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Buchcover Andrew Motion: Silver. Rückkehr zur Schatzinsel.

Rezension von Thorsten Hadeler

Im Jahr 1802 führt Jim Hawkins zusammen mit seinem Sohn ein Wirtshaus unweit von London. Jim junior muss im Schankraum der Kneipe der immergleichen Geschichte lauschen: von Abenteuern auf hoher See, von Mord, Rache, vergrabenen Schätzen und von einem Mann mit einem Holzbein. Eines Tages taucht ein Mädchen bei Jim auf, Natty, mit einer Botschaft ihres Vaters -Long John Silver. Der altersaltersschwache aber willensstarke Pirat hat einen Plan: Jim und Natty sollen gemeinsam zur Schatzinsel aufbrechen und den Silberschatz bergen, der vor vielen Jahren dort zurückgelassen werden musste...

BuchtitelSilver. Rückkehr zur Schatzinsel
AutorAndrew Motion (übersetzt von Klaus Modick)
GenreAbenteuer
Umfang477 Seiten
Edition1. Auflage 2014
VerlagMareverlag
ISBN978 3 866481886
Preis22 Euro

Im Jahr 1802 führt Jim Hawkins zusammen mit seinem Sohn ein Wirtshaus unweit von London. Jim junior muss im Schankraum der Kneipe der immergleichen Geschichte lauschen: von Abenteuern auf hoher See, von Mord, Rache, vergrabenen Schätzen und von einem Mann mit einem Holzbein.
Eines Tages taucht ein Mädchen bei Jim auf, Natty, mit einer Botschaft ihres Vaters -Long John Silver. Der altersaltersschwache aber willensstarke Pirat hat einen Plan: Jim und Natty sollen gemeinsam zur Schatzinsel aufbrechen und den Silberschatz bergen, der vor vielen Jahren dort zurückgelassen werden musste.
Wenig später stechen Jim und Natty in See, genau wie einst ihre Väter. Während der Reise wachsen nicht nur ihre Gefühle füreinander, sondern auch die Ahnung, dass das eigentliche Abenteuer noch vor ihnen liegt.
Und sie haben recht: Als sie ihr Ziel erreichen, weicht die Aufregung um den versteckten Schatz ungeahntem Schrecken. Denn die Schatzinsel ist nicht mehr so menschenleer, wie sie einmal war. Ein Sklavenschiff ist viele Jahre zuvor vor der Insel gestrandet, und die Besatzung hat über ihre menschliche Ladung mit Waffengewalt auf der Insel eine Schreckensherrschaft errichtet und beutet sie unmenschlich aus.
Jim, Natty und ihre Mannschaft nehmen sich vor, den Silberschatz zu bergen, die Sklaven zu befreien und ihnen dann zurück in England die Freiheit zu schenken. Doch dann unternimmt Natty eines Nachts einen gefährlichen Alleingang und bringt damit alle in Gefahr.

Es war eine tapfere, aber auch verzweifelte und rührende Verteidigung, weil er außer Mut über keine Waffe verfügte - keine, bis ich ihm den Säbel des Kapitäns gab, der noch warm von meinem Griff war, und meine eigene, kürzere Waffe zog. Unsere beiden Klingen klirrten gegeneinander, was die Bruderschaft zwischen uns beiden zu besiegeln schien.
»Danke, Master ]im«, sagte er mit grimmigem Gesicht, und fügte dann mit einem An?ug von Poesie, von der Sprache nie weit entfernt war, hinzu: »Jetzt sind wir alle der Kapitän.«
»Das sind wir«, sagte ich.
»Wir sorgen dafür, dass er stolz auf uns sein kann.«
»Das tun wir«, wiederholte ich, obwohl ich, wenn ich landeinwärts blickte, alles andere als Zuversicht empfand. Smirke hatte sich inzwischen hinreichend am toten Kapitän ergötzt und führte seine Männer langsam von der Palisade abwärts. Sie fächerten sich zu einem Halbkreis auf, damit ihnen niemand entwischen konnte. Sie sagten nichts, ?uchten nicht einmal über uns, sondern schwiegen sehr bedrohlich und schwangen locker ihre Säbel hin und her, als würden sie Gras mähen.
Das Schrecklichste an ihrem Herannahen, schrecklicher noch als das Massaker selbst, das sich damit anzukündigen schien, war die daraus sprechende perverse Lust. Jedes Zischen des Stahls kündete vom Vergnügen der Piraten, uns auszulöschen, und davon, dass sie dieses Vergnügen lediglich als Vorspiel anderer, bereits auf sie wartender Freuden ansahen - nämlich die Nightingale zu kommandieren, die Insel zu verlassen und ein Leben nach Lust und Laune zu führen.
An diesem Punkt, als mir das Eintreten der Katastrophe unausweichlich schien, löste sich meine Angst plötzlich auf, und mein Kopf wurde klar. Nicht, dass ich mich mit dem Tod abgefunden hatte - vielmehr hatte ich eine Möglichkeit gefunden, meine Würde zu bewahren, indem ich beschloss, meinem Leben auf eine Weise ein Ende zu bereiten, das mich von meinen Mördern unterschied. So gut ich konnte, würde ich als der kämpfen, der ich war. Ich würde nicht wanken noch weichen, weil ich weit von zu Hause entfernt war und weil ich Natty verloren und den Kapitän sterben gesehen hatte. Ich würde dem Tod nicht erlauben, Gewalt über mich zu gewinnen, um mich für die Fehler in meinem Leben büßen zu lassen - insbesondere, weil ich die Karte gestohlen und meinen Vater betrogen hatte. Ich würde daran glauben, dass mir meine Sünden vergeben würden. Ich würde das zweite Leben annehmen, das mir geschenkt wurde, als ich aus dem Meer gerettet worden war.

Fortsetzungen sind in der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur zu so etwas wie einem Marketinginstrument geworden. Neue Bücher, die ein Verlag initiiert, weil er einen Markt dafür auszumachen meint, werden manchmal nicht mehr nur als Einzeltitel angeboten, um zunächst herauszufinden, ob sich das Lesepublikum auch wirklich dafür interessiert. Vielmehr werden beim Autor von Anfang an mehrere Bände in Auftrag gegeben, um so (hoffentlich) mehr Umsatz erzielen und mehr Geld für das Marketing einplanen zu können.

Bei "Silver" handelt es sich dagegen um eine Fortsetzung im besten Sinne. Das Buch geht von der Frage aus: Was geschah eigentlich mit Jim Hawkins und Long John Silver, nachdem sie von der Schatzinsel zurückgekehrt waren, und was wurde aus dem Teil des Schatzes, der auf der Insel zurückblieb?

Nun bezieht die Prequel "Die Schatzinsel" einen wesentlichen Teil ihres Reizes aus dem Aufeinandertreffen der jugendlichen Unschuld in Person Jims und der Verdorbenheit der Welt in Person Silvers. Hätte Andrew Motion seine Geschichte direkt an die Schatzinsel angeschlossen, so wäre es aber zum Beispiel mit der Jugend Jims recht bald vorbei gewesen, und mit seiner Unschuld nach den Erlebnissen auf der Insel schon gar. So greift Motion zu einem geschickten Kunstgriff und macht zu den Protagonisten seiner Geschichte nicht sie selber, sondern die Kinder der beiden in Gestalt der Jugendlichen Jim Junior und Silvers Tochter Natty.

Hierdurch könnte der Autor eigentlich auch die nötige Freiheit gewinnen, eine eigenständige Geschichte zu entwickeln, nur leider nutzt er diese  Freiheit nur unvollständig. Die Geschichte, die Andrew Motion uns erzählt, gleicht in großen Teilen der Handlung und in vielen Motiven dann doch wieder Stevensons Vorlage, uch wenn Sklaverei,  eines der wichtigen Themen Motions, in der Schatzinsel noch keine Rolle spielt. Darunter leidet in "Silver" leider manchmal die Spannung. Zwar ist man beim Lesen immer noch ständig vor die Frage gestellt: Was geschieht als Nächstes? Hat man es dann allerdings erfahren, ist man manchmal auch enttäuscht und denkt sich, dass man das eigentlich hätte ahnen können.

Was das Buch dagegen im Vergleich mit der Vorlage sehr lesenswert macht, ist die gekonnte und detaillierte Ausarbeitung der Charaktere. Wir treffen hier auf echte Persönlichkeiten, jung und unfertig, aber schon recht differenziert. Zudem nutzt Motion die Unterschiedlichkeit seiner Figuren geschickt zur Kontrastierung und zum Entwickeln von Konflikten. Aus diesen Differenzierungen und Kontrastierungen heraus werden die Charaktere lebendig und greifbar, die Motivation für ihr Handeln wird nachvollziehbar.

Die detaillierte Darstellung des Innenlebens der Charaktere wäre natürlich für jüngere Leser, die sich eher für Handlung als für Figurenzeichnungen begeistern können, kaum geeignet. Und auch in der Wahl seiner Sprache mit häufig langen Sätzen und so manchem kaum mehr gebräuchlichen Wort zielt Andrew Motion eher auf ältere Jugendliche. Das Buch war in Großbritannien und den USA sicher unter anderem deshalb ein großer Publikumserfolg, weil sich auch so mancher Erwachsene von dieser Geschichte angesprochen fühlen wird. Und schaut man den stolzen Preis von 22 Euro an, scheinen die Erwachsenen eine wichtige Zielgruppe für den Verlag zu sein.

Für Vielleseprogramme geeignet.