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Buchcover John D. Fitzgerald: Mein genialer Bruder und ich

Rezension von Alessa Hess

Die Geschichte der drei Fitzgerald Lausbuben John Dennis, Sweyn Dennis und dem ziemlich genialen Tom Dennis spielt im Jahr 1896 im Örtchen Adenville in der Nähe der Stadt Utah, die im Südwesten der USA liegt. Insbesondere die „Denkmaschine“ von T.D. und der in jeder seiner Ideen verankerte Geschäftssinn sorgt für reichlich Abwechslung...

BuchtitelMein genialer Bruder und ich
AutorJohn D. Fitzgerald
GenreComing of Age
Lesealter10+
Umfang265 Seiten
VerlagFischer
ISBN978-3-596-85412-7
Preis7,99 €

Die Geschichte der drei Fitzgerald Lausbuben John Dennis, Sweyn Dennis und dem ziemlich genialen Tom Dennis spielt im Jahr 1896 im Örtchen Adenville in der Nähe der Stadt Utah, die im Südwesten der USA liegt.
Insbesondere die „Denkmaschine“ von T.D. und der in jeder seiner Ideen verankerte Geschäftssinn sorgt für reichlich Abwechslung. So wird nicht nur das neue Wasserklosett des Vaters zur städtischen Attraktion sondern auch der neue Lehrer Mr. Standish bekommt bei einem Racheakt gegen ihn die Folgen von T.J.`s Kreativität zu spüren. Das man gegen Toms Listenreichtum nicht ankommt, spürt auch sein kleinerer achtjähriger Bruder J.D., der sowohl bei seinem Krankheitsracheakt gegen die beiden Brüder als auch bei dem Eislöffelschleckverkauf und den Welpen seines Hundes Brownie den Kürzeren zieht. Dennoch verehrt er seinen Bruder abgöttisch und ist bei der Verwirklichung all seiner Ideen ein begeisterter Partner an seiner Seite. So lernt bspw. der griechische Junge Basil Kokovinis Englisch, erhält Sachen, die ein Junge haben muss und wird mit Hilfe von T.D. ein waschechter Amerikaner, der sich gegen die Jungen aus der Schule wie Sammy Leeds im Raufen zu behaupten weiß und kein Feigling ist. Alles auf Honorarbasis versteht sich.
Auch als sich die Jensen-Brüder Frank und Allan mit ihrer Hündin Lady in der riesigen Skeletthöhle verirren, ist es wieder einmal T.J.`s Denkmaschine zu verdanken, dass die beiden Jungs durch eine spannende und gewagte Aktion mit der Hilfe des Hilfssheriffs Onkel Mark gerettet werden können. Trotz der damit verbundenen Hintergedanken wird Tom Dennis dadurch zum Held des kleinen Städtchens.
Mehrere turbulente Ereignisse, wie beispielsweise der Tod des Juden Abie Glasmann oder der verlorene Lebenswillen von Andy Anderson stimmen jedoch nachdenklich und verdeutlichen, dass Geld nicht alles im Leben ist und man mit Hilfsbereitschaft oft viel wertvollere Dienste leisten kann.

„Unternehmen?“, fragte ich. Ich hatte keine Ahnung, was er meinte. „Was für ein Unternehmen?“ „Du denkst doch nicht etwa, dass ich den Jungs hier umsonst erlaube, bei der Aushebung der ersten Jauchegrube von Adenville zuzugucken, oder?“, fragte er, als hätte ich ihn beleidigt. „Ich hab ihnen einen Cent pro Nase berechnet.
Du ziehst jetzt los und trommelst noch zehn Jungs zusammen. Sag ihnen, für ihren Cent würden sie nicht nur die Aushebung der ersten Jauchegrube eines Wasserklosetts zu sehen bekommen, es wird außerdem ein Imbiss gereicht. Sammel das Geld im Voraus ein. Kein Kredit, kein Aufschub.“
„Woher weißt du, dass Mama ihnen Kekse gibt?“, fragte ich.
„Das muss sie“, sagte Tom zuversichtlich. „Weil sie all den anderen auch Kekse gegeben hat.“ „Und was springt für mich dabei heraus?“, fragte ich. Aus Erfahrung wusste ich, dass es ratsam war, bei Geschäften mit einem Bruder die Konditionen im Voraus festzulegen.
„Ich zahle dir eine Provision von einem Cent für fünf Kinder“, sagte Tom. „Wenn du noch zehn Kinder zusammenkriegst, hast du zwei Cent verdient.“

Der autobiographische Coming-of-Age Roman basiert auf insgesamt acht Bänden der Kinderbuchserie des 1906/7 in der Stadt Prince in Utah geborenen Autors, mit dem er seinem älteren Bruder Tom ein Denkmal setzt.

Der Ich-Erzähler in seiner Welt
Tom D. betrachtet die Welt aus seiner ganz eigenen Sichtweise und wittert hinter allem ein Geschäft, welches er zielstrebig und gewieft verfolgt. Mit seiner Denkmaschine fühlt er sich anderen Kindern und auch Erwachsenen überlegen. John D. hingegen stellt infolge seines geringen Selbstvertrauens sein Spatzenhirn nicht gerne in den Vergleich zu Toms Denkmaschine. Davon zeugt auch das Buchcover, in dem Tom D. mit einer Geldmünze spielend im Vordergrund erscheint, während sich John D. respektvoll im Hintergrund aufhält, jedoch als Beobachter doch eine wesentliche Rolle zu spielen scheint. Die warm gehaltenen Farben zeugen von einer heilen-Welt-Atmosphäre, die jedoch in den leserfreundlichen in geeigneter Schriftgröße verfassten acht Kapiteln durch die beiden Brüder in Aufregung versetzt wird. Die Empathie des Lesers ist somit für beide Brüder möglich, wobei diese immer von der offensichtlichen Bewunderung des Erzählers John D. gegenüber dem älteren Bruder Tom als unerreichbarem Ideal geprägt wird, welche sich auch in der sprachlichen Darstellung zeigt.
T.D.`s erklärtes Ziel ist es, Millionär zu sein, bevor er alt genug ist, um wählen zu gehen. Das Geschäftemachen um jeden Preis und aus jeder Situation steht für ihn an erster Stelle und prägt auch seine Selbst- und Fremdwahrnehmung als Genie. In Bar, kein Kredit, kein Aufschub. Dennoch zeugen seine Streiche trotz diverser Normverstöße bezüglich Ehrlichkeit, Betrug und übler Nachrede von seinem entwaffnenden Humor, weshalb ihm niemand lange böse sein kann. Dass er bei seinen geschäftlichen Unternehmen neben seien Freunden auch teilweise seine eigenen Brüder über den Tisch zieht, indem er bspw. John D. seinen Indianergürtel abluchst, um den ihn jeder beneidet, scheint ihn dabei wenig zu stören.
So zeichnet der Roman insgesamt eine lustige Grenze zwischen richtig und falsch, innerhalb der die fantasievollen Erklärungen von Tom D. für seine Streiche eine listenreiche Vermittlerrolle einnehmen und den Leser schmunzeln lassen. Der Stil des Romans erinnert dabei einerseits an „Tom Sawyers Abenteuer“, lässt durch bestimmte Namensgebungen oder den ausgeklügelten Racheakt gegenüber dem neuen Lehrer Mister Standish aber auch Ähnlichkeiten mit der Buchserie „Unsere kleine Farm“ erkennen. T.D. tritt dabei meist als Sieger hervor, indem er die Situationen für sich zu nutzen weiß und ihnen seine eigene von fixen Ideen und Köpfchen geprägte Weltsicht aufdrückt.
Allerdings schwingen auch ernste Themen wie Religion durch die beschriebene Abgrenzung von Mormonen und Nicht-Mormonen eine Rolle, innerhalb der die drei Brüder nur insofern Toleranz und Verständnis für sich einfordern können, indem sie gelernt haben, jeden ihrer Spielkameraden zu verhauen. Doch ist dies die richtige Lösung? Auch der Jude Abie Glassmann und dessen plötzlicher Tod als Folge der Gleichgültigkeit und fehlenden Hilfsbereitschaft der Gemeinschaft stimmen nachdenklich und regen zu mehr Toleranz gegenüber seinen Mitmenschen an. Doch nicht nur Menschen jüdischen Glaubens, sondern auch die griechische Einwandererfamilie Kokovinis und insbesondere ihr Sohn Basil haben es offensichtlich schwer, als richtige Amerikaner und gleichwertige Menschen anerkannt zu werden.

Fazit
Andersartigkeit wird im Laufe des Romans als Klischée enttarnt. Somit bietet sich der Coming-of-Age bzw. Abenteuer Roman z.B. auch als unterhaltsame Klassenlektüre an, da viele Themen angeschnitten werden, die im Unterrichtsgespräch näher behandelt werden können. Infolge des Facettenreichtums als Abenteueroman bietet er sich aber auch als einfache und humorvolle Schmöker-Lektüre mit Tiefgang auf den zweiten Blick an. Denn Tom D. erscheint durch seine geschäftlichen Unternehmungen als Bindeglied zwischen den Gesellschaften. Er beweist auch, dass sogar ein vermeintlicher Krüppel wie Andy Anderson mit der richtigen Einstellung und dem Willen alles erreichen kann, was er sich als Ziel setzt. So bekehrt sich das Genie schließlich selbst und regt dazu an, es ihm gleich zu tun.