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Buchcover Rainer Buttron / Jo Jung / Ulrich Zehfuß: Aiji, der kleine Samurai, auf der Suche nach dem Schlafplatz der Sonne

Rezension von Sarah-Katharina Müller

Der zehnjährige Aiji lebt im Japan des 13. Jahrhunderts und wird von seinem Vater, dem berühmten Samurai Masanobu, ausgebildet, um eines Tages selbst Samurai zu werden. Doch plötzlich erkrankt sein Vater schwer und nur der Leibarzt des Kindkaisers Go-Uda könnte ihn noch retten. Go-Uda lässt den Arzt tatsächlich zu Masanobu schicken, doch im Gegenzug soll Aiji eine unglaubliche Aufgabe erfüllen: Er soll den Schlafplatz der Sonne finden und diese bitten, in Zukunft immer auf den Garten des Kaisers zu scheinen...

BuchtitelAiji, der kleine Samurai, auf der Suche nach dem Schlafplatz der Sonne
AutorRainer Buttron, Jo Jung, Ulrich Zehfuß
GenreAbenteuer
Lesealter10+
Umfang155 Seiten
Edition1. Auflage
VerlagPatmos
ISBN978-3-8436-0160-3
Preis12,99 €, gebunden

Der zehnjährige Aiji lebt im Japan des 13. Jahrhunderts und wird von seinem Vater, dem berühmten Samurai Masanobu, ausgebildet, um eines Tages selbst Samurai zu werden. Doch plötzlich erkrankt sein Vater schwer und nur der Leibarzt des Kindkaisers Go-Uda könnte ihn noch retten. Go-Uda lässt den Arzt tatsächlich zu Masanobu schicken, doch im Gegenzug soll Aiji eine unglaubliche Aufgabe erfüllen: Er soll den Schlafplatz der Sonne finden und diese bitten, in Zukunft immer auf den Garten des Kaisers zu scheinen. Aiji muss durch ganz Asien reisen und viele gefährliche Abenteuer bestehen. Doch zum Glück findet er stets neue Freunde und erhält auch in verzweifelten Situationen Unterstützung. Aiji lernt auf seiner Reise nicht nur Menschen der verschiedensten Nationalitäten kennen, sondern erfährt auch etwas über die großen Weltreligionen. Und er erfährt, dass ein zukünftiger Krieger weit mehr können muss, als nur tapfer zu kämpfen: Verstand und überlegtes Handeln sind ebenfalls sehr wichtig und den Waffen oft vorzuziehen.

Welch ein Anblick bot sich ihnen, als sie gleich darauf von oben in die Bucht hinuntersahen! Die Schmugglerdschunke war eingekreist von etlichen kleinen wendigen Booten, die mit bis an die Zähne bewaffneten Kriegern besetzt waren. Auf der Dschunke standen die Schmuggler und waren schon in Fesseln gelegt worden. Al'Schrait schaute finster vor sich hin.
Gerade wurden die Banditen in zwei Ruderkähne bugsiert und zum Strand verfrachtet, wo zwanzig weitere Soldaten auf sie warteten. Dai-Lai und Aiji waren von ihren Pferden abgestiegen, und der kleine Krieger erklärte ihm gerade, wer in dieser Truppe welche Rolle spielte, als Hei-Mis Schimmel vor einer giftigen Schlange, einer Sandviper, so erschrak, dass er sich aufbäumte und im nächsten Augenblick mit seiner Reiterin auf dem Rücken die Düne hinunter raste. Einer der Soldaten warf sich dem Pferd sofort heftig in die Zügel. Zu heftig! Hei-Mi flog in hohem Bogen herunter und landete auf ihrem Hosenboden - direkt zu al'Schraits Füßen im Sand. Der ergriff die Gelegenheit: Mit einem Schritt trat er aus der Reihe, packte Hei-Mi mit seinen Fesseln um den Hals und brüllte: „Das Leben dieser kleinen Hochwohlgeborenen gegen meine Freiheit!"
Dai-Lai konnte gar nicht so schnell schauen wie Aiji das Schwert des Kaufmanns aus dessen Sattelfutteral gezogen hatte und losstürzte, die Waffe wie eine Lanze vor sich haltend. Er brüllte derart laut, dass Jussuf al'Schrait verdutzt seinen Griff um Hei-Mis Hals lockerte. Ein Fehler! Denn das Mädchen schnellte herum wie ein Wirbelwind, trat dem Banditen heftig ans Bein und in den Hintern und schlug mit den Fäusten mitten auf seine große, krumme Nase. Zum Schluss gab sie ihm noch eine schallende Ohrfeige. Der große Jussuf al'Schrait ging in die Knie und schrie um Hilfe.
In diesem Augenblick stand Aiji vor ihm, die Schwertspitze am Hals des Schmugglers und bereit, ihn sofort ins Jenseits zu befördern. Da legte sich sanft die Hand Dai-Lais auf seine Schulter: „Tapferer Aiji! Ich verstehe deine Gefühle! Aber zügle dich! Diese da haben Leben auf dem Gewissen! Sie haben ihre Seelen dem Bösen verkauft! Du bist anders!" Der Junge ließ die Waffe sinken, nickte und verbeugte sich. Sein Vater kam ihm in den Sinn. Masanobu hätte sich sicher gut mit Dai-Lai verstanden. Und eines Tages, so schwor er sich, sollten die beiden weisen Männer sich kennenlernen!
(Aiji, S.85/86)

Die Geschichte von Aiji schildert eine Heldenreise und führt den Leser ins Japan des 13. Jahrhunderts. Dort lebt Aiji mit seinem Vater, dem ehemaligen Samurai Masanobu. Das Buch beginnt spannend mit einem Traum Aijis, durch den der Leser erfährt, dass Aijis Mutter von Mongolen entführt wurde; Masanobu wurde beim Versuch, dies zu verhindern, von einem Pfeil verwundet und kann daher nicht mehr als Samurai dienen. Stattdessen widmet er sich der Ausbildung Aijis und dessen besten Freundes, Shunsho. Die beiden Jungen lernen bei Masanobu alles über den richtigen Weg eines Samurais, wobei die praktischen Aspekte des täglichen Lebens (z.B. Rechnen, Fremdsprachen, Kochen) und die Philosophie, die hinter dem Samuraitum steht, nicht vernachlässigt werden. Masanobu ist also nicht nur Aijis engste Bezugsperson, sondern in gewisser Hinsicht auch sein Mentor; es ist daher verständlich, dass Aiji alles unternehmen wird, um ihn zu retten, als Masanobus alte Wunde ihn zu vergiften droht.

Darin zeigt sich bereits eines der Hauptthemen des Buches: Die große Liebe zu seinem Vater ist der Grund dafür, dass Aiji sich auf eine so gefährliche Reise macht. Doch Aijis bester Freund Shunsho hält ebenfalls sehr viel von echter Freundschaft und reist ihm hinterher, um ihm zu helfen. Im Verlauf der Handlung trifft Aiji noch mehr Menschen, mit denen er sich anfreundet. Interessant ist dabei, dass Aiji, der nicht vergessen kann, dass seine Mutter von Mongolen aus dem chinesischen Reich entführt wurde, ausgerechnet in China viele nette Menschen trifft. Der weise Kaufmann Dai-Lai löst Aijis Vater als Mentor des Jungen ab und zwischen Dai-Lais Tochter Hei-Mi und Aiji entsteht nicht nur Freundschaft, sondern sogar so etwas wie eine zarte erste Liebe. So lernt der Leser mit Aiji, dass man nicht alle Menschen einer Nationalität über einen Kamm scheren kann und dass es sich lohnt, aufgeschlossen und tolerant zu sein. Diese Botschaft wird durch die Freundschaft Aijis mit einem afrikanischen Prinzen und dem jugendlichen Marco Polo noch verstärkt, da so Vertreter aller Kontinente der Alten Welt symbolisch zusammenarbeiten. Zuletzt trifft Aiji, der bisher nur den Buddhismus aus Japan kannte, auf Muslime, Christen und Juden und leistet sogar einen Beitrag zu deren Versöhnung. Selbst so mancher zweifelhafte Weggefährte, wie der „Narbige", ein Soldat des japanischen Kaisers, erweist sich schließlich als anständiger Zeitgenosse.

Das „Böse" tritt Aiji nicht in Form des für Heldengeschichten oft typischen „Schattens" entgegen, auch hat Aiji keinen Gegenspieler, den er bezwingen muss. Dies ist jedoch auch gar nicht nötig, denn die schiere Unmöglichkeit von Aijis Aufgabe stellt bereits eine hinreichend große Herausforderung dar, die letztendlich auch nur durch eine List gemeistert werden kann. Widersacher sind meist klar durch Antipathien, die gezielt beim Leser geweckt werden, zu erkennen; bei ihnen handelt es sich meist um „Berufsschurken" wie feindliche Soldaten, Schmuggler oder Räuber. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie, im Gegensatz zu Aiji, keine Ambitionen haben, den „richtigen Weg" zu wählen und moralisch richtig zu handeln. Sie agieren aus Gier, moralischer Verderbtheit oder weil sie generell „ihre Seele dem Bösen verkauft" haben (S.86). Die Opposition Gut vs. Böse erfolgt also nicht über gute oder böse Mächte, sondern entsteht auf einer moralischen Ebene. Außerdem fällt auf, dass Aiji nicht von einer abstrakten Idee (wie beispielsweise Abenteuerlust oder dem Kampf Gut gegen Böse) ins Abenteuer getrieben wird, sondern von der ganz realen und sehr gut nachvollziehbaren Sorge um seinen Vater, den er keinesfalls verlieren möchte.

Aiji bleibt als Held stets sympathisch, so dass sich der Leser sehr gut mit ihm identifizieren kann. Er löst die Herausforderungen, die sich ihm stellen, mit Köpfchen, einem Quäntchen Glück und fremder Unterstützung; hierbei erweist es sich als sehr nützlich, dass er von seinem Vater eine derart gründliche Ausbildung in den verschiedensten Dingen erhalten hatte. Der Wert von Bildung wird in der Erzählung daher deutlich herausgestellt.

Die Erzählung weist also typische Merkmale einer Heldengeschichte auf, weicht jedoch auch oft von diesem Schema ab - insgesamt eine spannende, überzeugende Geschichte!

Das Buch hat 155 Seiten und eine eher kleine Schriftgröße. Die Kapitel sind sehr  kurz (nur zwei bis drei Seiten lang) und schildern meist eine in sich abgeschlossene Episode, was das Buch für ungeübte Leser sehr geeignet macht. Fast jedes Kapitel beginnt mit einer schwarz-weißen Illustration, die die Neugier auf den Inhalt des Kapitels weckt. Das Buch bietet viele beiläufige Informationen über asiatische Kulturen und Japan im Besonderen; diese sind jedoch stets geschickt und natürlich in die Erzählung und den Handlungsverlauf eingebunden und beeinträchtigen weder den Lesefluss noch die Spannung. Die Sätze sind relativ kurz; die Sprache abwechslungsreich, anschaulich und gut verständlich. Die Autoren verzichten auf langatmige Beschreibungen, die die einzelnen Episoden in die Länge ziehen würden, stattdessen wird das Geschehen knapp und klar dargestellt und der Leser kann seiner Fantasie freien Lauf lassen. Allerdings werden gelegentlich Wörter verwendet, die Basiswissen über asiatische Kulturen (besonders Japan) voraussetzen. Einige dieser Wörter werden sofort erklärt, dennoch eignet sich das Buch aus diesem Grunde nicht für sehr junge Leser (unter 8 Jahren). Für ältere Leser bietet es dafür den Anreiz, sich mehr mit Asien auseinanderzusetzen, und weckt das Interesse an Geschichte, zumal Aiji auf seinem Weg historischen Persönlichkeiten wie Marco Polo begegnet.