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Buchcover Chris Bradford: Samurai – Der Ring des Wassers

Rezension von Isabel Deibel

Der fünfzehnjährige Jack Fletcher muss Japan unerkannt verlassen, da er Ausländer ist. Als ehemaliger Schüler einer Samuraischule und zudem von Ninjas in der Lehre der fünf Ringe unterrichtet, besitzt Jack Kampf- und Überlebensfähigkeiten, die ihm auf seinem Weg zur Hafenstadt Nagasaki, von wo er nach England zurückkehren will, helfen, Schwierigkeiten zu überwinden. Trotzdem haben Unbekannte es geschafft, ihn zu überfallen und auszurauben.

BuchtitelSamurai – Der Ring des Wassers
AutorChris Bradford (übersetzt von Wolfram Ströle)
GenreAbenteuer
Lesealter14+
Umfang389 Seiten und Anhang
VerlagRavensburger Buchverlag
ISBN978-3-473-40076-8
Preis16,99 € (D); 17,50 € (A)

Der fünfzehnjährige Jack Fletcher muss Japan unerkannt verlassen, da er Ausländer ist. Als ehemaliger Schüler einer Samuraischule und zudem von Ninjas in der Lehre der fünf Ringe unterrichtet, besitzt Jack Kampf- und Überlebensfähigkeiten, die ihm auf seinem Weg zur Hafenstadt Nagasaki, von wo er nach England zurückkehren will, helfen, Schwierigkeiten zu überwinden. Trotzdem haben Unbekannte es geschafft, ihn zu überfallen und auszurauben. Nicht nur seine Samuraischwerter und die Perle seiner besten Freundin Akiko wurden ihm abgenommen, sondern auch sein Inro (eine Siegel- bzw. Medizinschachtel) und der wertvolle Portolan seines Vaters, ein Buch mit Seekarten, das Jack braucht, um mit dem Schiff nach England zurückkehren zu können, sind unauffindbar. Zusammen mit dem Samurai Ronin und der Diebin Hana, zwei Fremden, mit denen er jedoch zunehmend vertrauter wird, versucht Jack, seine Habseligkeiten wiederzufinden. Doch die neuen Besitzer geben seine Gegenstände nicht ohne Schwierigkeiten zurück. Zusätzliche Probleme bereiten ihm Polizeitruppen, die auf der Suche nach Ausländern sind, und zwei weitere Figuren: Kazuki, sein alter Rivale aus der Samuraischule, sowie ein merkwürdiger Rätselmönch

„Was für ein herrlicher Tag für ein Duell!“, rief Araki und betrachtete die auf dem Wasser schimmernde Sonne. „An diesen Kampf wird man sich noch lange erinnern.“
Jack wandte sich an Ronin. „Wenn ich verliere, sterbe ich“, flüsterte er. „Und wenn ich gewinne, sterbe ich auch. Keine besonders verlockende Alternative.“
„Man gewinnt einen Krieg, indem man eine Schlacht nach der anderen gewinnt“, erwiderte Ronin, ohne die Hand vom Griff seines Holzschwertes zu nehmen. „Konzentriere dich zuerst auf diesen Kampf.“
Die Schüler der Yagyu Ry? bildeten einen großen Halbkreis, der den Duellplatz zur einen Seite hin begrenzte. Die andere Grenze bildete der Wasserfall.
„Wenn du bereit bist?“, sagte Araki und verbeugte sich förmlich vor Jack.
Jack verdrängte seine unguten Gefühle und erwiderte die Verbeugung. Mit einer langsamen, kontrollierten Bewegung zog Araki sein Langschwert. Die Klinge Shizus blitzte in der Sonne auf wie Quecksilber.
Als Jack seine eigenen Schwerter sah, gegen die er gleich kämpfen musste, geriet seine Entschlossenheit noch einmal für einen kurzen Moment ins Wanken. Erst jetzt spürte er die ungeheure, furchterregende Kraft, die von ihnen ausging. Der Sieg schien dem Stahl förmlich eingraviert zu sein, ein einziger Hieb konnte seine Niederlage besiegeln. (Samurai – Der Ring des Wassers, Seite 217f.)

Dem Vorbild typischer Heldengeschichten folgend, steht auch Chris Bradfords "Samurai - Der Ring des Wassers" ganz im Zeichen von Kämpfen zwischen Gut und Böse. Der Hauptcharakter Jack verkörpert typische heldenhaften Tugenden wie Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Mut und innere Stärke. Zudem liegt ein besonderer Fokus auf seinen geistigen Fähigkeiten wie Intelligenz und Willenskraft, die er für die Lösung der Aufgaben, die ihm gestellt werden, benötigt. Im Laufe der Geschichte wächst Jack innerlich mit jedem Gegenstand, den er zurückgewinnt, und kann sowohl seine kämpferischen als auch sein geistigen Fähigkeiten perfektionieren. 

Im Gegensatz zu Fantasy-Romanen wird in „Samurai – Der Ring des Wassers“ zwar keine fantastische Welt dargestellt, der Leser findet sich aber zurückversetzt in das von Samurai und Ninjas durchstreifte und sehr mystisch dargestellte Japan des 17. Jahrhunderts. Es wird vom Hauptcharakter nicht erwartet, eine große Aufgabe zu erfüllen, sondern die für ihn wertvollen, persönlichen Gegenstände zurückzuerlangen, wodurch die Wichtigkeit sentimentaler Dinge auch für den Leser deutlich wird. Er eignet sich damit gut als Identifikationsfigur für jugendliche Leser.

Einige Figuren, wie der Samurai Ronin und der Rätselmönch können nicht eindeutig als gut oder böse eingestuft werden und erzeugen dadurch an den richtigen Stellen Spannung. Die für die Heldengeschichte klassischen Archetypen finden sich auch in diesem Roman, sind allerdings etwas modifiziert worden: Ronin ist sowohl Jacks Mentor als auch sein Wegbegleiter. Schwellenhüter treten an mehreren Stellen im Buch auf, da Jack für jeden Gegenstand, den er zurückerhalten möchte, auf die Probe gestellt wird und zusätzlich noch von Polizeitruppen verfolgt wird.

Die Reise des Helden folgt ebenfalls nicht dem typischen Muster: Jack befindet sich bereits in einer ihm fremden Umgebung, nämlich dem fernen Japan, und verlässt nicht seine vertraute Welt, um das Abenteuer zu suchen. Vielmehr wird ihm durch den Raub seiner Habseligkeiten keine andere Möglichkeit gelassen, als diese zurückzuerobern. Bei jedem Gegenstand steht er überdies vor der Frage, ob es notwendig ist, diesen zurückzuholen oder ob er dadurch zu viel riskiert und er vielleicht lieber seinem Gesamtziel, der Rückreise nach England, näher kommen sollte. Da es sich nicht um den letzten Band der Buchreihe handelt, endet die Handlung nicht mit der Rückkehr in seine Heimat, sondern der Ausgang wird absichtlich offen gelassen; er befindet sich immer noch auf dem Weg in die Heimat. 

Durch die Vielzahl an verlorenen Gegenständen muss der Held eine Reihe verschiedener Abenteuer auf seiner Suche bestehen, die kaum vorhersehbar sind und somit bis zur letzten Seite die Spannung auf hohem Niveau halten. Das Auftauchen des Rätselmönches an verschiedenen Stellen erzeugt eine unerwartete Komponente und sorgt für zusätzlich zu lösende Rätsel im Hintergrund der Haupthandlung. Eine sehr gelungene Idee ist, dass der Autor für den Leser im Anhang des Buches noch weitere Rätsel aufführt. Zudem finden sich im Anhang eine Anleitung zu einem in der Geschichte gespielten Brettspiel und ein Glossar zu den verwendeten japanischen Ausdrücken.

Auf den Innenseiten des Buchcovers sind Landkarten Japans im 17. Jahrhundert aufgezeichnet. Die Kapitel sind kurz und überschaubar und somit auch sehr gut für schwächere Leser, die oft eine Pause brauchen, geeignet. Die erste Seite jedes Kapitels ist mit einem japanischen Schriftzeichen verziert. Da der Autor oft japanische Begriffe benutzt, wirkt die Geschichte authentisch; der Leser wird durch das Glossar im Anhang trotzdem niemals ohne Erklärung sich selbst überlassen. Ein schönes Detail ist, dass die Figuren in der Geschichte teilweise berühmte Zitate in ihren Reden benutzen.

Fazit: Chris Bradfords "Samurai - Der Ring des Wassers" ist ein spannendes Abenteuer, das nie langweilig wird. Zudem werden wichtige moralische Werte wie Ehrlichkeit, Mut, Vertrauen und auch Freundschaft thematisiert und bereichern die Leseerfahrung positiv.

Als Unterrichtsprojekt in der Schule könnten neben den üblichen Erarbeitungsweisen wie Inhaltsangaben und Figurenkonstellationen begleitend zum Buch weitere Rätsel von den Jugendlichen erstellt werden, die Szenen graphisch dargestellt oder das im Buch vorgestellte Brettspiel „Go“ nachgespielt werden (Spielregeln und Infos über das Spiel befinden sich im Anhang des Buches).