht verständlicher Adoleszenzroman. Der Roman befeuert nicht hedonistische Lebensziele, sondern zeichnet zwischen Gras rauchen und dem ersten eigenen Gitarrensong einen durchaus authentischen Prozess des Erwachsenwerdens. Stilistisch prägend ist weniger eine literar-ästhetisch anspruchsvolle sprachliche Gestaltung als vielmehr eine leicht verständlichen Jugendsprache.