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Buchcover Simon Scarrow: Marcus Gladiator – Aufstand in Rom

Rezension von Laura Ebinger

Der zwölfjährige Marcus hat Jahre der Sklaverei und einer Gladiatorenschule hinter sich. Nun, da er seine Freiheit wiedererlangt hat, will er sich auf die Suche nach seiner verschollenen Mutter machen. Die Erlaubnis dazu wird ihm von seinem ehemaligen Herrn Gaius Julius Caesar verwehrt, welcher eigene Ziele verfolgt: Marcus soll ihn auf einen Feldzug gegen eine Bande von Rebellen, welche ehemalige Anhänger des Sklaven Spartakus sind, begleiten...

BuchtitelMarcus Gladiator – Aufstand in Rom
AutorSimon Scarrow (übersetzt von Ulrike Seeberger)
GenreAbenteuer
Lesealter12+
Umfang299 Seiten und Anhang
Edition1. Auflage 2013
Verlagbloomoon, ein Imprint der arsEdition GmbH, München
ISBNHardcover: 978-3-7607-6884-7; broschiert: 978-3-5513-1328-7
PreisHardcover: 14,99 €; broschiert: 7,99 €

Der zwölfjährige Marcus hat Jahre der Sklaverei und einer Gladiatorenschule hinter sich. Nun, da er seine Freiheit wiedererlangt hat, will er sich auf die Suche nach seiner verschollenen Mutter machen. Die Erlaubnis dazu wird ihm von seinem ehemaligen Herrn Gaius Julius Caesar verwehrt, welcher eigene Ziele verfolgt: Marcus soll ihn auf einen Feldzug gegen eine Bande von Rebellen, welche ehemalige Anhänger des Sklaven Spartakus sind, begleiten. Der Sklavenaufstand bedeutete damals beinahe den Untergang Roms und Caesar setzt alles daran, einen zweiten Aufstand zu verhindern. Was er nicht weiß: Marcus ist Spartakus‘ Sohn. Marcus selbst weiß davon noch nicht lange und hält diese Information vor seinem Herrn geheim. Doch der Anführer der Rebellen, Brixus, kennt Marcus‘ Geheimnis und hofft, dieses Wissen für sich nutzen zu können. Es ist nun an Marcus, einen blutigen Aufstand zu verhindern, ohne seinen Herrn zu hintergehen und damit die Chance auf ein Wiedersehen mit seiner Mutter zu verwirken.

„Warum?“, grummelte Marcus. „Er ist der Mann, der mein Leben ruiniert hat. Jetzt ist er in Eurer Hand. Ihr habt mir Euer Wort gegeben, dass Ihr ihn jagen und zwingen würdet, mir zu verraten, wohin er meine Mutter verschleppt hat.“ „Ich weiß. Und ich stehe zu meinem Versprechen, Marcus. Aber du darfst nicht vergessen, wer du bist.“ Caesar richtete sich auf und starrte ihn mit herrischem Blick an. „Ich bin ein Prokonsul von Rom und du bist mein Bediensteter. Ich lasse nicht zu, dass du noch einmal so mit mir sprichst. Nicht, wenn du meine Hilfe haben willst. Ist das klar?“
Einen Augenblick lang wollte Marcus Caesar eine trotzige Antwort ins Gesicht brüllen. Ihm sagen, dass es ihm gleichgültig war, welche Position Caesar einnahm. Dass es ihm nur um eines ging, nämlich darum, seine Mutter zu retten. Dann bekam er sich jedoch wieder in den Griff und war sogar wütend auf sich selbst, weil er so schwach geworden war. Er war völlig erschöpft, aber das war keine Entschuldigung. Er musste stark sein und seine Gefühle beherrschen. Caesar konnte für ihn über Leben und Tod entscheiden, und er hatte auch die Macht zu entscheiden, ob Marcus‘ Mutter gefunden und befreit würde oder ob sie weiter in Ketten schuften musste. Ohne Caesars Hilfe konnte er seine Mutter nicht retten. Also holte er tief Lust und antwortete: „Ja.“
„Ja?“
„Ja, Herr.“
Caesar starrte ihn noch eine Weile an, ehe er nickte. „Das ist schon besser. Du darfst nicht vergessen, welche Position du in dieser Welt einnimmst, Marcus. Ich werde immer wegen der Dienste, die du mir geleistet hast, in deiner Schuld stehen, aber deswegen bin ich trotzdem nicht bereit, mir von dir alles gefallen zu lassen. Überschreite noch einmal deine Grenzen, und dann hat das Folgen. Verstanden?“
(Marcus Gladiator, Bd.3, S.125 ff.)

Die Buchreihe um Marcus Gladiator spielt im römischen Reich und zeigt soziale Konflikte der Antike auf, besonders die Diskrepanz zwischen Herrschern und Sklaven.

Der zwölfjährige Marcus ist als ehemaliger Freigeborener direkt an solchen Konflikten beteiligt: nur durch die Willkür der römischen Herrschenden konnten er und seine Mutter in die Sklaverei verkauft und getrennt werden.

Die Ausbildung, die er in einer Gladiatorenschule absolvieren musste, macht ihn stärker und misstrauischer als er in seinem Alter sein sollte. Seine physischen Fähigkeiten machen ihn nicht nur zu einem klassischen Helden, sie sind es auch, was Caesar dazu brachte, ihn in seinen Haushalt aufzunehmen. Caesar fungiert in diesem Teil der Reihe als eine Art Mentor, da er als berühmter Feldherr, Prokonsul und generell beeindruckende Gestalt als Vorbild für Marcus dient.

Gleichzeitig wird Marcus von Caesars Grausamkeit und Gefühlskälte abgeschreckt und muss sich immer wieder bewusst machen, dass sein Schicksal in Caesars Händen liegt. Zudem steckt Marcus in einem Dilemma: das Geheimnis, dass er der Sohn des Spartakus ist, könnte jederzeit gelüftet werden, da sein ehemaliger Freund Brixus die Rebellenarmee anführt und sich erhofft, dass Marcus den Platz seines Vaters einnimmt, um die Rebellen zum Sieg zu führen. Sollte Caesar davon erfahren, würde das für Marcus den sicheren Tod bedeuten.

Marcus gerät auch mit anderen Figuren aneinander, allen voran Decimus, ein Geldverleiher, der dafür verantwortlich ist, dass Marcus versklavt wurde. Marcus macht aus seiner Verachtung für Decimus keinen Hehl und zeigt damit auch dunklere, wütende Seiten seines Charakters.

Vielen Figuren in dem Buch wird diese Art von Entfaltung zuteil; keine der Figuren ist nur „gut“ oder nur „böse“, auch Marcus muss viele Grauzonen anerkennen. So hat Brixus, der Anführer der Rebellen, genauso gute Gründe für sein Handeln wie Caesar. Marcus wird eher von der Rücksichtslosigkeit, mit der die beiden ihre Ziele umsetzen, abgeschreckt, kann aber beide Seiten verstehen, wohl auch, weil er sowohl Freiheit als auch Unfreiheit kennengelernt hat. Trotzdem scheint er eher auf der Seite der Sklaven zu stehen, da er sich erstens als Sohn des Spartakus versteht (ohne diesen jemals gekannt zu haben) und zweitens die Willkür der Sklavenhalter nicht hinnehmen kann. 
  
Marcus‘ Freund Lupus ist eine weitere Figur, die im Buch eine entscheidende Rolle spielt. Lupus ist das genaue Gegenteil von Marcus, eher schmächtig und sehr belesen. Bei einem Überfall der Rebellen auf Caesars Truppen wird Lupus erst gefangen genommen, dann aber von den aufrührerischen Ex-Sklaven befreit. Einige Kapitel werden aus Lupus‘ Sicht erzählt, was dazu führt, dass der Leser die Ex-Sklaven als Figuren besser kennenlernt. So wird Brixus, der im Prolog als unbarmherzig und radikal gezeigt wird, zu einer klarer definierten Figur, da er seine Motive erklären kann. Lupus selbst versucht, sich an Marcus‘ Mut und Entschlossenheit zu orientieren und zieht selbst in die Schlacht gegen Caesar, da er Gefallen an seiner Freiheit findet. Als er von Caesar gefangen genommen wird, muss Marcus sich für seine Freilassung einsetzen.

Am Ende des Buches wird Brixus von Caesar gestellt. Er will es vermeiden, erneut versklavt zu werden, und flieht. Marcus folgt ihm und verwischt seine Spuren, was dazu führt, dass Brixus für tot erklärt wird. Drei Monate später wird Marcus aus Caesars Diensten entlassen, um nach Griechenland reisen und seine Mutter suchen zu können. Dabei stehen ihm seine Freunde Lupus und Festus zur Seite. Eine Rückkehr in Caesars Haushalt ist ausgeschlossen, da dieser seine Pflichten Marcus gegenüber als erfüllt ansieht.

So ist Aufstand in Rom eine sehr vielschichtige und sorgsorgfältig gestaltete Geschichte. Und auch mit dem Äußeren hat der Verlag sich einige Mühe gegeben.  Die Leser können auf einer Landkarte im Buchdeckel Marcus‘ Reise mitverfolgen. Das Buchcover zeichnet sich durch eine dynamische Gestaltung aus: ein junger Mann steht vor einem überlebensgroßen Helm mit dunklem, rot eingefärbtem Hintergrund, dazu der Titel des Buches in großen goldenen Buchstaben. Das ansprechende Coverdesign, eine mittlere Schriftgröße und der mit knapp 300 Seiten 300 Seiten zu bewältigende Umfang machen dieses Buch auch eher ungeübten Lesern zugänglich. Allerdings setzen der Wortschatz des Autors und der Umstand, dass viele Informationen erst im weiteren Verlauf des Buches preisgegeben werden, voraus, dass der Leser mit Büchern dieser Art vertraut ist.

Fazit: Ein spannender historischer Roman, der durch geschicktes Einsetzen von Spannungselementen und komplexen Charakteren auch älteren Lesern gefallen
dürfte und Lust auf die anderen Bände der Reihe macht.

„Marcus Gladiator“ wird ab 10 Jahren empfohlen, allerdings scheint dieses Buch aufgrund seiner anspruchsvollen Thematik und des teilweise schwierigen Wortschatzes eher an ältere Leser (ab 12) gerichtet zu sein und kann auch noch in höheren Altersklassen (ab 14) in Vielleseprogrammen Erfolg haben. Aufgrund der historischen Thematik könnte das Buch in Schulen  in fächerübergreifende Unterrichtsprojekte eingebaut werden. Zudem kann ein solches Buch Interesse an Fächern wie Latein oder Geschichte fördern.